Die Stunde des Außen­sei­ters: Ein Komiker hat beste Chancen, der nächste Prä­si­dent der Ukraine zu werden

© REUTERS/​Mykola Tys

Der erfolg­rei­che Medi­en­un­ter­neh­mer und Komiker Wolod­myr Selen­skyj führt seit Januar über­ra­schend alle Umfra­gen im ukrai­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf an. Doch wofür steht der Mann und wie stehen seine Chancen, die Wahlen für sich zu ent­schei­den? Eine Analyse von Mattia Nelles

Es gibt wenige Ukrai­ner, die einen so hohen Bekannt­heits­grad genie­ßen, wie Wolo­dy­myr Selen­skyj. Der 41-Jährige gilt als erfolg­reichs­ter Self­made-Medi­en­un­ter­neh­mer, der sein Geld mit zum Teil kli­schee­ge­la­de­ner poli­ti­scher Satire, Stand-up-Comedy sowie erfolg­rei­chen Spiel­fil­men ver­diente. Der Pro­fes­so­ren­sohn Selen­skyj stammt aus einer jüdi­schen Familie und kommt aus der süd­ukrai­ni­schen Indus­trie­stadt Krywyj Rih im Oblast Dnipro­pe­trowsk.

Portrait von Mattia Nelles

Mattia Nelles ist Ukraine Experte beim Zentrum Libe­rale Moderne und als Redak­teur ver­ant­wort­lich für Ukraine ver­ste­hen.

2015 machte Selen­skyj mit einer aus­ge­spro­chen unter­halt­sa­men Serie „Diener des Volkes“ (Слуга народу) auch jen­seits der Ukraine auf sich auf­merk­sam, in der er einen ehr­li­chen Geschichts­leh­rer spielt, der über­ra­schend und ohne Wahl­kampf zu führen zum ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten gewählt wird. Die bei Netflix abruf­bare Serie zeigt den Lehrer Vasyl Petro­vych Holo­bo­rodko als neuen, ehr­li­chen, aber zum Teil naiven Prä­si­den­ten, der sich in einen fast aus­sichts­lo­sen Kampf gegen die gesamte poli­ti­sche und olig­ar­chi­sche Elite begibt.

Der als intel­li­gent und rhe­to­risch begabte gel­tende Selen­skyj pro­du­zierte seine Shows und Filme bisher zum Groß­teil auf Rus­sisch, was ihm trotz klaren Bekennt­ni­ses zur Ukraine nach dem Maidan viel Kritik von ukrai­ni­schen Natio­na­lis­ten ein­brachte. Ende Dezem­ber erschien dann – wenige Tage vor der Bekannt­gabe seiner Kan­di­da­tur – sein erster Spiel­film auf Ukrai­nisch. Die roman­ti­sche Komödie „Ich, Du, Er, Sie“ (Я, ти, він, вона) brach nach Angaben der Pro­duk­ti­ons­firma mit Erlösen in Höhe von 61,9 Mil­lio­nen UAH in den ersten drei Wochen alle Rekorde und wurde so zum größten Kas­sen­schla­ger in der Geschichte der unab­hän­gi­gen Ukraine.

Grenze zwi­schen Fiktion und Rea­li­tät ver­schwimmt

In einem seiner wenigen Inter­views sagte Selen­skyj der BBC, dass die Men­schen sich einen Prä­si­den­ten mit den mora­li­schen Werten eines Holo­bo­rod­kos wünsch­ten. Gleich­zei­tig betont er, dass er die glei­chen mora­li­schen Werte wie der fik­tio­nale Cha­rak­ter Holo­bo­rodko hoch­halte.

Seit Herbst – also Monate bevor Selen­skyj seine Kan­di­da­tur ankün­digte – waren Plakate in der Ukraine auf­ge­taucht, die den „Prä­si­den­ten des Volkes“ bewar­ben. Damals tat man es noch als Werbung für die dritte Staffel von „Diener des Volkes“ ab. Die Serie wird, wie der Zufall es will, Ende März pünkt­lich zum ersten Wahl­gang im Fern­se­hen aus­ge­strahlt.

Die Grenze zwi­schen Fiktion und Rea­li­tät ver­läuft also flie­ßend. Seine beliebte Commedy-Truppe „Quartal95“ tourt während des Wahl­kamp­fes weiter fleißig durchs Land. Nach den bezahl­ten Shows soll es auch kos­ten­freie Auf­tritte geben, kün­digte Selen­skyj gegen­über der Ukrain­ska Pravda an.

Das Selen­skyj-Phä­no­men

Selen­skyjs Erfolg ist zum Teil auf seine per­sön­li­che Bekannt­heit und Beliebt­heit zurück­zu­füh­ren. Beob­ach­ter ver­glei­chen den Auf­stieg Selen­skyjs auch mit dem von Donald Trump, dem des slo­we­ni­schen Pre­mier­mi­nis­ters Marjan Šarec oder dem von Pepe Grillos. Bei all diesen Poli­ti­kern zeigt sich eine Ver­ach­tung des poli­ti­schen Estab­lish­ments. Fünf Jahre nach der „Revo­lu­tion der Würde“, wie die Maidan-Bewe­gung in der Ukraine genannt wird, ist das tra­di­tio­nelle Miss­trauen der ukrai­ni­schen Wähler gegen­über der poli­ti­sche Klasse in offene Ver­ach­tung umge­schla­gen.

Selen­skyjs Beliebt­heit hat also auch mit dem geschei­ter­ten Anspruch der „Revo­lu­tion der Würde“ zu tun, die poli­ti­sche Land­schaft grund­le­gend zu erneu­ern. Fünf Jahre nach den Pro­tes­ten domi­nie­ren die­sel­ben Gesich­ter die ukrai­ni­sche Politik, die sinn­bild­lich für die alten Seil­schaf­ten stehen. Anfang Februar 2019 gaben 40 Prozent der Wähler in einer Umfrage des Kiev Inter­na­tio­nal Insti­tute for Socio­logy (KIIS) an, unter keinen Umstän­den für den Amts­in­ha­ber Petro Poro­schenko stimmen zu wollen. Seine Her­aus­for­de­rin Julia Tymo­schenko verfügt über ein soge­nann­tes Anti­ra­ting von rund 25 Prozent. Gestärkt wird Selen­skyj auch durch die abge­sagte Kan­di­da­tur des überaus belieb­ten Rock­stars Swja­to­slaw Wakart­schuk, dem Hoff­nungs­trä­ger der libe­ra­len Oppo­si­tion. Dieser hatte Ende Januar nach langem Zögern bekannt­ge­ge­ben, nicht antre­ten zu wollen.

Selen­skyjs Stärke in Umfra­gen

Die große Ver­ach­tung der poli­ti­schen Klasse kann das Umfra­ge­hoch Selen­skyjs aber nur zum Teil erklä­ren. Umfra­gen zeigen, dass er beson­ders unter jungen und gebil­de­ten Wählern gut abschnei­det. Inter­es­sant ist außer­dem, dass Selen­skyj beson­ders im Süden und im Osten der Ukraine gut abschnei­det und damit sowohl Tymo­schenko als auch den pro-rus­si­schen Kan­di­da­ten, etwa Olex­an­der Wilkul oder Jurij Boiko, Stimmen weg­nimmt.

Selen­skyjs Beliebt­heit begann in den Umfra­gen ab Sommer 2018 zu steigen. Im Dezem­ber lag er dann plötz­lich auf dem zweiten Platz – hinter Tymo­schenko. Das alles, ohne über­haupt seine Kan­di­da­tur bekannt­ge­ge­ben zu haben.

Ende Januar wurden dann die ersten seriö­sen Umfra­gen ver­öf­fent­licht, die Selen­skyj vor seinen Mit­be­wer­bern sahen. In Umfra­gen Mitte Februar konnte der Komiker seine Führung sogar ver­dop­peln. Das KIIS sah ihn bei­spiels­weise mit 26,9 Prozent vor Poro­schenko mit 17,7. Ukrai­ni­sche Umfra­gen müssen gene­rell mit großer Skepsis betrach­tet werden – auch weil sich zwi­schen 30 und 40 Prozent der Befrag­ten noch für keinen Kan­di­da­ten ent­schie­den haben. Nichts­des­to­trotz deutet eine so deut­li­che Führung in meh­re­ren Umfra­gen mit zum Teil meh­re­ren Tausend Befrag­ten auf eine Tendenz zu Gunsten von Selen­skyj hin.

Zahl­rei­che ukrai­ni­sche Exper­ten, wie die die bekannte Sozio­lo­gin Iryna Bekeschkina, bezwei­feln jedoch, dass es Selen­skyj gelin­gen wird, seine hohen Umfra­ge­werte am Wahltag auch in Wäh­ler­stim­men zu über­set­zen. Größtes Manko Selens­kijs bleibt seine junge Wäh­ler­schaft, die bei bis­he­ri­gen Wahlen nicht zur zuver­läs­sigs­ten Wäh­ler­gruppe gehört hat. Ähnlich sieht es Inna Borzylo, die Geschäfts­füh­re­rin der NGO Centre UA, die auf Selen­skyjs man­geln­den Par­tei­ap­pa­rat ver­weist, der bei der Mobi­li­sie­rung von Wählern ent­schei­dend ist.

Ein Wahl­kampf wie eine Reality-Show

Begon­nen hat Selen­skyjs Wahl­kampf mit seiner knappen Ankün­di­gung seiner Kan­di­da­tur – aus­ge­strahlt auf 1+1, einem der belieb­tes­ten Fern­seh­sen­der der Ukraine. Das aus­ge­rech­net zur besten Sen­de­zeit, zu der gewöhn­lich die Rede des Staats­prä­si­den gezeigt wird. Das letzte Mal, das ein wesent­li­cher Sender die Neu­jahrs­an­spra­che des amtie­ren­den Prä­si­den­ten nicht live aus­strahlte und statt­des­sen die eines Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten sendete, war im Dezem­ber 2004. Damals prä­sen­tierte der 5. Kanal, der Poro­schenko gehört, Wiktor Juscht­schen­kos Anspra­che anstelle der von Leonid Kutsch­mas.

Selen­skyj führt seinen Wahl­kampf, beglei­tet von seinen Kame­ra­leu­ten, bisher wie eine Reality-Show und weigert sich mit wenigen Aus­nah­men, sich kri­ti­schen Inter­views zu stellen. Seit Sommer 2018 hat er ledig­lich drei Inter­views gegeben. Dabei ein drei­stün­di­ges Inter­view mit Dmitrij Gordon vor Bekannt­gabe seiner Kan­di­da­tur, dessen erster Teil 4,8 Mil­lio­nen Mal bei Youtube ange­schaut wurde. Außer­dem gab er im Januar der Ukrain­ska Pravda ein län­ge­res Inter­view und im Februar der BBC ein kurzes. Hinter ver­schlos­se­nen Türen hatte er sich Mitte Januar einigen EU- und G7-Bot­schaf­tern und Ende Januar einer Gruppe des Aspen-Insti­tu­tes in Kyjiw gestellt. Sein Umgang mit Jour­na­lis­ten wirft die Frage auf, wie er als Prä­si­dent mit den oft schar­fen ukrai­ni­schen Medien umgehen würde.

Social-Media-gestützte Kam­pa­gne

Anstelle der klas­si­schen Medien setzt Selen­skyj stark auf soziale Medien. Dabei nutzt er ver­schie­dene nut­zer­starke Kanäle, etwa seinen Insta­gram-Kanal mit 2,6 Mil­lio­nen Fol­lo­wern sowie den Youtube-Kanal von „Quartal95“ mit 2,3 Mil­lio­nen Fol­lo­wern, gezielt für Wahl­wer­bung und Inter­ak­tion mit seiner Wäh­ler­schaft. Bis vor Kurzem konnte man per Live­stream sogar die Akti­vi­tä­ten in seiner Wahl­zen­trale beob­ach­ten. Auf der offi­zi­el­len Web­seite seiner Kam­pa­gne haben sich bis heute etwa 550 Tausend Unter­stüt­zer regis­triert. Inwie­fern er diese Unter­stüt­zer tat­säch­lich für seinen Wahl­kampf nutzt, ist bisher unklar. Hinzu kommt, dass der Fern­seh­sen­der 1+1, der dem Olig­ar­chen Ihor Kolo­mo­js­kyj gehört und auf dem ein Groß­teil von Selen­skyjs Sen­dun­gen aus­ge­strahlt wird,  aus­schließ­lich positiv über Selen­skyj und seine Auf­tritte berich­tet – eine will­kom­mene Wahl­kampf­un­ter­stüt­zung.

Wofür steht Selen­skyj?

Anders als der Ita­lie­ner Grillo oder der beliebte ukrai­ni­sche Rock­star Wakart­schuk betei­ligte sich Selen­skyj in der Ver­gan­gen­heit in keins­ter Weise am poli­ti­schen Diskurs – weder durch Blogs noch durch State­ments oder Inter­views. Des­we­gen können nur seine wenigen Inter­views als Anhalts­punkte dafür dienen, welche Posi­tio­nen der Kan­di­dat ver­tritt. Bis vor Kurzem hatte er nicht mal ein Wahl­pro­gramm.

Zum Krieg im Donbas sagte er in dem langen Inter­view mit Dmitrij Gordon, dass er bereit sei, direkt mit Wla­di­mir Putin über eine Lösung der Krim­krise zu ver­han­deln. Auch sei er offen dafür, anschlie­ßend vor Ort per Refe­ren­dum über die Lösung abstim­men zu lassen. Im BBC-Inter­view betonte er, dass er zwar zu Kom­pro­mis­sen bereit sei, aber die Krim und der Donbas zwin­gend wieder in ukrai­ni­sche Hände gehör­ten. Der Ukrain­ska Pravda gegen­über beteu­erte er, dass er das Minsker Abkom­men nach­ver­han­deln, es aber nicht einfach auf­kün­di­gen wolle.

Selen­skyjs Pro­gramm: ein Sam­mel­su­rium

Anfang Januar rief Selen­skyj seine Fol­lo­wer via Social Media dazu auf, ihm Pro­bleme und Vor­schläge für sein Wahl­pro­gramm zu schi­cken. Daraus ent­stand ein jüngst fer­tig­ge­stell­tes Pro­gramm, in dem sich einige Plat­ti­tü­den und popu­lis­ti­sche Ele­mente finden lassen, zum Bei­spiel mehr direkte Demo­kra­tie, deut­lich höhere Inves­ti­tio­nen in Infra­struk­tur und der Bau von Straßen „nach euro­päi­schem Stan­dard“. Wie fast alle Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten lässt Selen­skyj offen, wie er seine Vor­ha­ben rea­li­sie­ren möchte.

Im Pro­gramm befin­den sich aber auch sinn­volle Dinge, wie offene Wahl­lis­ten, Ver­bes­se­rung des Geschäfts­kli­mas durch Abbau sinn­lo­ser Regu­la­rien und eine abso­lute „Null­to­le­ranz für Kor­rup­tion auf allen Ebenen“. Gleich­zei­tig spricht er dem neuen Anti­kor­rup­ti­ons­ge­richt und den Anti­kor­rup­ti­ons­be­hör­den seine maxi­male Unter­stüt­zung zu.

Inter­es­san­ter­weise hat Selen­skyj als einer der ersten die Anti­kor­rup­ti­ons­agenda der füh­ren­den zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen unter­zeich­net und sich somit ver­pflich­tet, den wich­ti­gen Prio­ri­tä­ten nach­zu­kom­men. Sein Wahl­pro­gramm endet mit den hehren Worten: „Die Ukraine braucht heute nicht nur neue Gesich­ter. Sie braucht neue Ideen! Meine Haupt­auf­gabe ist es, anstän­dige und patrio­ti­sche Spe­zia­lis­ten an die Macht zu bringen.“ Wer würde da wider­spre­chen wollen?

Uner­fah­ren­heit als größte Schwä­che Selen­skyjs

Bisher schart Selen­skyj keine bekann­ten exter­nen poli­ti­schen Berater um sich. Sein Team besteht aus­schließ­lich aus alten Ver­trau­ten, von denen niemand Erfah­rung in Politik oder Ver­wal­tung vor­wei­sen kann. Das, ver­bun­den mit seiner ehrlich und zum Teil naiv wir­ken­den Art wirft die Frage auf, ob er weiß, auf was er sich ein­ge­las­sen hat und ob er im Falle eines Wahl­sie­ges das Amt kom­pe­tent aus­fül­len könnte. Seine Uner­fah­ren­heit und augen­schein­li­che Bera­tungs­re­sis­tenz gelten des­we­gen als einer seiner größten Schwä­chen. Alex­an­der Motyl warnte jüngst in dras­ti­schen Worten davor, dass Selen­skyjs Uner­fah­ren­heit ein „Dis­as­ter“ für die Ukraine wäre und die West­bin­dung und Refor­men gefähr­de­ten. Viele Ukrai­ner bezwei­feln, dass er die Reife, Ernst­haf­tig­keit und Geduld mit sich bringt, die man braucht, um das Land in dieser schwie­ri­gen Situa­tion zu führen.

Nähe zu Kolo­mo­js­kyj als Manko?

Dass aus­ge­rech­net der selbst­er­klärte „außer­sys­te­mi­sche“ Kan­di­dat Selen­skyj, der ange­tre­ten ist, das Land aus den Fängen der Olig­ar­chie zu befreien, seit Langem Fern­seh­sen­der des zweit­reichs­ten Olig­ar­chen auf­tritt und mit diesem seit Jahren lukra­tive Ver­träge abschließt, gehört zu den Para­do­xien dieses Wahl­kamp­fes. Im Inter­view mit der Ukrain­ska Prawda, sprach er von einer „nicht-Bezie­hung“ mit dem Olig­ar­chen Ihor Kolo­mo­js­kyj. Er pflege mit ihm ledig­lich eine Geschäfts­be­zie­hung, sei aber weder mit ihm befreun­det noch habe der Olig­arch Ein­fluss über ihn oder seine Kam­pa­gne. Viel­mehr behaup­tete Selen­skyj, dass Kolo­mo­js­kyj ihm „eine Menge“ Geld schulde.

Auch im Inter­view mit der BBC stritt er ab, eine Puppe von Kolo­mo­js­kyj zu sein. Auf die Frage, warum er als Mann mit Prin­zi­pien für einen Fern­seh­sen­der, der einem kor­rup­ten Olig­ar­chen gehöre, arbeite, ant­wor­tete Selen­skyj: „Alle Fern­seh­sen­der und großen Unter­neh­men gehören Olig­ar­chen. Heißt das, dass alle 40 Mil­lio­nen Ukrai­ner, die für solche Unter­neh­men arbei­ten, keine Prin­zi­pien haben?“

Tat­säch­lich wäre es falsch, den Medi­en­ma­cher als Mario­nette des in der Ukraine in Ungnade gefal­le­nen Olig­ar­chen dar­zu­stel­len. Seine Nähe zu diesem wirft aber die Frage auf, ob er Politik machen kann, die den Inter­es­sen seines (ehe­ma­li­gen) Geschäfts­part­ner zuwi­der­läuft.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten?

Angriffe und Kritik an Selen­skyj gingen bisher ins Leere. Ins­ge­samt betei­ligt er sich expli­zit nicht an der poli­ti­schen Schlamm­schlacht. So bietet er wenig Angriffs­flä­che. Auch die Abwe­sen­heit eines klaren poli­ti­schen Profils scheint ihm eher zu nutzen als zu schaden. Selbst der klei­nere Skandal um seine Pro­duk­ti­ons­firma in Russ­land scheint ihm nicht ange­krei­det worden zu sein.

Ob Selen­skyj den deut­lich posi­ti­ven Trend in den Umfra­gen fort­set­zen und diesen dann tat­säch­lich in Wäh­ler­stim­men über­set­zen kann, werden die nächs­ten Wochen zeigen. Die Unzu­frie­den­heit mit dem aktu­el­len Prä­si­den­ten wird Selen­skyj aber aller Wahr­schein­lich­keit nach in die zweite Wahl­runde beför­dern. Dann wird es span­nend sein zu beob­ach­ten, gegen wen Selen­skyj antritt. Sollte er, worauf die Umfra­gen hin­deu­ten, gegen den amtie­ren­den Staats­prä­si­den­ten antre­ten, wird wahl­ent­schei­dend sein, wem die anderen Kan­di­da­ten wie Tymo­schenko ihre Unter­stüt­zung aus­spre­chen. Derzeit scheint es fast aus­ge­schlos­sen, dass Tymo­schenko mit ihrer Maschi­ne­rie im Falle einer Nie­der­lage in der ersten Runde ihren Erz­feind Poro­schenko unter­stützt. Kurzum, die Lage bleibt aus­ge­spro­chen unüber­sicht­lich, aber die Wahr­schein­lich­keit, dass ein Komiker der nächste Prä­si­dent der Ukraine wird, ist erstaun­lich hoch.

Der Artikel ist als Teil einer Koope­ra­tion mit den Ukraine-Ana­ly­sen ent­stan­den. Eine kürzere, ver­än­derte Fassung dieses Text erschien in den Ukraine-Ana­ly­sen (Nr. 213).

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