Für Polen ist eine unabhängige Ukraine von zentraler sicherheitspolitischer Bedeutung. Dennoch belasten der Streit um die Ukrainische Aufständische Armee und die Erinnerung an die Massaker von Wolhynien zunehmend die Beziehungen zwischen Warschau und Kyjiw. Historische Konflikte werden dabei nicht nur außenpolitisch ausgetragen, sondern dienen in Polen immer stärker der innenpolitischen Mobilisierung.
Schon vor 150 Jahren versuchte Zar Alexander II. mit seinem geheimen Emser Erlass die ukrainische Sprache und Kultur zu verbieten. Doch die Einschränkungen bewirkten das Gegenteil. Auch die Repressionen Wladimir Putins gegen alles Ukrainische sind zum Scheitern verurteilt.
Unter den 130.000 Menschen, die im NS-Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert waren, befanden sich bis zu 8.000 aus dem Gebiet der heutigen Ukraine, die meisten davon Frauen. Zahlreiche Häftlinge überlebten die Lagerhaft in Ravensbrück nicht. Nach der Befreiung am 30. April 1945 verliefen ihre Schicksale unterschiedlich: Während viele weiteren Verfolgungen in der Sowjetunion ausgesetzt waren, flohen andere ins Exil.
Der aktuelle Krieg transformiert das Selbstverständnis und die Erinnerungskultur der Ukraine fundamental. Alte, aus der Sowjetzeit stammende Erzählungen werden nun als propagandistisch eingestuft. An ihre Stelle rücken neue Formen eines zivilgesellschaftlichen und auf das Nationale fokussierten, aber auch transnationalen Erinnerns.
Mal kein trockenes Sachbuch, sondern ein Comic, der die grausame Gegenwart zu erklären versucht: „Eine kurze Geschichte eines langen Krieges“ verwebt gekonnt historische Exkurse mit Schilderungen des entbehrungsreichen Alltags der Menschen im Krieg. Es ist eine der ersten ukrainischen Graphic Novels auf dem deutschen Buchmarkt.
Am 8. Mai 2025 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal. Während Russland den Sieg von 1945 für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine instrumentalisiert, rückt ein lange verdrängter Teil der Geschichte in den Fokus: die deutsche Besatzungsherrschaft in der Ukraine. Die Deutsch-Ukrainische Historische Kommission fordert eine klare Anerkennung der historischen Verantwortung Deutschlands.
Im Herbst 2024, fast elf Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und mehr als dreieinhalb Jahre genozidaler Kriegsführung durch die russische Vollinvasion, erscheint der neue Band des Zentrums Liberale Moderne: „Deutsch-ukrainische Geschichten. Bruchstücke aus einer gemeinsamen Vergangenheit“.
Als Leiter des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung ist der 38-jährige Anton Drobowytsch eine Art ukrainischer „Geschichtsminister“. „Erinnerungspolitik ist genauso wichtig wie Sicherheit“, sagt der Philosoph, der sich nach der umfassenden Invasion freiwillig zum Militärdienst meldete, obwohl er dazu als Behördenchef nicht verpflichtet gewesen wäre.
Noch bevor der Krieg in der Ukraine zu Ende gegangen ist, hat der ukrainisch-amerikanische Historiker Serhii Plokhy eine Geschichte des ersten Kriegsjahres im historischen Kontext vorgelegt – ein im Wortsinn aufklärerisches Werk mit wachem Blick auf Russlands imperiale Verstrickungen.
Nationalsozialistische Besatzung Charkiws zwischen 1941 und 1943 – Russische Besatzung in der Ukraine heute. Bei der Veranstaltung des Zentrums Liberale Moderne und der Konrad-Adenauer-Stiftung Ukraine am 15. Mai ging es um...
Am 22. November stellte Steffen Dobbert sein neues Buch „Ukraine verstehen. Geschichte, Politik und Freiheitskampf“ im Deutschen Theater vor. Anschließend im Gespräch: Mariam Lau, Marina Weisband, Viola von Cramon und Anastasia Magazova.
Stepan Bandera ist eine umstrittene und hoch politisierte historische Figur. Die Bedeutung von Bandera für die Geschichte und Gegenwart der Ukraine analysiert Wilfried Jilge.
Keinen Monat nach Selenskyjs Amtseinführung sah sich der neue Präsident mit Herausforderungen im Bereich der Symbolpolitik konfrontiert, die man je nach politischem Standpunkt unterschiedlich interpretieren kann. Andrii Portnov erläutert in...
Seit 2014 gab es mehrere russische Angriffe auf psychiatrische Einrichtungen in der Ukraine. Gibt es Parallelen zu den von Nazis begangen Massenmorden an psychisch kranken Menschen in der Ukraine während...
Die Ukraine sollte in ihrem Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung auch aus historischen Gründen unterstützt werden. Doch die politische Elite Deutschlands ist immer noch zu sehr auf Russland fixiert. Von...
Viele Russen teilen Putins Wahnvorstellung, dass die Ukraine schon immer zu Russland gehört hat. Die Wahrheit ist viel komplizierter. Von Serhy Yekelchyk, Professor für Slawistik und Geschichte an der Universität...
Die Kontroverse um Babyn Jar zeigt, dass die Suche nach angemessenem Gedenken an die Opfer des Holocausts längst nicht abgeschlossen ist. Aktuelle Ausstellungen in Kyjiw laden zum „Eintauchen“ in die...
Der russische Truppenaufmarsch und Äußerungen führender russischer Politiker, die der Ukraine das Recht auf Souveränität absprechen, geben dem diesjährigen Tag der Einheit am 22. Januar eine besondere Bedeutung. Von Ostap Sereda
80 Jahre nach dem Massaker von Odesa wurde der Grundstein für ein neues Mahnmal gelegt. 1941 hatten die deutschen und rumänischen Besatzer in der Schwarzmeerstadt rund 25.000 Menschen überwiegend jüdischer...
250 Kilometer von Odesa liegt Bohdaniwka, wo die Wehrmacht ein weiteres Massaker an jüdischen Einwohnern beging. Einmal jährlich kehren Nachkommen der Opfer an den Ort des Verbrechens zurück. Ira Peter...
Auf dem Gebiet der heutigen Ukraine ermordeten die Nazis zwischen 1941 – 1944 mehr als 1,5 Millionen jüdischer Kinder, Frauen und Männer – etwa 60 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung der damaligen...
Sein Name ist weit über die Ukraine hinaus bekannt, auch mit Deutschland verbinden ihn viele gemeinsame Projekte und Freundschaften: Roman Schwarzman. Er ist Mitgründer und Vorsitzender des Verbandes der Ghetto-...
Weil Russland eine demokratische Ukraine als Bedrohung für das eigene Herrschaftssystem wahrnimmt, hat der Kreml ein umfassendes System negativer Ukrainepolitik etabliert. Deren Grundlagen und Ziele hat Präsident Putin erst vor...
Ein Jubiläum, das Anlass für eine historische Rückschau bietet. Warum hat sich die ukrainische Gesellschaft nicht schneller modernisiert? Warum führt Russland einen Krieg gegen die Ukraine? Ein Geschichtslehrer blickt zurück.
Bohdan Osadczuk vereinte in seiner Person viele Rollen. Ausgerechnet von Deutschland aus warb er für die polnisch-ukrainische Verständigung. Von Oleksandra Bienert
Geschichten aus dem Alltag, ein längst vergessener Krieg, die Heimkehr der Krimtataren und ein historisches Standardwerk – Simone Brunner hat für „Ukraine verstehen“ vier Bücher über die Halbinsel Krim rezensiert.
Geschichte ist für Wladimir Putin zur wichtigsten Machtressource geworden. Am 12. Juli veröffentlichte er einen Essay über die historischen Beziehungen zwischen Russen und Ukrainern. Aus der gemeinsamen Geschichte der beiden Völker in...
Heute vor 80 Jahren überfiel die Wehrmacht die Sowjetunion. Ukraine verstehen hat aus diesem Anlass einige Ukrainerinnen und Ukrainer befragt, welche Bedeutung dieses Datum für sie hat.
Was können wir aus der Geschichte lernen? Welche Form des Gedenkens an die Opfer des Krieges ist angemessen? Unser Redakteur mit ganz persönlichen Gedanken zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
Heute vor 35 Jahren explodierte in Tschernobyl ein Kernreaktor nach einem „Funktionstest“. 600.000 Menschen aus allen Teilen der Sowjetunion waren an der „Liquidierung“ des Unfalls beteiligt. Von Anna Veronika Wendland
In der Sowjetunion wurde Roma der Opferstatus verwehrt. In der unabhängigen Ukraine können sie über die Repräsentation ihres historischen Gedächtnisses frei bestimmen. Von Michailo Tjahlyj
Am 27. Januar wird weltweit am Tag der Befreiung von Auschwitz den Opfern des Holocausts gedacht. Dieses Gedenken wird aber den Opfern in Osteuropa, die nicht in einem Konzentrationslager ermordet wurden,...
Die „Hingerichtete Renaissance“ beschreibt die Generation ukrainischer Schriftsteller und Künstler der 1920 und der frühen 1930er Jahre, die unter Stalins totalitärem Regime unterdrückt oder sogar hingerichtet wurden. In seinem Essay...
Bis zu 40.000 Juden und Jüdinnen wurden bei Kyjiw in der Schlucht Babyn Jar ermordet. Den Plan, ein großes Museum zu ihrem Andenken zu erbauen, gibt es seit 2016. Doch...
Die menschengemachte Hungersnot von 1932–1933, genannt Holodomor, hat die ukrainische Gesellschaft und Kultur dramatisch verändert und tiefe Narben im nationalen Gedächtnis hinterlassen. Professor Serhii Plokhii analysiert prägnant die Geschichte und...
Mit Texten von Timothy Snyder, Anne Applebaum, Karel Berkhoff, Jan C. Behrends, Gelinada Grinchenko, Wilfried Jilge, Volodymyr Yermolenko und weiteren.
Das Zentrum Liberale Moderne präsentiert mithilfe des Ukrainian Institute die erste eigene Publikation über die Ukraine. Der Sammelband wurde am 24. November online vorgestellt.
Wolodymyr Koltschinskyj hat das Massaker von Odesa überlebt. Unsere LibMod-Kollegen trafen ihn im dortigen Holocaust-Museum. Der rüstige 94-Jährige hat für das Gespräch mit LibMod-Mitgründerin Marieluise Beck ein weißes Jackett mit Krawatte...
In der Sowjetrepublik Ukraine verhungerten in den Jahren 1932 und 1933 etwa 3,9 Millionen Menschen. Die Katastrophe war keine Folge ungünstiger klimatischer Bedingungen, sondern menschlichen Handelns. Die menschengemachte Hungersnot, die Ukrainer...
Viele Ukrainer*inner kämpfen in der Corona-Quarantäne gegen Langeweile an. So aber nicht der Historiker Oleksii Köhler aus Odesa. Er hat alle Hände voll zu tun und erforscht in den sowjetischen...
Am Samstag, den 16. Mai, starb der jüdische Überlebende Wolodymyr Koltschinskyj aus Odesa im Alter von 94 Jahren. Wir sind dankbar, dass wir noch am 6. März mit ihm über sein Leben...
Am 18. Mai 1944 wurden die Krimtataren als vermeintliche “Landesverräter”, “Kollaborateure” und “antisowjetische Propagandisten” aus ihrer Heimat Krim verschleppt. Kurz nach dem 76. Jahrestag erinnert Viktoria Savchuk an das sowjetische Verbrechen.
Die Radikalisierung und Re-Sowjetisierung russischer Geschichtspolitik geht einher mit ihrer verstärkten Einbindung in die aggressive Außenpolitik des Kremls. Das ist nicht nur für die Ukraine ein immenses Problem. Von Jan...
Während des Zweiten Weltkrieges war die heutige Ukraine neben Polen und Belarus eines der Hauptschauplätze des Holocausts und der großen Massaker an der Zivilbevölkerung. In der Roten Armee kämpften in...
Das Massaker in Korjukiwka von 1943 ist eines der Kriegsverbrechen, die nicht vollständig erforscht wurden. Im zweiten Teil zum vergessenen Massaker von Korjukiwka, geht der Autor Christoph Brumme der Frage...
Es war die größte „Strafaktion“ gegen die nicht-jüdische Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg, nicht nur auf dem Territorium der Sowjetunion, sondern in ganz Europa – mit fast 7000 ermordeten Zivilisten, durchgeführt...
Der ukrainische Historiker Boris Zabarko hat Berichte von Überlebenden des Holocaust auf dem Gebiet der heutigen Ukraine gesammelt und veröffentlicht. „Leben und Tod in der Epoche des Holocaust“ ist nun...
Russland verklärt seine grausame Geschichte und instrumentalisiert Geschichtspolitik. Osteuropäische Nachbarn werden als Kollaborateure der Nazis denunziert. Post-moderne Innovationen ersetzen die sowjetische Tradition.
Vor 40 Jahren marschierte die sowjetische Armee in Afghanistan ein und es lohnt sich, über das Erbe nachzudenken, analysiert unser Autor Jan-Claas Behrends. In diesem Artikel zeigt er, welche Konsequenzen...
Die Massenerschießungen in Mittelosteuropa bleiben ein unterbelichtetes Kapitel der Shoa. In Czernowitz, einer Stadt in der Westukraine, ermordeten deutsche und rumänische Truppen binnen zwei Tagen 20.000 Menschen. Das Zentrum Liberale...
Auf dem Territorium der heutigen Ukraine wurden über 1,5 Millionen jüdische Kinder, Frauen und Männer von der deutschen Besatzungsmacht ermordet. «Holocaust durch Kugeln» ist bis heute in Westeuropa eine Leerstelle der...
Geschichtsstudierende aus Russland, der Ukraine und Deutschland haben ein Jahr lang untersucht, wie in ihren jeweiligen Ländern an vergessene Opfergruppen des Nationalsozialismus unter deutscher Besatzung erinnert wird. Ziel war es,...
Der Osteuropahistoriker Jan Claas Behrends berichtet zum 80. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes über die ukrainische Perspektive auf den Pakt der zwei Diktatoren.
Gerhard Simons Stellungnahme zu Stepan Bandera ist apologetisch. Er ignoriert dessen Biografie und die Geschichte des Faschismus, Antisemitismus und Holocaust in der Ukraine, findet unser Autor Grzegorz Rossoliński-Liebe.
Die Darstellung Stepan Banderas im Artikel von Grzegorz Rossoliński-Liebe vor zwei Tagen greift zu kurz, findet unser Autor Gerhard Simon. Er entgegnet in seinem Artikel, dass Bandera von vielen als...
Im Rahmen der Reihe „Mythen der Wirklichkeit“ führte das Gorki Theater in Berlin, finanziell vom Senat der Stadt unterstützt, das Stück „Bandera“ auf. Dies zeigt einmal mehr die Notwendigkeit, sich...
Im ukrainischen Poltawa soll ein Areal als Baugelände vermietet werden, auf dem sowohl der sowjetische Geheimdienst als auch Mordkommandos der SS mit Hilfe der Wehrmacht viele tausende Menschen ermordet haben....
Prof. Dr. Gerhard Simon rezensiert Anne Applebaums „Roter Hunger: Stalins Krieg gegen die Ukraine“, die erste große Monographie zum Holodomor, die jetzt in deutscher Sprache vorliegt.
Wenn wir am Tag der Befreiung von Auschwitz den Opfern des Holocausts gedenken, dürfen wir auch jene von ihnen nicht aus den Augen verlieren, die in Osteuropa jenseits der Konzentrationslager...
Die Partnerstädte Odessa und Bremen gedachten am 12. Oktober 2018 der 22.000 Opfern des Massakers in Munitionsdepots in Odessa. Ein Konzert des Bremer Raths-Chors und des Kammerorchesters Odessa in der Philharmonie...
Die Zeit von 1917 bis 1921 stand für die Ukraine nicht nur im Zeichen von Krieg und Revolution, sondern auch der traumatischen Erfahrung einer versuchten aber gescheiterten Staatsgründung. Von Tanja Penter
Der Lwiwer Essayist und Psychoanalytiker Jurko Prochasko über die vermeintliche Teilung der Ukraine, die Nationenbildung des Landes und über mangelndes Wissen in Deutschland über seine Heimat.
Timothy Snyder, Historiker an der Universität Yale, ist einer der renommiertesten Holocaustforscher der Gegenwart. Im Exklusivinterview für „Ukraine verstehen“ erklärt er, weshalb es sich auch heute lohnt, mit der Geschichte...
In der deutschen Öffentlichkeit ist kaum bekannt, welch hohen Blutzoll die Ukraine im Zweiten Weltkrieg entrichtete. Deutschland muss sich seiner Verantwortung bewusst werden – um seiner selbst willen. Von Timothy Snyder
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