„Face the Future“: Wie Chir­ur­gen Sol­da­ten das Gesicht retten

Foto: Anna Zubenko /​ Front­li­ner

Chir­ur­gen aus den USA und Kanada ope­rie­ren gemein­sam mit ihren ukrai­ni­schen Kol­le­gen Sol­da­ten, die im Gesicht ver­wun­det wurden. Inner­halb von fünf Tagen werden 30 Ein­griffe durch­ge­führt. Wie das Aus­se­hen und die Funk­tio­nen des Gesichts wie­der­her­ge­stellt werden, schil­dert ein Beitrag von Front­li­ner.

In den Fluren des regio­na­len Kran­ken­hau­ses von Iwano-Fran­kiwsk herrscht reges Treiben: Die Pati­en­ten sind unruhig, auf­ge­regt, blicken fragend zu den Ärzten und tun so, als würden sie die zahl­rei­chen Kameras und Medi­en­ver­tre­ter nicht bemer­ken. In einem Raum am Anfang des Flurs finden Unter­su­chun­gen statt. Die Pati­en­ten betre­ten den Raum einzeln und müssen sich durch die Ansamm­lung aus Jour­na­lis­ten und Ärzten drängen, die den Vorgang beob­ach­ten. Die Ärzte unter­su­chen die Ver­let­zun­gen, bitte die Pati­en­ten, die Lippen zu spitzen und zu lächeln. Sie leuch­ten den Pati­en­ten ins Gesicht und befra­gen sie zu ihren Ver­let­zun­gen. Die Medi­zi­ner beraten sich unter­ein­an­der, schla­gen ver­schie­dene Optio­nen vor und erklä­ren die Ein­zel­hei­ten des Eingriffs.

Amerikanische und ukrainische Chirurgen besprechen die Möglichkeit einer Operation an einem Soldaten, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 27. Oktober 2025.
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Ame­ri­ka­ni­sche und ukrai­ni­sche Chir­ur­gen bespre­chen die Mög­lich­keit einer Ope­ra­tion an einem Sol­da­ten, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 27. Oktober 2025.

 

Während der Unter­su­chun­gen gewöh­nen sich die Ärzte langsam anein­an­der und machen Witze. Sie ver­su­chen, sich über einen Dol­met­scher zu ver­stän­di­gen und teilen die Pati­en­ten unter sich auf. Die Medi­zi­ner kommen aus ver­schie­de­nen Ländern und haben unter­schied­li­che Fach­ge­biete, aber etwas hat sie heute hier zusammengeführt.

Ein neues Augen­lid, aus einem anderen Kör­per­teil transplantiert

Oleksiy Tomashun ist 22 Jahre alt, davon ver­brachte er vier beim Militär. Er hat eine Frau und einen andert­halb­jäh­ri­gen Sohn. Er hat prak­tisch sein ganzes Erwach­se­nen­le­ben lang gekämpft, an der Front bei Donezk. Dort, nahe der Klein­stadt New York, erlitt er Ver­let­zun­gen am Kopf und an der linken Kör­per­hälfte – an Schul­ter, Arm und Bein. Er will sich nicht daran erin­nern – ein Kamerad ist gefal­len, dessen Leiche befin­det sich noch immer dort. Nach seiner Ver­wun­dung blieb Oleksiy in der Armee, ist jetzt im Hin­ter­land tätig. Zum Dienst gehe er wie zu einem gewöhn­li­chen Bürojob. Oleksiy hat einen gebro­che­nen Gesichts­kno­chen, sein rechtes Auge fehlt. Es wurde durch eine Pro­these ersetzt, die rechte Gesichts­hälfte ist vernarbt.

Der Soldat Oleksiy Tomashun, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 27. Oktober 2025. Anna Zubenko / Frontliner
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Der Soldat Oleksiy Tomashun, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 27. Oktober 2025.

 

Oleksiy soll ein Augen­lid aus einem Stück Haut erhal­ten, das von einer anderen Kör­per­stelle ent­nom­men wird. Er scherzt, dass er wegen der im Kopf ver­blie­be­nen Split­ter die Sicher­heits­schleu­sen am Flug­ha­fen nicht pas­sie­ren könne.

Auf die Frage, wohin er gerne reisen würde, ant­wor­tet Oleksiy: nach Spanien, an den Strand. Er erzählt, wie er sich Europa vor­stellt – als eine andere Welt, in der es die Pro­bleme nicht gibt, die man in der Ukraine hat. Als eine Welt, in der das Leben ganz anders verläuft.

Wie die Mission „Face the Future“ begann

Bereits zum sechs­ten Mal kommen Chir­ur­gen aus Kanada und den USA im Rahmen der Mission „Face the Future“ in die Ukraine, um rekon­struk­tive Ope­ra­tio­nen an durch den Krieg ent­stell­ten Sol­da­ten und Zivi­lis­ten durch­zu­füh­ren. Erst­mals kamen die aus­län­di­schen Chir­ur­gen im Sep­tem­ber 2022. Die in Lwiw statt­fin­dende Mission fand damals noch unter dem Namen „Face to Face“ statt. Die HNO-Ärztin des Kli­ni­schen Kran­ken­hau­ses Iwano-Fran­kiwsk und Lei­te­rin der Mission, Nata­liia Komashko, war sich nicht sicher, ob alles funk­tio­nie­ren würde. Da man zu diesem Zeit­punkt noch keine Erfah­rung hatte, war es schwie­rig, die Abläufe in Gang zu bringen – die Ärzte kannten ein­an­der und die Ver­let­zun­gen der Pati­en­ten nicht. Auch wussten die Medi­zi­ner nicht, ob sie der Belas­tung stand­hal­ten würden.

Die HNO-Ärztin und Leiterin der Mission „Face the Future“, Nataliia Komashko, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.
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Die HNO-Ärztin und Lei­te­rin der Mission „Face the Future“, Nata­liia Komashko, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.

 

„Hier spielte mein Bruder eine große Rolle. Er ging von den ersten Tagen an als Frei­wil­li­ger an die Front. Ich hatte Zweifel: die Mission durch­füh­ren oder nicht. Er sagte: ‚Schau mal, Nata­liia, ich könnte an der Stelle dieser ver­wun­de­ten Sol­da­ten sein.‘ Das war der ent­schei­dende Moment“, sagt Komashko.

Damals wurden 35 Men­schen ope­riert, nach Abschluss der Mission mel­de­ten sich mas­sen­haft neue Pati­en­ten. Man sys­te­ma­ti­sierte die Daten, beriet sich mit Kol­le­gen und erstellte Behand­lungs­pläne. In dieser Zeit lernte das ukrai­ni­sche Team Dr. Peter Adamson kennen.

Ruslan fehlte die Hälfte seines Gesichts

Ruslan ist 25 Jahre alt und seit 2019 in der Armee. Er scherzt mit seinem Zim­mer­ge­nos­sen darüber, vor den Jour­na­lis­ten zu fliehen. Sollte er sich für den Weg aus dem Fenster ent­schei­den, müsse er wohl Fall­schirm­jä­ger werden.

Der Soldat Ruslan, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 27. Oktober 2025.
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Der Soldat Ruslan, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 27. Oktober 2025.

 

Die Gesichts­ver­let­zung – jetzt ist die Nase mit einem Pflas­ter abge­klebt, sodass nur noch die Narben drum­herum zu sehen sind – erlitt er bereits im März 2022 in Isjum. Er eva­ku­ierte sich selbst, da es für seine Kame­ra­den prak­tisch unmög­lich war, zu ihm zu gelangen.

Trotz seiner Ver­wun­dung kämpft er weiter. Er ist bereits zum dritten Mal Patient der Mission. Er sagt, dass die Hälfte seines Gesichts gefehlt habe. Die Ärzte haben den Nasen­flü­gel ange­ho­ben, die Atmung wie­der­her­ge­stellt. Sein Gesicht sieht nun fast so aus wie vor der Ver­let­zung. Ruslan hält es für sinnlos, Pläne für die Zukunft zu schmie­den. Auf die Frage nach Träumen sagt er, dass er keine habe. Dann fügt er doch hinzu, dass er gerne ein Unter­neh­men eröff­nen würde. Er lacht und sagt: kein gewöhn­li­ches, sondern einen Nachtclub.

Wer nimmt an den Mis­sio­nen teil?

Im Juli 2023 fand die erste Mission von „Face the Future“ statt. Obwohl die Chir­ur­gen nun bereits zum sechs­ten Mal mit der Mission in der Ukraine sind, wird die Arbeit für sie nicht weniger. Es gibt immer mehr Pati­en­ten, weshalb es not­wen­dig wurde, Wissen und Erfah­rung wei­ter­zu­ge­ben – damit auch ukrai­ni­sche Chir­ur­gen Gesichts­re­kon­struk­tio­nen durch­füh­ren können.

Chirurgen führen eine Septorhinoplastik durch und reduzieren das Volumen des Weichgewebes, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.
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Chir­ur­gen führen eine Sep­torhi­no­plas­tik durch und redu­zie­ren das Volumen des Weich­ge­we­bes, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.

 

„Es war wichtig, dieses Wissen nicht auf ein ein­zi­ges Kran­ken­haus zu beschrän­ken. Deshalb haben wir Kol­le­gen aus Odesa und Kyjiw zur Mission ein­ge­la­den – alle, die Inter­esse bekun­de­ten“, sagt Nata­liia Komashko. Neben der Ein­bin­dung einer grö­ße­ren Anzahl von Ärzten hat die Zusam­men­ar­beit mit wei­te­ren Kran­ken­häu­sern auch das Leben der Pati­en­ten erleich­tert: Nun muss man für die Behand­lung nicht unbe­dingt nach Iwano-Fran­kiwsk kommen. Zudem ermög­licht die Zusam­men­ar­beit von Kran­ken­häu­sern aus ver­schie­de­nen Städten den Erfah­rungs­aus­tausch und die Fort­set­zung der Arbeit, auch wenn die ame­ri­ka­ni­schen Spe­zia­lis­ten gerade nicht vor Ort sind.

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Ärzte in einer Pause zwi­schen den Ope­ra­tio­nen der Mission „Face the Future“, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.

 

„Face the Future“ umfasst mehrere Berei­che, jeder davon ist für eine bestimmte Art von Ope­ra­tio­nen zustän­dig. Mitt­ler­weile nehmen fünf­zehn Fach­kräfte aus Kyjiw an der Mission teil: Ärzte, Kran­ken­schwes­tern und Assistenzärzte.

Das Zuhause des ver­letz­ten Sol­da­ten liegt in den besetz­ten Gebieten

Serhiy Kotel­ni­kov ist 23 Jahre alt. Er stammt aus der Region Cherson und unter­schrieb seinen Vertrag acht Monate vor Beginn der Voll­in­va­sion Russ­lands in der Ukraine. Es fällt Serhiy schwer, sich an die Ver­gan­gen­heit zu erin­nern. Durch seine Ver­wun­dun­gen waren seine Erin­ne­run­gen ver­schwun­den und kehrten erst nach einer langen Reha­bi­li­ta­tion zurück. Erst nach drei Monaten begann er wieder zu spre­chen. Er lernte Wörter und Buch­sta­ben neu.

Die Folgen seiner Ver­wun­dung blieben in seinem Gesicht zurück: Sein linkes Auge fehlt, die Augen­braue ist zer­schnit­ten und mit Narben übersät. So wie über seine eigene Ver­gan­gen­heit fällt es Serhiy schwer, über seine Träume für die Zukunft zu sprechen.

Der Soldat Serhij Kotelnikow, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 27. Oktober 2025.
Foto: Anna Zubenko /​ Front­li­ner
Der Soldat Serhij Kotel­ni­kow, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 27. Oktober 2025.

 

„Nach Hause fahren. Aber das wird nicht mehr pas­sie­ren“, seufzt er – denn sein Zuhause liegt in den besetz­ten Gebieten.

Erfah­rungs­aus­tausch und Ausbildung

Die Mission wurde zu einer Platt­form für den Erfah­rungs­aus­tausch. Ukrai­ni­sche Ärzte wissen, wie man mit durch Minen und Spreng­stoffe her­bei­ge­führ­ten Ver­let­zun­gen umgeht, ame­ri­ka­ni­sche und kana­di­sche Chir­ur­gen haben Erfah­rung mit den Folgen von Ver­kehrs­un­fäl­len und kennen sich gut mit rekon­struk­ti­ver Chir­ur­gie aus. Die Ärzte arbei­ten zusam­men und haben die Mög­lich­keit, sich gegen­sei­tig bei der Arbeit zu beob­ach­ten. Sie können kom­plexe, mehr­stu­fige Ope­ra­tio­nen durch­füh­ren. Und sie können Fälle behan­deln, die allein nicht zu bewäl­ti­gen sind.

Ukrainische Ärzte lernen während einer von amerikanischen Chirurgen durchgeführten Septorhinoplastik dazu, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.
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Ukrai­ni­sche Ärzte lernen während einer von ame­ri­ka­ni­schen Chir­ur­gen durch­ge­führ­ten Sep­torhi­no­plas­tik dazu, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.

 

Die Zusam­men­ar­beit schafft neue Mög­lich­kei­ten am Ope­ra­ti­ons­tisch, aber auch in der Aus­bil­dung. Die Erfah­run­gen, die die Ärzte sammeln, gehen über die Grenzen der Sprech­zim­mer hinaus und liefern Stoff für die Lehre. Das Team orga­ni­siert Work­shops und Konferenzen.

„Das Haupt­ziel unserer Anwe­sen­heit hier ist, abge­se­hen von der Hilfe für die Sol­da­ten, dass wir der Ukraine helfen wollen, ihr Gesund­heits­sys­tem wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Das beginnt damit, dass wir dabei helfen, ukrai­ni­sche Chir­ur­gen aus­zu­bil­den und zu schulen. Wir teilen unser Wissen und unsere Erfah­run­gen mit ihnen. Ebenso wichtig ist, dass sie auch ihre eigenen Erfah­run­gen mit uns teilen“, sagt Peter Adamson, Prä­si­dent und Gründer der Stif­tung „Face the Future“. Er orga­ni­siert seit 1996 inter­na­tio­nale chir­ur­gi­sche Einsätze.

Peter Adamson, Gründer und Chefarzt von „Face the Future“, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.
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Peter Adamson, Gründer und Chef­arzt von „Face the Future“, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.

 

Adamson erzählt, dass er sich ent­schlos­sen habe, eine Hilfs­mis­sion für die Ukraine zu gründen, da die ukrai­ni­schen Sol­da­ten nicht nur ihr Land ver­tei­di­gen, sondern auch seine Lebens­weise – auf einem anderen Kontinent.

„Einige von uns glauben fest an die west­li­che Demo­kra­tie und die west­li­chen Werte. Es war sehr schwer, die Tra­gö­die der ukrai­ni­schen Sol­da­ten und des ukrai­ni­schen Volkes mit­an­zu­se­hen. Sie sind sehr stark und ver­tei­di­gen nicht nur die Ukraine. Sie ver­tei­di­gen auch die Werte und die Lebens­weise Nord­ame­ri­kas. Ich bin kein Soldat, ich habe nicht die Mög­lich­keit, in den Krieg zu ziehen. Aber als Chirurg… wir haben Chir­ur­gen, Kran­ken­schwes­tern und Anäs­the­sis­ten, die tat­säch­lich helfen können, die Sol­da­ten zu ver­sor­gen. Und so wie die Sol­da­ten ihre Pflicht erfül­len, indem sie der Mensch­heit dienen, erfül­len wir unsere Mission, um ihnen zu dienen. Dies ist unsere sechste Mission, und wir freuen uns, bei jeder davon Sol­da­ten zu ope­rie­ren“, sagt der Mis­si­ons­lei­ter aus Kanada.

Sieben Stunden im Operationssaal

Der Ope­ra­ti­ons­saal ist voller Men­schen. Bis zur Ope­ra­tion bleibt noch Zeit für die Vor­be­rei­tung, aber im Raum ist bereits Auf­re­gung zu spüren. Ständig kommen und gehen Men­schen, bringen Mate­ria­lien herein und unter­hal­ten sich mit­ein­an­der. Die älteren, erfah­re­ne­ren Ärzte halten ihre Emo­tio­nen etwas besser im Zaum, die jün­ge­ren scher­zen mehr. Man sieht ihnen an, dass sie nervös sind. Endlich kommt der Patient herein – Serhiy Kotel­ni­kov aus der Region Cherson.

Ärzte besprechen den Operationsplan für den Soldaten Serhij Kotelnikov, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.
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Ärzte bespre­chen den Ope­ra­ti­ons­plan für den Sol­da­ten Serhij Kotel­ni­kov, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.

 

Es handelt sich um eine kom­plexe Rekon­struk­tion des Bereichs um Auge und Nase. Die Ope­ra­tion soll mehr als fünf Stunden dauern. Neben dem Team aus aus­län­di­schen und ukrai­ni­schen Ärzten befin­den sich im Raum auch Kran­ken­pfle­ger und Kran­ken­schwes­tern sowie Jour­na­lis­ten. Je kom­pli­zier­ter der Fall, desto mehr Men­schen beob­ach­ten die Ope­ra­tion – wenn man die Tür zum Ope­ra­ti­ons­saal öffnet, sieht man ein Dutzend Rücken in weißen Kitteln.

Serhiy legt sich auf die Liege, man ver­ab­reicht ihm die Narkose. Die nächs­ten Stunden werden schwie­rig. Man baut den Knochen um sein Auge wieder auf, indem man dafür einen Teil des Schä­dels ent­nimmt, der wie­derum durch ein Implan­tat ersetzt wird. Auch die Posi­tion des Augen­lids wird kor­ri­giert – all das sind kom­plexe, zeit­auf­wän­dige Vorgänge.

Chirurgen führen eine Rekonstruktion der Augenhöhle mit Hilfe eines Knochentransplantats und eines individuellen Implantats durch, Iwano-Frankiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.
Foto: Anna Zubenko /​ Front­li­ner
Chir­ur­gen führen eine Rekon­struk­tion der Augen­höhle mit Hilfe eines Kno­chen­trans­plan­tats und eines indi­vi­du­el­len Implan­tats durch, Iwano-Fran­kiwsk, Ukraine, 28. Oktober 2025.

 

Vier Chir­ur­gen ver­schie­de­ner Fach­rich­tun­gen sind im Einsatz: Raymond Cho und Scott Walen aus den USA, Jona­than Trites aus Kanada und die ukrai­ni­sche Chir­ur­gin Tetiana Pav­ly­chuk. Die Ope­ra­tion sollte eigent­lich fünf Stunden dauern, zieht sich aber über ganze sieben Stunden hin. Dennoch ver­läuft sie erfolg­reich. Und damit haben sich alle Anstren­gun­gen gelohnt.

Diese Repor­tage erschien zuerst auf frontliner.ua.

Portrait von Yuliia Huz

Yuliia Huz ist Jour­na­lis­tin und seit August 2025 Teil des Teams von Frontliner.

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