„Kor­rup­ti­ons­er­mitt­lun­gen gegen Jermak sind ein Ver­dienst der Gesellschaft“

Andrij Jermak, Ihor Fomin und Journalisten während einer Anhörung vor dem Obersten Antikorruptionsgericht der Ukraine.
Foto: IMAGO /​ ABACAPRESS

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 29. April bis 19. Mai 2026:
Jermak: Vom Zentrum der Macht in den Gerichtssaal
Neues Zivil­ge­setz­buch: Moder­ni­sie­rung oder Rückschritt?
Hunger an der Front

Jermak: Vom Zentrum der Macht in den Gerichtssaal

Bis Novem­ber 2025 galt Andrij Jermak als zweit­mäch­tigs­ter Mann der Ukraine. Offi­zi­ell leitete er das Prä­si­di­al­amt, tat­säch­lich steu­erte er den Zugang zu Wolo­dymyr Selen­skyj – und beein­flusste so dessen Ent­schei­dun­gen. Nach dem Kor­rup­ti­ons­skan­dal „Midas“ trat Jermak zurück. Jetzt muss er sich wegen des Ver­dachts der Geld­wä­sche beim Bau eines Land­hau­ses vor Gericht verantworten.

„Ein Ver­dienst der Gesellschaft“

Der frühere Anti­kor­rup­ti­ons­ak­ti­vist und Poli­ti­ker Mustafa Najem schreibt in NV, allein die Aus­sicht auf ein Ver­fah­ren gegen eine Per­sön­lich­keit von Jermaks Rang zeige, wie gut das ukrai­ni­sche Anti­kor­rup­ti­ons­sys­tem funktioniere:

„Die Tat­sa­che, dass solche Ermitt­lun­gen in der Ukraine heute möglich sind, ist ein Ver­dienst der Gesell­schaft – es ist kein Geschenk der Regie­rung, keine Geste des guten Willens […] oder das Ergeb­nis einer plötz­li­chen Ein­sicht von irgendwem.

Vor zehn oder fünf­zehn Jahren war es nahezu unmög­lich, sich allen Ernstes eine Situa­tion vor­zu­stel­len, in der Anti­kor­rup­ti­ons­or­gane öffent­lich gegen eine Per­sön­lich­keit dieses Ranges vor­ge­hen und die Gesell­schaft das live mitverfolgt […].

Und zwar nicht, weil es damals keine Kor­rup­tion und keine [unlau­te­ren] Machen­schaf­ten gegeben hätte, oder keine Men­schen, die das alles durch­schau­ten. Der Macht­ap­pa­rat war einfach so auf­ge­stellt, dass der­ar­tige Fälle ent­we­der gar nicht ans Licht kamen, schnell wieder unter den Teppich gekehrt wurden oder die ver­schie­de­nen Lager sich irgend­wie einigten.

Deshalb geht es jetzt nicht nur darum, zu welchem Ergeb­nis die Ermitt­lun­gen führen werden […]. Dass ein solches Ver­fah­ren über­haupt möglich ist, zeigt, wie sehr wir uns ver­än­dert haben und wie sehr sich das Land ver­än­dert hat.“

„Ich sehe, Sie bevor­zu­gen den moder­nen Stil“

Nach zwei Ver­hand­lungs­ta­gen berich­tet Sus­pilne, die Ver­tei­di­gung halte die Beweise gegen Jermak für unzu­rei­chend. Die Staats­an­walt­schaft legte derweil weitere Details zu dem frag­li­chen Land­haus vor:

„Staats­an­wäl­tin [Valen­tyna] Hre­be­niuk erklärte dem Gericht, die Ermitt­ler hätten […] Beweise gefun­den, die darauf hin­deu­te­ten, dass [eines der vier mut­maß­lich mit gewa­sche­nem Geld finan­zier­ten Häuser im Bau­pro­jekt ‚Dynas­tie‘] Jermaks Wohn­sitz sei. Unter anderem geht es um eine Excel-Tabelle, die man auf dem Handy des Chef­ar­chi­tek­ten fand, und die […] Angaben zu Treffen im Zusam­men­hang mit dem Bau enthält. Neben [dem frag­li­chen Land­haus] stehe dort ‚Andrij Borys­so­wytsch‘ [Jermaks Vor- und Vatersname].

Außer­dem fand man auf dem Handy der Innen­ar­chi­tek­tin, die das Inte­ri­eur [in besag­tem Haus] gestal­tet hatte, einen Chat mit dem Nutzer LL – den Ermitt­lun­gen zufolge gehörte diese Nummer Jermak. Im Oktober 2021 schrieb [die Archi­tek­tin]: ‚Guten Abend! Ich sehe, Sie bevor­zu­gen den moder­nen Stil gegen­über den tra­di­tio­nel­len‘. ‚Guten Abend. Eine Mischung‘, ant­wor­tete LL knapp. Dar­auf­hin ver­ab­re­de­ten sie ein Treffen für das Wochenende.“

„Mystik auf beiden Seiten“

Noch vor einem halben Jahr galt Andrij Jermak als einer der mäch­tigs­ten Männer der Ukraine – nun sei kaum jemand erschie­nen, um ihn zu unter­stüt­zen, berich­tet LB:

„Andrij Jermak wirkt einsam. Im Gegen­satz zu Julija Tymo­schenko, zu deren Anhö­rung […] vor dem Anti­kor­rup­ti­ons­ge­richt [im Januar 2026] Parlamentskolleg:innen und Unterstüzer:innen in [eigens bedruck­ten] T‑Shirts erschie­nen waren, beglei­tet den ehe­ma­li­gen Leiter des Prä­si­di­al­amts nur sein Anwalt Ihor Fomin. In seiner Rede wird der Ver­tei­di­ger ver­su­chen, die Anwe­sen­den vom Gegen­teil der Vor­würfe zu über­zeu­gen, und Unter­stüt­zungs­briefe für Jermak vorlesen.

Im Saal herrscht Enge – die Journalist:innen sitzen dicht gedrängt. Als Erste drängt sich die bekannte [und skan­dal­um­wit­terte] ‚Akti­vis­tin‘ und Blog­ge­rin Irma Krat zu Jermak vor und über­reicht ihm eine Ikone. In wenigen Minuten wird die Staats­an­wäl­tin begin­nen, den Nach­rich­ten­ver­lauf [Jermaks] mit einer Frau vor­zu­le­sen, [deren Tele­fon­num­mer bei anderen Per­so­nen] als ‚Jermaks Wahr­sa­ge­rin‘ [abge­spei­chert ist]. Mystik auf beiden Seiten.

Die Wahr­sa­ge­rin, mit der [Jermak] sich den Ermitt­lun­gen zufolge beraten haben soll, besaß ein sepa­ra­tes Telefon, das sie aus­schließ­lich für den Kontakt mit ‚Andrej 2025‘ nutzte – mut­maß­lich Andrij Jermak.“

„Keine hand­fes­ten Beweise“

Die Astro­lo­gin wurde laut Babel zwar zur Bou­le­vard-Sen­sa­tion des Falls, doch am Ende zähle, welche Vor­würfe die Staats­an­walt­schaft tat­säch­lich bewei­sen könne:

„Die Anklage muss [wei­ter­hin] bewei­sen, dass Andrij Jermak illegal erwor­be­nes Geld in den Bau gesteckt hat – und vor allem: dass er wusste, dass dieses Geld aus ille­ga­len Geschäf­ten stammte. Doch aus der Ankla­ge­schrift geht nicht hervor, wie Jermak den Bau genau finan­ziert hat. Sie liefert auch keine Anhalts­punkte dafür, dass er über die kri­mi­nelle Her­kunft des Geldes Bescheid wusste.“

Neues Zivil­ge­setz­buch: Moder­ni­sie­rung oder Rückschritt?

Am 28. April ver­ab­schie­dete das ukrai­ni­sche Par­la­ment in erster Lesung ein neues Zivil­ge­setz­buch. Der Entwurf mit mehr als 800 Seiten soll den Kodex von 2003 ablösen. Kritiker:innen warnen vor Rück­schrit­ten, etwa beim Schei­dungs­recht oder wegen unkla­rer Rechts­be­griffe. Pro­teste gab es auch gegen das wei­ter­hin bestehende Verbot gleich­ge­schlecht­li­cher Ehen.

„Umstrit­tene Ver­söh­nungs­frist bei Scheidungen“

Hro­madske beschreibt die beson­ders umstrit­te­nen Vor­schläge zu Ehe­schlie­ßung und Scheidung:

„In der Fassung des Ent­wurfs vom April […] ist nicht mehr von Ehen ab 14 Jahren die Rede [laut dem ersten Entwurf für ein neues Zivil­ge­setz­buch sollte es schwan­ge­ren Mädchen ab 14 Jahren erlaubt sein, den Vater des unge­bo­re­nen Kindes zu hei­ra­ten]. Auch der Vor­schlag, dass eine kirch­li­che Trauung rechts­kräf­tig sein sollte, wurde gestrichen.

Zudem wurde der Passus gestri­chen, laut dem es ein Schei­dungs­grund ist, wenn der Ehemann [sich weigert] oder unfähig ist, ein Kind zu zeugen oder die Ehefrau [sich weigert] oder nicht in der Lage ist, ein Kind zur Welt zu bringen.

Nichts­des­to­trotz enthält die Fassung, der das Par­la­ment am 28. April zustimmte, wei­ter­hin umstrit­tene Vor­schläge. Zum Bei­spiel […], dass ein Ehepaar mit einem Kind, das jünger als 14 Jahre ist oder eine Behin­de­rung hat, nicht sofort geschie­den werden kann. Das Gericht muss diesem Paar Zeit geben, um [die Ent­schei­dung] zu über­den­ken und sich unter Umstän­den zu versöhnen.

Wenn sich das Paar über die recht­li­chen Folgen einer Schei­dung einig ist (zum Bei­spiel, bei wem das Kind künftig leben oder wie das Ver­mö­gen auf­ge­teilt werden soll), setzt das Gericht eine Frist von einem Monat für eine ‚Ver­söh­nung‘. Wenn nicht, beträgt die Frist ein halbes Jahr.

In der bisher gel­ten­den Fassung heißt es, das Gericht könne Maß­nah­men zur Ver­söh­nung anord­nen, sofern dies nicht den ‚mora­li­schen Grund­la­gen der Gesell­schaft‘ wider­spre­che. Das heißt: Selbst wenn Kinder im Spiel sind, ist [eine Frist zur mög­li­chen Ver­söh­nung] nicht zwin­gend vorgeschrieben.“

„Kein Zusam­men­le­ben erzwingen“

LB sprach mit Jurist:innen über mehrere umstrit­te­nen Bestim­mun­gen, dar­un­ter auch über die geplante Frist zur „Ver­söh­nung“:

„[Die Anwäl­tin] Vik­to­riia Havryl­kina weist auf wich­tige Ein­schrän­kun­gen bei der Versöhnung[sfrist] hin: ‚Erstens gilt [dies] nicht, wenn häus­li­che Gewalt verübt wurde oder irgend­ein anderes rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten vorlag […]. Zwei­tens ist es nicht das Ziel, ein Zusam­men­le­ben zu erzwin­gen: Es gilt eine Frist von bis zu sechs Monaten, um sich über die Folgen der Schei­dung zu einigen, sofern es Kinder gibt […]. Drit­tens kann sich das Gericht bei der Streit­schlich­tung von Mediator:innen oder Sozi­al­diens­ten helfen lassen […]‘. Die Anwäl­tin findet, die Rege­lung sei aus­ge­wo­ge­ner, als es auf den ersten Blick scheine […].“

„,Gute Sitten‘ ist ein schwam­mi­ger Begriff“

Liga ana­ly­siert, es gehe nicht nur um fami­li­en­recht­li­che Bestim­mun­gen, sondern auch um erwei­terte Spiel­räume für Richter:innen. Diese könnten ihre Urteile künftig mit dem Begriff der „guten Sitten“ rechtfertigen:

„Eine der umstrit­tens­ten Neue­run­gen des Ent­wurfs ist das Konzept der ‚guten Sitten‘ (vom latei­ni­schen bona mores). Die Ver­fas­ser prä­sen­tie­ren es als Ersatz für den ver­al­te­ten Begriff der ‚mora­li­schen Grund­la­gen der Gesell­schaft‘, der an die Sowjet­zeit erinnert.

Mykhailo Kho­menko, Vor­sit­zen­der der Arbeits­gruppe [die den Entwurf vor­legte], betont: Das sei nichts grund­le­gend Neues, da Bewer­tungs­kri­te­rien wie Red­lich­keit, Ver­nunft und Gerech­tig­keit schon lange im Zivil­recht ver­an­kert seien.

Kritiker:innen über­zeugt das nicht. Die Abge­ord­nete Inna Sovsun warnt: ‚Gute Sitten ist ein schwam­mi­ger Begriff, der für jede:n etwas anderes bedeu­ten kann. Das öffnet Mani­pu­la­tio­nen und recht­li­cher Unklar­heit Tür und Tor‘.“

„Mehr als 80 Orga­ni­sa­tio­nen fordern Überarbeitung“

Sus­pilne geht davon aus, dass der Entwurf des Zivil­ge­setz­bu­ches vor der zweiten Lesung noch stark über­ar­bei­tet wird:

„Mehr als 80 Orga­ni­sa­tio­nen haben Ruslan Ste­fan­chuk [Par­la­ments­prä­si­dent und einer der Autoren] auf­ge­for­dert, den Entwurf des Zivil­ge­setz­bu­ches zu über­ar­bei­ten. Sie haben bereits Ände­rungs­vor­schläge zu den Arti­keln vor­ge­legt, die sie für strit­tig halten.

Nach der Abstim­mung erklärte der für die EU-Inte­gra­tion zustän­dige Vize­pre­mier­mi­nis­ter, Taras Kachka, das neue Zivil­ge­setz­buch werde vor der zweiten Lesung über­ar­bei­tet. [Dies] könne mehrere Monate dauern.“

Hunger an der Front

Ukrai­ni­sche Sol­da­ten harren immer öfter wochen- oder mona­te­lang an vor­ders­ter Front aus, weil Drohnen ihre Ablö­sung und Ver­sor­gung behin­dern. Ange­hö­rige berich­ten davon, dass inzwi­schen selbst Essen und Was­ser­vor­räte fehlen: Pakete werden abge­schos­sen oder es ist für die Sol­da­ten zu gefähr­lich, den Schüt­zen­gra­ben zu ver­las­sen, um an Nach­schub zu gelan­gen. Hinzu kommen logis­ti­sche Pannen. Nach meh­re­ren öffent­lich bekannt gewor­de­nen Fällen reagie­ren Mili­tär­füh­rung und Politik.

„Zutiefst beschä­mend“

Hro­madske sprach mit Ange­hö­ri­gen von Sol­da­ten, die an der Front unter Hunger und Ver­sor­gungs­pro­ble­men leiden:

„‚Glauben Sie mir, das ist kein Ein­zel­fall‘, sagt Liubov Lebedyk über die Lage erschöpf­ter und hung­ri­ger Sol­da­ten […]. Ihr Mann Anton harrt seit mehr als 70 Tagen auf einer Stel­lung in Rich­tung Hul­ja­j­pole aus. Wenn es die Ver­bin­dung zulässt, schickt er ihr Videos, in denen seine Kame­ra­den und er Regen­was­ser sammeln. […] Die Situa­tion, sagt sie, sei äußerst schwie­rig. Es gebe Pro­bleme mit der Logis­tik und nicht genug Nahrung.

‚Er hat mir ein Foto geschickt, auf dem er bis auf die Knochen abge­ma­gert ist. Zehn Kilo­gramm hat er ver­lo­ren. Es beschämt mich zutiefst, einen Sol­da­ten, der sich in den ersten Tagen nach dem Groß­an­griff frei­wil­lig gemel­det hat, öffent­lich in diesem Zustand zu zeigen. Ich habe alles ver­sucht […]. Jetzt handle ich, solange ich weiß, dass er lebt und kör­per­lich noch eini­ger­ma­ßen bei­sam­men ist‘, sagt die Frau. Nachdem die Sol­da­ten der 14. Brigade [mit ähn­li­chen Berich­ten] Auf­se­hen erregt hatten, beschloss sie, Bei­träge in sozia­len Netz­wer­ken zu ver­öf­fent­li­chen – in der Hoff­nung, dass auch sie Gehör findet.“

„Stel­lun­gen müssen über Not­vor­räte verfügen“

LB sprach mit einem Sol­da­ten, der sich Prozent nennt, über die Ursa­chen des Pro­blems und mög­li­che Lösungen:

„Alle Ein­hei­ten stehen derzeit vor den­sel­ben Her­aus­for­de­run­gen: Der Feind setzt massiv Drohnen ein, stört die Logis­tik und kappt die Ver­sor­gungs­wege. Man muss sich anpas­sen […], alle ver­füg­ba­ren Mittel nutzen, um die Logis­tik wie­der­her­zu­stel­len und sich mit Pro­vi­ant und Muni­tion zu versorgen.

Dabei gilt es, […] [kurze Kampf­pau­sen] gezielt zu nutzen und Fak­to­ren wie das Wetter oder das Vor­ge­hen des Gegners und Auf­klä­rungs­da­ten […] über seine Waffen zu berück­sich­ti­gen. Zudem muss man vor­sor­gen: Für den Fall, dass die Logis­tik aus­fällt […], müssen unsere Stel­lun­gen über Not­vor­räte ver­fü­gen, damit die Männer ohne Hilfe durch­hal­ten können, bis sie wieder ver­sorgt werden.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

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