„Korruptionsermittlungen gegen Jermak sind ein Verdienst der Gesellschaft“

Presseschau ukrainischer Medien | 29. April bis 19. Mai 2026:
Jermak: Vom Zentrum der Macht in den Gerichtssaal
Neues Zivilgesetzbuch: Modernisierung oder Rückschritt?
Hunger an der Front
Jermak: Vom Zentrum der Macht in den Gerichtssaal
Bis November 2025 galt Andrij Jermak als zweitmächtigster Mann der Ukraine. Offiziell leitete er das Präsidialamt, tatsächlich steuerte er den Zugang zu Wolodymyr Selenskyj – und beeinflusste so dessen Entscheidungen. Nach dem Korruptionsskandal „Midas“ trat Jermak zurück. Jetzt muss er sich wegen des Verdachts der Geldwäsche beim Bau eines Landhauses vor Gericht verantworten.
„Ein Verdienst der Gesellschaft“
Der frühere Antikorruptionsaktivist und Politiker Mustafa Najem schreibt in NV, allein die Aussicht auf ein Verfahren gegen eine Persönlichkeit von Jermaks Rang zeige, wie gut das ukrainische Antikorruptionssystem funktioniere:
„Die Tatsache, dass solche Ermittlungen in der Ukraine heute möglich sind, ist ein Verdienst der Gesellschaft – es ist kein Geschenk der Regierung, keine Geste des guten Willens […] oder das Ergebnis einer plötzlichen Einsicht von irgendwem.
Vor zehn oder fünfzehn Jahren war es nahezu unmöglich, sich allen Ernstes eine Situation vorzustellen, in der Antikorruptionsorgane öffentlich gegen eine Persönlichkeit dieses Ranges vorgehen und die Gesellschaft das live mitverfolgt […].
Und zwar nicht, weil es damals keine Korruption und keine [unlauteren] Machenschaften gegeben hätte, oder keine Menschen, die das alles durchschauten. Der Machtapparat war einfach so aufgestellt, dass derartige Fälle entweder gar nicht ans Licht kamen, schnell wieder unter den Teppich gekehrt wurden oder die verschiedenen Lager sich irgendwie einigten.
Deshalb geht es jetzt nicht nur darum, zu welchem Ergebnis die Ermittlungen führen werden […]. Dass ein solches Verfahren überhaupt möglich ist, zeigt, wie sehr wir uns verändert haben und wie sehr sich das Land verändert hat.“
„Ich sehe, Sie bevorzugen den modernen Stil“
Nach zwei Verhandlungstagen berichtet Suspilne, die Verteidigung halte die Beweise gegen Jermak für unzureichend. Die Staatsanwaltschaft legte derweil weitere Details zu dem fraglichen Landhaus vor:
„Staatsanwältin [Valentyna] Hrebeniuk erklärte dem Gericht, die Ermittler hätten […] Beweise gefunden, die darauf hindeuteten, dass [eines der vier mutmaßlich mit gewaschenem Geld finanzierten Häuser im Bauprojekt ‚Dynastie‘] Jermaks Wohnsitz sei. Unter anderem geht es um eine Excel-Tabelle, die man auf dem Handy des Chefarchitekten fand, und die […] Angaben zu Treffen im Zusammenhang mit dem Bau enthält. Neben [dem fraglichen Landhaus] stehe dort ‚Andrij Boryssowytsch‘ [Jermaks Vor- und Vatersname].
Außerdem fand man auf dem Handy der Innenarchitektin, die das Interieur [in besagtem Haus] gestaltet hatte, einen Chat mit dem Nutzer LL – den Ermittlungen zufolge gehörte diese Nummer Jermak. Im Oktober 2021 schrieb [die Architektin]: ‚Guten Abend! Ich sehe, Sie bevorzugen den modernen Stil gegenüber den traditionellen‘. ‚Guten Abend. Eine Mischung‘, antwortete LL knapp. Daraufhin verabredeten sie ein Treffen für das Wochenende.“
„Mystik auf beiden Seiten“
Noch vor einem halben Jahr galt Andrij Jermak als einer der mächtigsten Männer der Ukraine – nun sei kaum jemand erschienen, um ihn zu unterstützen, berichtet LB:
„Andrij Jermak wirkt einsam. Im Gegensatz zu Julija Tymoschenko, zu deren Anhörung […] vor dem Antikorruptionsgericht [im Januar 2026] Parlamentskolleg:innen und Unterstüzer:innen in [eigens bedruckten] T‑Shirts erschienen waren, begleitet den ehemaligen Leiter des Präsidialamts nur sein Anwalt Ihor Fomin. In seiner Rede wird der Verteidiger versuchen, die Anwesenden vom Gegenteil der Vorwürfe zu überzeugen, und Unterstützungsbriefe für Jermak vorlesen.
Im Saal herrscht Enge – die Journalist:innen sitzen dicht gedrängt. Als Erste drängt sich die bekannte [und skandalumwitterte] ‚Aktivistin‘ und Bloggerin Irma Krat zu Jermak vor und überreicht ihm eine Ikone. In wenigen Minuten wird die Staatsanwältin beginnen, den Nachrichtenverlauf [Jermaks] mit einer Frau vorzulesen, [deren Telefonnummer bei anderen Personen] als ‚Jermaks Wahrsagerin‘ [abgespeichert ist]. Mystik auf beiden Seiten.
Die Wahrsagerin, mit der [Jermak] sich den Ermittlungen zufolge beraten haben soll, besaß ein separates Telefon, das sie ausschließlich für den Kontakt mit ‚Andrej 2025‘ nutzte – mutmaßlich Andrij Jermak.“
„Keine handfesten Beweise“
Die Astrologin wurde laut Babel zwar zur Boulevard-Sensation des Falls, doch am Ende zähle, welche Vorwürfe die Staatsanwaltschaft tatsächlich beweisen könne:
„Die Anklage muss [weiterhin] beweisen, dass Andrij Jermak illegal erworbenes Geld in den Bau gesteckt hat – und vor allem: dass er wusste, dass dieses Geld aus illegalen Geschäften stammte. Doch aus der Anklageschrift geht nicht hervor, wie Jermak den Bau genau finanziert hat. Sie liefert auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er über die kriminelle Herkunft des Geldes Bescheid wusste.“
Neues Zivilgesetzbuch: Modernisierung oder Rückschritt?
Am 28. April verabschiedete das ukrainische Parlament in erster Lesung ein neues Zivilgesetzbuch. Der Entwurf mit mehr als 800 Seiten soll den Kodex von 2003 ablösen. Kritiker:innen warnen vor Rückschritten, etwa beim Scheidungsrecht oder wegen unklarer Rechtsbegriffe. Proteste gab es auch gegen das weiterhin bestehende Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen.
„Umstrittene Versöhnungsfrist bei Scheidungen“
Hromadske beschreibt die besonders umstrittenen Vorschläge zu Eheschließung und Scheidung:
„In der Fassung des Entwurfs vom April […] ist nicht mehr von Ehen ab 14 Jahren die Rede [laut dem ersten Entwurf für ein neues Zivilgesetzbuch sollte es schwangeren Mädchen ab 14 Jahren erlaubt sein, den Vater des ungeborenen Kindes zu heiraten]. Auch der Vorschlag, dass eine kirchliche Trauung rechtskräftig sein sollte, wurde gestrichen.
Zudem wurde der Passus gestrichen, laut dem es ein Scheidungsgrund ist, wenn der Ehemann [sich weigert] oder unfähig ist, ein Kind zu zeugen oder die Ehefrau [sich weigert] oder nicht in der Lage ist, ein Kind zur Welt zu bringen.
Nichtsdestotrotz enthält die Fassung, der das Parlament am 28. April zustimmte, weiterhin umstrittene Vorschläge. Zum Beispiel […], dass ein Ehepaar mit einem Kind, das jünger als 14 Jahre ist oder eine Behinderung hat, nicht sofort geschieden werden kann. Das Gericht muss diesem Paar Zeit geben, um [die Entscheidung] zu überdenken und sich unter Umständen zu versöhnen.
Wenn sich das Paar über die rechtlichen Folgen einer Scheidung einig ist (zum Beispiel, bei wem das Kind künftig leben oder wie das Vermögen aufgeteilt werden soll), setzt das Gericht eine Frist von einem Monat für eine ‚Versöhnung‘. Wenn nicht, beträgt die Frist ein halbes Jahr.
In der bisher geltenden Fassung heißt es, das Gericht könne Maßnahmen zur Versöhnung anordnen, sofern dies nicht den ‚moralischen Grundlagen der Gesellschaft‘ widerspreche. Das heißt: Selbst wenn Kinder im Spiel sind, ist [eine Frist zur möglichen Versöhnung] nicht zwingend vorgeschrieben.“
„Kein Zusammenleben erzwingen“
LB sprach mit Jurist:innen über mehrere umstrittenen Bestimmungen, darunter auch über die geplante Frist zur „Versöhnung“:
„[Die Anwältin] Viktoriia Havrylkina weist auf wichtige Einschränkungen bei der Versöhnung[sfrist] hin: ‚Erstens gilt [dies] nicht, wenn häusliche Gewalt verübt wurde oder irgendein anderes rechtswidriges Verhalten vorlag […]. Zweitens ist es nicht das Ziel, ein Zusammenleben zu erzwingen: Es gilt eine Frist von bis zu sechs Monaten, um sich über die Folgen der Scheidung zu einigen, sofern es Kinder gibt […]. Drittens kann sich das Gericht bei der Streitschlichtung von Mediator:innen oder Sozialdiensten helfen lassen […]‘. Die Anwältin findet, die Regelung sei ausgewogener, als es auf den ersten Blick scheine […].“
„,Gute Sitten‘ ist ein schwammiger Begriff“
Liga analysiert, es gehe nicht nur um familienrechtliche Bestimmungen, sondern auch um erweiterte Spielräume für Richter:innen. Diese könnten ihre Urteile künftig mit dem Begriff der „guten Sitten“ rechtfertigen:
„Eine der umstrittensten Neuerungen des Entwurfs ist das Konzept der ‚guten Sitten‘ (vom lateinischen bona mores). Die Verfasser präsentieren es als Ersatz für den veralteten Begriff der ‚moralischen Grundlagen der Gesellschaft‘, der an die Sowjetzeit erinnert.
Mykhailo Khomenko, Vorsitzender der Arbeitsgruppe [die den Entwurf vorlegte], betont: Das sei nichts grundlegend Neues, da Bewertungskriterien wie Redlichkeit, Vernunft und Gerechtigkeit schon lange im Zivilrecht verankert seien.
Kritiker:innen überzeugt das nicht. Die Abgeordnete Inna Sovsun warnt: ‚Gute Sitten ist ein schwammiger Begriff, der für jede:n etwas anderes bedeuten kann. Das öffnet Manipulationen und rechtlicher Unklarheit Tür und Tor‘.“
„Mehr als 80 Organisationen fordern Überarbeitung“
Suspilne geht davon aus, dass der Entwurf des Zivilgesetzbuches vor der zweiten Lesung noch stark überarbeitet wird:
„Mehr als 80 Organisationen haben Ruslan Stefanchuk [Parlamentspräsident und einer der Autoren] aufgefordert, den Entwurf des Zivilgesetzbuches zu überarbeiten. Sie haben bereits Änderungsvorschläge zu den Artikeln vorgelegt, die sie für strittig halten.
Nach der Abstimmung erklärte der für die EU-Integration zuständige Vizepremierminister, Taras Kachka, das neue Zivilgesetzbuch werde vor der zweiten Lesung überarbeitet. [Dies] könne mehrere Monate dauern.“
Hunger an der Front
Ukrainische Soldaten harren immer öfter wochen- oder monatelang an vorderster Front aus, weil Drohnen ihre Ablösung und Versorgung behindern. Angehörige berichten davon, dass inzwischen selbst Essen und Wasservorräte fehlen: Pakete werden abgeschossen oder es ist für die Soldaten zu gefährlich, den Schützengraben zu verlassen, um an Nachschub zu gelangen. Hinzu kommen logistische Pannen. Nach mehreren öffentlich bekannt gewordenen Fällen reagieren Militärführung und Politik.
„Zutiefst beschämend“
Hromadske sprach mit Angehörigen von Soldaten, die an der Front unter Hunger und Versorgungsproblemen leiden:
„‚Glauben Sie mir, das ist kein Einzelfall‘, sagt Liubov Lebedyk über die Lage erschöpfter und hungriger Soldaten […]. Ihr Mann Anton harrt seit mehr als 70 Tagen auf einer Stellung in Richtung Huljajpole aus. Wenn es die Verbindung zulässt, schickt er ihr Videos, in denen seine Kameraden und er Regenwasser sammeln. […] Die Situation, sagt sie, sei äußerst schwierig. Es gebe Probleme mit der Logistik und nicht genug Nahrung.
‚Er hat mir ein Foto geschickt, auf dem er bis auf die Knochen abgemagert ist. Zehn Kilogramm hat er verloren. Es beschämt mich zutiefst, einen Soldaten, der sich in den ersten Tagen nach dem Großangriff freiwillig gemeldet hat, öffentlich in diesem Zustand zu zeigen. Ich habe alles versucht […]. Jetzt handle ich, solange ich weiß, dass er lebt und körperlich noch einigermaßen beisammen ist‘, sagt die Frau. Nachdem die Soldaten der 14. Brigade [mit ähnlichen Berichten] Aufsehen erregt hatten, beschloss sie, Beiträge in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen – in der Hoffnung, dass auch sie Gehör findet.“
„Stellungen müssen über Notvorräte verfügen“
LB sprach mit einem Soldaten, der sich Prozent nennt, über die Ursachen des Problems und mögliche Lösungen:
„Alle Einheiten stehen derzeit vor denselben Herausforderungen: Der Feind setzt massiv Drohnen ein, stört die Logistik und kappt die Versorgungswege. Man muss sich anpassen […], alle verfügbaren Mittel nutzen, um die Logistik wiederherzustellen und sich mit Proviant und Munition zu versorgen.
Dabei gilt es, […] [kurze Kampfpausen] gezielt zu nutzen und Faktoren wie das Wetter oder das Vorgehen des Gegners und Aufklärungsdaten […] über seine Waffen zu berücksichtigen. Zudem muss man vorsorgen: Für den Fall, dass die Logistik ausfällt […], müssen unsere Stellungen über Notvorräte verfügen, damit die Männer ohne Hilfe durchhalten können, bis sie wieder versorgt werden.“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
Die Nachrichtenredaktion von Suspilne ist zudem für sein breites regionales Netzwerk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website suspilne.media 9,9 Millionen Aufrufe.
NV ist ein Online-Nachrichtenportal, ein vierteljährlich erscheinendes Printmagazin und ein Radiosender. Die Redaktion berichtet über internationale Nachrichten und ukrainische Politik. Es legt den Fokus auf internationale Unterstützung für die Ukraine, Korruption und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch gründete NV 2014 und übernahm die Chefredaktion. Zuvor arbeitete Sytsch beim populären Magazin Korrespondent. Er und viele heutige NV-Mitarbeiter verließen Korrespondent, nachdem Serhij Kurtschenko, ein Oligarch aus Charkiw mit engen Verbindungen zum damaligen Präsident Wiktor Janukowytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, das dem tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala gehört.
Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
Babel gehört der Gründerin und Chefredakteurin Kateryna Kobernyk sowie Oleksandr Babenko, dem Eigentümer des Drohnenherstellers Vyriy Industries.
Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
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Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
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Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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