Film­kri­tik: Der Film DONBASS ist ein Sepa­ra­tist

OSCE Special Moni­to­ring Mission to Ukraine [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en)] via Wiki­pe­dia

Der schwei­ze­risch-bri­ti­sche Fil­me­ma­cher Marc Wilkins kom­men­tiert den am 30.08.2018 in deut­schen Kinos anlau­fen­den Kino­film „Donbas“ von Sergey Los­nitsa.

Auf dem Odessa Film­fes­ti­val hatte ich die Gele­gen­heit Sergey Losnitsa’s neuen Film, DONBASS, während der ukrai­ni­schen Urauf­füh­rung zu erleben. Der epi­sodi­sche Film, basie­rend auf Ama­teur­auf­nah­men und Video­re­por­ta­gen aus dem Soci­al­me­dia-Sumpf, aber hoch­wer­tig, mit beein­dru­cken­der Beset­zung ver­filmt, handelt von der bru­ta­len Tra­gö­die im Osten der Ukraine.

In 13 nar­ra­tiv von­ein­an­der unab­hän­gi­gen Szenen, erleben wir unter­schied­lichste Figuren und Situa­tio­nen in mitten des Krieges in der Ost-Ukraine. Es geht um Hass, Pro­pa­ganda, Gewalt und Kor­rup­tion. Vor allem aber immer wieder um Mani­pu­la­tion. Im großen Stil, wenn ein ver­meint­li­cher Rake­ten­an­griff der ukrai­ni­schen Armee mit Hilfe ver­ängs­tig­ter Sta­tis­ten insze­niert wird, oder im All­täg­li­chen, wenn der unter­be­zahl­ten Beleg­schaft eines Kran­ken­hau­ses mit Würsten und Steaks gefüllte Kühl­schränke des Chef­arz­tes vor­ge­führt werden. Diese „Epi­so­den des Hasses, Mani­pu­la­tion und Pro­pa­ganda“ wirken grotesk und zum Teil schmerz­haft über­trie­ben, doch der Regis­seur ver­si­chert uns dass alle Geschich­ten auf wahren Bege­ben­hei­ten beruhen.

Loz­nitsa wurde mit DONBASS in Cannes für Beste Regie in der Sektion Un Certain Regard aus­ge­zeich­net. Zurecht: aus künst­le­ri­scher und kino-hand­werk­li­cher Sicht, ist DONBASS ein atem­be­rau­ben­des, fast schon per­fek­tes Meis­ter­werk.

Es ist zu ver­ste­hen das Sergey Loz­nitsa, selbst Ukrai­ner, seine Empö­rung, seine Wut und seinen Ekel über den Kon­flikt auf der Lein­wand dem Publi­kum mit­tei­len will.

Doch ist die Haltung, das Sen­ti­ment, aus der heraus dieser Film erschaf­fen wurde, nicht genau der Grund warum dieser schreck­li­che Kon­flikt erst explo­die­ren konnte?

Der Film ver­schärft die Wut und die Miss­ver­ständ­nisse, denn der Regis­seur blickt auf die Men­schen der Ost-Ukraine mit offen­sicht­li­cher Ver­ach­tung herab. Mit rück­sichts­lo­ser, gera­dezu arro­gan­ter Bru­ta­li­tät macht sich Loz­nitsa über die “dummen Kalasch­ni­kow schwin­gen­den Affen aus Donezk und Lugansk“ lustig. Er ver­sucht nicht die Gründe zu ver­ste­hen, die Gefühle zu reflek­tie­ren oder den Kon­flikt zu hin­ter­fra­gen, sondern schüt­tet fleißig Öl ins Feuer. Jede ein­zelne Sekunde von DONBASS schreit in den Kino­saal “Schaut Euch nur diese kranken Idioten an!” DONBASS ver­spot­tet seine Prot­ago­nis­ten, zieht sie ins Lächer­li­che, und schafft damit genau, dass was die Putin‘sche Pro­pa­ganda-Maschi­ne­rie seit Jahren macht: Er gräbt am Graben zwi­schen dem Osten und dem Westen der Ukraine.

Hat aber ein künst­le­ri­sches Werk nicht aber auch eine poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung? Vor allem wenn es sich mit einem aktu­el­len Kon­flikt beschäf­tigt, in dem noch heute fast täg­li­cher Men­schen erschos­sen werden?

Ich befürchte, dass wir Kul­tur­schaf­fen­den welt­weit den Kontakt mit den Men­schen ver­lo­ren haben, die unsere Auf­merk­sam­keit und den Dialog am aller meisten bräuch­ten: Die Ver­lo­re­nen, Des­ori­en­tier­ten, die Aus­ge­nutz­ten, die Schwa­chen. Mit unserer Arro­ganz treiben wir sie in die Arme der Popu­lis­ten, über­las­sen sie den Rat­ten­fän­gern wie Trump, Erdogan oder Putin.

DONBASS ist hoch­wer­ti­ges Kino, doch es ver­ach­tet die Men­schen und spaltet die Ukraine.

Textende

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