„Wir brauchen die Ukraine genauso wie die Ukraine uns“

Presseschau ukrainischer Medien | 4. bis 17. Februar 2026:
Stimmungswandel in München
Neue Chefs, neue Hoffnungen?
Dauernotstand im Rentensystem
Stimmungswandel in München
Vom 13. bis 15. Februar tagte die Münchner Sicherheitskonferenz und zeigte einmal mehr, wie sehr sich „der Westen“ derzeit verändert. 2022 – es war die letzte Auslandsreise des ukrainischen Präsidenten vor dem russischen Großangriff – warnte Wolodymyr Selenkyj in München: Ein Krieg in der Ukraine würde Europa gefährden. 2025 provozierte US-Vizepräsident J. D. Vance mit Angriffen auf Europas Demokratieverständnis. Ein Jahr später beschwor US-Außenminister Marco Rubio plötzlich die Bündnistreue. Doch viele Europäer:innen halten solche Zusagen kaum noch für belastbar. Europa sucht nach Führung – und die Rolle der Ukraine wird dabei immer wichtiger.
„Der finnische Präsident wäre der ideale Kandidat“
LB beschreibt, wie Europa im Krieg nach einer eigenen Rolle und Führung sucht:
„Eine Quelle aus dem Umfeld von Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete, im Team des Staatsoberhaupts sei man schon lange zu dem Schluss gelangt, dass Russland und die Vereinigten Staaten heute ‚natürliche Verbündete‘ seien.
‚Europa würde sich vielleicht gerne aktiver an den Verhandlungen über die Ukraine beteiligen, aber weder die Russen noch die US-Amerikaner lassen dies zu. Frankreich versucht, aktiv zu sein, Deutschland hingegen hält sich zurück. Gleichzeitig gefällt uns das Vorgehen unserer französischen Partner nicht‘, erklärte der Gesprächspartner von LB mit Blick auf den Besuch des französischen Chef-Diplomaten […] Emmanuel Bonne in Moskau.
In Kyjiw ist man sich dessen bewusst, dass die Ukraine mehr europäisches Engagement braucht – und Europa eine ideelle und inspirierende Führungsfigur, die in allen Mitgliedsländern respektiert wird.
‚[Der finnische Präsident Alexander] Stubb wäre der ideale Kandidat. Er ist mit Trump befreundet und für die Europäer genauso akzeptabel wie für uns‘, fügte der Vertreter der ukrainischen Delegation hinzu […]. Die Äußerungen des ukrainischen Präsidenten während des bilateralen Treffens mit Stubb bestätigten dies nur. ‚Ich bin Ihnen dankbar für Ihre persönlichen Bemühungen um Präsident Trump. Lassen Sie darin nicht nach‘, sagte Wolodymyr Selenskyj.“
„Wir brauchen die Ukraine genauso wie sie uns“
Die mit der Ukrajinska Prawda verbundene Jewropejska Prawda sieht die Ukraine nach der Sicherheitskonferenz als Gewinnerin:
„Die Haltung gegenüber der Ukraine hat sich im vergangenen Jahr [merklich] verändert. […] Zum ersten Mal in der Geschichte [der Konferenz] gab es in München ein Ukrainisches Haus – einen separaten Ort, an dem im Rahmen der Konferenz Veranstaltungen stattfanden. […] Außer uns haben nur zwei Länder einen solchen Status: Es gibt ein Deutsches Haus und ein Amerikanisches Haus. Dabei ist das Ukrainische Haus am nächsten zum Hotel Bayerischer Hof gelegen, in dem die wichtigsten Veranstaltungen [der Konferenz] stattfanden.
Darüber hinaus wurde das Ukrainische Haus zu einem Ort der Schocktherapie für westliche Beamte und Expert:innen […]. Gestaltet hatte es die Pintschuk-Stiftung, die für ihre künstlerischen Performances bei internationalen Großereignissen bekannt ist […]. Am Eingang war eine echte Schahed[-Drohne] platziert (natürlich ohne Sprengkopf), dahinter lief auf einer großen Leinwand ein provokantes KI-Video.
Noch vor einem Jahr hätte eine solche Performance kontraproduktiv sein können. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nach dem massiven Drohnenangriff auf Polen im vergangenen Herbst haben die Europäer erkannt, dass dies ihre Schwachstelle ist. Die Erkenntnis, dass diese sicherheitspolitische Herausforderung ohne die Ukraine nicht zu bewältigen ist, setzt sich zunehmend durch. […] ‚Wir brauchen die Ukraine genauso, wie sie uns braucht‘ – diese Ansicht wurde schon in den Vorjahren geäußert und wird nun zum allgemeinen Narrativ.“
„Ein mutiges, aber riskantes Spiel“
In NV nennt der Nahost-Experte Ihor Semivolos Selenskyjs Treffen mit dem iranischen Oppositionsführer Reza Pahlavi am Rande der Sicherheitskonferenz einen kühnen Schritt, der der Ukraine nützen könne, aber viel diplomatisches Geschick erfordere:
„Das Treffen […] markiert ein neues Kapitel in der Geschichte der ukrainisch-iranischen Beziehungen. […] Die Ukraine erkennt die iranische Opposition nun offiziell als künftige Macht im Iran an. Lange Zeit agierte die Ukraine vorsichtig, um den Iran nicht zu einer noch engeren militärischen Zusammenarbeit mit Russland zu drängen. Jetzt hat sich die Situation geändert. […]
Für Selenskyj ist dies eine Gelegenheit, die Koalition der Unterstützer über den Westen hinaus zu erweitern, indem er sich an die Völker des Globalen Südens wendet, die für ihre Freiheit kämpfen. Für Pahlavi bedeutet dies eine enorme Legitimierung. Die Unterstützung des ukrainischen Präsidenten hebt die iranische Opposition auf eine ganz andere Ebene weltweiter Anerkennung.
[…] das Treffen in München zeigt, dass sich eine ‚Gegenachse‘ bildet. Russland, Iran und Nordkorea helfen sich gegenseitig mit Waffen. Die Ukraine beginnt, den Oppositionsbewegungen dieser Länder medial und politisch zu helfen. Das ist ein Schlag gegen die innere Stabilität des iranischen Regimes, das jede Anerkennung Pahlavis auf staatlicher Ebene zutiefst fürchtet.
Zuvor hatte Selenskyj sich in Vilnius mit der [belarusischen Oppositionsführerin] Swjatlana Zichanouskaja getroffen und sie zu einem Besuch in Kyjiw eingeladen. Dies ist ein mutiges, aber riskantes Spiel. Reichen die Ressourcen für diesen Kurs aus?“
Neue Chefs, neue Hoffnungen?
Personalrochade an entscheidenden Schalthebeln der Macht: Zu Jahresbeginn erhielten nicht nur das Präsidialamt und die Ministerien für Verteidigung und Energie neue Chefs, auch der Inlandsgeheimdienst SBU hat – zumindest komissarisch – einen neuen Leiter. Einige Medien erkennen darin erste Kurskorrekturen. Auffällig viele Hoffnungen richten sich auf den neuen Verteidigungsminister.
„Ein Krieger, kein Geheimdienstler“
Die Ukrajinska Prawda beschreibt die Herausforderungen innerhalb der neuen Leitungsriege beim Inlandsgeheimdienst SBU, der derzeit noch komissarisch geführt wird:
„Yevhenii Khmara, Leiter des Zentrums für Spezialeinsätze Alfa [beim SBU] und komissarischer Leiter des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes, ist ein klassischer Soldat der Spezialeinheiten, ein Kommandant für den Kampf. ‚Er ist ein Mann des Krieges, kein Geheimdienstler‘, sagt ein Gesprächspartner aus den Strafverfolgungsbehörden […].
Bis zum 5. Januar 2026 befehligte Khmara mehrere tausend Alfa-Kämpfer. Durch die Ernennung zum komissarischen Leiter [des SBU] wurde er zum Chef von mehr als 30.000 Mitarbeiter:innen in der ganzen Ukraine. Um wirklich zu verstehen, wie diese besondere ‚Maschine‘ funktioniert, braucht man viel Zeit. […] Dabei wird er von seinen Stellvertretern unterstützt, von denen Selenskyj die meisten zu Beginn des Jahres ernannt hatte.
Zu ihnen gehört Khmaras Schützling, der Alfa-Mann Denys Kylymnyk. Außerdem dabei ist der Protegé des [stellvertretenden SBU-Leiters Oleksandr] Poklad, der Geheimdienstler Andrii Tupikov.
Oleksandr Poklad ist de facto zwar nicht der erste Mann im SBU, aber auch nicht einfach der zweite. Er befasst sich mit Spionageabwehr, insbesondere im militärischen Bereich. Er nimmt an Besprechungen beim Präsidenten teil und erweitert nach und nach seinen Einfluss. [...]
In naher Zukunft ist kaum mit einer [finalen] Personalentscheidung im Geheimdienst zu rechnen. [...] [Der vorherige SBU-Chef] Wassyl Maljuk war fast sieben Monate lang kommissarischer Leiter. Es scheint, das könne sich nun wiederholen.“
„Eine der besten Personalentscheidungen seit dem Großangriff“
In Radio NV lobt Yurii Fedorenko, der prominente Kommandeur der 429. separaten Achilles-Brigade für unbemannte Systeme, die Berufung von Mychajlo Fedorow zum Verteidigungsminister:
„Wir müssen alles daransetzen, die [nötige] Zahl einsatzfähiger Drohnen zu bekommen. Das weiß der neue Verteidigungsminister nur zu gut. Ich halte dies [...] für eine der besten Personalentscheidungen seit Beginn des russischen Großangriffs. Fedorow weiß, was zu tun ist. Wichtig ist nur, dass sein [neu aufgestelltes] Team nicht versagt. […] Ich bin fest davon überzeugt, dass [Fedorow und seine Leute], wenn sie die Befugnis erhalten, anspruchsvolle Initiativen umzusetzen, auch dazu in der Lage sind.“
„Der erste Minister, der das Potential der Drohnenbranche erkannt hat“
Auch die Drohnenexpertin Mariia Berlinska, die als „Mutter der ukrainischen Luftaufklärung“ gilt, äußert in einem Interview mit Suspilne hohe Erwartungen an den neuen Verteidigungsminister:
„Bei der Ernennung von Minister Fedorow sehe ich ein zentrales Problem: Sie kommt mindestens zwei bis drei Jahre zu spät. Er und sein Team müssen nun Fehler korrigieren, die lange vor ihrer Zeit gemacht wurden. Aber Fedorow wird man dafür verantwortlich machen.
Das Ministerium ist […] wesentlich komplexer als das neu geschaffene Digitalministerium [das Fedorow zuvor leitete]. […] Hier hat alles seit Sowjetzeiten ein festes Fundament. Es wird also sehr schwierig werden. In Fachkreisen […] herrscht jetzt großer Optimismus. Die Menschen haben auf die Ernennung [Fedorows] gewartet und begreifen sie als ihre letzte […] Hoffnung.
Doch selbst wenn man ein Genie ist, […] kann man innerhalb weniger Monate kein Wunder vollbringen. Fedorow ist […] ein talentierter Manager. Wenn ich mich recht erinnere – und ich beschäftige mich seit 2014 mit der Entwicklung von Militärtechnologie und ‑industrie –, war er der erste Minister, der das Potenzial der [Drohnen-]Branche erkannt hat.“
Dauernotstand im Rentensystem
Anfang Februar wurde bekannt, dass Hunderttausende Rentner:innen aus den besetzten Gebieten sowie Binnenvertriebene ihre Renten für Januar nicht rechtzeitig erhalten haben. Die Behörden begründeten die Verzögerungen mit Sicherheitsauflagen. Zugleich offenbart die Situation ein grundsätzliches Problem: Demografie und Kriegsverluste setzen das Rentensystem strukturell unter Druck – und für viele Menschen unter 50 Jahren erscheinen auskömmliche Renten schon heute kaum realistisch. Die Regierung kündigt deshalb Reformen an.
„Renten wurden nicht ausgezahlt“
Suspilne beschreibt die Probleme mit den Renten für Binnenvertriebene und Menschen in den vorübergehend besetzten Gebieten:
„In diesem Jahr […] hat sich für Rentner:innen, die in den besetzten Gebieten oder im Ausland leben, […] [einiges] geändert: Ein neuer Kabinettsbeschluss verpflichtet sie dazu, sich jährlich beim Rentenfonds zu melden, sich auszuweisen und zu bestätigen, dass sie keine Rente aus der Russischen Föderation beziehen.
Im Januar, als die Renten ausgezahlt werden sollten – auch an Binnenflüchtlinge, die in von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebieten wohnen und nie unter russischer Besatzung gelebt haben – gingen bei Menschenrechtsorganisationen […] Beschwerden ein: Die Renten seien nicht ausgezahlt worden […].
Natalia Yurlova, Juristin der [Menschenrechtsorganisation] Donbas SOS, erklärte gegenüber Suspilne [...]: ‚[…] Selbst von Rentner:innen in den von der Ukraine kontrollierten Gebieten wird nun massenweise verlangt, dass sie [sich beim Rentenfonds melden und] ihre Identität bestätigen. Dabei sieht der Beschluss das nur für Personen in den besetzten Gebieten oder im Ausland vor.‘“
„Rente reicht nicht für ein menschenwürdiges Leben“
Censor berichtet über die Forderung von Sozialminister Denis Uliutin, das Rentensystems zu reformieren:
„[Minister Uliutin] erklärte, der Haushalt des Pensionsfonds sehe für 2026 Renten in Höhe von durchschnittlich 6.500 Hrywnja [rund 130 Euro] vor. Das reiche jedoch nicht für ein ‚menschenwürdiges Leben‘. Gleichzeitig erhielten mehr als 4,3 Millionen Rentner:innen Pensionen von weniger als 6.000 Hrywnja.
‚Deshalb haben wir ein neues Rentenmodell ausgearbeitet und finalisieren derzeit den entsprechenden Gesetzentwurf. Er sieht eine garantierte Grundrente von mindestens 6.000 Hrywnja vor, sowie einen solidarischen Teil, der die Beiträge möglichst eng an die [Höhe der] Rente koppelt und nicht von zufälligen Faktoren wie dem Jahr des Renteneintritts beeinflusst wird […]‘, erklärte Uliutin.“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
Die Nachrichtenredaktion von Suspilne ist zudem für sein breites regionales Netzwerk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website suspilne.media 9,9 Millionen Aufrufe.
NV ist ein Online-Nachrichtenportal, ein vierteljährlich erscheinendes Printmagazin und ein Radiosender. Die Redaktion berichtet über internationale Nachrichten und ukrainische Politik. Es legt den Fokus auf internationale Unterstützung für die Ukraine, Korruption und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch gründete NV 2014 und übernahm die Chefredaktion. Zuvor arbeitete Sytsch beim populären Magazin Korrespondent. Er und viele heutige NV-Mitarbeiter verließen Korrespondent, nachdem Serhij Kurtschenko, ein Oligarch aus Charkiw mit engen Verbindungen zum damaligen Präsident Wiktor Janukowytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, das dem tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala gehört.
Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
Babel gehört der Gründerin und Chefredakteurin Kateryna Kobernyk sowie Oleksandr Babenko, dem Eigentümer des Drohnenherstellers Vyriy Industries.
Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
Seitenaufrufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen
Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
Seitenaufrufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen
Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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