„Wir brau­chen die Ukraine genauso wie die Ukraine uns“

Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz
Foto: IMAGO /​ dts Nachrichtenagentur

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 4. bis 17. Februar 2026:
Stim­mungs­wan­del in München
Neue Chefs, neue Hoffnungen?
Dau­er­not­stand im Rentensystem

Stim­mungs­wan­del in München

Vom 13. bis 15. Februar tagte die Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz und zeigte einmal mehr, wie sehr sich „der Westen“ derzeit ver­än­dert. 2022 – es war die letzte Aus­lands­reise des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten vor dem rus­si­schen Groß­an­griff – warnte Wolo­dymyr Selen­kyj in München: Ein Krieg in der Ukraine würde Europa gefähr­den. 2025 pro­vo­zierte US-Vize­prä­si­dent J. D. Vance mit Angrif­fen auf Europas Demo­kra­tie­ver­ständ­nis. Ein Jahr später beschwor US-Außen­mi­nis­ter Marco Rubio plötz­lich die Bünd­nis­treue. Doch viele Europäer:innen halten solche Zusagen kaum noch für belast­bar. Europa sucht nach Führung – und die Rolle der Ukraine wird dabei immer wichtiger.

„Der fin­ni­sche Prä­si­dent wäre der ideale Kandidat“

LB beschreibt, wie Europa im Krieg nach einer eigenen Rolle und Führung sucht:
„Eine Quelle aus dem Umfeld von Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj berich­tete, im Team des Staats­ober­haupts sei man schon lange zu dem Schluss gelangt, dass Russ­land und die Ver­ei­nig­ten Staaten heute ‚natür­li­che Ver­bün­dete‘ seien.

‚Europa würde sich viel­leicht gerne aktiver an den Ver­hand­lun­gen über die Ukraine betei­li­gen, aber weder die Russen noch die US-Ame­ri­ka­ner lassen dies zu. Frank­reich ver­sucht, aktiv zu sein, Deutsch­land hin­ge­gen hält sich zurück. Gleich­zei­tig gefällt uns das Vor­ge­hen unserer fran­zö­si­schen Partner nicht‘, erklärte der Gesprächs­part­ner von LB mit Blick auf den Besuch des fran­zö­si­schen Chef-Diplo­ma­ten […] Emma­nuel Bonne in Moskau.

In Kyjiw ist man sich dessen bewusst, dass die Ukraine mehr euro­päi­sches Enga­ge­ment braucht – und Europa eine ideelle und inspi­rie­rende Füh­rungs­fi­gur, die in allen Mit­glieds­län­dern respek­tiert wird.

‚[Der fin­ni­sche Prä­si­dent Alex­an­der] Stubb wäre der ideale Kan­di­dat. Er ist mit Trump befreun­det und für die Euro­päer genauso akzep­ta­bel wie für uns‘, fügte der Ver­tre­ter der ukrai­ni­schen Dele­ga­tion hinzu […]. Die Äuße­run­gen des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten während des bila­te­ra­len Tref­fens mit Stubb bestä­tig­ten dies nur. ‚Ich bin Ihnen dankbar für Ihre per­sön­li­chen Bemü­hun­gen um Prä­si­dent Trump. Lassen Sie darin nicht nach‘, sagte Wolo­dymyr Selenskyj.“

„Wir brau­chen die Ukraine genauso wie sie uns“

Die mit der Ukra­jinska Prawda ver­bun­dene Jew­ro­pe­jska Prawda sieht die Ukraine nach der Sicher­heits­kon­fe­renz als Gewinnerin:

„Die Haltung gegen­über der Ukraine hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr [merk­lich] ver­än­dert. […] Zum ersten Mal in der Geschichte [der Kon­fe­renz] gab es in München ein Ukrai­ni­sches Haus – einen sepa­ra­ten Ort, an dem im Rahmen der Kon­fe­renz Ver­an­stal­tun­gen statt­fan­den. […] Außer uns haben nur zwei Länder einen solchen Status: Es gibt ein Deut­sches Haus und ein Ame­ri­ka­ni­sches Haus. Dabei ist das Ukrai­ni­sche Haus am nächs­ten zum Hotel Baye­ri­scher Hof gelegen, in dem die wich­tigs­ten Ver­an­stal­tun­gen [der Kon­fe­renz] stattfanden.

Darüber hinaus wurde das Ukrai­ni­sche Haus zu einem Ort der Schock­the­ra­pie für west­li­che Beamte und Expert:innen […]. Gestal­tet hatte es die Pint­schuk-Stif­tung, die für ihre künst­le­ri­schen Per­for­man­ces bei inter­na­tio­na­len Groß­ereig­nis­sen bekannt ist […]. Am Eingang war eine echte Schahed[-Drohne] plat­ziert (natür­lich ohne Spreng­kopf), dahin­ter lief auf einer großen Lein­wand ein pro­vo­kan­tes KI-Video.

Noch vor einem Jahr hätte eine solche Per­for­mance kon­tra­pro­duk­tiv sein können. Doch die Zeiten haben sich geän­dert. Nach dem mas­si­ven Droh­nen­an­griff auf Polen im ver­gan­ge­nen Herbst haben die Euro­päer erkannt, dass dies ihre Schwach­stelle ist. Die Erkennt­nis, dass diese sicher­heits­po­li­ti­sche Her­aus­for­de­rung ohne die Ukraine nicht zu bewäl­ti­gen ist, setzt sich zuneh­mend durch. […] ‚Wir brau­chen die Ukraine genauso, wie sie uns braucht‘ – diese Ansicht wurde schon in den Vor­jah­ren geäu­ßert und wird nun zum all­ge­mei­nen Narrativ.“

„Ein mutiges, aber ris­kan­tes Spiel“

In NV nennt der Nahost-Experte Ihor Semi­vo­los Selen­skyjs Treffen mit dem ira­ni­schen Oppo­si­ti­ons­füh­rer Reza Pahlavi am Rande der Sicher­heits­kon­fe­renz einen kühnen Schritt, der der Ukraine nützen könne, aber viel diplo­ma­ti­sches Geschick erfordere:

„Das Treffen […] mar­kiert ein neues Kapitel in der Geschichte der ukrai­nisch-ira­ni­schen Bezie­hun­gen. […] Die Ukraine erkennt die ira­ni­sche Oppo­si­tion nun offi­zi­ell als künf­tige Macht im Iran an. Lange Zeit agierte die Ukraine vor­sich­tig, um den Iran nicht zu einer noch engeren mili­tä­ri­schen Zusam­men­ar­beit mit Russ­land zu drängen. Jetzt hat sich die Situa­tion geändert. […]

Für Selen­skyj ist dies eine Gele­gen­heit, die Koali­tion der Unter­stüt­zer über den Westen hinaus zu erwei­tern, indem er sich an die Völker des Glo­ba­len Südens wendet, die für ihre Frei­heit kämpfen. Für Pahlavi bedeu­tet dies eine enorme Legi­ti­mie­rung. Die Unter­stüt­zung des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten hebt die ira­ni­sche Oppo­si­tion auf eine ganz andere Ebene welt­wei­ter Anerkennung.

[…] das Treffen in München zeigt, dass sich eine ‚Gegen­achse‘ bildet. Russ­land, Iran und Nord­ko­rea helfen sich gegen­sei­tig mit Waffen. Die Ukraine beginnt, den Oppo­si­ti­ons­be­we­gun­gen dieser Länder medial und poli­tisch zu helfen. Das ist ein Schlag gegen die innere Sta­bi­li­tät des ira­ni­schen Regimes, das jede Aner­ken­nung Pahl­avis auf staat­li­cher Ebene zutiefst fürchtet.

Zuvor hatte Selen­skyj sich in Vilnius mit der [bela­ru­si­schen Oppo­si­ti­ons­füh­re­rin] Swjat­lana Zich­anous­kaja getrof­fen und sie zu einem Besuch in Kyjiw ein­ge­la­den. Dies ist ein mutiges, aber ris­kan­tes Spiel. Reichen die Res­sour­cen für diesen Kurs aus?“

Neue Chefs, neue Hoffnungen?

Per­so­nal­ro­chade an ent­schei­den­den Schalt­he­beln der Macht: Zu Jah­res­be­ginn erhiel­ten nicht nur das Prä­si­di­al­amt und die Minis­te­rien für Ver­tei­di­gung und Energie neue Chefs, auch der Inlands­ge­heim­dienst SBU hat – zumin­dest komis­sa­risch – einen neuen Leiter. Einige Medien erken­nen darin erste Kurs­kor­rek­tu­ren. Auf­fäl­lig viele Hoff­nun­gen richten sich auf den neuen Verteidigungsminister.

„Ein Krieger, kein Geheimdienstler“

Die Ukra­jinska Prawda beschreibt die Her­aus­for­de­run­gen inner­halb der neuen Lei­tungs­riege beim Inlands­ge­heim­dienst SBU, der derzeit noch komis­sa­risch geführt wird:

„Yev­he­nii Khmara, Leiter des Zen­trums für Spe­zi­al­ein­sätze Alfa [beim SBU] und komis­sa­ri­scher Leiter des ukrai­ni­schen Inlands­ge­heim­diens­tes, ist ein klas­si­scher Soldat der Spe­zi­al­ein­hei­ten, ein Kom­man­dant für den Kampf. ‚Er ist ein Mann des Krieges, kein Geheim­dienst­ler‘, sagt ein Gesprächs­part­ner aus den Strafverfolgungsbehörden […].

Bis zum 5. Januar 2026 befeh­ligte Khmara mehrere tausend Alfa-Kämpfer. Durch die Ernen­nung zum komis­sa­ri­schen Leiter [des SBU] wurde er zum Chef von mehr als 30.000 Mitarbeiter:innen in der ganzen Ukraine. Um wirk­lich zu ver­ste­hen, wie diese beson­dere ‚Maschine‘ funk­tio­niert, braucht man viel Zeit. […] Dabei wird er von seinen Stell­ver­tre­tern unter­stützt, von denen Selen­skyj die meisten zu Beginn des Jahres ernannt hatte.

Zu ihnen gehört Khmaras Schütz­ling, der Alfa-Mann Denys Kylym­nyk. Außer­dem dabei ist der Protegé des [stell­ver­tre­ten­den SBU-Leiters Olek­sandr] Poklad, der Geheim­dienst­ler Andrii Tupikov.

Olek­sandr Poklad ist de facto zwar nicht der erste Mann im SBU, aber auch nicht einfach der zweite. Er befasst sich mit Spio­na­ge­ab­wehr, ins­be­son­dere im mili­tä­ri­schen Bereich. Er nimmt an Bespre­chun­gen beim Prä­si­den­ten teil und erwei­tert nach und nach seinen Einfluss. [...]

In naher Zukunft ist kaum mit einer [finalen] Per­so­nal­ent­schei­dung im Geheim­dienst zu rechnen. [...] [Der vor­he­rige SBU-Chef] Wassyl Maljuk war fast sieben Monate lang kom­mis­sa­ri­scher Leiter. Es scheint, das könne sich nun wiederholen.“

„Eine der besten Per­so­nal­ent­schei­dun­gen seit dem Großangriff“

In Radio NV lobt Yurii Fedo­renko, der pro­mi­nente Kom­man­deur der 429. sepa­ra­ten Achil­les-Brigade für unbe­mannte Systeme, die Beru­fung von Mycha­jlo Fedorow zum Verteidigungsminister:

„Wir müssen alles dar­an­set­zen, die [nötige] Zahl ein­satz­fä­hi­ger Drohnen zu bekom­men. Das weiß der neue Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter nur zu gut. Ich halte dies [...] für eine der besten Per­so­nal­ent­schei­dun­gen seit Beginn des rus­si­schen Groß­an­griffs. Fedorow weiß, was zu tun ist. Wichtig ist nur, dass sein [neu auf­ge­stell­tes] Team nicht versagt. […] Ich bin fest davon über­zeugt, dass [Fedorow und seine Leute], wenn sie die Befug­nis erhal­ten, anspruchs­volle Initia­ti­ven umzu­set­zen, auch dazu in der Lage sind.“

„Der erste Minis­ter, der das Poten­tial der Droh­nen­bran­che erkannt hat“

Auch die Droh­nen­ex­per­tin Mariia Ber­linska, die als „Mutter der ukrai­ni­schen Luft­auf­klä­rung“ gilt, äußert in einem Inter­view mit Sus­pilne hohe Erwar­tun­gen an den neuen Verteidigungsminister:

„Bei der Ernen­nung von Minis­ter Fedorow sehe ich ein zen­tra­les Problem: Sie kommt min­des­tens zwei bis drei Jahre zu spät. Er und sein Team müssen nun Fehler kor­ri­gie­ren, die lange vor ihrer Zeit gemacht wurden. Aber Fedorow wird man dafür ver­ant­wort­lich machen.

Das Minis­te­rium ist […] wesent­lich kom­ple­xer als das neu geschaf­fene Digi­tal­mi­nis­te­rium [das Fedorow zuvor leitete]. […] Hier hat alles seit Sowjet­zei­ten ein festes Fun­da­ment. Es wird also sehr schwie­rig werden. In Fach­krei­sen […] herrscht jetzt großer Opti­mis­mus. Die Men­schen haben auf die Ernen­nung [Fedo­rows] gewar­tet und begrei­fen sie als ihre letzte […] Hoffnung.

Doch selbst wenn man ein Genie ist, […] kann man inner­halb weniger Monate kein Wunder voll­brin­gen. Fedorow ist […] ein talen­tier­ter Manager. Wenn ich mich recht erin­nere – und ich beschäf­tige mich seit 2014 mit der Ent­wick­lung von Mili­tär­tech­no­lo­gie und ‑indus­trie –, war er der erste Minis­ter, der das Poten­zial der [Drohnen-]Branche erkannt hat.“

Dau­er­not­stand im Rentensystem

Anfang Februar wurde bekannt, dass Hun­dert­tau­sende Rentner:innen aus den besetz­ten Gebie­ten sowie Bin­nen­ver­trie­bene ihre Renten für Januar nicht recht­zei­tig erhal­ten haben. Die Behör­den begrün­de­ten die Ver­zö­ge­run­gen mit Sicher­heits­auf­la­gen. Zugleich offen­bart die Situa­tion ein grund­sätz­li­ches Problem: Demo­gra­fie und Kriegs­ver­luste setzen das Ren­ten­sys­tem struk­tu­rell unter Druck – und für viele Men­schen unter 50 Jahren erschei­nen aus­kömm­li­che Renten schon heute kaum rea­lis­tisch. Die Regie­rung kündigt deshalb Refor­men an.

„Renten wurden nicht ausgezahlt“

Sus­pilne beschreibt die Pro­bleme mit den Renten für Bin­nen­ver­trie­bene und Men­schen in den vor­über­ge­hend besetz­ten Gebieten:

„In diesem Jahr […] hat sich für Rentner:innen, die in den besetz­ten Gebie­ten oder im Ausland leben, […] [einiges] geän­dert: Ein neuer Kabi­netts­be­schluss ver­pflich­tet sie dazu, sich jähr­lich beim Ren­ten­fonds zu melden, sich aus­zu­wei­sen und zu bestä­ti­gen, dass sie keine Rente aus der Rus­si­schen Föde­ra­tion beziehen.

Im Januar, als die Renten aus­ge­zahlt werden sollten – auch an Bin­nen­flücht­linge, die in von der ukrai­ni­schen Regie­rung kon­trol­lier­ten Gebie­ten wohnen und nie unter rus­si­scher Besat­zung gelebt haben – gingen bei Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen […] Beschwer­den ein: Die Renten seien nicht aus­ge­zahlt worden […].

Natalia Yurlova, Juris­tin der [Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tion] Donbas SOS, erklärte gegen­über Sus­pilne [...]: ‚[…] Selbst von Rentner:innen in den von der Ukraine kon­trol­lier­ten Gebie­ten wird nun mas­sen­weise ver­langt, dass sie [sich beim Ren­ten­fonds melden und] ihre Iden­ti­tät bestä­ti­gen. Dabei sieht der Beschluss das nur für Per­so­nen in den besetz­ten Gebie­ten oder im Ausland vor.‘“

„Rente reicht nicht für ein men­schen­wür­di­ges Leben“

Censor berich­tet über die For­de­rung von Sozi­al­mi­nis­ter Denis Uliutin, das Ren­ten­sys­tems zu reformieren:

„[Minis­ter Uliutin] erklärte, der Haus­halt des Pen­si­ons­fonds sehe für 2026 Renten in Höhe von durch­schnitt­lich 6.500 Hrywnja [rund 130 Euro] vor. Das reiche jedoch nicht für ein ‚men­schen­wür­di­ges Leben‘. Gleich­zei­tig erhiel­ten mehr als 4,3 Mil­lio­nen Rentner:innen Pen­sio­nen von weniger als 6.000 Hrywnja.

‚Deshalb haben wir ein neues Ren­ten­mo­dell aus­ge­ar­bei­tet und fina­li­sie­ren derzeit den ent­spre­chen­den Gesetz­ent­wurf. Er sieht eine garan­tierte Grund­rente von min­des­tens 6.000 Hrywnja vor, sowie einen soli­da­ri­schen Teil, der die Bei­träge mög­lichst eng an die [Höhe der] Rente koppelt und nicht von zufäl­li­gen Fak­to­ren wie dem Jahr des Ren­ten­ein­tritts beein­flusst wird […]‘, erklärte Uliutin.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

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