Grenz­über­schrei­ten­der Strom­han­del in der Ukraine: Preis­si­gnale und Regulierung

Foto: Peter Maszlen /​ Adobe Stock

Nach der Syn­chro­ni­sie­rung des ukrai­ni­schen Strom­net­zes mit dem euro­päi­schen Ver­bund­netz ENTSO‑E sind Strom­im­porte zu einem wich­ti­gen Bestand­teil der Ener­gie­si­cher­heit gewor­den. Sie ver­rin­gern in Kri­sen­zei­ten die Strom­knapp­heit und schaf­fen zusätz­li­chen Wett­be­werbs­druck auf dem hei­mi­schen Markt. Die neue LibMod-Studie unter­sucht die Rolle des grenz­über­schrei­ten­den Strom­han­dels für die Ukraine zwi­schen 2022 und 2026.

Der rus­si­sche Angriffs­krieg gegen die Ukraine und vor allem die Voll­in­va­sion von 2022 haben die Bedeu­tung des grenz­über­schrei­ten­den Strom­han­dels für die Ukraine grund­le­gend ver­än­dert. Während die Ukraine im Jahr 2022 noch ein Strom-Net­to­ex­por­teur war, wurden Importe nach den sys­te­ma­ti­schen rus­si­schen Angrif­fen auf die Ener­gie­infra­struk­tur zu einem wich­ti­gen Bestand­teil einer siche­ren Ener­gie­ver­sor­gung. Strom­im­porte tragen heute ent­schei­dend zur Ver­sor­gungs­si­cher­heit bei.

Das Thema grenz­über­schrei­ten­der Strom­han­del ist poli­tisch stark auf­ge­la­den, da Strom­aus­fälle für die ukrai­ni­sche Bevöl­ke­rung zum Kriegs­all­tag gehören und da Russ­lands Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen Ener­gie­preise und Ver­sor­gungs­si­cher­heit immer wieder auf­grei­fen. Öffent­li­che Dis­kus­sio­nen rund um den Strom­han­del mit den Nach­bar­län­dern sind oft ver­ein­fa­chend und mani­pu­la­tiv. Aus all diesen Gründen ist für die Öffent­lich­keit die Rolle der Strom­netz­be­trei­ber sehr undurchsichtig.

Die Studie erör­tert die Bedeu­tung der Importe in Zeiten von Strom­knapp­heit. Die Autoren, Igor Piddubnyi und Oleksii Mykhai­lenko, haben in dieser LibMod-Studie den grenz­über­schrei­ten­den Strom­han­del in der Ukraine, die Preis­ent­wick­lung und die Aus­wir­kun­gen staat­li­cher Regu­lie­rung im Zeit­raum von 2022 bis Mai 2026 ana­ly­siert. Sie haben im Detail den Ablauf und die Rah­men­be­din­gun­gen für Strom­im­porte untersucht.

Die Autoren geben Emp­feh­lun­gen für eine bessere Plan­bar­keit bei Preis­ober­gren­zen, für die schritt­weise Abschaf­fung dieser Ober­gren­zen sowie für die zukünf­tige Teil­nahme am Strom­markt der EU. Sie argu­men­tie­ren, dass die Regu­lie­rungs­be­hörde die Rolle von Impor­ten als Wett­be­werbs­quelle aus­drück­lich berück­sich­ti­gen und sicher­stel­len sollte. Zudem sollte der Zugang zu impor­tier­tem Strom mög­lichst vielen Markt­teil­neh­mern offen­ste­hen. So kann die Regu­lie­rungs­be­hörde ver­hin­dern, dass einige wenige Händler eine markt­be­herr­schende Stel­lung erlangen.

Die Ukraine könnte durch den Ausbau grenz­über­schrei­ten­der Strom­netze die eigene Ver­sor­gungs­si­cher­heit stärken. Derzeit nutzt sie die ver­füg­bare Kapa­zi­tät ungleich­mä­ßig, haupt­säch­lich in Kri­sen­zei­ten. Eine weitere Stär­kung der grenz­über­schrei­ten­den Strom­lei­tun­gen könnte eine Alter­na­tive zum Ausbau von ukrai­ni­schen Kraft­wer­ken dar­stel­len, die ja wei­ter­hin von Russ­land bom­bar­diert werden.

Grund­sätz­lich sollte die ukrai­ni­sche Ener­gie­po­li­tik kurz­fris­tige Ver­sor­gungs­si­cher­heit mit lang­fris­ti­ger Markt­in­te­gra­tion ver­bin­den. Kurz­fris­tig sollten Preis­ober­gren­zen aus­rei­chend fle­xi­bel sein, um Importe bei Strom­knapp­heit nicht zu blo­ckie­ren. Mit­tel­fris­tig sollte ihre Rolle schritt­weise abneh­men. Dagegen sollten Wett­be­werb, trans­pa­ren­ter Zugang zu grenz­über­schrei­ten­den Strom­lei­tun­gen, eine wirk­same Markt­über­wa­chung und die Inte­gra­tion in die euro­päi­schen Strom­märkte gestärkt werden.

Paper auf Englisch

Paper auf Ukrainisch

 

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