Grenzüberschreitender Stromhandel in der Ukraine: Preissignale und Regulierung

Nach der Synchronisierung des ukrainischen Stromnetzes mit dem europäischen Verbundnetz ENTSO‑E sind Stromimporte zu einem wichtigen Bestandteil der Energiesicherheit geworden. Sie verringern in Krisenzeiten die Stromknappheit und schaffen zusätzlichen Wettbewerbsdruck auf dem heimischen Markt. Die neue LibMod-Studie untersucht die Rolle des grenzüberschreitenden Stromhandels für die Ukraine zwischen 2022 und 2026.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und vor allem die Vollinvasion von 2022 haben die Bedeutung des grenzüberschreitenden Stromhandels für die Ukraine grundlegend verändert. Während die Ukraine im Jahr 2022 noch ein Strom-Nettoexporteur war, wurden Importe nach den systematischen russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur zu einem wichtigen Bestandteil einer sicheren Energieversorgung. Stromimporte tragen heute entscheidend zur Versorgungssicherheit bei.
Das Thema grenzüberschreitender Stromhandel ist politisch stark aufgeladen, da Stromausfälle für die ukrainische Bevölkerung zum Kriegsalltag gehören und da Russlands Desinformationskampagnen Energiepreise und Versorgungssicherheit immer wieder aufgreifen. Öffentliche Diskussionen rund um den Stromhandel mit den Nachbarländern sind oft vereinfachend und manipulativ. Aus all diesen Gründen ist für die Öffentlichkeit die Rolle der Stromnetzbetreiber sehr undurchsichtig.
Die Studie erörtert die Bedeutung der Importe in Zeiten von Stromknappheit. Die Autoren, Igor Piddubnyi und Oleksii Mykhailenko, haben in dieser LibMod-Studie den grenzüberschreitenden Stromhandel in der Ukraine, die Preisentwicklung und die Auswirkungen staatlicher Regulierung im Zeitraum von 2022 bis Mai 2026 analysiert. Sie haben im Detail den Ablauf und die Rahmenbedingungen für Stromimporte untersucht.
Die Autoren geben Empfehlungen für eine bessere Planbarkeit bei Preisobergrenzen, für die schrittweise Abschaffung dieser Obergrenzen sowie für die zukünftige Teilnahme am Strommarkt der EU. Sie argumentieren, dass die Regulierungsbehörde die Rolle von Importen als Wettbewerbsquelle ausdrücklich berücksichtigen und sicherstellen sollte. Zudem sollte der Zugang zu importiertem Strom möglichst vielen Marktteilnehmern offenstehen. So kann die Regulierungsbehörde verhindern, dass einige wenige Händler eine marktbeherrschende Stellung erlangen.
Die Ukraine könnte durch den Ausbau grenzüberschreitender Stromnetze die eigene Versorgungssicherheit stärken. Derzeit nutzt sie die verfügbare Kapazität ungleichmäßig, hauptsächlich in Krisenzeiten. Eine weitere Stärkung der grenzüberschreitenden Stromleitungen könnte eine Alternative zum Ausbau von ukrainischen Kraftwerken darstellen, die ja weiterhin von Russland bombardiert werden.
Grundsätzlich sollte die ukrainische Energiepolitik kurzfristige Versorgungssicherheit mit langfristiger Marktintegration verbinden. Kurzfristig sollten Preisobergrenzen ausreichend flexibel sein, um Importe bei Stromknappheit nicht zu blockieren. Mittelfristig sollte ihre Rolle schrittweise abnehmen. Dagegen sollten Wettbewerb, transparenter Zugang zu grenzüberschreitenden Stromleitungen, eine wirksame Marktüberwachung und die Integration in die europäischen Strommärkte gestärkt werden.
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