„Ein zer­mür­ben­der Kreislauf“

Rauch steigt auf nach einem nächtlichen Drohnenangriff auf Kyjiw am 29. August 2026, bei dem mindestens 27 Menschen ums Leben kamen und Dutzende weitere verletzt wurden
Foto: IMAGO /​ ZUMA Press Wire

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 13. August bis 1. Sep­tem­ber 2026:
Tage end­lo­sen Luftalarms
Kor­rup­tion auf höchs­ter Ebene: der nächste Fall
Russ­lands Ein­fluss auf Arme­nien schwindet

Tage end­lo­sen Luftalarms

Die rus­si­sche Armee ver­stärkt ihre Angriffe auf die zivile, wirt­schaft­li­che und mili­tä­ri­sche Infra­struk­tur der Ukraine. Neben Raketen setzt sie eine neue Gene­ra­tion von Angriffs­waf­fen ein, die wegen ihres Düsen­an­triebs als reak­tive Drohnen bezeich­net werden. Sie fliegen höher und schnel­ler als die übli­chen Shahed-Drohnen. Auch die Taktik des Beschus­ses hat sich geän­dert. Die Angriffe erfol­gen nicht mehr vor­nehm­lich nachts, viel­mehr starten alle paar Stunden einige wenige Drohnen, meist Rich­tung Kyjiw. Das treibt die Haupt­stadt in den per­ma­nen­ten Alarm­mo­dus: Nah­ver­kehr, Ein­kaufs­zen­tren, Post und Behör­den müssen ihren Betrieb immer wieder unter­bre­chen. Ende August legten täglich mehr als zehn Luft­alarme Kyjiw fast voll­stän­dig lahm.

„Ein zer­mür­ben­der Kreislauf“

Die Ukra­jinska Prawda erklärt das Kalkül hinter der ver­än­der­ten rus­si­schen Taktik:

„Die reak­ti­ven Drohnen fliegen oft in Wellen von jeweils vier bis fünf Drohnen. Erst wenn die ukrai­ni­schen Luft­streit­kräfte diese abge­wehrt haben, starten die Russen den nächs­ten Angriff.

Laut dem Luft­fahrt­ex­per­ten [Ana­to­lii Khrap­chyn­skyi] lässt sich die ver­än­derte Taktik mit den Kapa­zi­tä­ten Russ­lands erklä­ren, [vor allem] mit der begrenz­ten Zahl an Abschuss­ram­pen. Mög­li­cher­weise fehlt es auch an Zeit für das Nach­la­den und die Über­mitt­lung der Flug­auf­träge. Doch diese Stra­te­gie hat auch noch eine andere Seite.

Khrap­chyn­skyi dazu: ‚Russ­land erzeugt einen ste­ti­gen Druck auf unsere Ver­tei­di­gung, [indem es Drohnen in kleinen Gruppen los­schickt – UP]. Die [ukrai­ni­schen] Kampf­jets werden in einen zer­mür­ben­den Kreis­lauf hin­ein­ge­zo­gen: Start, Abfan­gen eines Hoch­ge­schwin­dig­keits­ziels, Landung, Auf­tan­ken und Neu­be­stü­ckung. Das ver­schleißt die Flug­zeuge rapide, und die boden­ge­stütz­ten Flug­ab­wehr­sys­teme werden per­ma­nent belas­tet. Die Russen setzen auf den banalen mensch­li­chen Faktor der Ermü­dung der­je­ni­gen, die [die Abwehr­sys­teme] bedienen.‘“

„Zu früh für mas­sen­haf­ten Einsatz“

Forbes Ukraine fragt nach wirk­sa­men Abwehr­me­cha­nis­men und prüft Optio­nen von Abfang­droh­nen bis hin zu kleinen Raketen:

„Abfang­droh­nen bieten noch keine aus­rei­chende Lösung des Pro­blems, sagt [Vitalii Ivanov, Kom­man­deur der Flug­ab­wehr­ra­ke­ten- und Artil­le­rie-Divi­sion Strasсh, auch bekannt unter dem Kampf­na­men] Tsche­set. Die Her­stel­ler testen sie bisher in Eigen­re­gie oder liefern sie in kleinen Mengen pro­be­weise an [Militär-]Einheiten. ‚Es ist noch zu früh, um von einem mas­sen­haf­ten Einsatz [dieser Drohnen] zu spre­chen‘, fügt er hinzu.

Eine weitere Abwehr­mög­lich­keit gegen reak­tive Shaheds könnten kleine Raketen nach dem Vorbild US-ame­ri­ka­ni­scher APKWS [Luft-Boden-Lenk­flug­kör­per] sein, erklärt [Oleh] Katkov, [Chef­re­dak­teur des Rüs­tungs­por­tals] Defense Express.

Forbes Ukraine hat seit Jah­res­be­ginn von […] meh­re­ren ukrai­ni­schen Teams erfah­ren, die an solchen Raketen arbei­ten. Ihr [Stück-]Preis liegt etwa zwi­schen […] [8.500 und 13.000 Euro]. ‚Wir ent­wi­ckeln eine Rakete, geben aber vorerst keine Details bekannt‘, sagt ein […] Ver­tre­ter eines Rüs­tungs­un­ter­neh­mens, [der anonym bleiben will].“

„Die Kinder starren auf ihre Handys“

Bei einem Luft­alarm müssen Schul­kin­der oft stun­den­lang in den Luft­schutz­kel­ler. LIGA beschreibt, wie Eltern in Kyjiw vor Beginn des neuen Schul­jah­res nach Aus­we­gen suchen:

„Tetiana, die Mutter eines Dritt­kläss­lers, hat ihren Sohn eine Woche vor Schul­be­ginn bei einer Pri­vat­schule ein­ge­schrie­ben. Der Grund: Dort wird der Unter­richt auch bei Luft­alarm nicht unterbrochen. […]

Die neue Schule hat einen Schutz­raum, in dem der Unter­richt [in solchen Fällen] fort­ge­setzt werden kann. In der staat­li­chen Schule, die ihr Sohn zuvor besuchte, wech­seln die Kinder bei Alarm ins hybride Lernen [online]. Für Tetiana kam das nicht infrage: Während der Alarme ist sie bei der Arbeit, und ihren Sohn unbe­auf­sich­tigt zu lassen, war für sie keine Option.

Mariia, Mutter eines Neunt­kläss­lers, sieht dem Schul­be­ginn mit großer Sorge ent­ge­gen. Dieses Jahr wird ihr Sohn online lernen. Im ver­gan­ge­nen Jahr besuchte er die Schule noch in Präsenz. Und da erlebte Mariia, wie es während eines Alarms im Schutz­raum zugeht: ‚Es gibt keinen rich­ti­gen Unter­richt. Die Kinder sitzen auf den Bänken und starren auf ihre Handys.‘

Mit Fern­un­ter­richt hat die Familie schon während der Corona-Pan­de­mie Erfah­run­gen gemacht. Deshalb ist Mariia wenig opti­mis­tisch bezüg­lich der Erfolgs­aus­sich­ten. Sie glaubt nicht, dass so voll­wer­ti­ger Unter­richt oder nach­hal­ti­ges Lernen möglich sind.“

Kor­rup­tion auf höchs­ter Ebene: der nächste Fall

Die Justiz ermit­telt gegen die frühere Vize­che­fin des Prä­si­di­al­amts, Iryna Mudra, wegen mut­maß­li­cher Geld­wä­sche. Zusam­men mit Poli­ti­kern, Geschäfts­leu­ten und Mana­gern der staat­li­chen Sense Bank soll sie 150 Mil­lio­nen Hrywnja – rund drei Mil­lio­nen Euro – gewa­schen haben, die im Sommer als Kaution für Ex-Jus­tiz­mi­nis­ter Herman Haluscht­schenko gezahlt worden waren. Haluscht­schenko ist einer der Beschul­dig­ten im bisher größten Kor­rup­ti­ons­skan­dal seit Beginn des rus­si­schen Groß­an­griffs, im Zuge dessen auch gegen Tymur Min­dit­sch ermit­telt wurde, einen lang­jäh­ri­gen Ver­trau­ten von Prä­si­dent Selen­skyj, sowie gegen den dama­li­gen Leiter des Prä­si­di­al­amts, Andrij Jermak.

„Das Problem war, dass legales Geld fehlte“

Die Ukra­jinska Prawda berich­tet aus­führ­lich über die Hin­ter­gründe des Falls und darüber, welche Rolle die Kau­ti­ons­zah­lung für Haluscht­schenko dabei spielte:

„Im Februar ver­haf­te­ten Anti­kor­rup­ti­ons­er­mitt­ler den frü­he­ren Minis­ter beim Versuch, das Land zu ver­las­sen. Sie lei­te­ten for­melle Unter­su­chun­gen ein und ver­häng­ten eine Kaution in Höhe von 200 Mil­lio­nen Hrywnja – dem Prä­si­di­al­amt berei­tete das einiges Kopfzerbrechen.

Denn Haluscht­schenko war nicht nur einer der rang­höchs­ten Ver­däch­ti­gen einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung, die durch die [soge­nannte] Ope­ra­tion Midas [ans Licht kam] und laut den Straf­ver­fol­gern mehr als 100 Mil­lio­nen US-Dollar aus dem […] Ener­gie­sek­tor ver­un­treut haben soll.

Haluscht­schenko ist der Schlüs­sel, mit dem [das Natio­nale Anti­kor­rup­ti­ons­büro] NABU und [die Anti­kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft] SAP zwei Türen zugleich öffnen können. Auf der einen steht: ‚Die Rolle des Prä­si­di­al­amts bei den Machen­schaf­ten der kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­tion‘. Auf der anderen: ‚Wer pro­fi­tierte wirk­lich von den Off­shore-Konten, auf die Dut­zende Mil­lio­nen Dollar geflos­sen sind?‘ […]

Gerüchte, Haluscht­schenko könne sich mit den Ermitt­lungs­be­hör­den einigen [und ihnen Infor­ma­tio­nen liefern], befeu­er­ten […] die Anstren­gun­gen der Staats­spitze, das ‚Löse­geld‘ [die Kaution] […] für ihn auf­zu­trei­ben. Das Problem […] war nicht, dass dieses Geld in den zahl­rei­chen Hin­ter­zim­mern der Macht fehlte, sondern dass es sich um legales und nicht um gestoh­le­nes [Geld] handeln musste. […]

Am 29. Juni wurden 150 Mil­lio­nen Hrywnja für Herman Haluscht­schenko hin­ter­legt – wie gewohnt durch Unter­neh­men, die niemand kannte, genauso wenig wie die­je­ni­gen, denen sie gehör­ten. Haluscht­schenko kam frei – und es schien, als könnten das Prä­si­di­al­amt, der Prä­si­dent selbst und sein Ver­trau­ter Tymur Min­dit­sch auf­at­men. Bis am 19. August bekannt wurde, dass NABU und SAP die [gesamte] Ope­ra­tion […] doku­men­tiert hatten.“

„Eigene Leute einschleusen“

In einer Gerichts­re­por­tage zitiert Sus­pilne heim­lich auf­ge­zeich­nete Aus­sa­gen von Iryna Mudra zum Umgang mit den Anti­kor­rup­ti­ons­be­hör­den NABU und SAP:

„Während der Gesprä­che skiz­ziert Mudra […] Pläne, wie das Prä­si­di­al­amt Ein­fluss auf die Anti­kor­rup­ti­ons­or­gane ausüben könne. Unter anderem geht es darum, eigene Leute in den Auf­sichts­rat des NABU ein­zu­schleu­sen. In den Auf­nah­men ist auch zu hören, wie sie einem ‚hoch­ran­gi­gen Beamten des Prä­si­di­al­amts‘ vor­schlägt, die Wie­der­wahl des SAP-Leiters Olek­sandr Kly­menko zu ver­hin­dern, dessen Amts­zeit im nächs­ten Jahr ausläuft.

‚Wir denken nicht [öffent­lich] über einen Nach­fol­ger für Kly­menko nach und leiten nichts in die Wege. Er schläft tief und fest und glaubt, dass er wie­der­ge­wählt wird […]. Dieser Mensch hat keine Prin­zi­pien. Er macht dich fertig und geht weiter. Er ist keiner von uns. Wenn es ihm passt, ver­stän­digt er sich viel­leicht mit dir – aber das heißt nicht, dass er später nicht hinter dir her sein wird, wie hinter Andrij [ver­mut­lich Jermak] und den anderen‘, sagte Mudra.“

„Ausmaß des Miss­brauchs in den obers­ten Etagen der Macht“

LB erin­nert an viel beach­tete Fälle der Ver­gan­gen­heit – ange­fan­gen beim ersten großen Kor­rup­ti­ons­skan­dal der unab­hän­gi­gen Ukraine um Pawlo Las­a­renko, der von 1996 bis 1997 Pre­mier­mi­nis­ter war:

„Pawlo Las­a­renko […], [der 2006] in den USA ver­ur­teilt [wurde], weil er mehr als 200 Mil­lio­nen US-Dollar über Off­shore-Firmen und Banken gewa­schen hatte, gilt als erstes Symbol für die Top­kor­rup­tion in unserem Staat. [Sein] Fall gehörte zu den größten inter­na­tio­na­len Skan­da­len der ukrai­ni­schen Politik in den 1990er Jahren und zeigte das Ausmaß des Miss­brauchs in den obers­ten Etagen der Macht zur Zeit von [Prä­si­dent] Leonid Kutschma. […]

Las­a­renko wurde 1999 in New York ver­haf­tet. In der Ukraine liefen zahl­rei­che Ver­fah­ren wegen Ver­un­treu­ung von Staats­ei­gen­tum in Mil­li­ar­den­höhe, ein­schließ­lich Machen­schaf­ten im Gas- und Ener­gie­sek­tor, gegen ihn. Aus­ge­lie­fert wurde er jedoch nicht, da er angeb­lich aus poli­ti­schen Motiven ver­folgt werde.

Am 25. August 2006 wurde [Las­a­renko in den USA] zu 97 Monaten Haft und einer Strafe von zehn Mil­lio­nen US-Dollar wegen Geld­wä­sche und anderer Ver­bre­chen ver­ur­teilt. […] 2016 berich­tete die New York Times […], Pawlo Las­a­renko lebe mit seiner zweiten Frau und drei Kindern in Marin County bei San Fran­cisco [in einer der reichs­ten Regio­nen der USA].“

Russ­lands Ein­fluss auf Arme­nien schwindet

Arme­nien, einst Russ­lands engster Ver­bün­de­ter im Süd­kau­ka­sus, wendet sich zuneh­mend dem Westen zu. Die arme­ni­sche Führung zeigt sich Russ­land gegen­über immer selbst­be­wuss­ter. Ukrai­ni­sche Medien deuten dies als wei­te­res Zeichen für Moskaus nach­las­sen­den Ein­fluss in der Region. Der Angriffs­krieg gegen die Ukraine bindet rus­si­sche Kräfte und schwächt Moskaus Rück­halt bei tra­di­tio­nel­len Partnern.

„Kein Ver­bün­de­ter Russlands“

Dser­kalo Tyschnja fasst den Wandel in der arme­ni­schen Politik zusam­men – vom Bruch mit Moskau bis zu neuen Bahn­rou­ten in Rich­tung EU:

„Die Bezie­hun­gen zwi­schen Russ­land und Arme­nien ver­schlech­tern sich schon seit Jahren, zuletzt hat sich die Lage jedoch ver­schärft, weil sich [der arme­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter Nikol] Paschin­jan geo­po­li­tisch zuneh­mend Rich­tung EU und USA ori­en­tiert. Aus­lö­ser war die feh­lende mili­tä­ri­sche Unter­stüt­zung Russ­lands für Arme­nien in den jüngs­ten Kämpfen mit Aser­bai­dschan um Berg­ka­ra­bach. Also erklärte Premier [Paschin­jan], sein Land sei im Krieg gegen die Ukraine kein Ver­bün­de­ter Russ­lands und erin­nerte nach dem Besuch von […] Selen­skyj [im Mai 2026] daran, dass Jerewan Kyjiw wei­ter­hin huma­ni­täre Hilfe leiste.

Gleich­zei­tig eröff­nete Arme­nien die neue Eisen­bahn­stre­cke Achalkalaki–Kars, die über Geor­gien und die Türkei in die EU führt. In Jerewan sprach man von einem wich­ti­gen Schritt für die Wirt­schaft […] und die stär­kere Inte­gra­tion in den euro­päi­schen Markt. Paschin­jan kün­digte [zudem] an, weitere Bahn­stre­cken über Aser­bai­dschan, die Türkei und den Iran seien geplant.“

„Garan­tie der Unantastbarkeit“

Die Jew­ro­pe­jska Prawda sieht in der Ver­haf­tung des pro­rus­si­schen Ex-Prä­si­den­ten Robert Kot­schar­jan Ende August ein wei­te­res Indiz für sich ver­schlech­ternde Bezie­hun­gen mit Moskau:

„Robert Kot­schar­jan ist nicht irgend­ein Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker, sondern der zweite Prä­si­dent Arme­ni­ens. Er gilt als per­sön­li­cher Freund Wla­di­mir Putins.

So lud der rus­si­sche Dik­ta­tor Kot­schar­jan auch nach dessen Prä­si­dent­schaft wie­der­holt zu sich ein. Und diese beson­de­ren Bezie­hun­gen dienten Kot­schar­jan lange Zeit als Garan­tie der Unan­tast­bar­keit. Jetzt aber funk­tio­niert das nicht mehr.

Der Kurs auf eine Neu­aus­rich­tung der Bezie­hun­gen zu Russ­land ließ sich bereits im Entwurf des neuen Regie­rungs­pro­gramms erken­nen, den Nikol Paschin­jan dem Par­la­ment vor­legte. Darin heißt es unter anderem, Arme­nien wolle den Dialog mit Russ­land ‚im Sinne einer bei­der­sei­tig vor­teil­haf­ten […] Zusam­men­ar­beit‘ fort­set­zen sowie an der ‚Ver­tie­fung der Bezie­hun­gen […] im Rahmen einer aus­ba­lan­cier­ten Außen­po­li­tik‘ arbeiten.

Diese For­mu­lie­rung unter­schei­det sich wesent­lich von frü­he­ren Regie­rungs­pro­gram­men, in denen Russ­land als ‚stra­te­gi­scher Partner‘ beschrie­ben wurde. Das aktu­elle [Pro­gramm] legt den Schwer­punkt auf den Ausbau der Zusam­men­ar­beit mit den USA, der EU und beson­ders mit Frankreich.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

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