„Ein zer­mür­ben­der Kreislauf“

Rauch steigt auf nach einem nächtlichen Drohnenangriff auf Kyjiw am 29. August 2026, bei dem mindestens 27 Menschen ums Leben kamen und Dutzende weitere verletzt wurden
Foto: IMAGO /​ ZUMA Press Wire

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 13. August bis 1. Sep­tem­ber 2026:
Tage end­lo­sen Luftalarms
Kor­rup­tion auf höchs­ter Ebene: der nächste Fall
Russ­lands Ein­fluss auf Arme­nien schwindet

Tage end­lo­sen Luftalarms

Die rus­si­sche Armee ver­stärkt ihre Angriffe auf die zivile, wirt­schaft­li­che und mili­tä­ri­sche Infra­struk­tur der Ukraine. Neben Raketen setzt sie eine neue Gene­ra­tion von Angriffs­waf­fen ein, die wegen ihres Düsen­an­triebs als reak­tive Drohnen bezeich­net werden. Sie fliegen höher und schnel­ler als die übli­chen Shahed-Drohnen. Auch die Taktik des Beschus­ses hat sich geän­dert. Die Angriffe erfol­gen nicht mehr vor­nehm­lich nachts, viel­mehr starten alle paar Stunden einige wenige Drohnen, meist Rich­tung Kyjiw. Das treibt die Haupt­stadt in den per­ma­nen­ten Alarm­mo­dus: Nah­ver­kehr, Ein­kaufs­zen­tren, Post und Behör­den müssen ihren Betrieb immer wieder unter­bre­chen. Ende August legten täglich mehr als zehn Luft­alarme Kyjiw fast voll­stän­dig lahm.

„Ein zer­mür­ben­der Kreislauf“

Die Ukra­jinska Prawda erklärt das Kalkül hinter der ver­än­der­ten rus­si­schen Taktik:

„Die reak­ti­ven Drohnen fliegen oft in Wellen von jeweils vier bis fünf Drohnen. Erst wenn die ukrai­ni­schen Luft­streit­kräfte diese abge­wehrt haben, starten die Russen den nächs­ten Angriff.

Laut dem Luft­fahrt­ex­per­ten [Ana­to­lii Khrap­chyn­skyi] lässt sich die ver­än­derte Taktik mit den Kapa­zi­tä­ten Russ­lands erklä­ren, [vor allem] mit der begrenz­ten Zahl an Abschuss­ram­pen. Mög­li­cher­weise fehlt es auch an Zeit für das Nach­la­den und die Über­mitt­lung der Flug­auf­träge. Doch diese Stra­te­gie hat auch noch eine andere Seite.

Khrap­chyn­skyi dazu: ‚Russ­land erzeugt einen ste­ti­gen Druck auf unsere Ver­tei­di­gung, [indem es Drohnen in kleinen Gruppen los­schickt – UP]. Die [ukrai­ni­schen] Kampf­jets werden in einen zer­mür­ben­den Kreis­lauf hin­ein­ge­zo­gen: Start, Abfan­gen eines Hoch­ge­schwin­dig­keits­ziels, Landung, Auf­tan­ken und Neu­be­stü­ckung. Das ver­schleißt die Flug­zeuge rapide, und die boden­ge­stütz­ten Flug­ab­wehr­sys­teme werden per­ma­nent belas­tet. Die Russen setzen auf den banalen mensch­li­chen Faktor der Ermü­dung der­je­ni­gen, die [die Abwehr­sys­teme] bedienen.‘“

„Zu früh für mas­sen­haf­ten Einsatz“

Forbes Ukraine fragt nach wirk­sa­men Abwehr­me­cha­nis­men und prüft Optio­nen von Abfang­droh­nen bis hin zu kleinen Raketen:

„Abfang­droh­nen bieten noch keine aus­rei­chende Lösung des Pro­blems, sagt [Vitalii Ivanov, Kom­man­deur der Flug­ab­wehr­ra­ke­ten- und Artil­le­rie-Divi­sion Strasсh, auch bekannt unter dem Kampf­na­men] Tsche­set. Die Her­stel­ler testen sie bisher in Eigen­re­gie oder liefern sie in kleinen Mengen pro­be­weise an [Militär-]Einheiten. ‚Es ist noch zu früh, um von einem mas­sen­haf­ten Einsatz [dieser Drohnen] zu spre­chen‘, fügt er hinzu.

Eine weitere Abwehr­mög­lich­keit gegen reak­tive Shaheds könnten kleine Raketen nach dem Vorbild US-ame­ri­ka­ni­scher APKWS [Luft-Boden-Lenk­flug­kör­per] sein, erklärt [Oleh] Katkov, [Chef­re­dak­teur des Rüs­tungs­por­tals] Defense Express.

Forbes Ukraine hat seit Jah­res­be­ginn von […] meh­re­ren ukrai­ni­schen Teams erfah­ren, die an solchen Raketen arbei­ten. Ihr [Stück-]Preis liegt etwa zwi­schen […] [8.500 und 13.000 Euro]. ‚Wir ent­wi­ckeln eine Rakete, geben aber vorerst keine Details bekannt‘, sagt ein […] Ver­tre­ter eines Rüs­tungs­un­ter­neh­mens, [der anonym bleiben will].“

„Die Kinder starren auf ihre Handys“

Bei einem Luft­alarm müssen Schul­kin­der oft stun­den­lang in den Luft­schutz­kel­ler. LIGA beschreibt, wie Eltern in Kyjiw vor Beginn des neuen Schul­jah­res nach Aus­we­gen suchen:

„Tetiana, die Mutter eines Dritt­kläss­lers, hat ihren Sohn eine Woche vor Schul­be­ginn bei einer Pri­vat­schule ein­ge­schrie­ben. Der Grund: Dort wird der Unter­richt auch bei Luft­alarm nicht unterbrochen. […]

Die neue Schule hat einen Schutz­raum, in dem der Unter­richt [in solchen Fällen] fort­ge­setzt werden kann. In der staat­li­chen Schule, die ihr Sohn zuvor besuchte, wech­seln die Kinder bei Alarm ins hybride Lernen [online]. Für Tetiana kam das nicht infrage: Während der Alarme ist sie bei der Arbeit, und ihren Sohn unbe­auf­sich­tigt zu lassen, war für sie keine Option.

Mariia, Mutter eines Neunt­kläss­lers, sieht dem Schul­be­ginn mit großer Sorge ent­ge­gen. Dieses Jahr wird ihr Sohn online lernen. Im ver­gan­ge­nen Jahr besuchte er die Schule noch in Präsenz. Und da erlebte Mariia, wie es während eines Alarms im Schutz­raum zugeht: ‚Es gibt keinen rich­ti­gen Unter­richt. Die Kinder sitzen auf den Bänken und starren auf ihre Handys.‘

Mit Fern­un­ter­richt hat die Familie schon während der Corona-Pan­de­mie Erfah­run­gen gemacht. Deshalb ist Mariia wenig opti­mis­tisch bezüg­lich der Erfolgs­aus­sich­ten. Sie glaubt nicht, dass so voll­wer­ti­ger Unter­richt oder nach­hal­ti­ges Lernen möglich sind.“

Kor­rup­tion auf höchs­ter Ebene: der nächste Fall

Die Justiz ermit­telt gegen die frühere Vize­che­fin des Prä­si­di­al­amts, Iryna Mudra, wegen mut­maß­li­cher Geld­wä­sche. Zusam­men mit Poli­ti­kern, Geschäfts­leu­ten und Mana­gern der staat­li­chen Sense Bank soll sie 150 Mil­lio­nen Hrywnja – rund drei Mil­lio­nen Euro – gewa­schen haben, die im Sommer als Kaution für Ex-Jus­tiz­mi­nis­ter Herman Haluscht­schenko gezahlt worden waren. Haluscht­schenko ist einer der Beschul­dig­ten im bisher größten Kor­rup­ti­ons­skan­dal seit Beginn des rus­si­schen Groß­an­griffs, im Zuge dessen auch gegen Tymur Min­dit­sch ermit­telt wurde, einen lang­jäh­ri­gen Ver­trau­ten von Prä­si­dent Selen­skyj, sowie gegen den dama­li­gen Leiter des Prä­si­di­al­amts, Andrij Jermak.

„Das Problem war, dass legales Geld fehlte“

Die Ukra­jinska Prawda berich­tet aus­führ­lich über die Hin­ter­gründe des Falls und darüber, welche Rolle die Kau­ti­ons­zah­lung für Haluscht­schenko dabei spielte:

„Im Februar ver­haf­te­ten Anti­kor­rup­ti­ons­er­mitt­ler den frü­he­ren Minis­ter beim Versuch, das Land zu ver­las­sen. Sie lei­te­ten for­melle Unter­su­chun­gen ein und ver­häng­ten eine Kaution in Höhe von 200 Mil­lio­nen Hrywnja – dem Prä­si­di­al­amt berei­tete das einiges Kopfzerbrechen.

Denn Haluscht­schenko war nicht nur einer der rang­höchs­ten Ver­däch­ti­gen einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung, die durch die [soge­nannte] Ope­ra­tion Midas [ans Licht kam] und laut den Straf­ver­fol­gern mehr als 100 Mil­lio­nen US-Dollar aus dem […] Ener­gie­sek­tor ver­un­treut haben soll.

Haluscht­schenko ist der Schlüs­sel, mit dem [das Natio­nale Anti­kor­rup­ti­ons­büro] NABU und [die Anti­kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft] SAP zwei Türen zugleich öffnen können. Auf der einen steht: ‚Die Rolle des Prä­si­di­al­amts bei den Machen­schaf­ten der kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­tion‘. Auf der anderen: ‚Wer pro­fi­tierte wirk­lich von den Off­shore-Konten, auf die Dut­zende Mil­lio­nen Dollar geflos­sen sind?‘ […]

Gerüchte, Haluscht­schenko könne sich mit den Ermitt­lungs­be­hör­den einigen [und ihnen Infor­ma­tio­nen liefern], befeu­er­ten […] die Anstren­gun­gen der Staats­spitze, das ‚Löse­geld‘ [die Kaution] […] für ihn auf­zu­trei­ben. Das Problem […] war nicht, dass dieses Geld in den zahl­rei­chen Hin­ter­zim­mern der Macht fehlte, sondern dass es sich um legales und nicht um gestoh­le­nes [Geld] handeln musste. […]

Am 29. Juni wurden 150 Mil­lio­nen Hrywnja für Herman Haluscht­schenko hin­ter­legt – wie gewohnt durch Unter­neh­men, die niemand kannte, genauso wenig wie die­je­ni­gen, denen sie gehör­ten. Haluscht­schenko kam frei – und es schien, als könnten das Prä­si­di­al­amt, der Prä­si­dent selbst und sein Ver­trau­ter Tymur Min­dit­sch auf­at­men. Bis am 19. August bekannt wurde, dass NABU und SAP die [gesamte] Ope­ra­tion […] doku­men­tiert hatten.“

„Eigene Leute einschleusen“

In einer Gerichts­re­por­tage zitiert Sus­pilne heim­lich auf­ge­zeich­nete Aus­sa­gen von Iryna Mudra zum Umgang mit den Anti­kor­rup­ti­ons­be­hör­den NABU und SAP:

„Während der Gesprä­che skiz­ziert Mudra […] Pläne, wie das Prä­si­di­al­amt Ein­fluss auf die Anti­kor­rup­ti­ons­or­gane ausüben könne. Unter anderem geht es darum, eigene Leute in den Auf­sichts­rat des NABU ein­zu­schleu­sen. In den Auf­nah­men ist auch zu hören, wie sie einem ‚hoch­ran­gi­gen Beamten des Prä­si­di­al­amts‘ vor­schlägt, die Wie­der­wahl des SAP-Leiters Olek­sandr Kly­menko zu ver­hin­dern, dessen Amts­zeit im nächs­ten Jahr ausläuft.

‚Wir denken nicht [öffent­lich] über einen Nach­fol­ger für Kly­menko nach und leiten nichts in die Wege. Er schläft tief und fest und glaubt, dass er wie­der­ge­wählt wird […]. Dieser Mensch hat keine Prin­zi­pien. Er macht dich fertig und geht weiter. Er ist keiner von uns. Wenn es ihm passt, ver­stän­digt er sich viel­leicht mit dir – aber das heißt nicht, dass er später nicht hinter dir her sein wird, wie hinter Andrij [ver­mut­lich Jermak] und den anderen‘, sagte Mudra.“

„Ausmaß des Miss­brauchs in den obers­ten Etagen der Macht“

LB erin­nert an viel beach­tete Fälle der Ver­gan­gen­heit – ange­fan­gen beim ersten großen Kor­rup­ti­ons­skan­dal der unab­hän­gi­gen Ukraine um Pawlo Las­a­renko, der von 1996 bis 1997 Pre­mier­mi­nis­ter war:

„Pawlo Las­a­renko […], [der 2006] in den USA ver­ur­teilt [wurde], weil er mehr als 200 Mil­lio­nen US-Dollar über Off­shore-Firmen und Banken gewa­schen hatte, gilt als erstes Symbol für die Top­kor­rup­tion in unserem Staat. [Sein] Fall gehörte zu den größten inter­na­tio­na­len Skan­da­len der ukrai­ni­schen Politik in den 1990er Jahren und zeigte das Ausmaß des Miss­brauchs in den obers­ten Etagen der Macht zur Zeit von [Prä­si­dent] Leonid Kutschma. […]

Las­a­renko wurde 1999 in New York ver­haf­tet. In der Ukraine liefen zahl­rei­che Ver­fah­ren wegen Ver­un­treu­ung von Staats­ei­gen­tum in Mil­li­ar­den­höhe, ein­schließ­lich Machen­schaf­ten im Gas- und Ener­gie­sek­tor, gegen ihn. Aus­ge­lie­fert wurde er jedoch nicht, da er angeb­lich aus poli­ti­schen Motiven ver­folgt werde.

Am 25. August 2006 wurde [Las­a­renko in den USA] zu 97 Monaten Haft und einer Strafe von zehn Mil­lio­nen US-Dollar wegen Geld­wä­sche und anderer Ver­bre­chen ver­ur­teilt. […] 2016 berich­tete die New York Times […], Pawlo Las­a­renko lebe mit seiner zweiten Frau und drei Kindern in Marin County bei San Fran­cisco [in einer der reichs­ten Regio­nen der USA].“

Russ­lands Ein­fluss auf Arme­nien schwindet

Arme­nien, einst Russ­lands engster Ver­bün­de­ter im Süd­kau­ka­sus, wendet sich zuneh­mend dem Westen zu. Die arme­ni­sche Führung zeigt sich Russ­land gegen­über immer selbst­be­wuss­ter. Ukrai­ni­sche Medien deuten dies als wei­te­res Zeichen für Moskaus nach­las­sen­den Ein­fluss in der Region. Der Angriffs­krieg gegen die Ukraine bindet rus­si­sche Kräfte und schwächt Moskaus Rück­halt bei tra­di­tio­nel­len Partnern.

„Kein Ver­bün­de­ter Russlands“

Dser­kalo Tyschnja fasst den Wandel in der arme­ni­schen Politik zusam­men – vom Bruch mit Moskau bis zu neuen Bahn­rou­ten in Rich­tung EU:

„Die Bezie­hun­gen zwi­schen Russ­land und Arme­nien ver­schlech­tern sich schon seit Jahren, zuletzt hat sich die Lage jedoch ver­schärft, weil sich [der arme­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter Nikol] Paschin­jan geo­po­li­tisch zuneh­mend Rich­tung EU und USA ori­en­tiert. Aus­lö­ser war die feh­lende mili­tä­ri­sche Unter­stüt­zung Russ­lands für Arme­nien in den jüngs­ten Kämpfen mit Aser­bai­dschan um Berg­ka­ra­bach. Also erklärte Premier [Paschin­jan], sein Land sei im Krieg gegen die Ukraine kein Ver­bün­de­ter Russ­lands und erin­nerte nach dem Besuch von […] Selen­skyj [im Mai 2026] daran, dass Jerewan Kyjiw wei­ter­hin huma­ni­täre Hilfe leiste.

Gleich­zei­tig eröff­nete Arme­nien die neue Eisen­bahn­stre­cke Achalkalaki–Kars, die über Geor­gien und die Türkei in die EU führt. In Jerewan sprach man von einem wich­ti­gen Schritt für die Wirt­schaft […] und die stär­kere Inte­gra­tion in den euro­päi­schen Markt. Paschin­jan kün­digte [zudem] an, weitere Bahn­stre­cken über Aser­bai­dschan, die Türkei und den Iran seien geplant.“

„Garan­tie der Unantastbarkeit“

Die Jew­ro­pe­jska Prawda sieht in der Ver­haf­tung des pro­rus­si­schen Ex-Prä­si­den­ten Robert Kot­schar­jan Ende August ein wei­te­res Indiz für sich ver­schlech­ternde Bezie­hun­gen mit Moskau:

„Robert Kot­schar­jan ist nicht irgend­ein Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker, sondern der zweite Prä­si­dent Arme­ni­ens. Er gilt als per­sön­li­cher Freund Wla­di­mir Putins.

So lud der rus­si­sche Dik­ta­tor Kot­schar­jan auch nach dessen Prä­si­dent­schaft wie­der­holt zu sich ein. Und diese beson­de­ren Bezie­hun­gen dienten Kot­schar­jan lange Zeit als Garan­tie der Unan­tast­bar­keit. Jetzt aber funk­tio­niert das nicht mehr.

Der Kurs auf eine Neu­aus­rich­tung der Bezie­hun­gen zu Russ­land ließ sich bereits im Entwurf des neuen Regie­rungs­pro­gramms erken­nen, den Nikol Paschin­jan dem Par­la­ment vor­legte. Darin heißt es unter anderem, Arme­nien wolle den Dialog mit Russ­land ‚im Sinne einer bei­der­sei­tig vor­teil­haf­ten […] Zusam­men­ar­beit‘ fort­set­zen sowie an der ‚Ver­tie­fung der Bezie­hun­gen […] im Rahmen einer aus­ba­lan­cier­ten Außen­po­li­tik‘ arbeiten.

Diese For­mu­lie­rung unter­schei­det sich wesent­lich von frü­he­ren Regie­rungs­pro­gram­men, in denen Russ­land als ‚stra­te­gi­scher Partner‘ beschrie­ben wurde. Das aktu­elle [Pro­gramm] legt den Schwer­punkt auf den Ausbau der Zusam­men­ar­beit mit den USA, der EU und beson­ders mit Frankreich.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Die Online-Zeitung Ukra­jinska Prawda ver­öf­fent­licht als regie­rungs­kri­ti­sches Medium inves­ti­ga­tive Artikel und deckte auch Kor­rup­ti­ons­fälle inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung auf. Sie zählt zu den meist­ge­nutz­ten Nach­rich­ten­por­ta­len der Ukraine.

Die Ukra­jinska Prawda wurde im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse gegrün­det, der im dar­auf­fol­gen­den Jahr – angeb­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma – ermor­det wurde. Die heutige Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment-Manage­ment-Gesell­schaft, die vom tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gelei­tet wird.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 69,6 Millionen

Das Online-Nach­rich­ten­por­tal und ‑Fern­se­hen Hro­madske finan­ziert sich über Crowd­fun­ding bei seinen Lese­rin­nen und Lesern, Spenden, Werbung und über für andere Medien auf­ge­nom­mene Videos.

Hro­madske wurde als NGO mit dazu­ge­hö­ri­gen Online-Medien im Novem­ber 2013 mit Beginn des Euro­mai­dan gegrün­det. Die jetzige Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Jewhe­nija Motorewska, die sich zuvor mit dem Thema Kor­rup­tion in ukrai­ni­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den befasst hat.

Die Wei­ter­ent­wick­lung von Hro­madske wird von einem Vor­stand vor­an­ge­trie­ben, der aus sieben pro­mi­nen­ten ukrai­ni­schen Per­sön­lich­kei­ten besteht, dar­un­ter Nobel­preis­trä­ge­rin Olek­san­dra Matwijtschuk.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2,8 Millionen

Der ukrai­ni­sche Fern­seh­sen­der mit Online-Nach­rich­ten­por­tal, dessen Chef­re­dak­teu­rin die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Chry­styna Hawryl­juk ist, wird finan­zi­ell von der ukrai­ni­schen Regie­rung unter­stützt. In diesem Zusam­men­hang hat sich die Website einer aus­ge­wo­ge­nen Bericht­erstat­tung verpflichtet.

Das renom­mierte Insti­tute of Mass Infor­ma­tion führte Suspilne.Novyny im Sep­tem­ber 2021 auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten.

Suspilne.Novyny wurde im Dezem­ber 2019 gegrün­det und gehört zur Natio­na­len öffent­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft der Ukraine. Im Januar 2015 war die zuvor staat­li­che Rund­funk­an­stalt ent­spre­chend euro­päi­schen Stan­dards in eine öffent­li­che Rund­funk­ge­sell­schaft umge­wan­delt worden.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 7,4 Millionen

NV ist eine Print- und Online-Zeit­schrift, deren Schwer­punkt auf Nach­rich­ten aus dem Ausland und der ukrai­ni­schen Politik liegt. Zu den Haupt­the­men zählen die inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung der Ukraine, Kor­rup­tion sowie die künf­tige Ent­wick­lung des Landes. Die Online-Ausgabe ver­öf­fent­lich oft Artikel renom­mier­ter aus­län­di­scher Medien wie The Eco­no­mist, The New York Times, BBC und Deut­sche Welle. Die Zeit­schrift erscheint frei­tags als Druck­aus­gabe auf Ukrai­nisch, die Website ist auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch ver­füg­bar. NV gilt als eine der zuver­läs­sigs­ten Nach­rich­ten­quel­len in der Ukraine.

NV wurde im Jahr 2014 – ursprüng­lich unter dem Namen Nowjoe Wremja („Die neue Zeit“) – vom ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Witalij Sytsch gegrün­det, der die Chef­re­dak­tion über­nahm. Zuvor arbei­tete Sytsch bei dem eben­falls popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er verließ Kor­re­spon­dent, nachdem es an Serhij Kur­tschenko – einen Janu­ko­wytsch nahe­ste­hen­den Olig­ar­chen aus Charkiw – ver­kauft worden war. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, dessen Eigen­tü­mer der tsche­chi­sche Unter­neh­mer Tomáš Fiala ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 27,1 Millionen

Dser­kalo Tyschnja liefert Hin­ter­grund­be­richte und Ana­ly­sen; das The­men­spek­trum umfasst poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, soziale und kul­tu­relle Themen. Die Zeitung betrach­tet die ukrai­ni­sche Politik und deren Akteure in einem inter­na­tio­na­len Zusam­men­hang. Dser­kalo Tyschnja steht auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sige Infor­ma­tio­nen liefern.

Dser­kalo Tyschnja ist eine der ältes­ten ukrai­ni­schen Zei­tun­gen und erschien zuerst 1994. Seit 2020 ist die Zeitung nur noch online ver­füg­bar: auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Mostowa, Ehefrau des ehe­ma­li­gen ukrai­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters Ana­to­lij Hrysenko.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 4,7 Millionen

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel wurde im Sep­tem­ber 2018 gegrün­det. Das The­men­spek­trum umfasst soziale und poli­ti­sche Themen; beson­de­res Augen­merk gilt aber auch Nach­rich­ten aus der Wis­sen­schaft und über neue Technologien.

Nach dem 24. Februar 2022 wurde die zuvor eben­falls ange­bo­tene rus­si­sche Version der Website geschlos­sen. Statt­des­sen wird nun eine eng­li­sche Version ange­bo­ten. Babel finan­ziert sich über Spenden. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter von Babel enga­gie­ren sich in zahl­rei­chen Pro­jek­ten, die darauf abzie­len, die ukrai­ni­schen Streit­kräfte während des Krieges zu unterstützen.

Die Eigen­tü­mer des Online-Maga­zins sind der erste Chef­re­dak­teur Hlib Husjew, Kateryna Kober­nyk und das slo­wa­ki­sche Unter­neh­men IG GmbH.

Heute ist die ukrai­ni­sche Jour­na­listin Kateryna Kober­nyk Chef­re­dak­teurin von Babel.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 1,1 Millionen

Das Online-Magazin LB gehört zum Hor­schenin-Insti­tut, einer ukrai­ni­schen Denk­fa­brik, die sich mit poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Pro­zes­sen in der Ukraine und der Welt beschäf­tigt. LB hat sich auf Inter­views spe­zia­li­siert; häufige Themen sind die ukrai­ni­sche Innen- und inter­na­tio­nale Politik sowie soziale Fragen in der Ukraine.

LB wurde im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh gegrün­det, Chef­re­dak­teu­rin Sonja Kosch­kina hat seit 2018 einen eigenen Youtube-Kanal „Kish­kiNA“, auf dem sie Inter­views mit ver­schie­de­nen Per­so­nen veröffentlicht.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2 Millionen

Im Fokus des ukrai­ni­schen im Jahr 2000 gegrün­de­ten Online-Nach­rich­ten­por­tals LIGA stehen wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und soziale Themen. Seit 2020 steht LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die stets präzise Infor­ma­tio­nen und zuver­läs­sige Nach­rich­ten anbieten.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Bankowa, die davor eine lei­tende Posi­tion bei dem Online-Magazin Hro­madske hatte.

Der Eigen­tü­mer des Nach­rich­ten­por­tals ist die ukrai­ni­sche unab­hän­gige Media­hol­ding Liga­me­dia, deren Geschäfts­füh­rer Dmytro Bon­da­renko ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 8,5 Millionen

Censor prä­sen­tiert sich als Website mit „emo­tio­na­len Nach­rich­ten“. Der Fokus liegt vor allem auf innen­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen. Seit dem rus­si­schen Über­fall auf die Ukraine sind viele Bei­träge den Ereig­nis­sen an der Front und den ukrai­ni­schen Streit­kräf­ten gewid­met. Censor ist auf drei Spra­chen ver­füg­bar: Ukrai­nisch, Rus­sisch und Englisch.

Das Nach­rich­ten­por­tal Censor wurde 2004 vom bekann­ten ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Jurij Butusow gegrün­det und zählt zu den popu­lärs­ten Nach­rich­ten­sei­ten des Landes. Butusow gilt als schar­fer Kri­ti­ker von Prä­si­dent Selen­skyj. Er erhebt schwere Vor­würfe in Bezug auf Kor­rup­tion inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung, schlechte Vor­be­rei­tung auf den Krieg gegen Russ­land und unbe­frie­di­gende Ver­wal­tung der Armee. Butusow wird von über 400.000 Men­schen auf Face­book gelesen. Seine Posts auf dem sozia­len Netz­werk haben enormen Ein­fluss und lösen hitzige Dis­kus­sio­nen aus.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 59 Millionen

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