„Die schädlichste Entscheidung der letzten Jahre“

Presseschau ukrainischer Medien | 17. Juni bis 16. Juli 2026:
Schon wieder ein neues Kabinett
Skandal um Missbrauch in der Armee
Wachsende Kluft zwischen Militär und Zivilbevölkerung
Schon wieder ein neues Kabinett
Am 12. Juli forderte Präsident Wolodymyr Selenskyj Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko zum Rücktritt auf. Sie und ihr Kabinett hatten fast genau ein Jahr zuvor, am 17. Juli 2025, ihr Amt angetreten. Infolge der Umbesetzungen verlor auch der beliebte und als Reformer profilierte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow nach nur sechs Monaten sein Amt. Ukrainische Medien diskutieren den unerwarteten Regierungsumbau.
„Selenskyj erwartet von der Regierung Eigenständigkeit“
Die Ukrajinska Prawda zählt verschiedene Gründe für den Regierungswechsel auf:
„Der erste Grund […] lag im verschobenen Machtgefüge nach […] der Entlassung [von Präsidialamtsleiter] Andrij Jermak und dem Korruptionsverdacht gegen ihn. […] Nach dessen Abgang machen neue [politische] Schwergewichte ihren Einfluss geltend. […]
Der zweite Grund […] liegt darin, dass der Präsident es zunehmend leid ist, für das ‚Babysitting der Regierung‘ verantwortlich zu sein – wie Selenskyjs Team die Zusammenarbeit mit dem Kabinett hinter vorgehaltener Hand nennt. […] In einem System, in dem […] [Jermak] fast alle Aufgaben der Regierung persönlich festlegte und die Premierministerin praktisch jeden Schritt mit [dem Präsidialamt in der] Bankowa[-Straße] abstimmte, war Swyrydenko die ideale Figur. Mit der Zeit irritierte dieses Modell jedoch selbst den Präsidenten. […] Selenskyj [erwartete] vom Regierungsvorsitz zunehmend nicht mehr die Abstimmung jeder Kleinigkeit, sondern […] Eigenständigkeit.
Ein [weiterer,] weniger offensichtlicher […] Grund liegt im systemischen Konflikt von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow mit ausnahmslos allen Gruppierungen, die in den Jahren des großen Krieges um den Verteidigungshaushalt herum entstanden sind […]. Sie kritisieren Fedorow für die angeblich ‚nicht gelungene‘ Reform der Mobilisierung und der Versorgung [der Streitkräfte] – tatsächlich aber wollen sie ihn loswerden, weil er, nachdem er in den Zug der Korruption eingestiegen war, statt einen Espresso zu bestellen und still mit den anderen mitzufahren, […] die ‚Notbremse‘ zog. Den Passagieren in den Luxusabteilen der Korruption passte das nicht. […]
Der wichtigste Grund indes liegt woanders: [Im Präsidialamt] hat man sich endgültig damit abgefunden, dass im Herbst keine Wahlen stattfinden. Stattdessen muss sich das Land auf den wohl härtesten Winter im gesamten großen Krieg einstellen. Die Staatsführung geht davon aus, dass Russland noch vor Einbruch der Kälte versuchen wird, die ukrainische Energiewirtschaft, die Gasförderung und die Treibstoffinfrastruktur so stark wie möglich zu zerstören – kurzum alles, was vom Energiesystem noch übrig ist. Die […] Vorbereitung auf diese Offensive wird zur Hauptaufgabe der neuen Regierung.“
„Die Handlungsfähigkeit der Regierung bewahrt“
Suspilne zieht Bilanz eines turbulenten Jahres unter Julija Swyrydenko:
„Das Jahr von Swyrydenko als Premierministerin verlief alles andere als ruhig: Kaum im Amt, gab es den Versuch, das Nationale Antikorruptionsbüro und die Spezialstaatsanwaltschaft gegen Korruption ihrer Unabhängigkeit zu berauben; später kam die Operation Midas ans Licht – der größte Korruptionsskandal im Energiesektor seit Beginn der vollumfänglichen Invasion.
Doch Swyrydenko gelang es, die Handlungsfähigkeit der Regierung zu bewahren. Zu ihren Erfolgen zählen außerdem die historische Eröffnung des ersten [von insgesamt sechs] Clustern für den EU-Beitritt der Ukraine und die Bewilligung eines Kredits über 90 Milliarden Euro.
Dennoch sind sich die meisten Gesprächspartner von Suspilne einig: Swyrydenko wurde keine Premierministerin, die der ukrainischen Politik oder Wirtschaft neue Impulse gegeben hätte.“
„Die schädlichste Entscheidung der letzten Jahre“
Der entlassene Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow verlor seinen Aussagen zufolge sein Amt wegen Konflikten mit dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj. Seine Entlassung löste Straßenproteste und heftige Kritik aus – auch vonseiten der Redaktion des Kyiv Independent:
„Zum ersten Mal seit Herbst 2022 hat die Ukraine das Blatt im Krieg gegen Russland zu ihren Gunsten gewendet – von der Front bis in die strategische Tiefe.
In einer Entscheidung, die sich als seine schädlichste im Krieg der letzten Jahre erweisen könnte, hat […] Selenskyj gerade beschlossen, den Mann zu entlassen, der die treibende Kraft hinter dieser Wende war. […]
Damit hat der Präsident die Ukraine wahrscheinlich genau in dem Moment, in dem die Chance besteht, Russland unter Druck zu setzen, den Krieg zu beenden, wieder auf den Weg eines langsamen strategischen Verfalls gebracht. […]
Wenn diese Stadt wirklich zu klein für Fedorow und Syrskyj zugleich ist, ist es Zeit, dass der General geht. […]
Die Ukraine will einen sicheren Frieden, doch dieser kann nur erreicht werden, indem man weiterhin Druck ausübt, das Leben der eigenen Soldaten schützt und Moskau in die Enge treibt.
Die Person zu entlassen, die dies gerade in die Tat umsetzt, ist ein schwerwiegender Fehler.“
Skandal um Missbrauch in der Armee
Schon lange hielten sich Gerüchte, im größten ukrainischen Sturmregiment Skelja würden Neuankömmlinge systematisch misshandelt. Obwohl der Militärombudsmann Reformen verlangte, blieb jede Reaktion aus. Das Regiment, dessen Infanterie an besonders schwierigen Frontabschnitten kämpft und dort hohe Verluste erleidet, galt als Liebling von Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj. Am 23. Juni veröffentlichte Babel eine monatelange Recherche über 26 Todesfälle abseits des Schlachtfelds und deckte auf, dass viele Soldaten suchtkrank sind oder aus prekären Verhältnissen stammen. Der Skandal löste massive Empörung aus, woraufhin Syrskyj Ermittlungen anordnete.
„Wenn sie sich falsch verhalten, werden sie brutal geschlagen“
In dem Artikel lässt Babel Soldaten und Angehörige zu Wort kommen, die unmenschliche Bedingungen im Regiment schildern:
„Nach der Ankunft, so berichten die Befragten, werden die Neuankömmlinge sortiert. ‚Die Drogenabhängigen auf die eine Seite, weil sie sich unangemessen benehmen; manchen geht es schlecht. Wenn sie sich falsch verhalten, werden sie brutal geschlagen. […]‘, sagt einer der Eingezogenen, der in diesem Regiment war.
Viele Neuankömmlinge bekommen schon im ‚Hühnerstall‘ [der Baracke, in der Skelja die Neuen aufnimmt] Entzugserscheinungen. Sie schlafen nicht mehr, leiden unter Schmerzen am ganzen Körper, Übelkeit und Durchfall; das Suizidrisiko ist hoch. Infusionen, die diesen Zustand etwas lindern, erhalten den Befragten zufolge nur wenige. Manche haben Halluzinationen und Wahnvorstellungen – sie werden isoliert.
‚Ich kann ganz genau schildern, wie ich zusammen mit vier Menschen unter dem Eichhörnchen [ukrainischer Slang für ein Entzugsdelirium bei Alkohol] im Karzer saß‘, berichtet einer der Eingezogenen anonym. Er ist nicht abhängig, sondern bekam eine Strafe, weil er sich weigerte, Kniebeugen zu machen. Deshalb saß er zwei Tage im Karzer […], [einer] winzigen Kammer, in der eine Doppelmatratze den Großteil des Raums einnimmt. Dort drängten sich sechs bis sieben Menschen gleichzeitig, mindestens vier davon auf Entzug.“
„Das Schlimmste habt ihr nicht gesehen“
Auf Facebook betont Babel-Chefredakteurin Kateryna Kobernyk, ihre Redaktion habe es nicht auf einen öffentlichen Skandal abgesehen und die schockierendsten Details bewusst ausgespart:
„Als wir die Recherche über Skelja vorbereiteten, baten wir verschiedene hochrangige Personen um Hilfe, um die Situation nicht eskalieren zu lassen; um die erschütterndsten Beweise nicht veröffentlichen und die Psyche der Menschen nicht noch mehr belasten zu müssen. Wir baten sie: Kümmert euch um dieses Problem, über das ihr weitaus besser Bescheid wisst als wir und von dem ihr nach Kräften den Eindruck erwecken wollt, es sei nicht gravierend, denn es handle sich nur um Einzelfälle. Wir wollten keine Schlagzeilen, sondern Ergebnisse – nur die zählen. Und was haben wir zu hören bekommen? Manch einer tauchte komplett ab, andere erklärten ganz unverblümt: Ohne öffentliche Aufmerksamkeit wird sich nie auch nur das kleinste Bisschen ändern. Wenn man uns vorwirft, wir würden die Sache aufblasen und uns am Leid [anderer] weiden, kann ich ehrlich sagen: Das Schlimmste habt ihr gar nicht gesehen.“
„Gleich den gesamten Markt dichtmachen“
Am 7. Juli durchsuchte das Staatliche Ermittlungsbüro die Firma Vyriy, einen der größten Hersteller von FPV-Drohnen in der Ukraine. Dem Eigentümer von Vyriy, Oleksiy Babenko, gehören 75 Prozent des Online-Magazins Babel. Das Ermittlungsbüro wirft Vyriy illegale Preistreiberei vor – viele vermuten dahinter jedoch einen Racheakt für den Artikel über Missbrauch beim Sturmregiment Skelja. Forbes sprach mit vier Topmanagern großer Rüstungsunternehmen, die anonym bleiben wollten, über die Vorwürfe und das Geschäft von Vyriy:
„‚Vyriy baut preisgünstige und hochwertige Drohnen‘, bestätigt einer von ihnen. ‚Wenn man jemanden durchsuchen will, dann ganz sicher nicht sie.‘
Der Straftatbestand überhöhter Drohnenpreise sei für die Strafverfolger sehr dehnbar, fügt der Chef eines anderen Herstellers hinzu. […]
‚Vorwürfe zur Preisgestaltung und zu den Kosten von Drohnen kann man ohne Ausnahme absolut jedem ukrainischen Hersteller machen‘, [weil Drohnenkomponenten schwer zu beschaffen seien und es deshalb keine einheitlichen Preise gebe], sagt der Topmanager eines anderen Unternehmens. ‚Dann kann man auch gleich […] den gesamten Markt dichtmachen.‘“
„Die Fallschirmjäger verfolgen einen anderen Ansatz“
Ohne das umstrittene Sturmregiment Skelja namentlich zu erwähnen, ordnete Präsident Wolodymyr Selenskyj am 10. Juli die Bildung einer neuen Division an, „um mehrere Probleme anzugehen, die gelöst werden müssen; in erster Linie im Umgang mit Menschen.“ In der Ukrajinska Prawda heißt es dazu:
„[Der erfahrene Fallschirmjäger Dmytro] Voloshyn wurde [an die Spitze der neuen Vereinigten Verteidigungskräfte] berufen, damit er Ordnung schafft – nach [Valentyn] Manko [dem früheren Chef der Sturmtruppen, der in mehrere Skandale verwickelt war], und den Vorfällen bei Skelja […]. Die Fallschirmjäger verfolgen einen anderen Ansatz.“
Wachsende Kluft zwischen Militär und Zivilbevölkerung
In der Nacht zum 8. Juli griff in Lwiw eine Menschenmenge Soldaten an, die Zivilisten rechtmäßig zur Mobilmachung aufforderten. Der spontane Protest eskalierte, mehrere Soldaten wurden verletzt und ihr Fahrzeug beschädigt. Der Vorfall gehört zu den aufsehenerregendsten in einer Reihe gewaltsamer Proteste gegen die Mobilisierung und wirft die Frage auf, wie Männer in einem Land, das einen Verteidigungskrieg führt, zur Armee stehen sollten – und wie die Armee sie behandeln sollte.
„Der Grund ist Straflosigkeit“
In einer Kolumne auf LB sieht Publizist Otar Dovzhenko die Ursache solcher Angriffe allein in der Straflosigkeit:
„Der Unwille eines Teils der Wehrpflichtigen, in die Armee zu gehen, ist – gelinde gesagt – keine neue Erscheinung in der Geschichte der Menschheit. Neu und ungewöhnlich ist jedoch, wie aggressiv und selbstbewusst Zivilist:innen heute Militärangehörigen entgegentreten. Der Grund dafür liegt in der Straflosigkeit. […] Wüssten Zivilist:innen, [die einen Militärangehörigen angreifen,] […] dass sie am Ende selbst mit Sicherheit festgenommen und verurteilt würden, gäbe es weniger solcher Fälle. […]
Die Menschen würden immer noch nicht in die Armee wollen; sie würden die für die Rekrutierung Zuständigen hassen und fürchten und sich seltsame Theorien zurechtlegen, warum nicht sie, sondern jemand anderes dienen sollte. Diese Haltung zu ändern, ist ein Prozess für sich, mit dem sich Staat, Armee, Zivilgesellschaft, Bildungswesen und andere Akteure umfassend und über Jahre beschäftigen müssen. Aber: Würden [die Menschen Militärangehörige] hassen und fürchten, würden sie sie nicht angreifen.“
„Menschen ohne Vertrauen werden zur Ressource des Zwangs“
Auf NV betont Politologe Oleh Saakyan, das in Lwiw sichtbar gewordene Grundproblem der Mobilisierung sei ein Mangel an Vertrauen:
„Oft hört man, die wichtigste Ressource im Krieg seien die Menschen. Tatsächlich aber ist die wichtigste Ressource im Krieg Vertrauen. Menschen ohne Vertrauen werden zu einer Ressource des Zwangs, während Menschen, die dem Staat vertrauen, zur Ressource des Sieges werden. Kriege gewinnen nicht jene Staaten, die ihre Bürger:innen am längsten zwingen können, sondern jene, die es schaffen, deren Motivation aufrechtzuerhalten. Die Mobilisierung im fünften Jahr der vollumfänglichen Invasion und im dreizehnten Jahr des Krieges beginnt nicht im Rekrutierungszentrum, sondern bei der Antwort des Menschen auf die Frage: Vertraue ich dem Staat so sehr, dass ich für ihn ein Risiko eingehe? Und bei der Fähigkeit des Staates, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Bei der Fähigkeit, verständliche Regeln zu gewährleisten – für jene an der Front wie für jene im Hinterland; für sie, ihre Familien, Gemeinden und Unternehmen. Die Mobilisierung beginnt mit klar festgelegten Regeln und dem Vertrauen in diese.“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
Die Nachrichtenredaktion von Suspilne ist zudem für sein breites regionales Netzwerk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website suspilne.media 9,9 Millionen Aufrufe.
NV ist ein Online-Nachrichtenportal, ein vierteljährlich erscheinendes Printmagazin und ein Radiosender. Die Redaktion berichtet über internationale Nachrichten und ukrainische Politik. Es legt den Fokus auf internationale Unterstützung für die Ukraine, Korruption und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch gründete NV 2014 und übernahm die Chefredaktion. Zuvor arbeitete Sytsch beim populären Magazin Korrespondent. Er und viele heutige NV-Mitarbeiter verließen Korrespondent, nachdem Serhij Kurtschenko, ein Oligarch aus Charkiw mit engen Verbindungen zum damaligen Präsident Wiktor Janukowytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, das dem tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala gehört.
Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
Babel gehört der Gründerin und Chefredakteurin Kateryna Kobernyk sowie Oleksandr Babenko, dem Eigentümer des Drohnenherstellers Vyriy Industries.
Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
Seitenaufrufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen
Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
Seitenaufrufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen
Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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