„Wir haben eine Alter­na­tive, aber die Russen haben keine“

Eine Frau raucht, während sie das brennende Lagerhaus des russischen Online-Händlers Wildberries im Stadtteil Utkina Zavod beobachtet
Foto: IMAGO /​ SOPA Images

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 17. Juli bis 12. August 2026:
Der Krieg der Lagerhäuser
Blo­ckierte Häfen: Agrar­bran­che unter Druck
Dra­pa­tyj: Hohe Erwar­tun­gen an den Neuen

Der Krieg der Lagerhäuser

Seit Anfang Juli greift die Ukraine gezielt Lager­häu­ser des rus­si­schen Online­händ­lers Wild­ber­ries an. Bis zum 12. August traf sie 20 Stand­orte, rund ein Fünftel der Lager­ka­pa­zi­tä­ten des Kon­zerns. Die Folgen sind erheb­lich: Wild­ber­ries gilt als kreml­nah, zugleich drohen Tau­sen­den kleinen und mitt­le­ren Händ­lern Ver­luste oder sogar die Pleite. Trotz­dem fragen ukrai­ni­sche Medien, wie sinn­voll diese Angriffe sind. Russ­land reagiert inzwi­schen mit geziel­ten Schlä­gen auf ukrai­ni­sche Lager­häu­ser rund um Kyjiw –  mit ersten Folgen für Lie­fer­ket­ten und Supermärkte.

„Unser Ziel ist der Geldbeutel“

Auf der Platt­form LB recht­fer­tigt der Soldat Kyrylo Dany­lchenko die Angriffe auf Wild­ber­ries als Teil einer „Taktik der tausend Schnitte“, die den Krieg für die Bevöl­ke­rung spürbar machen soll:

„Unser Ziel ist der Geld­beu­tel – ange­sichts des rasant wach­sen­den [rus­si­schen]  Haus­halts­de­fi­zits. Bald ent­schei­det sich, für wen der Kuchen reicht: für Gazprom, Wild­ber­ries, die Sub­ven­tio­nie­rung der Erd­öl­ver­ar­bei­tung oder für Werke mit 30-Meter-Löchern im Dach nach dem Ein­schlag einer Fla­mingo [ukrai­ni­scher Marschflugkörper].

Jah­re­lang haben sie der Bevöl­ke­rung und den Eliten ein­ge­trich­tert: ‚Der Krieg tobt irgendwo weit weg, läuft im Fern­se­hen, und in Moskau und [St. Peters­burg] bleibt alles wie immer – Latte, billige Taxis, Lie­fe­rung binnen eines Tages.‘

Doch die Schläge gegen Logis­tik und Wirt­schaft holen den Krieg zurück in die [rus­si­schen] Wohnzimmer.“ […]

„Auf einen Punkt zielen“

Der ehe­ma­lige Abge­ord­nete Vadym Deny­senko erläu­tert auf NV, warum aus­ge­rech­net Wild­ber­ries unter den rus­si­schen Online­händ­lern zum Ziel aus­er­ko­ren wurde:

„Die Antwort scheint relativ einfach. Man muss zuerst ein Unter­neh­men zu Fall bringen und sich dann die anderen vor­neh­men. Nicht auf breiter Fläche agieren, sondern auf einen Punkt zielen. Der Nie­der­gang eines Unter­neh­mens wie Wild­ber­ries könnte eine Ket­ten­re­ak­tion aus­lö­sen. Dabei sitzt die rus­si­sche Regie­rung in einer Zwick­mühle: Wild­ber­ries zu helfen, hieße, einen Prä­ze­denz­fall zu schaf­fen, wor­auf­hin Tau­sende andere fragen würden: ‚Warum helft ihr uns nicht?‘ Nicht zu helfen bedeu­tet, einen Zusam­men­bruch auf dem Markt zu erwar­ten. Vorerst hat man beschlos­sen zu warten – nach dem Prinzip ‚Viel­leicht löst es sich von selbst‘.“

„Keine anomale Zunahme rus­si­scher Angriffe“

Dass Russ­land jeden Treffer auf ukrai­ni­sche Unter­neh­men nun als ‚Ver­gel­tung‘ bezeichne, obwohl die Angriffe auf ukrai­ni­sche Unter­neh­men bereits seit Beginn der großen Inva­sion Russ­lands statt­fan­den, hebt die Ukra­jinska Prawda unter Verweis auf die Eko­no­mit­schna Prawda hervor:

„Die Angriffe dau­er­ten all diese Jahre an. Und nach dem 18. Juli (dem Tag, an dem die Schläge auf Wild­ber­ries began­nen – UP) gab es tat­säch­lich keine anomale Zunahme der Angriffe auf unsere Unter­neh­men, die aus jener Taktik her­aus­fal­len würde, die Russ­land seit 2022 ver­folgt – nämlich, die ukrai­ni­schen Wirt­schaft zu zer­mür­ben. Natür­lich können die rus­si­schen Medien diese Angriffe als ‚Gegen­re­ak­tion‘ dar­stel­len, obwohl sie diese in Wirk­lich­keit […] bereits seit 2022 durchführen.“

„Alter­na­tive zu Mega-Hubs“

Am 5. August zer­störte Russ­land zehn große Lager­häu­ser nahe Kyjiw. LIGA beschreibt, wie ukrai­ni­sche Unter­neh­men auf die neue Welle rus­si­scher Angriffe auf Lager­häu­ser reagie­ren können:

„Die Zer­stö­rung des Lager­kom­ple­xes bei Kyjiw wird den Wandel der Ansätze zur Ent­wick­lung von Logis­tik­im­mo­bi­lien in der Ukraine beschleu­ni­gen. Länder, die lange unter mili­tä­ri­scher  Bedro­hung leben, ins­be­son­dere Israel, sind zu ver­teil­ter Lage­rung und modu­la­ren Lager­parks über­ge­gan­gen, betont [die kauf­män­ni­sche Direk­to­rin des Immo­bi­li­en­ent­wick­lers GDS] Anna Anisimova.

‚Statt eines ein­zi­gen Mega-Hubs errich­tet man mehrere sepa­rate Gebäude mit 10.000 bis 25.000 Qua­drat­me­tern Fläche und mit tech­no­lo­gi­schen und Brand­schutz­ab­stän­den dazwi­schen‘, erklärt sie. Das erlaubt, die Folgen eines mög­li­chen Tref­fers zu loka­li­sie­ren und den Betrieb des Groß­teils des Kom­ple­xes zu erhalten. […]

Im Jahr 2022, nach den mas­si­ven Schlä­gen gegen Öllager und Ölver­ar­bei­tungs­an­la­gen, began­nen die Unter­neh­men, zu einem dezen­tra­li­sier­ten Lager­mo­dell über­zu­ge­hen. ‚Der [ukrai­ni­sche] Markt hat seine Arbeit unter ver­än­der­ten Bedin­gun­gen wieder auf­ge­nom­men. Etwas Ähn­li­ches werden wir auch im Lager­kon­text sehen‘, meint [der Leiter der Ana­ly­se­ab­tei­lung der Invest­ment­ge­sell­schaft Con­corde Capital] Olek­sandr Parash­chii.“ Er pro­gnos­ti­ziert, dass die kri­ti­sche Lage in der Haupt­stadt die Lager­märkte in den Nach­bar­re­gio­nen beleben wird.

Blo­ckierte Häfen: Agrar­bran­che unter Druck

Russ­land hat die Angriffe auf Hafen­an­la­gen und Schiffe, die die Ukraine ansteu­ern oder sie ver­las­sen, ver­stärkt. Seit Ende Juli laufen große Fracht­schiffe drei ukrai­ni­sche Schlüs­sel­hä­fen nicht mehr an. Das trifft den ukrai­ni­schen Export schwer – und damit die Staats­ein­nah­men. Beson­ders der Agrar- und der Berg­bau­sek­tor kämpfen mit den Folgen.

 „Monat­lich bis zu 1,4 Mil­lar­den US-Dollar Einnahmen“

LIGA rechnet vor, was eine Blo­ckade der Häfen in der Groß­re­gion Odesa kosten würde:

„Über die drei [atta­ckier­ten] See­hä­fen Piw­den­nyj, Odesa und Tschor­no­morsk gehen 70 Prozent der ukrai­ni­schen Agrar­pro­duk­tion in den Export, ebenso der Löwen­an­teil der Pro­duk­tion des Bergbau- und Metall­ur­gie­kom­ple­xes. Dieser Trans­port­kor­ri­dor bringt dem Land monat­lich zwi­schen 900 Mil­lio­nen und 1,4 Mil­li­ar­den US-Dollar ein. Ohne die Häfen der ‚Großen Odesa‘ kann die ukrai­ni­sche Agrar­bran­che, die bis zu 60 Prozent der Devi­sen­ein­nah­men sichert, nicht mit voller Kraft arbei­ten – ebenso wenig der Bergbau- und Metall­ur­gie­sek­tor, auf den weitere 15 Prozent entfallen.

2022 standen die See­hä­fen fünf Monate still. Dadurch schrumpfte das ukrai­ni­sche BIP in jenem Jahr um 6 Prozent. […] Der Shut­down der Häfen im Jahr 2022 wurde zu einer der Ursa­chen der Hrywnja- Abwer­tung: von 28 Hrywnja pro US-Dollar im Januar 2022 auf 36 Hrywnja im Dezem­ber 2022. Die zweite Ursache war der damals deut­lich gestie­gene Import.“

„Neuer Schwung für die ver­ar­bei­tende Industrie“

Auf LB erläu­tert Nata­liia Koles­ni­chenko, Chef­öko­no­min des Zen­trums für Wirt­schafts­stra­te­gie, die Folgen der Hafen­pro­bleme für ukrai­ni­sche Agrar­pro­du­zen­ten – und mög­li­che Auswege:

„Während die großen Agrar­hol­dings ihre Ernten in eigenen Getrei­de­si­los zurück­hal­ten können (obwohl auch diese getrof­fen werden, ebenso wie Pro­duk­ti­ons­stät­ten), haben die kleinen Betriebe weniger Mög­lich­kei­ten. Hier ist die Lage viel­schich­tig: Einer­seits wäre es gut, wenn es gelänge, sich etwa auf die Donau umzu­ori­en­tie­ren oder den Export wieder per Zug oder Lkw über Polen und Ungarn abzu­wi­ckeln, da die Preise auf den Außen­märk­ten gerade gestie­gen sind. Schließ­lich haben wir trotz allem Ein­fluss auf die aus­län­di­schen Märkte: Lie­fe­run­gen wurden ein­ge­stellt – die Preise schos­sen in die Höhe. Zugleich aber began­nen die Inlands­preise zu fallen, denn warum sollten Händler:innen etwas auf­kau­fen, was sie nicht aus­füh­ren können? […]

Die gesamte Logis­tik voll­stän­dig von der Großen Odesa auf die Donau­hä­fen umzu­stel­len ist möglich, aber schwie­rig. […] Aber es gibt auch alter­na­tive Mög­lich­kei­ten. Die Raps­ernte ist inzwi­schen prak­tisch abge­schlos­sen. Es besteht die Wahr­schein­lich­keit, dass der Raps, statt aus­ge­führt zu werden […], ver­stärkt im Land ver­ar­bei­tet wird. Das würde der ver­ar­bei­ten­den Indus­trie neuen Schwung verleihen.“

 „Wir haben eine Alter­na­tive, aber die Russen haben keine“

Andrii Vada­tur­s­kii, Chef von Nibulon, einem der größten Agrar­kon­zerne der Ukraine, nennt die Hafen­blo­ckade zwar schmerz­haft, fordert im Inter­view mit Forbes jedoch weitere ukrai­ni­sche Angriffe auf rus­si­sche Hafen­an­la­gen am Schwar­zen Meer:

„[…] Ich sehe keine Kata­stro­phe für den Agrar­sek­tor. Ich sehe vor­über­ge­hende Unan­nehm­lich­kei­ten, die sich auf Ebene der Natio­nal­bank und des Minis­ter­ka­bi­netts glätten lassen – wir können diesen Schock über­ste­hen und zu nor­ma­len Ver­hält­nis­sen zurückkehren.

Wir werden Wege finden – das ist kein Problem, auf­grund dessen die Ukraine ihre Posi­tion [die Blo­ckade der rus­si­schen Logis­tik im Schwar­zen und Asow­schen Meer] auf­ge­ben müsste. Im Gegen­teil: Wir haben eine Alter­na­tive [zum Getrei­de­ex­port über das Schwarze Meer], aber die Russen haben keine. Genau damit muss man sie an den Ver­hand­lungs­tisch zwingen.“

Dra­pa­tyj: Hohe Erwar­tun­gen an den Neuen

Am 21. Juli ersetzte Wolo­dymyr Selen­skyj den Ober­be­fehls­ha­ber der ukrai­ni­schen Armee. Olek­sandr Syrskyj, der das Amt seit 2024 inne­hatte, geriet zuletzt vor allem wegen seines harten Umgangs mit Sol­da­ten in die Kritik. Sein Nach­fol­ger Mycha­jlo Dra­pa­tyj ist mit 43 Jahren der jüngste Ober­be­fehls­ha­ber in der moder­nen Geschichte der Ukraine. Er gilt als men­schen­ori­en­tiert und fort­schritt­lich. Ent­spre­chend groß sind die Hoff­nun­gen, dass er tief­grei­fende Refor­men in der Armee anstößt.

„So müde, aber ungebrochen“

Hro­madske erin­nert an jene Mili­tär­ein­sätze von 2014, mit denen Mycha­jlo Dra­pa­tyj erst­mals lan­des­weit bekannt wurde:

„Am 9. Mai 2014 half Dra­pa­tyj, der damals ein Batail­lon kom­man­dierte, einer Gruppe ukrai­ni­scher Soldat:innen, aus dem umstell­ten Miliz­ge­bäude in Mariu­pol zu ent­kom­men. An jenem Tag war er Kom­man­dant der Besat­zung eines BMP‑2 [Schüt­zen­pan­zers], der nach der Räumung aus der Stadt fuhr und mit hoher Geschwin­dig­keit über eine Bar­ri­kade der [pro­rus­si­schen] Kämpfer hin­weg­flog. Das Video vom ‚flie­gen­den‘ BMP machte ihn bekannt.

Anfang August 2014 empfing [Olek­sandr] Vdo­vy­chenko [der mit Dra­pa­tyj seit 2005 in der 72. Selbst­stän­di­gen mecha­ni­sier­ten Brigade Schwarze Sapo­ro­ger diente und heute das Auf­klä­rungs­zen­trum des 11. Korps leitet] die Kolonne ukrai­ni­scher Kämpfer, die Mycha­jlo Dra­pa­tyj aus der Ein­kes­se­lung […] im Gebiet Luhansk herausführte.

‚So müde, aber so unge­bro­chen, so stolz. Und dünn, ganz dünn. Alle, die zusam­men mit ihm her­aus­ka­men, waren eben­falls völlig erschöpft. Es waren über 200 – aus ver­schie­de­nen Ein­hei­ten, sie hatten sich ihm ange­schlos­sen. Mir schien damals, dass [Dra­pa­tyj] sich allein durch Wil­lens­kraft auf­recht hielt‘, erin­nert sich Vdovychenko.“

„Dra­pa­tyj wird es sehr schwer haben“

Die Ukra­jinska Prawda umreißt die enormen Her­aus­for­de­run­gen, die Dra­pa­tyj als neuem Ober­be­fehls­ha­ber bevorstehen:

„Tat­säch­lich aber ist den Soldat:innen, wie sie in Gesprä­chen mit der Ukra­jinska Prawda erzäh­len, bloße Mensch­lich­keit vom Ober­be­fehls­ha­ber zu wenig.

Sie brau­chen das Ende der Epoche des ‚Möwen-Manage­ments‘ [wenn ein Problem, oft inkom­pe­tent, erst dann ange­gan­gen wird, wenn der Wirbel darum zu groß ist, um ihn zu igno­rie­ren – Anm. d. Red.], eine schnel­lere Anpas­sung an die Ver­än­de­run­gen auf dem Schlacht­feld, höhere Löhne – beson­ders im rück­wär­ti­gen Dienst –, plan­ba­ren Nach­schub aus den Aus­bil­dungs­zen­tren und nicht nur aus den Reser­ve­ba­tail­lo­nen, Ant­wor­ten auf die Fragen bezüg­lich der Sturm­re­gi­men­ter, weniger nicht-kampf­be­dingte Ver­luste, höhere Ver­luste des Gegners und so weiter.

Die ganze Armee [...] stützt sich auf die Schul­tern tat­kräf­ti­ger und starker Kommandeur:innen, die ein Korps oder eine Brigade allein führen. Und nicht auf ein effi­zi­en­tes und starkes System.

‚Dra­pa­tyj wird es jetzt sehr schwer haben. In Kennt­nis all dieser Hin­ter­zim­mer­spiele und Fall­stri­cke, die leider zum festen Bestand­teil der Armee gewor­den sind, möchte man [ihm] Durch­hal­te­ver­mö­gen und einen kühlen Kopf wün­schen‘, sagte ein Bri­ga­de­kom­man­deur, der vor einigen Jahren seinen Posten verließ, der Ukra­jinska Prawda.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

News­let­ter bestellen

Tragen Sie sich in unseren News­let­ter ein und bleiben Sie auf dem Laufenden.

NEWSLETTER


Mit unseren Daten­schutz­be­stim­mun­gen erklä­ren Sie sich einverstanden.