„Vom Zermürbungskrieg zum Vernichtungskrieg“

Presseschau ukrainischer Medien | 23. September bis 13. Oktober 2026:
Kyjiwer Brücken unter Beschuss
Haushaltskrise: Staatskasse unter Druck
Oleschky: Eine Stadt hungert
Kyjiwer Brücken unter Beschuss
Seit dem 1. Oktober greifen russische Strahldrohnen gezielt die sechs Dnipro-Brücken in Kyjiw an. Täglich werden sie von mehr als 600.000 Autos befahren; auch zwei Metro- und zwei Bahnverbindungen führen über den Fluss. Schwere Schäden blieben bislang aus. Doch schon Sperrungen und Sicherheitsmaßnahmen verursachen Staus, Umleitungen und massive Verzögerungen. Werden mehrere Übergänge gleichzeitig eingeschränkt, droht Kyjiw entlang des Dnipro verkehrstechnisch zweigeteilt zu werden.
„Die wichtigste Logistikbrücke“
Die Ukrajinska Prawda erklärt, warum russische Drohnen vor allem die Nord- und Südbrücke der Stadt angreifen:
„Nach Ansicht [des Verkehrsplanungsexperten Dmytro] Bespalovs erscheint es aus russischer Perspektive logisch, gerade diese Brücken ins Visier zu nehmen, um der Stadt und dem gesamten Land größtmöglichen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen.
‚Die Südbrücke [...] ist die wichtigste Logistikbrücke für den Güterverkehr. Gütertransporte, die Kyjiw im Transit durchqueren, nutzen genau diese Brücke‘, betont der Experte.“
„Die Staatsbahn wäre gespalten“
LIGA.net zeichnet ein düsteres Bild für Kyjiw, sollte Russland den Verkehr über die Dnipro-Brücken lahmlegen:
„Zu den Folgen [anhaltender Attacken auf Kyjiws Brücken] zählt [Militärexperte Viktor Kevliuk] ‚den Verlust der Uferverbindungen, die Verlangsamung der Logistik und die Notwendigkeit, neue Routen und Flussübergänge zu schaffen, die aufgrund ihrer Durchlasskapazität den Hauptbrücken nachstehen werden.‘
Das Militär [das die Brücken logistisch intensiv nutzt] müsse sich anpassen. Das sei möglich, aber schwierig: Die Logistik werde komplexer und neue Flussübergänge erforderten nicht nur organisatorische Anstrengungen, sondern auch zusätzliche Luftverteidigung, erklärt der Experte.
Am meisten gefährdet von einer Ausweitung solcher Angriffe sei die Eisenbahn, so Kevliuk: ‚Der Verlust der Eisenbahnbrücken würde [die ukrainische Staatsbahn] Ukrsalisnyzja in zwei voneinander isolierten Inselunternehmen teilen.‘“
„Mehr Busse, Fahrräder und E‑Scooter“
Babel analysiert, wie Kyjiws Verkehrssystem auf die stundenlangen Unterbrechungen im Metroverkehr reagieren kann:
„Eine Patentlösung [...] gibt es Spezialisten zufolge nicht. Um die Folgen abzufedern, wenn die Metro zwischen den Ufern ausfällt oder einzelne Brücken gesperrt sind, müssen mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln befördert werden. Diese können stündlich mehr Fahrgäste befördern als private Autos. Damit der Nahverkehr in Kyjiw effizienter wird, sind mehrere Maßnahmen denkbar:
Mehr eigene Fahrspuren für öffentliche Verkehrsmittel schaffen und deren Einhaltung konsequent kontrollieren. [...]
Stark frequentierte [Bus-]Verbindungen zwischen den beiden Ufern [mit mehr Bussen] aufstocken. [...]
Radwege markieren. Fahrräder und E‑Scooter können zwar nicht alle Pendler zwischen linkem und rechtem Ufer transportieren, aber sie können den Nahverkehr zumindest entlasten.“
„Vom Zermürbungskrieg zum Vernichtungskrieg“
Bei Forbes erklärt der Militärexperte Serhii Zghurets, warum Russland die Brücken erst jetzt gezielt ins Visier nimmt, obwohl es das seit Beginn der Invasion hätte tun können:
„Russland ist von einem Zermürbungskrieg zu einem Vernichtungskrieg übergegangen. [Ziel ist es nun], alle Einrichtungen zu zerstören, die [...] für die Versorgung der Bevölkerung notwendig sind. Von einfachen Lagerhäusern über Lager mit Medikamenten und Lebensmitteln bis hin zur Wasser- und Energieversorgung. [...]
Dahinter steckt eine klare Strategie: Druck auf die Bevölkerung und die politische Führung auszuüben. Vermutlich glaubt man im Kreml, auf diese Weise eine Kapitulation erzwingen zu können.
Solche Ansätze gab es seit dem Zweiten Weltkrieg immer wieder. Sie blieben damals wirkungslos [...]. Nun will man die Strategie erneut testen – mit dem Masseneinsatz präziserer Waffen, als es sie zur Zeit des Zweiten Weltkriegs gab.“
Haushaltskrise: Dem Staat geht das Geld aus
Der Ukraine fehlt plötzlich Geld im Haushalt. Ein Teil der zugesagten Auslandshilfe kam zu spät oder blieb aus – oft, weil das Parlament nötige Gesetze zu langsam verabschiedete. Zugleich brechen die Steuereinnahmen ein, weil russische Angriffe Häfen, Fabriken und Lagerhäuser zerstören und Unternehmen lahmlegen. Der akute Finanzengpass zwingt den Staat, fast alle Ausgaben außer für Verteidigung, Renten und Gehälter im öffentlichen Dienst zu stoppen. Selbst Arbeiten, die Städte und Energienetz gegen neue russische Angriffe im Winter wappnen sollen, ruhen teilweise.
„56,6 Milliarden Dollar in drei Monaten auftreiben“
Suspilne schildert die aktuellen Herausforderungen im Detail:
„Das Haushaltsdefizit setzt sich aus zwei Summen zusammen: [...] 29,5 Milliarden US-Dollar soll die Ukraine [...] von internationalen Partnern erhalten im Gegenzug für innenpolitische Reformen. [Diese Summe hat die Ukraine noch nicht erhalten], weil die Regierung 42 Verordnungen nicht verabschiedet und das Parlament 43 Gesetzentwürfe nicht angenommen hat – davon ist die Auszahlung abhängig. [...]
Die andere Lücke von 27 Milliarden US-Dollar betrifft den tatsächlichen Verteidigungshaushalt der Ukraine. Zwar sieht der Haushalt für 2026 insgesamt 2,8 Billionen Hrywnja vor (nach damaligem Kurs rund 67 Milliarden US-Dollar), doch die tatsächlichen Verteidigungsausgaben liegen deutlich höher. Nach Angaben des [Ministerpräsidenten] Serhij Korezkyj belaufen sich die Kosten des Krieges im Jahr 2026 auf 155 Milliarden US-Dollar.
[...] Das heißt: Drei Monate vor Jahresende muss die Ukraine noch 56,5 Milliarden US-Dollar auftreiben. Zum Vergleich: Alle Ausgaben, die Ende 2021 für den Staatshaushalt 2022 beschlossen wurden, beliefen sich auf rund 55 Milliarden US-Dollar.“
„Nur noch Reparaturen kurz vor Fertigstellung“
Der weitgehende Stopp staatlicher Investitionsausgaben gefährdet Dutzende wichtiger Baustellen. LIGA.net zeigt, welche besonders betroffen sind:
„Ein Baustopp droht [...] insbesondere bei Schutzanlagen für die Energieinfrastruktur (Umspannwerke und Transformatoren). So ist beispielsweise die zweite Schutzstufe, [die vor direkten Drohnentreffern vom Typ Shahed schützen soll – Anm. d. Red.] bisher nur an 22 Anlagen fertiggestellt. An über 100 weiteren wird noch gearbeitet.
Auch die Resilienzpläne der Kommunen, die die Energieversorgung auf den Winter vorbereiten sollen, sind gefährdet. Besonders die frontnahen Städte Charkiw, Dnipro und Krywyj Rih sind abhängig von der staatlichen Finanzierung [...].
Bauunternehmen, die Fernstraßen und Straßen in Frontnähe reparieren, Schutzräume in Schulen und Krankenhäusern einrichten, medizinische Einrichtungen sanieren oder Sozialwohnungen bauen, könnten ebenfalls ihre Finanzierung verlieren.
Auch die Reparatur der Wasserleitung [...], die über eine Million Menschen in der Oblast Dnipropetrowsk mit Wasser versorgt, droht zum Stillstand zu kommen.
Ein Stadtratsabgeordneter aus einer südukrainischen Stadt berichtete gegenüber LIGA.net, dass auch seine Kommune die Ausgaben kürze. Die Stadtverwaltung schließe nur noch Reparaturen ab, die kurz vor der Fertigstellung stehen, um fast vollendete Projekte nicht aufgeben zu müssen.“
„Ein mächtiges Druckmittel“
Die Verabschiedung der nötigen Gesetze könnte das Problem teilweise lösen. Doch auch Präsident Wolodymyr Selenskyj müsste handeln – bei der Reform des Staatlichen Ermittlungsbüros, die er bislang hinauszögert. Texty.org.ua analysiert, warum:
„Ein Gesetzentwurf zur Reform des Staatlichen Ermittlungsbüros (DBR), eingebracht von Abgeordneten, liegt dem Parlament bereits vor. Ob er eine Mehrheit findet, bleibt höchst fraglich. Die Abgeordneten der [Präsidentenpartei] würden schneller handeln, wenn [der Präsident] den Entwurf selbst vorlegen würde. Doch das Präsidialamt ist seit Monaten nicht in der Lage, Selenskyjs im Januar dieses Jahres öffentlich erteilte Anweisung umzusetzen, das Dokument ‚vorzubereiten und unverzüglich [dem Parlament zur Prüfung] vorzulegen‘. [...]
Die Zeit drängt. Die Amtszeit des derzeitigen DBR-Direktors Oleksii Suchachov endet am 31. Dezember. Bis zum 31. Oktober muss die Kommission, die seinen Nachfolger bestimmt, gebildet sein. Sollte bis dahin kein neues Gesetz verabschiedet sein, wird sie nach den alten Regeln zusammengestellt – ohne den wirksamen Einfluss internationaler Experten.
Dabei steht viel auf dem Spiel. Das DBR ermittelt gegen hochrangige Amtsträger, sofern die Fälle nicht in die Zuständigkeit des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) fallen, sowie gegen Richter, Staatsanwälte und Angehörige der Strafverfolgungsbehörden. Es kann auch Ermittlungsverfahren gegen NABU-Ermittler und Staatsanwälte der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) einleiten. Zudem untersucht es militärische Straftaten wie Desertion, unerlaubtes Entfernen von der Truppe und Verstöße innerhalb der Armee. Wer das DBR kontrolliert, hält ein mächtiges Druckmittel in der Hand – sowohl gegenüber den Sicherheitsbehörden als auch gegenüber den Antikorruptionsermittlern.“
Oleschky: Eine Stadt hungert
Im russisch besetzten Oleschky sitzen rund 2.000 Zivilisten fest – nur 20 Kilometer (Luftlinie) und der Fluss Dnipro trennen die Ortschaft von Cherson. Russische Truppen schränken die Bewegungsfreiheit der Verbliebenen ein und missbrauchen sie als Schutzschild. Gleichzeitig kappt die ukrainische Armee Nachschubwege, über die Russland auch Drohnen für Angriffe auf Cherson liefert. Den Bewohnern fehlen Lebensmittel und Medikamente. Kyjiw drängt auf ihre Evakuierung in ukrainisch kontrolliertes Gebiet – doch Russland blockiert.
„Sie begann sofort Marmelade einzukochen“
Hromadske schildert am Schicksal einer Bewohnerin die verzweifelte Lage der Menschen:
„Die Journalistin Mariia Semenchenko ist bereit, über Oleschky zu sprechen. Heute lebt sie in Kyjiw. Im April hielten sich noch drei Angehörige von Mariia in der besetzten Stadt auf. Zwei von ihnen konnten im Mai evakuiert werden. Eine von ihnen – eine 99-jährige Frau – blieb [im russisch besetzten] Skadowsk, weil sie die lange Reise nicht bewältigen konnte. Die andere, Mariias Tante, gelangte über halb Europa nach Kyjiw. Als sie schließlich ankam, war sie so abgemagert, dass ihr die Kleidung der neunjährigen Tochter der Journalistin passte.
‚Am ersten Tag sagte sie: Ich gehe Brot kaufen. Ich bot ihr an: Ach, ich gehe schnell. Aber meine Tante hielt mich auf: Nein, es ist mir wichtig, dass ich selbst losgehen und Brot kaufen kann. Mehrere Wochen lang kaute sie zwischen den Mahlzeiten Brot und bat immer wieder: Schneidet mir ein bisschen Brot auf,‘ erzählt Mariia.
Für die Tante wurde ein Haus in der Nähe von Kyjiw gemietet. Obwohl es bereits Juni war, legte sie dort einen Gemüsegarten an. Als die ersten Beeren, Früchte und Nüsse reif wurden, begann sie sofort, sie zu trocknen und Marmelade einzukochen.“
„Woher hast du die Lebensmittel?“
Da sich die Lage im Herbst weiter verschärft hat, liefert das ukrainische Militär mehrere Tonnen Lebensmittel per Drohne nach Oleschky. Doch auch diese Hilfe stößt auf Probleme, berichtet RBC-Ukraine:
„Nach Angaben [der Gemeindevorsteherin von Oleschky, Tetiana Hasanenko, die sich auf ukrainisch kontrolliertem Gebiet befindet,] birgt selbst der Empfang von ukrainischen Hilfslieferungen für die Bewohner der Stadt Gefahr. Die Besatzer betrachteten Menschen, die Unterstützung von ukrainischen Soldaten erhalten, als Feinde. [...]
‚Man muss sich dafür rechtfertigen – woher hast du die Lebensmittel?‘, erklärt sie.
Laut Hassanenko kämpfen auch die russischen Besatzungstruppen mit Versorgungsproblemen. Russische Soldaten drängten offenbar in Häuser ein, in denen Ukrainer lebten, forderten Lebensmittel und Alkohol, verlangten Auskunft über deren Herkunft und könnten dabei auch zu Gewalt greifen.
Die Gemeindevorsteherin meint, dass die russischen Soldaten die verbliebenen Einwohner von Oleschky als ‚menschliche Schutzschilde‘ missbrauchen.
‚[...] Verstehen sie denn nicht, dass sie diesen Schutzschild auch ernähren müssen? Denn dieser Schutzschild kann einfach sterben‘, zitiert sie einen Bewohner von Oleschky.“
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Ukrainische Medien
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Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
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ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
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Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA.net ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
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Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
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Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
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Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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