Schei­tern der Pen­del­di­plo­ma­tie: Trumps Ver­hand­lungs­rhe­to­rik 2025

Wladimir Putin, Donald Trump
Foto: IMAGO /​ ZUMA Press Wire

Das Jahr 2025 endete nicht mit einem Frie­dens­schluss, sondern mit noch mehr Bomben auf ukrai­ni­sche Städte – und deut­lich mehr zivilen Opfern als 2024. Als Frie­dens­stif­ter ist Donald Trump also auf ganzer Linie geschei­tert. Er hat nicht nur die Situa­tion der Ukraine nicht ver­bes­sert, sondern Wla­di­mir Putin zudem aus der geo­po­li­ti­schen Iso­la­tion her­aus­ge­hol­fen. Dieser Abschluss der Arti­kel­se­rie ana­ly­siert die Äuße­run­gen des US-Prä­si­den­ten im zweiten Halb­jahr 2025. (3/​3)
Teil 1 und Teil 2

Juli: Ulti­ma­ten und leere Drohungen

Im Juli 2025 setzt sich Trumps ver­ba­ler Umschwung hin zu stär­ke­rer Russ­land­skep­sis fort, die Grenzen seiner Geduld schei­nen erreicht. Seine Rhe­to­rik wird ent­schie­de­ner und Hilfe für die Ukraine realer. Dennoch ändert Trump seinen poli­ti­schen Kurs nicht essen­ti­ell. Nach wie vor ver­sucht er, die Ukraine zur Mäßi­gung zu bewegen, um Russ­land „nicht zu ver­är­gern”. Seine Äuße­run­gen bleiben wider­sprüch­lich: Ver­ur­tei­lun­gen Russ­lands gehen einher mit Kritik der Ukraine, Dro­hun­gen gegen den Kreml mit der Ver­zö­ge­rung wich­ti­ger Entscheidungen.

Den Ansatz per­so­na­li­sier­ter Diplo­ma­tie hält der US-Prä­si­dent unter­des­sen auf­recht: Er kündigt neue Tele­fo­nate mit Putin an und räumt ein, es gäbe bisher keine Fort­schritte in Bezug auf einen Waf­fen­still­stand. Allzu dras­ti­sche Schritte ver­mei­det er jedoch und lässt ledig­lich US-Waf­fen­ver­käufe zur Unter­stüt­zung der Ukraine zu.

Anfang Juli erklärt Trump ent­täuscht, Putin wolle mög­li­cher­weise gar keinen Frieden, sondern „wei­ter­hin Men­schen töten”. Er bezeich­net den rus­si­schen Prä­si­den­ten als einen Mann, der „höflich Unsinn” redet und räumt ein, dass bisher alle Gesprä­che mit ihm ergeb­nis­los waren.

Trump kündigt eine Kehrt­wende an: Die USA würden der Ukraine mehr Waffen liefern, vor allem Ver­tei­di­gungs­waf­fen. Er begrün­det dies mit den „sehr schwe­ren Schlä­gen“ Russ­lands gegen die Ukraine und dem „Chaos“, das diese anrich­te­ten. Die Ukraine erscheint als Objekt von Mit­ge­fühl und weniger als Völ­ker­rechts­sub­jekt mit einem Recht auf einen nach­hal­ti­gen Frieden.

Gleich­zei­tig spricht sich Trump gegen Angriffe der Ukraine auf Moskau und tief im rus­si­schen Lan­des­in­ne­ren aus und ver­bie­tet die Lie­fe­rung von Lang­stre­cken­waf­fen. Hilfe für die Ukraine wird nur in dem Maße erlaubt, wie sie für den Kreml keine stra­te­gi­sche Bedro­hung dar­stellt. Hier wird wieder eine Asym­me­trie deut­lich: Während Russ­land ohne Ein­schrän­kun­gen zuschla­gen kann, soll sich die Ukraine nur „ver­tei­di­gen”.

Die zweite Juli­hälfte steht im Zeichen von Ulti­ma­ten und der Drohung mit Sank­tio­nen. Zuerst ver­kün­det Trump eine Frist von 50 Tagen, inner­halb derer ein Waf­fen­still­stand geschlos­sen werden müsse, dann redu­ziert er dies auf zehn bis zwölf Tage. Trump droht Russ­land mit „sehr starken Zöllen” und Sekun­där­sank­tio­nen, gibt aber gleich­zei­tig zu, sich ihrer Wirkung nicht sicher zu sein. Er bezeich­net Russ­lands Vor­ge­hen als „abscheu­lich” und „traurig”, setzt die Drohung mit Sank­tio­nen jedoch nach wie vor nicht als Zwangs­maß­nahme, sondern ledig­lich als poli­ti­sches Signal ein. Trump gibt zu, Putin habe ihn im Stich gelas­sen, hofft aber wei­ter­hin, es sei zwi­schen den beiden Prä­si­den­ten „noch nicht alles vorbei“.

August: Alle Hoff­nun­gen auf Alaska – enttäuscht

Das Gip­fel­tref­fen mit Wla­di­mir Putin in Alaska im August 2025 bildet den Höhe­punkt von Trumps Idee eines „Frie­dens durch per­sön­li­che Ver­ein­ba­rung”. Die Zukunft der Ukraine wird dabei auf die Frage redu­ziert, ob das Treffen der beiden Staats­chefs ein Erfolg oder ein Miss­erfolg wird.

Der Monat beginnt mit einer Macht­de­mons­tra­tion: Nach nuklea­ren Dro­hun­gen des rus­si­schen Ex-Prä­si­den­ten und Vize-Vor­sit­zen­den des Sicher­heits­ra­tes, Dmitrij Med­we­dew, kündigt Trump an, US-ame­ri­ka­ni­sche Atom-U-Boote zu ver­le­gen. Dabei geht es nicht darum, Russ­lands Krieg gegen die Ukraine ein­zu­däm­men, sondern darum, auf direkte Dro­hun­gen gegen die USA zu reagie­ren. Die Ukraine gerät damit erneut aus dem Fokus.

Zusätz­lich bekräf­tigt Trump seinen Ansatz, ein Frie­dens­schluss sei am Ver­hand­lungs­tisch möglich, ohne die Ukraine zu betei­li­gen. Er erklärt, Selen­skyj werde nicht an den Ver­hand­lun­gen in Alaska teil­neh­men. Ein Treffen zu dritt sei allen­falls später denkbar, „wenn alles gut läuft”. Die Ukraine ist in dieser Logik kein Ver­hand­lungs­part­ner, sondern eine Varia­ble, die je nach Verlauf der Gesprä­che mit dem Kreml hin­zu­ge­fügt oder ent­fernt wird.

Die Rhe­to­rik im Vorfeld des Gipfels ver­bin­det Dro­hun­gen mit Opti­mis­mus: Trump droht „sehr harte Kon­se­quen­zen“ an und gibt sich gleich­zei­tig über­zeugt, Putin werde „kommen, um ein Abkom­men zu schlie­ßen“. Er bringt die Idee eines „Gebiets­aus­tauschs“ als Lösungs­op­tion ein, gibt aber gleich­zei­tig zu beden­ken, die Ukraine werde dies mög­li­cher­weise nicht akzeptieren.

Das Gip­fel­tref­fen in Ancho­rage ver­läuft schließ­lich wie die frü­he­ren Unter­re­dun­gen beider Prä­si­den­ten am Telefon: Es wird als „pro­duk­tiv“ bezeich­net, kon­krete Ergeb­nisse aller­dings gibt es nicht. Sank­tio­nen werden erneut ver­scho­ben und Trump beschränkt sich darauf, in naher Zukunft „große Fort­schritte“ zu erwar­ten. Er spricht von einem großen Frie­dens­ab­kom­men und lehnt einen Waf­fen­still­stand als Zwi­schen­lö­sung ab.

Im August zeigt sich zudem die Unschärfe der US-ame­ri­ka­ni­schen Posi­tion in Bezug auf Sicher­heits­ga­ran­tien: Trump über­nimmt die rus­si­sche Haltung und lehnt einen NATO-Bei­tritt der Ukraine ab. US-ame­ri­ka­ni­sche Truppen in der Ukraine zu sta­tio­nie­ren, sei aus­ge­schlos­sen, „Unter­stüt­zung in der Luft” hin­ge­gen denkbar – wenn auch erst nach „lang­fris­ti­ger Arbeit”.

Sep­tem­ber: Trump nennt Russ­land Aggressor

Den Sep­tem­ber beginnt Trump mit seinen fast schon tra­di­tio­nel­len Erklä­run­gen über seine Ent­täu­schung und dem wie­der­keh­ren­den Ver­spre­chen, „etwas zu tun“. Doch dann pas­siert etwas Neues: Zum ersten Mal rückt der US-Prä­si­dent von seinem viel­be­schwo­re­nen Diktum ab, die Ver­ant­wor­tung für diesen Krieg trügen beide Seiten. Trump spricht über die Ener­gie­ein­nah­men Russ­lands als Schlüs­sel zur Been­di­gung des Krieges, übt öffent­lich Druck auf Europa wegen des fort­ge­setz­ten Ein­kaufs von rus­si­schem Öl aus und erwägt Sank­tio­nen gegen China als indi­rek­tes Druckmittel.

Erst­mals benennt er Russ­land klar als Aggres­sor und erklärt dessen Ver­luste nicht mehr mit einer abs­trak­ten Logik des Krieges, sondern damit, dass Russ­land sein Nach­bar­land ange­grif­fen hat. Die Wider­sprü­che in Trumps Rhe­to­rik ver­schwin­den damit frei­lich nicht: Der US-Prä­si­dent fordert Selen­skyj auf, „auf einen Kom­pro­miss hin­zu­ar­bei­ten“, bewun­dert dessen Mut und bringt sein Miss­trauen gegen­über Putin zum Aus­druck. Die Frage der Sicher­heits­ga­ran­tien wird erneut auf­ge­scho­ben.

Inter­es­sant ist auch Trumps vor­sich­ti­ger Opti­mis­mus hin­sicht­lich der Chancen der Ukraine, Gebiete zurück­zu­ge­win­nen. Noch wenige Monate zuvor wäre eine solche Äuße­rung von ihm undenk­bar gewesen. Er ver­gleicht Russ­land mit einem „Papier­ti­ger” und wider­spricht damit dem Bild einer unbe­sieg­ba­ren Macht, das er zuvor gezeich­net hatte.

Trumps Illu­sio­nen über Russ­land schei­nen zwar nicht ver­schwun­den, aber doch etwas ver­blasst zu sein. Der US-Prä­si­dent beginnt, struk­tu­relle Ursa­chen für den Krieg anzu­er­ken­nen – Aggres­sion, Res­sour­cen, feh­lende Ein­däm­mung – anstatt nur von aus­schließ­lich per­sön­li­chen Fak­to­ren zu spre­chen. Daraus erwächst noch keine Stra­te­gie, aber eine par­ti­elle Abkehr von impro­vi­sier­ter Diplo­ma­tie kündigt sich an.

Oktober: Balan­cie­ren zwi­schen Druck und Verständnis

Im Oktober 2025 ver­sucht Trump, der sich Mitte des Monats in Washing­ton mit Wolo­dymyr Selen­skyj trifft, gegen­über dem Kreml eine tak­ti­sche Balance zwi­schen Druck und Ver­ständ­nis auf­recht­zu­er­hal­ten: Auf der einen Seite deutet er die Option an, Toma­hawk-Marsch­flug­kör­per an die Ukraine zu liefern und denkt über Sank­tio­nen sowie nukleare Abschre­ckung nach. Auf der anderen Seite zeigt er seine Bereit­schaft zum Kom­pro­miss und „Ver­ständ­nis” für Putins Posi­tion.

Zen­tra­les Thema bleiben Ver­hand­lun­gen: Trump beschwört seine per­sön­li­che Nähe zum rus­si­schen Prä­si­den­ten, die Mög­lich­keit einer schnel­len Eini­gung und Putins „Wunsch“, sich zu einigen – wobei er ein­räumt, dem Kreml könne es darum gehen, Zeit zu schin­den. Die Ukraine tauchte in Trumps Rhe­to­rik im Oktober einer­seits als Kriegs­par­tei auf, die in die Offen­sive gehen wolle, ande­rer­seits als Akteur, der unter Umstän­den einem Ein­frie­ren des Krieges entlang der Front­li­nie zustim­men würde.

Novem­ber: Ulti­ma­ti­ver Ton gegen­über der Kyjiw

Im Novem­ber 2025 ver­sucht Trump, mit Fristen und wirt­schaft­li­chen Argu­men­ten Druck auf­zu­bauen. Er spricht von „Fort­schrit­ten” bei der Bei­le­gung des Kon­flikts, lehnt die Lie­fe­rung von Toma­hawk-Marsch­flug­kör­pern ab und betont, Russ­land sei an einer Wie­der­auf­nahme der Geschäfts­be­zie­hun­gen mit den USA inter­es­siert. Sank­tio­nen stellt er nicht als Strafe, sondern als Ver­hand­lungs­in­stru­ment dar; je nach Verlauf der Ver­hand­lun­gen könnten sie ver­schärft oder bei­be­hal­ten werden.

Der Ukraine gegen­über schlägt Trump aber­mals einen ulti­ma­ti­ven Ton an: Er legt Fristen für die Zustim­mung zum US-ame­ri­ka­ni­schen „Frie­dens­plan“ fest und schiebt die Ver­ant­wor­tung für den andau­ern­den Krieg Kyjiw und der vor­he­ri­gen US-Regie­rung zu. Erneut macht er ein asym­me­tri­sches Ver­hand­lungs­feld auf, in dem sich der Druck vor allem auf die Ukraine kon­zen­triert. Gleich­zei­tig mini­miert der US-Prä­si­dent seine For­de­run­gen an Moskau und bezeich­net die Ein­stel­lung des Vor­sto­ßes der rus­si­schen Armee in der Ukraine als wich­tigs­tes Zuge­ständ­nis des Kremls.

Dezem­ber: Trump spielt sich als Schieds­rich­ter auf

Im Dezem­ber 2025 setzt Trump diese Rhe­to­rik fort. Er spricht über die stär­kere Ver­hand­lungs­po­si­tion Russ­lands, die Not­wen­dig­keit von Wahlen in der Ukraine und die zwei­fel­hafte Legi­ti­mi­tät der ukrai­ni­schen Führung im Kontext des Frie­dens­pro­zes­ses. Er behaup­tet, Moskau habe dem US-ame­ri­ka­ni­schen Plan bereits zuge­stimmt, während Kyjiw die vor­ge­schla­ge­nen Bedin­gun­gen „nicht will” oder „nicht liest”. Trump wie­der­holt frühere kreml­nahe Nar­ra­tive: Er spricht über die Unmög­lich­keit einer NATO-Mit­glied­schaft der Ukraine, die „ver­lo­rene” Krim und den angeb­li­chen Wunsch der Men­schen in der Ukraine nach einer Eini­gung um jeden Preis.

Der US-Prä­si­dent erklärt zwar die Bereit­schaft der USA, sich an Sicher­heits­ga­ran­tien zu betei­li­gen. Sein all­ge­mei­ner Tenor ver­schiebt sich im Dezem­ber jedoch von der Rolle des Ver­mitt­lers hin zu der eines Schieds­rich­ters, der bestimmt, wer ein Hin­der­nis für den Frieden ist und wer nicht. Am Jah­res­ende besteht also erneut ein rhe­to­ri­sches Ungleich­ge­wicht zuguns­ten der rus­si­schen Position.

Fazit: Als Frie­dens­stif­ter gescheitert

Die Rhe­to­rik des US-Prä­si­den­ten im Jahr 2025 und sein Konzept eines „Frie­dens durch per­sön­li­che Ver­ein­ba­rung“ haben zwar Trumps Rolle als Ver­mitt­ler gefes­tigt, die Sicher­heit der Ukraine jedoch nicht ver­bes­sert. Trotz laut­star­ker Erklä­run­gen, diver­ser Fristen und ver­ba­lem Druck dauert der Krieg an. Trumps Ansatz blieb inso­fern asym­me­trisch, als er unzu­rei­chen­den Druck auf den Aggres­sor ausübte und statt­des­sen ver­suchte, das Opfer zu Zuge­ständ­nis­sen gegen­über dem Angrei­fer zu bewegen. Der US-Prä­si­dent stellte seine eigenen Ambi­tio­nen über insti­tu­tio­nelle Mecha­nis­men und drängte die Ukraine im Ver­hand­lungs­pro­zess an den Rand.

So endete das Jahr nicht mit einem durch die USA ver­mit­tel­ten Frie­dens­schluss, sondern mit dem erneu­ten Bom­bar­de­ment ukrai­ni­scher Städte. Im Ver­gleich zum Vorjahr stieg die Zahl ziviler ukrai­ni­scher Opfer 2025 deut­lich an. Wla­di­mir Putin gelang es, nicht zuletzt durch die Hilfe Trumps, Russ­land aus der geo­po­li­ti­schen Iso­la­tion zu befreien. Damit ver­let­zen die USA nicht nur die Prin­zi­pien, zu denen sie sich in der Charta über Stra­te­gi­sche Part­ner­schaft mit der Ukraine von 2008 bekannt haben. Dieses Vor­ge­hen stellt vor allem die Rolle Washing­tons als Ver­mitt­ler zwi­schen Moskau und Kyjiw in Frage.

Lesia Bidochko, Fach­be­reich Poli­to­lo­gie, Natio­nale Uni­ver­si­tät Kyjiw-Mohyla-Aka­de­mie, Policy Fellow am Euro­päi­schen Poli­tik­in­sti­tut Kyjiw (EPIK).

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