Slo­wjansk – Die Stadt, in der der Krieg begann

© Olga Shchelushchenko

Der Krieg hat das Leben der Men­schen im Donbas für immer in „davor” und „danach” geteilt. Aber nicht nur im nega­ti­ven Sinne. In Slo­wjansk wurde der mili­tä­ri­sche Kon­flikt zum Kata­ly­sa­tor für viele Ver­än­de­run­gen. Zwar glauben viele noch immer, die beste Lösung sei aus­zu­wan­dern, doch es gibt immer mehr Men­schen, die bereit sind, ihr Leben in die Hand zu nehmen und sich eine Zukunft auf­zu­bauen. Heute steht Slo­wjansk in der ganzen Ukraine für Frieden und eine euro­päi­sche Zukunft des Landes. Von Olex­an­dra Pylypenko

 #RegioU­kraine erscheint in Koope­ra­tion mit Kyjiwer Gesprä­che. Im ersten Teil unserer Serie berich­te­ten unsere AutorIn­nen aus Myko­la­jiw. 

Die Welt wurde sich der Exis­tenz von Slo­wjansk im April 2014 bewusst, als nicht iden­ti­fi­zierte, ver­mummte Bewaff­nete stra­te­gisch wich­tige Orte in der Stadt besetz­ten und ein Refe­ren­dum über eine Föde­ra­li­sie­rung ver­lang­ten. Die ukrai­ni­sche Natio­nal­flagge wurde vom Gebäude des Stadt­rats ent­fernt, statt­des­sen flat­ter­ten dort die Fahnen der „Donez­ker Volks­re­pu­blik” und der Rus­si­schen Föderation.

Diesen Ereig­nis­sen vor­aus­ge­gan­gen waren zahl­rei­che Anti-Regie­rungs­pro­teste in den Städten der Oblaste Donezk, Luhansk und Charkiw. Geg­ne­rIn­nen der Kyjiwer Maidan-Revo­lu­tion ver­lang­ten eine Aner­ken­nung der Auto­no­mie der Region, Schutz für die rus­sisch­spra­chige Bevöl­ke­rung und Freund­schaft mit Russ­land. In Slo­wjansk lösten sie damit eine mili­tä­ri­sche Kon­fron­ta­tion aus. Um die sepa­ra­tis­ti­sche Bewe­gung zu unter­drü­cken, kün­digte die ukrai­ni­sche Führung eine Anti-Terror-Ope­ra­tion an. Heftige Kämpfe brachen in und um die Stadt herum aus, zwi­schen den bewaff­ne­ten Befür­wor­tern der Föde­ra­li­sie­rung unter Führung rus­si­scher Mili­tärs und der ukrai­ni­schen Armee.

Die Kämpfe dau­er­ten an, bis die Sepa­ra­tis­ten sich schließ­lich zum Ver­las­sen der bela­ger­ten Stadt und zur Flucht nach Donezk gezwun­gen sahen. Die Natio­nal­flagge wurde wieder gehisst. Die Kon­trolle der ukrai­ni­schen Zen­tral­re­gie­rung wurde auch in den umlie­gen­den Städten wie­der­her­ge­stellt, so in Kra­ma­torsk, Myko­la­jiwka, Kost­jan­ty­niwka und Drusch­kiwka, wo die sepa­ra­tis­ti­sche Bewe­gung eben­falls nie­der­ge­schla­gen wurde.

Will­kom­men in Slo­wjansk © Evgeniy Shevtsov

Ein Leben nach dem Krieg

Seit dieser Zeit hat das begon­nen, was die Ein­hei­mi­schen „nach dem Krieg” nennen, ein anderes, neues Leben im Donbas. Stück für Stück fanden die Men­schen zurück in eine fried­li­che Normalität.

Slo­wjansk hatte unter den Kampf­hand­lun­gen und dem Beschuss gelit­ten, und so begann man zunächst damit, zer­stör­ten Wohn­raum wieder auf­zu­bauen und Land von Minen zu befreien, damit die Bevöl­ke­rung wieder sicher in ihre Häuser zurück­keh­ren konnte. Dabei erhiel­ten die Ver­ant­wort­li­chen viel Unter­stüt­zung von inter­na­tio­na­len Spenden- und Freiwilligenorganisationen.

Slo­wjansk gehörte die Auf­merk­sam­keit der Welt, die lange geschun­dene Stadt wurde zum Sinn­bild für Sieg und Frieden in der Ostukraine. 

Für die Ein­woh­ne­rIn­nen der besetz­ten Gebiete der Oblast Donezk, die vor dem Krieg flohen, wurde Slo­wjansk erst zu einem Zufluchts­ort, dann oft zur zweiten Heimat. Nach Slo­wjansk ström­ten die ersten Flücht­lings­wel­len aus Donezk, Hor­liwka und Maki­jiwka, wo die geflüch­te­ten Sepa­ra­tis­ten neue Macht­zen­tren geschaf­fen hatten. Für viele Geflüch­tete ist die Stadt heute ihr neuer Lebensmittelpunkt.

Nicht nur für den Krieg bekannt

Viele asso­zi­ie­ren den Donbas mit Minen und Halden, doch lässt sich die Region bei­leibe nicht nur durch den Koh­le­berg­bau cha­rak­te­ri­sie­ren. Sie ist viel­mehr einer der urba­ni­sier­tes­ten Räume welt­weit mit einer langen Geschichte und ver­wur­zel­ten Kultur.

Slo­wjansk galt von jeher als Stadt der Händler und Salz­sie­der sowie als bedeut­sa­mes indus­tri­el­les Zentrum und wich­ti­ger Eisenbahnknotenpunkt.

Die Grün­dung der Sied­lung ist eng ver­knüpft mit der auf­kom­men­den Salz­pro­duk­tion auf den Seen. Die ersten Boll­werke zum Schutz der Salz­schöp­fer vor Raub­zü­gen der Tataren wurden 1645 ange­legt, die mas­sen­hafte Besied­lung setzte ab 1676 ein, als anstelle einer klei­ne­ren Wehr­an­lage die große Feste Thor errich­tet wurde. 1773 hatte das zukünf­tige Slo­wjansk bereits 4000 Ein­woh­ne­rIn­nen, wovon ein Drittel mit der Salz­pro­duk­tion zu tun hatte. Heute zählt die Stadt um die 110 000 EinwohnerInnen.

Die Salz­seen führten auch zur Ent­ste­hung eines berühm­ten bal­neo­lo­gi­schen Kurorts. Vor dem Krieg waren dort vier Sana­to­rien auf die Behand­lung und Reha­bi­li­ta­tion von Men­schen mit Erkran­kun­gen des Bewe­gungs­ap­pa­rats spezialisiert.

Durch den Krieg ist die Nach­frage nach Kur­auf­ent­hal­ten dras­tisch gesun­ken und wegen wirt­schaft­li­cher Schwie­rig­kei­ten sind die Slo­wjans­ker Sana­to­rien teil­weise dem Verfall preis­ge­ge­ben. Doch noch hegen die Stadt und die regio­na­len Auto­ri­tä­ten ehr­gei­zige Pläne zu ihrer Wiederbelebung.

Die Stadt ist außer­dem auch heute noch bekannt für ihre Kera­mik­erzeug­nisse. Slo­wjansk verfügt nämlich über große Vor­kom­men eines spe­zi­el­len Tons, der zur Her­stel­lung von Spe­zi­al­ke­ra­mik benö­tigt wird. Früher wurde hier Indus­trie­ke­ra­mik pro­du­ziert (Kacheln, Sani­tär­pro­dukte, Hoch­span­nungs­iso­la­to­ren), nach dem Zerfall der Sowjet­union eta­blierte sich auch ein Markt für Haus­halts­gü­ter wie Geschirr, Vasen und Geräte.

Andrij Mischt­schenko, Vor­sit­zen­der des Slo­wjans­ker Ver­bands „Cluster Kera­mik­re­gion”, meint ohne Über­trei­bung sagen zu können, die Pro­dukte aus der Region würden mitt­ler­weile in die ganze Welt expor­tiert, sogar nach Äthio­pien, Neu­see­land, Kanada und Bra­si­lien. Der Haupt­ab­satz­markt ist und bleibt aller­dings Russland.

Die Kera­mik­in­dus­trie war 2005 auf ihrem Höhe­punkt, als in Slo­wjansk 3000 Firmen auf unter­schied­li­chem Niveau in diesem Segment pro­du­zier­ten und 30 000 Men­schen in der Pro­duk­tion ange­stellt waren. 

Zu einem erheb­li­chen Anteil haben die Kera­mik­her­stel­ler die Wirt­schafts­krise zu Anfang des 21. Jahr­hun­derts nicht über­lebt und mussten ihre Pro­duk­tion ein­stel­len. Der Krieg ver­setzte der Indus­trie einen noch hef­ti­ge­ren Schlag. Nach der Befrei­ung konnten noch um die 400 Betriebe die Arbeit wieder auf­neh­men. Kre­dit­ge­be­rIn­nen und Spon­so­rIn­nen stütz­ten die Kera­mik­pro­du­zen­ten, von denen viele spe­zi­elle Hilfs­pro­gramme für Unter­neh­mer in Anspruch genom­men haben.

Andrij Mischt­schenko, Vor­sit­zen­der von „Cluster Kera­mik­re­gion” © Evgeniy Shevtsov

Der Rajon Slo­wjansk war immer ein inte­gra­ler Bestand­teil der Stadt, nunmehr zeigt auch dort die Dezen­tra­li­sie­rungs­re­form ihre Wirkung. Eigen­stän­dige Ter­ri­to­ri­al­ge­mein­den ent­ste­hen, und jedes Dorf, jede Sied­lung ist gehal­ten, eigene finan­zi­elle, per­so­nelle und infra­struk­tu­relle Res­sour­cen zu erschlie­ßen. Einige der neu ent­stan­de­nen Gemein­den haben die Vorzüge der Reform bereits erfah­ren, als zum Bei­spiel endlich die 30 Jahre alte Asphalt­de­cke der Straßen erneu­ert wurde, die Schule reno­viert, ein Zentrum für Bür­ger­si­cher­heit (Polizei, Feu­er­wa­che und Ret­tungs­sa­ni­tä­ter unter einem Dach) ein­ge­rich­tet oder kul­tu­relle Anlauf­stel­len geschaf­fen wurden. Daneben gibt es aber auch Gemein­den, die sich noch nicht sicher sind, wo sie sich anschlie­ßen sollen oder ob sie lieber Ein­zel­kämp­fer bleiben.

In den meisten Sied­lun­gen im Rajon Slo­wjansk lebt man von der Land­wirt­schaft. Getreide und Saaten werden hier her­ge­stellt. Als Anhalts­punkt: In diesem Jahr wurde auf ins­ge­samt 574300 Hektar Land von land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben unter­schied­li­cher Größe und Art Getreide ange­baut. Noch immer bauen viele auf dem Dorf auch für den Eigen­be­darf an.

Der Fluss Siwers­kyj Donez und seine ein­zig­ar­ti­gen Land­schaf­ten schaf­fen in der Region auch ein Poten­zial für eine tou­ris­ti­sche Ent­wick­lung. Obwohl die Anzahl der Men­schen, die ihren Urlaub hier planen, nach dem mili­tä­ri­schen Kon­flikt zurück­ge­gan­gen ist, arbei­ten viele Gemein­den aktiv an ihrer Attrak­ti­vi­tät für Feriengäste.

Zum Bei­spiel lädt das Dorf Pre­lesne in sein Museum für Volks­ar­chi­tek­tur, All­tags­le­ben und Kin­der­kunst ein, das in einem Landgut des 19. Jahr­hun­derts unter­ge­bracht ist, einem der bedeu­tends­ten Bau­denk­mä­ler der Oblast Donezk.

Swja­to­hirsk steht bei den Men­schen im Donbas im Sommer hoch im Kurs. Berühmt ist es für seine Kalk­berge, den Kie­fern­wald und die Strände am Ufer des Siwers­kyj Donez. Haupt­an­zie­hungs­punkt ist jedoch die Lawra von Swja­to­hirsk, das Höh­len­klos­ter des Hei­li­gen Ent­schla­fens der Gottesgebärerin.

Das Höh­len­klos­ter von Swja­to­hirsk © Evgeniy Shevtsov

Nach den Ereig­nis­sen im Jahr 2014 kam es in der Region Donezk zu einem patrio­ti­schen Auf­schwung. Viele neu gegrün­dete Orga­ni­sa­tio­nen wid­me­ten sich der Kultur und Geschichte der Ukraine. In den Städten wurden patrio­ti­sche Auf­mär­sche ver­an­stal­tet, kul­tu­relle Ver­an­stal­tun­gen orga­ni­siert, Feste gefeiert.

In Slo­wjansk etwa wird auf Initia­tive der Platt­form ZMISTO am all­jähr­li­chen Unab­hän­gig­keits­tag der Ukraine der „Tag der Geburt des Landes” began­gen, zu dem jede/​er als Mit­or­ga­ni­sa­to­rIn bei­tra­gen kann, indem er oder sie einen eigenen Ver­an­stal­tungs­ort bespie­len oder Erfah­run­gen und Kennt­nisse auf einem bestimm­ten Gebiet wei­ter­ge­ben kann.

Mit­hilfe inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen wurden in der Region Donezk eine Reihe von öffent­li­chen Orten und Platt­for­men ins Leben gerufen, an denen sich junge Men­schen zum Erfah­rungs­aus­tausch treffen, Bil­dungs­an­ge­bote wahr­neh­men oder Infor­ma­tio­nen ein­ho­len können. In Slo­wjansk ist dies das „Treib­haus”, in Kra­ma­torsk das „Freie Haus“, in Drusch­kiwka gibt es den „Halwa Hub”, in Kost­jan­ty­niwka das „Freunde” und in Bachmut den „Work­shop”.

2015 schloss sich der damals 23-jährige Jewhen Skryp­nyk dem Initia­tiv­ko­mi­tee des Slo­wjans­ker Treib­hau­ses an. Er nahm an vielen kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen teil und orga­ni­sierte Jugend­grup­pen, beschloss dann aber, etwas eigenes auf die Beine stellen zu wollen. Der dyna­mi­sche junge Mann grün­dete das Projekt Shum.Rave und begann mit der Orga­ni­sa­tion von Musik­fes­ti­vals und Partys in den Städten der Region Donezk.

Diese Raves über­zeug­ten Yewhen davon, dass es unter den Jugend­li­chen eine Nach­frage gab für eine neue Art Nacht­le­ben, hoch­wer­tige Musik­ver­an­stal­tun­gen mit einem pro­fes­sio­nel­len Management. 

Nicht einmal die Qua­ran­tä­ne­maß­nah­men der letzten Monate trock­ne­ten diesen Hunger aus. In Slo­wjansk fand im Mai eine Online-Party von Fes­ti­val Plan B und Shum.Rave statt, später am Abend dann unter freiem Himmel eine Lightshow.

In Slo­wjansk gibt es aber auch ältere Men­schen mit Unter­neh­mer­geist. Die Slo­wjans­ke­rin Natalia Bon­da­renko hat eine Stif­tung ins Leben gerufen, mit der sie Men­schen ab 50 unter­stützt in ihrer per­sön­li­chen Wei­ter­ent­wick­lung, Selbst­ver­wirk­li­chung und Lebens­freude. Die Mit­glie­der der Orga­ni­sa­tion sind über­zeugt, dass das Leben mit 50 gerade erst beginnt. Frauen wie Männer eignen sich Com­pu­ter­kennt­nisse oder eine finan­zi­elle All­ge­mein­bil­dung an, lernen Eng­lisch, Tanzen, Nordic Walking, Yoga oder ver­an­stal­ten Fotosessions.

Nach dem Krieg änderte sich in Slo­wjansk alles

Der mili­tä­ri­sche Kon­flikt wirkte in Slo­wjansk wie ein Kata­ly­sa­tor für viele Ver­än­de­run­gen, im Stadt­bild wie im Leben der EinwohnerInnen. 

Natür­lich glauben viele noch immer, die beste Lösung sei aus­zu­wan­dern oder über die Regie­rung zu schimp­fen, doch es gibt viele Men­schen, die bereit sind, ihr Leben in die Hand zu nehmen und sich eine Zukunft aufzubauen.

Im Laufe der ver­gan­ge­nen sechs Jahre wurden beschä­digte Gebäude wieder auf­ge­baut, Kran­ken­häu­ser und Schulen saniert, ein regio­na­les Ver­wal­tungs­zen­trum gebaut und viele Orga­ni­sa­tio­nen gegrün­det, die in der Jugend- oder Flücht­lings­ar­beit aktiv sind. Zudem wurden inno­va­tive Pro­jekte und Pro­gramme für Unter­neh­mer durchgeführt.

Seme­niwka. Ein wieder auf­ge­bau­tes Kran­ken­haus neben einem Zerstörten. © Evgeniy Shevtsov

Die Ein­woh­ne­rIn­nen began­nen, sich für die Arbeit der lokalen Selbst­ver­wal­tung zu inter­es­sie­ren und mit deren Organen zusam­men­zu­ar­bei­ten. Den Kontakt zwi­schen Bür­ge­rIn­nen und Ver­wal­tung zu ver­bes­sern, ist eine der Auf­ga­ben der Kyjiwer Gesprä­che, die seit 2017 in Slo­wjansk aktiv sind. Dank ihres Enga­ge­ments konnte sich Slo­wjansk ein „Teil­ha­be­bud­get” geben und die Bürger der Stadt und ihre viel­fäl­ti­gen Com­mu­ni­ties zu eigenen Pro­jek­ten ermutigen.

Über das Pro­gramm konnten etliche von Bür­ge­rIn­nen ein­ge­brachte Initia­ti­ven ver­wirk­licht werden, die zur Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät im öffent­li­chen Raum bei­getra­gen haben, dar­un­ter etwa Sport­plätze, Nah­erho­lungs­ziele für Fami­lien oder Kinder, Foto­zo­nen. Im Viertel Slow­kur­ort ist ein ganzer Kunst­hof ent­stan­den. Skulp­tu­ren­kom­po­si­tio­nen stehen dort für die Rich­tun­gen, die die Ent­wick­lung der Stadt nehmen soll. Andere haben sich daran ein Bei­spiel genom­men und eigene Pro­jekte erar­bei­tet, die noch bis Jah­res­ende imple­men­tiert werden sollen.

Eben­falls der Arbeit der Kyjiwer Gesprä­che ist es zu ver­dan­ken, dass die Stadt Mittel der elek­tro­ni­schen Bür­ger­be­tei­li­gung ein­ge­führt und die Men­schen in deren Nutzung geschult hat. Auch Smart­City-Dienst­leis­tun­gen wurden in diesem Jahr zur Ver­fü­gung gestellt. Eine App zur Instal­la­tion auf dem Smart­phone bündelt zum Bei­spiel aktu­elle Infor­ma­tio­nen aller kom­mu­na­len Ener­gie­ver­sor­ger, listet die Kon­takt­da­ten aller Behör­den und Regie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und hilft dabei, mit ihnen Ver­bin­dung aufzunehmen.

Andere Gemein­den, dar­un­ter  Torezk, Drusch­kiwka, Bachmut und Wuh­le­dar haben sich dem Smart­City-Pro­gramm eben­falls ange­schlos­sen, Slo­wjansk aber ist in punkto Digi­ta­li­sie­rung am wei­tes­ten vorangeschritten.

Die Stadt unter­hält viele weitere Pro­gramme zur För­de­rung des bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ments und zur Unter­stüt­zung von Unter­neh­mern oder Bin­nen­flücht­lin­gen. Durch För­der­pro­gramme gelang es einigen Geflüch­te­ten, sich mit einem eigenen Unter­neh­men selb­stän­dig zu machen. Aller­dings kehrten auch etliche wieder in die nicht mehr unter ukrai­ni­scher Kon­trolle ste­hen­den Gebiete zurück, denn nicht jede/​r fand Wohnung und Arbeit.

Die Stadt sowie Spen­den­ge­be­rIn­nen rea­li­sie­ren wei­ter­hin auch an Bin­nen­flücht­linge adres­sierte Pro­jekte. Im Moment wird in Slo­wjansk etwa ein ehe­ma­li­ges Wohn­heim zu einem Wohn­haus für Geflüch­tete umgestaltet.

Der Krieg hat die Lebens­rea­li­tät der Men­schen im Donbas für immer in „davor” und „danach” unterteilt. 

Das Leben der Men­schen in Slo­wjansk hat sich durch die 84 Tage dau­ernde Beset­zung, während derer man mit Tod und Zer­stö­rung kon­fron­tiert war, Schüsse und Ein­schläge hörte, tief­grei­fend verändert.

Die Ereig­nisse haben viele Men­schen dazu gebracht, ihre Ein­stel­lung, ihre natio­nale Iden­ti­tät, ihr Enga­ge­ment für ihre Stadt zu über­den­ken. Unmit­tel­bar nach dem Ende der Besat­zung erlebte das Ehren­amt hier einen unge­heu­ren Auf­schwung. Wer zuvor nicht über seinen Tel­ler­rand hin­aus­schaute, nahm plötz­lich einen sehr viel brei­te­ren Stand­punkt ein. Einige unter­stütz­ten die Armee, andere boten eine kos­ten­freie Eng­lisch-Lern­gruppe an, noch andere halfen älteren Men­schen oder setzten sich für Jugend­li­che ein.

Heute steht Slo­wjansk in der ganzen Ukraine für Frieden und eine euro­päi­sche Zukunft des Landes. Die Bürger der Ost­ukraine hoffen auf breiter Basis, dass schon bald die Natio­nal­flagge wieder über allen Städten im Donbas wehen wird.

Aus dem Ukrai­ni­schen von Beatrix Kersten.

  • Platz der Frei­heit im Zentrum von Slo­wjansk. © Evgeniy Shevtsov
  • Ein durch Krieg zerstörtes Gebäude einer Psych­ia­trie-Klinik. © Evgeniy Shevtsov
  • Kera­mik­markt
  • Park Schow­ko­wych­nyj. © Evgeniy Shevtsov
  • Ältere Men­schen bei ihren viel­sei­ti­gen Akti­vi­tä­ten. © Evgeniy Shevtsov
  • Projekt Shum.Rave
  • Das ehe­ma­lige Salz­werk. © Evgeniy Shevtsov
  • Slo­wjansk Kurort. © Evgeniy Shevtsov
  • Som­mer­li­ches Ver­gnü­gen in Slo­wjansk Kurort. © Evgeniy Shevtsov
  • Kunst­hof in Slo­wjansk Kurort. © Evgeniy Shevtsov
  • Pre­lesne (Museumshütte). © Evgeniy Shevtsov
  • Die Stadt vom höchsten Punkt (Berg Karat­schun). © Evgeniy Shevtsov

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