„Orbán in die Schranken weisen“

Presseschau ukrainischer Medien | 4. bis 17. März 2026:
Gelähmtes ukrainisches Parlament
Orbán hetzt gegen die Ukraine
Zweifel an freiwilligen Frontsanitätern
Gelähmtes ukrainisches Parlament
Der Werchowna Rada fällt es zunehmend schwer, Gesetze zu verabschieden – selbst solche, die für das finanzielle Überleben des Landes nötig sind. An manchen Tagen endet die Arbeit vorzeitig, weil weniger als die für Abstimmungen erforderlichen 226 Abgeordnete anwesend sind. Ukrainische Medien diskutieren Ursachen und Folgen dieser Situation.
„In sieben Jahren vergären sogar Gurken im Fass“
Laut Ukrajinska Prawda wollen viele Abgeordnete der präsidentennahen Mehrheitspartei Diener des Volkes einfach nur noch in den Ruhestand:
„‚Das Parlament besteht seit fast sieben Jahren [weil während des Krieges keine Wahlen möglich sind]. Ich will nicht sagen, dass es schwer und anstrengend ist. Aber in dieser Zeit vergären sogar Gurken im Fass‘, beklagt sich einer der führenden Diener des Volkes.
Die [...] Abgeordneten geben zu, dass das Parlament der neunten Legislaturperiode sich selbst erschöpft hat. Mittlerweile führt schon die geringste Destabilisierung zu einem inneren Zusammenbruch. [...]
Früher setzte Selenskyj die Rada mit Drohungen, sie aufzulösen, unter Druck. Heute träumen die Abgeordneten davon, endlich ihre Mandate loszuwerden. [...] Der Fraktionschef [von Diener des Volkes], David Arakhamia, [aber blockiert entsprechende Anträge] und versichert den Abgeordneten fortwährend, die Legislaturperiode werde ‚bald‘ enden. Doch das versprochene ‚bald‘ will einfach nicht eintreten.
Die Abgeordneten hatten große Hoffnungen in erfolgreiche Verhandlungen und baldige Wahlen gesetzt. Doch der Krieg im Iran hat den Verhandlungsprozess zwischen der Ukraine, den USA und Russland faktisch auf Eis gelegt.“
„Unpopuläre Entscheidungen nötig“
Dabei werde das Parlament laut Suspilne derzeit mehr denn je gebraucht, um dringend nötige Gesetze zu verabschieden:
„Für die meisten Abgeordneten [...] haben ihre eigenen Umfragewerte Vorrang vor den Interessen des Staates. Deshalb will niemand unpopuläre Entscheidungen angehen“, sagt eine Führungsperson der Diener des Volkes.
Neben der Opposition, die auch früher bisweilen gegen Gesetzesvorlagen der Regierungsfraktion gestimmt hat, werden nun auch einzelne Gruppen innerhalb der Diener des Volkes aktiver. [...] Das führt dazu, dass von den 228 Abgeordneten der Fraktion manchmal nur 150 [eigene] Gesetzesvorlagen befürworten. [...]
Derzeit muss die Rada eine Reihe unpopulärer Entscheidungen treffen, sagt einer der Vorsitzenden eines Parlamentsausschusses. [...] [Dazu] gehören die sogenannten Meilensteine, die der Internationale Währungsfonds der Ukraine auferlegt hat. […] Dazu gehört die Besteuerung der Einnahmen aus digitalen Plattformen [...] sowie die Einführung der Mehrwertsteuer für Einzelunternehmer:innen mit einem Jahreseinkommen von mehr als vier Millionen Hrywnja [rund 79.000 Euro].
Dass diese Gesetze bis Ende März verabschiedet würden, sei unrealistisch, sagt Maksym Samoiliuk, Ökonom des Zentrums für Wirtschaftsstrategie.“
„Die Mobilisierung der ‚Elite‘ ist von großer Bedeutung“
In NV unterstützt der frühere Abgeordnete und heutige Drohnenkommandeur Ihor Lutsenko den Vorschlag von Präsident Selenskyj, wer nicht im Parlament arbeiten wolle, solle an die Front gehen:
„Tatsächlich ist die Drohung, die Selenskyj nur halb im Ernst gegenüber dem Parlament äußerte [...], nicht bloß eine rhetorische Floskel, es ist eine dringende Notwendigkeit.
Hunderttausende Wehrdienstverweigerer, Millionen von Drückebergern – sie alle bringen Schande über unser Land, [...] denn die oberen Gesellschaftsschichten entziehen sich [ihrer Pflicht], im Krieg einen Beitrag zu leisten. Weil die Regierung nicht bereit ist, auch nur eine Handvoll Privilegierter – Politiker:innen, Popstars, Geschäftsleute – zur Verteidigung ihrer Heimat zu verpflichten. Und die unteren Schichten folgen stets dem Beispiel der oberen.
Die Mobilisierung der ‚Elite‘ ist [deshalb] enorm wichtig. Sie gibt denen Hoffnung auf Gerechtigkeit, die bereits seit mehr als vier Jahren kämpfen. Sie motiviert jene, die zögern. Und sie ermöglicht den Aufbau einer Armee, die das Land so lange verteidigen kann, wie es nötig ist – ohne Burnout und Überlastung, wie es derzeit der Fall ist.“
Orbán hetzt gegen die Ukraine
Knapp einen Monat vor der Parlamentswahl in Ungarn setzt Premierminister Viktor Orbán im Wahlkampf massiv auf das Feindbild Ukraine. Plakate mit Wolodymyr Selenskyj warnen davor, Kyjiw und Brüssel würden Ungarn in den Krieg ziehen. Zugleich behauptet Orbán, die Oppositionspartei Tisza habe sich mit Kyjiw verschworen. Einen Höhepunkt erreichte die Kampagne, als am 5. März zwei Geldtransporter der ukrainischen Staatsbank beschlagnahmt und deren Fahrer widerrechtlich festgehalten wurden.
„Ein Terrorstaat, der seine Nachbarn erpresst”
Die Jewropejska Prawda, die wegen ihrer kritischen Berichterstattung über die Orbán-Regierung bereits seit Monaten in Ungarn blockiert wird, geht hart mit dem Regierungschef ins Gericht:
„Orbán hat sich an die Rolle des europäischen Außenseiters gewöhnt, doch diese Spezialoperation ging selbst für ihn zu weit. Ein Terrorstaat, der seine Geheimdienste einsetzt, um Geldtransporter zu überfallen und einen Nachbarn mit zivilen Geiseln zu erpressen, das ist wirklich zu viel. Außerdem sind gewaltsame Aktionen nicht typisch für Orbán. Daher kam sofort die Vermutung auf, Russland könne seine Finger im Spiel haben.
Denn zufällig wurde genau am Tag der Entführung der ukrainischen Geldtransporteure bekannt, dass Orbáns Partei strategische Berater aus Russland engagiert hat. Und zwar das Team von Sergej Kirijenko, das bisher für die russische Einmischung in Wahlen im sogenannten postsowjetischen Raum verantwortlich war [...]. Ungarischen Investigativjournalist:innen zufolge sei ein kleines russisches Team nach Budapest gekommen und arbeite eng mit Orbáns Wahlkampfteam zusammen. […]
[Die ukrainische Ministerpräsidentin] Julija Swyrydenko brachte die Entführung der Geldtransporterfahrer mit der Reise [des ungarischen Außenministers Péter] Szijjártó in die Russische Föderation [einen Tag zuvor] in Verbindung. [Der ukrainische Außenminister] Andrij Sybiha sprach von der ‚russischen Handschrift‘ dieser Operation.“
„Orbáns Medienimperium als Plattform für russische Propaganda“
Auch LB sieht Hinweise für den direkten Einfluss Russlands auf den ungarischen Regierungschef:
„Im Laufe seiner Amtszeit sei es Viktor Orbán und seinem Umfeld gelungen, mehr als 500 ungarische Medien unter ihre Kontrolle zu bringen, berichtet Kateryna Shymkevych, Expertin am Analytischen Zentrum für Balkanstudien. Diese mächtige Propagandamaschinerie sei inzwischen vollständig mit der russischen synchronisiert und Orbáns Medienimperium eine Plattform für die Verbreitung kremlnaher Narrative geworden.
‚Es war [...] [seit Monaten] klar, dass Russland keinem anderen Kandidaten als Orbán den Wahlsieg überlässt. Der Einfluss des Kremls ist [in Ungarn] schon lange spürbar. Dass sie jetzt Wahlstrategen und Geheimdienstmitarbeiter entsandt haben, hängt mit Orbáns sinkenden Umfragewerten zusammen. [...]‘, erklärt Shymkevych.“
„Orbán gezielt in die Schranken weisen“
NV veröffentlicht einen Text von Said Ismahilov, der früher als Mufti die muslimischen Gläubigen der Ukraine repräsentierte und heute als Leutnant in den Streitkräften dient. Für ihn zeigt der Fall Orbán, wie wenig die internationalen Beziehungen heute noch auf allgemein anerkannten Regeln basieren:
„Es ist doch offensichtlich, dass Orbán auf Geheiß Moskaus konsequent die Eskalation vorantreibt. Und es ist klar, dass er dies tut, um der Ukraine europäische Finanzmittel zu entziehen [mit seinem Veto gegen EU-Darlehen für Kyjiw in Höhe von 90 Milliarden Euro]. So spielt er Putin in die Hände, indem er die Ukraine in den Abgrund treibt. Er ist ein direkter Agent des Kremls [...].
Die Frage ist: Wenn ein Schläger so aggressiv auf uns losgeht, sollten wir dann Schwäche zeigen? Bei jedem Versuch, sich zu einigen, schlägt der Gewalttäter zu, wirft uns zu Boden, tritt uns mit Füßen [...]. Anschließend raubt er sein Opfer aus und vergewaltigt es. Ein gezielter Schlag, der ihm die Nase bricht, weist ihn dagegen schnell in die Schranken [...] – und das am besten ruhig und ohne Pathos.
Wacht endlich auf, ihr Naiven! Es gibt keine internationalen Regeln mehr. [...] Orbán hat euch das heute gezeigt. Kommt zur Besinnung! In der Welt herrscht jetzt das Recht des Stärkeren und nicht die Stärke des Rechts. Und das haben nicht wir in der Ukraine uns ausgedacht, sondern Trump und Putin. [...] Wir sind in einem Fight Club, in dem nur eine einzige Regel gilt: Es gibt keine Regeln.
Das ist ziemlich schlimm, aber wir haben die meiste Erfahrung darin, in dieser schrecklichen neuen Welt zu überleben, die keine internationalen Regeln mehr kennt, nur noch globale technologische Kriegsführung.“
Zweifel an freiwilligen Frontsanitätern
Die Hospitallers, eine der bekanntesten und angesehensten ukrainischen Freiwilligenorganisationen von Frontsanitäter:innen, stehen wegen möglicher Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Spendengeldern unter Druck. Es geht um fehlende Finanzberichte, doppelte Konten und vorzeitige Abbuchungen. Freiwillige warnen vor einem Schaden für den gesamten zivilgesellschaftlichen Sektor.
„Ich arbeite mit den Leuten, die da sind“
Hromadske sprach mit der Hospitallers-Chefin und Parlamentsabgeordneten Yana Zinkevich, die selbst lange als Kampfsanitäterin diente und dabei eine schwere Verwundung erlitt, sodass sie heute im Rollstuhl sitzt. Sie geht auf die Kritik ein, dass Teile des Managements der Organisation mit ihr verwandt sind:
„Leider stehen die Leute für ein Freiwilligenbataillon, das kein Gehalt zahlt, nicht Schlange. Mein […] Stiefvater, mein Schwiegervater und mein Mann haben alle zu verschiedenen Zeiten [in der Armee] gekämpft. Sie kennen sich aus, haben Erfahrung und Führungsqualitäten. Wenn sie sich also einbringen wollen und ihre Hilfe anbieten – warum nicht?
Mein Mann ist stellvertretender Leiter des Fonds und kümmert sich um technische Fragen. Ich arbeite mit den Leuten, die da sind. Wenn einige dieser Leute meine Verwandten sind, bedeutet das nicht, dass ich bei ihnen ein Auge zudrücke. [Im Gegenteil:] Ich verlange mehr von ihnen, denn sie tragen Verantwortung. Sie gehören zur Familie einer Person des öffentlichen Lebens.“
„Bürokratie oder schnelle Reaktion“
Während Hospitallers einen detaillierten Finanzbericht für Mai angekündigt hat, stellt LB grundsätzliche Fragen zu Transparenz und Funktionsweise zivilgesellschaftlicher Organisationen:
„Die Hospitallers sind eine unverzichtbare Organisation in der Ukraine. Und ihr Beitrag zur Rettung von Verwundeten lässt sich kaum zur Gänze erfassen und angemessen würdigen. Denn während sie anderen das Leben retteten, haben Mitglieder der Hospitallers selbst ihr Leben verloren.
Die Kultur der Organisation basiert auf persönlichem Vertrauen und auf teilweise privaten Spendenkonten, auf denen je nach Bedarf der Hospitallers Gelder ein- und ausgehen – und das widerspricht offensichtlich den Rahmenbedingungen für die Arbeit mit Spenden, die sich in zwölf Jahren Krieg herausgebildet haben.
Sie lauten in etwa so: Wenn jemand Spenden sammelt, muss es eine transparente und zeitnahe Dokumentation geben. Im Idealfall auch eine regelmäßige unabhängige Finanzprüfung. Dafür muss man allerdings Kapazitäten aufbauen, Mitarbeitende mit entsprechenden Kompetenzen einstellen, bestimmte Prozesse bürokratisieren […]. Das schützt vor Vorwürfen, wie sie derzeit laut werden, schadet aber gleichzeitig der Flexibilität und Schnelligkeit, wenn etwas hier und jetzt bezahlt oder jemand unterstützt werden muss – ohne Papierkram und Genehmigungen.“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
Die Nachrichtenredaktion von Suspilne ist zudem für sein breites regionales Netzwerk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website suspilne.media 9,9 Millionen Aufrufe.
NV ist ein Online-Nachrichtenportal, ein vierteljährlich erscheinendes Printmagazin und ein Radiosender. Die Redaktion berichtet über internationale Nachrichten und ukrainische Politik. Es legt den Fokus auf internationale Unterstützung für die Ukraine, Korruption und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch gründete NV 2014 und übernahm die Chefredaktion. Zuvor arbeitete Sytsch beim populären Magazin Korrespondent. Er und viele heutige NV-Mitarbeiter verließen Korrespondent, nachdem Serhij Kurtschenko, ein Oligarch aus Charkiw mit engen Verbindungen zum damaligen Präsident Wiktor Janukowytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, das dem tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala gehört.
Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
Babel gehört der Gründerin und Chefredakteurin Kateryna Kobernyk sowie Oleksandr Babenko, dem Eigentümer des Drohnenherstellers Vyriy Industries.
Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
Seitenaufrufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen
Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
Seitenaufrufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen
Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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