„Orbán in die Schran­ken weisen“

 Anti-Ukraine- und Anti-EU-Wahlplakate in Ungarn, die im Wahlkampf 2026 verwendet wurden
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Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 4. bis 17. März 2026:
Gelähm­tes ukrai­ni­sches Parlament
Orbán hetzt gegen die Ukraine
Zweifel an frei­wil­li­gen Frontsanitätern

Gelähm­tes ukrai­ni­sches Parlament

Der Wer­chowna Rada fällt es zuneh­mend schwer, Gesetze zu ver­ab­schie­den – selbst solche, die für das finan­zi­elle Über­le­ben des Landes nötig sind. An manchen Tagen endet die Arbeit vor­zei­tig, weil weniger als die für Abstim­mun­gen erfor­der­li­chen 226 Abge­ord­nete anwe­send sind. Ukrai­ni­sche Medien dis­ku­tie­ren Ursa­chen und Folgen dieser Situation.

„In sieben Jahren ver­gä­ren sogar Gurken im Fass“

Laut Ukra­jinska Prawda wollen viele Abge­ord­nete der prä­si­den­ten­na­hen Mehr­heits­par­tei Diener des Volkes einfach nur noch in den Ruhestand:

„‚Das Par­la­ment besteht seit fast sieben Jahren [weil während des Krieges keine Wahlen möglich sind]. Ich will nicht sagen, dass es schwer und anstren­gend ist. Aber in dieser Zeit ver­gä­ren sogar Gurken im Fass‘, beklagt sich einer der füh­ren­den Diener des Volkes.

Die [...] Abge­ord­ne­ten geben zu, dass das Par­la­ment der neunten Legis­la­tur­pe­ri­ode sich selbst erschöpft hat. Mitt­ler­weile führt schon die geringste Desta­bi­li­sie­rung zu einem inneren Zusammenbruch. [...]

Früher setzte Selen­skyj die Rada mit Dro­hun­gen, sie auf­zu­lö­sen, unter Druck. Heute träumen die Abge­ord­ne­ten davon, endlich ihre Mandate los­zu­wer­den. [...] Der Frak­ti­ons­chef [von Diener des Volkes], David Arak­ha­mia, [aber blo­ckiert ent­spre­chende Anträge] und ver­si­chert den Abge­ord­ne­ten fort­wäh­rend, die Legis­la­tur­pe­ri­ode werde ‚bald‘ enden. Doch das ver­spro­chene ‚bald‘ will einfach nicht eintreten.

Die Abge­ord­ne­ten hatten große Hoff­nun­gen in erfolg­rei­che Ver­hand­lun­gen und baldige Wahlen gesetzt. Doch der Krieg im Iran hat den Ver­hand­lungs­pro­zess zwi­schen der Ukraine, den USA und Russ­land fak­tisch auf Eis gelegt.“

„Unpo­pu­läre Ent­schei­dun­gen nötig“

Dabei werde das Par­la­ment laut Sus­pilne derzeit mehr denn je gebraucht, um drin­gend nötige Gesetze zu verabschieden:

„Für die meisten Abge­ord­ne­ten [...] haben ihre eigenen Umfra­ge­werte Vorrang vor den Inter­es­sen des Staates. Deshalb will niemand unpo­pu­läre Ent­schei­dun­gen angehen“, sagt eine Füh­rungs­per­son der Diener des Volkes.

Neben der Oppo­si­tion, die auch früher bis­wei­len gegen Geset­zes­vor­la­gen der Regie­rungs­frak­tion gestimmt hat, werden nun auch ein­zelne Gruppen inner­halb der Diener des Volkes aktiver. [...] Das führt dazu, dass von den 228 Abge­ord­ne­ten der Frak­tion manch­mal nur 150 [eigene] Geset­zes­vor­la­gen befürworten. [...]

Derzeit muss die Rada eine Reihe unpo­pu­lä­rer Ent­schei­dun­gen treffen, sagt einer der Vor­sit­zen­den eines Par­la­ments­aus­schus­ses. [...] [Dazu] gehören die soge­nann­ten Mei­len­steine, die der Inter­na­tio­nale Wäh­rungs­fonds der Ukraine auf­er­legt hat. […] Dazu gehört die Besteue­rung der Ein­nah­men aus digi­ta­len Platt­for­men [...] sowie die Ein­füh­rung der Mehr­wert­steuer für Einzelunternehmer:innen mit einem Jah­res­ein­kom­men von mehr als vier Mil­lio­nen Hrywnja [rund 79.000 Euro].

Dass diese Gesetze bis Ende März ver­ab­schie­det würden, sei unrea­lis­tisch, sagt Maksym Samoi­liuk, Ökonom des Zen­trums für Wirtschaftsstrategie.“

„Die Mobi­li­sie­rung der ‚Elite‘ ist von großer Bedeutung“

In NV unter­stützt der frühere Abge­ord­nete und heutige Droh­nen­kom­man­deur Ihor Lut­senko den Vor­schlag von Prä­si­dent Selen­skyj, wer nicht im Par­la­ment arbei­ten wolle, solle an die Front gehen:

„Tat­säch­lich ist die Drohung, die Selen­skyj nur halb im Ernst gegen­über dem Par­la­ment äußerte [...], nicht bloß eine rhe­to­ri­sche Floskel, es ist eine drin­gende Notwendigkeit.

Hun­dert­tau­sende Wehr­dienst­ver­wei­ge­rer, Mil­lio­nen von Drü­cke­ber­gern – sie alle bringen Schande über unser Land, [...] denn die oberen Gesell­schafts­schich­ten ent­zie­hen sich [ihrer Pflicht], im Krieg einen Beitrag zu leisten. Weil die Regie­rung nicht bereit ist, auch nur eine Hand­voll Pri­vi­le­gier­ter – Politiker:innen, Pop­stars, Geschäfts­leute – zur Ver­tei­di­gung ihrer Heimat zu ver­pflich­ten. Und die unteren Schich­ten folgen stets dem Bei­spiel der oberen.

Die Mobi­li­sie­rung der ‚Elite‘ ist [deshalb] enorm wichtig. Sie gibt denen Hoff­nung auf Gerech­tig­keit, die bereits seit mehr als vier Jahren kämpfen. Sie moti­viert jene, die zögern. Und sie ermög­licht den Aufbau einer Armee, die das Land so lange ver­tei­di­gen kann, wie es nötig ist – ohne Burnout und Über­las­tung, wie es derzeit der Fall ist.“

Orbán hetzt gegen die Ukraine

Knapp einen Monat vor der Par­la­ments­wahl in Ungarn setzt Pre­mier­mi­nis­ter Viktor Orbán im Wahl­kampf massiv auf das Feind­bild Ukraine. Plakate mit Wolo­dymyr Selen­skyj warnen davor, Kyjiw und Brüssel würden Ungarn in den Krieg ziehen. Zugleich behaup­tet Orbán, die Oppo­si­ti­ons­par­tei Tisza habe sich mit Kyjiw ver­schwo­ren. Einen Höhe­punkt erreichte die Kam­pa­gne, als am 5. März zwei Geld­trans­por­ter der ukrai­ni­schen Staats­bank beschlag­nahmt und deren Fahrer wider­recht­lich fest­ge­hal­ten wurden.

„Ein Ter­ror­staat, der seine Nach­barn erpresst”

Die Jew­ro­pe­jska Prawda, die wegen ihrer kri­ti­schen Bericht­erstat­tung über die Orbán-Regie­rung bereits seit Monaten in Ungarn blo­ckiert wird, geht hart mit dem Regie­rungs­chef ins Gericht:

„Orbán hat sich an die Rolle des euro­päi­schen Außen­sei­ters gewöhnt, doch diese Spe­zi­al­ope­ra­tion ging selbst für ihn zu weit. Ein Ter­ror­staat, der seine Geheim­dienste ein­setzt, um Geld­trans­por­ter zu über­fal­len und einen Nach­barn mit zivilen Geiseln zu erpres­sen, das ist wirk­lich zu viel. Außer­dem sind gewalt­same Aktio­nen nicht typisch für Orbán. Daher kam sofort die Ver­mu­tung auf, Russ­land könne seine Finger im Spiel haben.

Denn zufäl­lig wurde genau am Tag der Ent­füh­rung der ukrai­ni­schen Geld­trans­por­teure bekannt, dass Orbáns Partei stra­te­gi­sche Berater aus Russ­land enga­giert hat. Und zwar das Team von Sergej Kiri­jenko, das bisher für die rus­si­sche Ein­mi­schung in Wahlen im soge­nann­ten post­so­wje­ti­schen Raum ver­ant­wort­lich war [...]. Unga­ri­schen Investigativjournalist:innen zufolge sei ein kleines rus­si­sches Team nach Buda­pest gekom­men und arbeite eng mit Orbáns Wahl­kampf­team zusammen. […]

[Die ukrai­ni­sche Minis­ter­prä­si­den­tin] Julija Swy­ry­denko brachte die Ent­füh­rung der Geld­trans­por­ter­fah­rer mit der Reise [des unga­ri­schen Außen­mi­nis­ters Péter] Szi­j­jártó in die Rus­si­sche Föde­ra­tion [einen Tag zuvor] in Ver­bin­dung. [Der ukrai­ni­sche Außen­mi­nis­ter] Andrij Sybiha sprach von der ‚rus­si­schen Hand­schrift‘ dieser Operation.“

„Orbáns Medi­en­im­pe­rium als Platt­form für rus­si­sche Propaganda“

Auch LB sieht Hin­weise für den direk­ten Ein­fluss Russ­lands auf den unga­ri­schen Regierungschef:

„Im Laufe seiner Amts­zeit sei es Viktor Orbán und seinem Umfeld gelun­gen, mehr als 500 unga­ri­sche Medien unter ihre Kon­trolle zu bringen, berich­tet Kateryna Shym­ke­vych, Exper­tin am Ana­ly­ti­schen Zentrum für Bal­kan­stu­dien. Diese mäch­tige Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne­rie sei inzwi­schen voll­stän­dig mit der rus­si­schen syn­chro­ni­siert und Orbáns Medi­en­im­pe­rium eine Platt­form für die Ver­brei­tung kreml­na­her Nar­ra­tive geworden.

‚Es war [...] [seit Monaten] klar, dass Russ­land keinem anderen Kan­di­da­ten als Orbán den Wahl­sieg über­lässt. Der Ein­fluss des Kremls ist [in Ungarn] schon lange spürbar. Dass sie jetzt Wahl­stra­te­gen und Geheim­dienst­mit­ar­bei­ter ent­sandt haben, hängt mit Orbáns sin­ken­den Umfra­ge­wer­ten zusam­men. [...]‘, erklärt Shymkevych.“

„Orbán gezielt in die Schran­ken weisen“

NV ver­öf­fent­licht einen Text von Said Isma­hi­lov, der früher als Mufti die mus­li­mi­schen Gläu­bi­gen der Ukraine reprä­sen­tierte und heute als Leut­nant in den Streit­kräf­ten dient. Für ihn zeigt der Fall Orbán, wie wenig die inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen heute noch auf all­ge­mein aner­kann­ten Regeln basieren:

„Es ist doch offen­sicht­lich, dass Orbán auf Geheiß Moskaus kon­se­quent die Eska­la­tion vor­an­treibt. Und es ist klar, dass er dies tut, um der Ukraine euro­päi­sche Finanz­mit­tel zu ent­zie­hen [mit seinem Veto gegen EU-Dar­le­hen für Kyjiw in Höhe von 90 Mil­li­ar­den Euro]. So spielt er Putin in die Hände, indem er die Ukraine in den Abgrund treibt. Er ist ein direk­ter Agent des Kremls [...].

Die Frage ist: Wenn ein Schlä­ger so aggres­siv auf uns losgeht, sollten wir dann Schwä­che zeigen? Bei jedem Versuch, sich zu einigen, schlägt der Gewalt­tä­ter zu, wirft uns zu Boden, tritt uns mit Füßen [...]. Anschlie­ßend raubt er sein Opfer aus und ver­ge­wal­tigt es. Ein geziel­ter Schlag, der ihm die Nase bricht, weist ihn dagegen schnell in die Schran­ken [...] – und das am besten ruhig und ohne Pathos.

Wacht endlich auf, ihr Naiven! Es gibt keine inter­na­tio­na­len Regeln mehr. [...] Orbán hat euch das heute gezeigt. Kommt zur Besin­nung! In der Welt herrscht jetzt das Recht des Stär­ke­ren und nicht die Stärke des Rechts. Und das haben nicht wir in der Ukraine uns aus­ge­dacht, sondern Trump und Putin. [...] Wir sind in einem Fight Club, in dem nur eine einzige Regel gilt: Es gibt keine Regeln.

Das ist ziem­lich schlimm, aber wir haben die meiste Erfah­rung darin, in dieser schreck­li­chen neuen Welt zu über­le­ben, die keine inter­na­tio­na­len Regeln mehr kennt, nur noch globale tech­no­lo­gi­sche Kriegsführung.“

Zweifel an frei­wil­li­gen Frontsanitätern

Die Hos­pi­tal­lers, eine der bekann­tes­ten und ange­se­hens­ten ukrai­ni­schen Frei­wil­li­gen­or­ga­ni­sa­tio­nen von Frontsanitäter:innen, stehen wegen mög­li­cher Unre­gel­mä­ßig­kei­ten im Umgang mit Spen­den­gel­dern unter Druck. Es geht um feh­lende Finanz­be­richte, dop­pelte Konten und vor­zei­tige Abbu­chun­gen. Frei­wil­lige warnen vor einem Schaden für den gesam­ten zivil­ge­sell­schaft­li­chen Sektor.

„Ich arbeite mit den Leuten, die da sind“

Hro­madske sprach mit der Hos­pi­tal­lers-Chefin und Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten Yana Zin­ke­vich, die selbst lange als Kampfsa­ni­tä­te­rin diente und dabei eine schwere Ver­wun­dung erlitt, sodass sie heute im Roll­stuhl sitzt. Sie geht auf die Kritik ein, dass Teile des Manage­ments der Orga­ni­sa­tion mit ihr ver­wandt sind:

„Leider stehen die Leute für ein Frei­wil­li­gen­ba­tail­lon, das kein Gehalt zahlt, nicht Schlange. Mein […] Stief­va­ter, mein Schwie­ger­va­ter und mein Mann haben alle zu ver­schie­de­nen Zeiten [in der Armee] gekämpft. Sie kennen sich aus, haben Erfah­rung und Füh­rungs­qua­li­tä­ten. Wenn sie sich also ein­brin­gen wollen und ihre Hilfe anbie­ten – warum nicht?

Mein Mann ist stell­ver­tre­ten­der Leiter des Fonds und kümmert sich um tech­ni­sche Fragen. Ich arbeite mit den Leuten, die da sind. Wenn einige dieser Leute meine Ver­wand­ten sind, bedeu­tet das nicht, dass ich bei ihnen ein Auge zudrü­cke. [Im Gegen­teil:] Ich ver­lange mehr von ihnen, denn sie tragen Ver­ant­wor­tung. Sie gehören zur Familie einer Person des öffent­li­chen Lebens.“

„Büro­kra­tie oder schnelle Reaktion“

Während Hos­pi­tal­lers einen detail­lier­ten Finanz­be­richt für Mai ange­kün­digt hat, stellt LB grund­sätz­li­che Fragen zu Trans­pa­renz und Funk­ti­ons­weise zivil­ge­sell­schaft­li­cher Organisationen:

„Die Hos­pi­tal­lers sind eine unver­zicht­bare Orga­ni­sa­tion in der Ukraine. Und ihr Beitrag zur Rettung von Ver­wun­de­ten lässt sich kaum zur Gänze erfas­sen und ange­mes­sen wür­di­gen. Denn während sie anderen das Leben ret­te­ten, haben Mit­glie­der der Hos­pi­tal­lers selbst ihr Leben verloren.

Die Kultur der Orga­ni­sa­tion basiert auf per­sön­li­chem Ver­trauen und auf teil­weise pri­va­ten Spen­den­kon­ten, auf denen je nach Bedarf der Hos­pi­tal­lers Gelder ein- und aus­ge­hen – und das wider­spricht offen­sicht­lich den Rah­men­be­din­gun­gen für die Arbeit mit Spenden, die sich in zwölf Jahren Krieg her­aus­ge­bil­det haben.

Sie lauten in etwa so: Wenn jemand Spenden sammelt, muss es eine trans­pa­rente und zeit­nahe Doku­men­ta­tion geben. Im Ide­al­fall auch eine regel­mä­ßige unab­hän­gige Finanz­prü­fung. Dafür muss man aller­dings Kapa­zi­tä­ten auf­bauen, Mit­ar­bei­tende mit ent­spre­chen­den Kom­pe­ten­zen ein­stel­len, bestimmte Pro­zesse büro­kra­ti­sie­ren […]. Das schützt vor Vor­wür­fen, wie sie derzeit laut werden, schadet aber gleich­zei­tig der Fle­xi­bi­li­tät und Schnel­lig­keit, wenn etwas hier und jetzt bezahlt oder jemand unter­stützt werden muss – ohne Papier­kram und Genehmigungen.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

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