„Lukaschenko verdient am Blut der Ukrainer“

Presseschau ukrainischer Medien | 18. bis 31. März 2026:
Filarets widersprüchliches Erbe
Drohnendiplomatie als Antwort auf Iran-Krieg
Härterer Kurs gegenüber Belarus
Filarets widersprüchliches Erbe
Am 20. März starb Filaret, der frühere Patriarch des Kyjiwer Patriarchats der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche und eine Schlüsselfigur der ukrainischen Orthodoxie. Jahrzehntelang hatte er der Kirche gedient: zunächst als faktischer Führer der sowjetischen Orthodoxie und Gegner einer unabhängigen ukrainischen Kirche – später als einer ihrer wichtigsten Architekten. Filaret baute eine von Moskau losgelöste Kirchenstruktur auf, bestand jedoch auf persönlicher Macht. Als die Ukraine 2019 die Eigenständigkeit ihrer Kirche erlangte, blieb für Filaret nur eine symbolische Rolle, die er bis zuletzt nicht akzeptierte.
„Ohne ukrainische Sprache keine nationale Kirche“
LB beschreibt Filaret in einem ausführlichen Nachruf als eine zugleich traditionalistische und progressive Figur:
„Als er sich zum Krieg und zur Besetzung eines Teils der Region Donezk äußerte, sagte er, der Donbas sei ukrainisches Land. ‚Im Donbas gibt es kein einziges russisches Dorf – alle Dörfer sind ukrainisch. [...] Ich bin Ukrainer, wurde auf ukrainischem Boden geboren und werde die ukrainische Erde bis zum Tod verteidigen‘, sagte Filaret, der [...] aus der Region Donezk stammt. [...]
Er vertrat für die Orthodoxie stets traditionelle, konservative Ansichten. So kritisierte er Papst Franziskus für dessen wohlwollende Haltung gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und verurteilte Abtreibungen kategorisch.
Gleichzeitig unternahm er progressive ökumenische Schritte: Er unterstützte den Besuch von Papst Johannes Paul II. in der Ukraine und nahm an dessen Treffen mit Mitgliedern des Allukrainischen Rates der Kirchen und religiösen Organisationen teil. Zudem war er stolz auf die Einführung der ukrainischen Schriftsprache im Gottesdienst und vertrat die Ansicht, eine nationale Kirche könne nicht ohne die ukrainische Sprache existieren.“
„Leben unter einer gottlosen Macht“
Suspilne erwähnt in einem Porträt über Filaret dessen Verbindungen zum sowjetischen Geheimdienst KGB:
„Anhand seiner Auslandsreisen identifizierte eine Kommission [des damaligen russischen Parlaments] Filaret, den Metropoliten von Kyjiw und Galizien, als Agent ‚Antonov‘. Filaret räumte später ein, dies entspreche der Wahrheit, bestand jedoch darauf, dass es keine Sünde sei. Wenn Gott eine gottlose Macht zugelassen habe, so Filaret, dann müsse man unter den Bedingungen dieser gottlosen Macht leben.“
„Das Ende einer Ära“
Der Unternehmer und Publizist Valerii Pekar beschreibt Filaret in NV als Figur einer Generation im Übergang und erklärt damit dessen Widersprüchlichkeit:
„Er begann [sein Wirken] noch in jener [sowjetischen] Epoche und beendete es in der heutigen. Daraus ergibt sich die komplexe Gemengelage seiner Stärken und Schwächen, Verdienste und Fehler [...]. [...] Ein solcher Typ Mensch ist charakteristisch für die unabhängige Ukraine; man findet ähnliche Persönlichkeiten in Politik, Wissenschaft, Kunst und so weiter. [...]
Ein winziger Teil [der Menschheit] hat schon immer in der Zukunft gelebt. Es gibt nur eine Handvoll von ihnen. [...] Die überwiegende Mehrheit [der Menschen] steckt in der Vergangenheit fest: Sie wurden in der Sowjetunion geboren, haben dort ihren Weg begonnen – und sind mental ihr ganzes Leben lang darin steckengeblieben, weil sie nicht in der Lage waren, die Verbindung dorthin zu kappen.
Eine [kleine, aber] bedeutende Minderheit wurde in der Vergangenheit geboren und hat die Kraft gefunden, einen Schritt in die Zukunft zu machen. Diesen Menschen verdanken wir, dass sie der nächsten Generation ein anderes Land hinterließen als jenes, das sie selbst geerbt hatten. Aus eben dieser Perspektive wird die Geschichte sie einst beurteilen: Sie wird ihre Fehler allenfalls kurz erwähnen und ihre Errungenschaften hervorheben. Jetzt ist diese Ära zu Ende.“
Drohnendiplomatie als Antwort auf Iran-Krieg
Der Iran-Krieg am Persischen Golf lenkt den Blick auch auf ukrainische Militärtechnologie – vor allem auf Abwehrsysteme gegen die Shahed-Drohnen des iranischen Regimes. In Kyjiw ist bereits von einem möglichen Export solcher Waffen die Rede. Die politische Führung spricht von Technologie und Know-how als „ukrainischem Öl“ und will ihre Weitergabe deshalb streng kontrollieren. Andere Stimmen warnen, durch zu viel Vorsicht könne die Ukraine ihr bestes Zeitfenster auf dem Weltmarkt verpassen.
„Ein einziger Auftraggeber reicht nicht – selbst wenn es der Staat ist“
Der Militäranalyst Viktor Kevliuk vom Zentrum für Verteidigungsstrategien erklärt bei LB, warum er Rüstungsexporte für nötig hält, um die Entwicklung der Branche voranzutreiben:
„Die Welt hat sehr schnell erkannt, dass es bei den Erfahrungen der Ukraine nicht nur um bestimmte Fluggeräte geht. Es geht um Taktik, um die Geschwindigkeit technischer Anpassungen, die Adaption an ein komplexes und äußerst dynamisches Umfeld der elektronischen Kriegsführung, die Organisation des massiven Einsatzes von Drohnen, die Ausbildung von Drohnenpilot:innen und schnelle Modernisierungszyklen. Bei uns ist tatsächlich eine neue Branche entstanden, die die Hersteller von Drohnen, Elektronik, Kommunikationstechnik, Software, optischen Geräten und Munition sowie Ausbildungszentren vereint.
Doch jede Branche steht vor demselben simplen Problem: Sie kann sich nicht stabil entwickeln, wenn sie nur für einen einzigen Auftraggeber arbeitet – selbst wenn dieser Auftraggeber der eigene Staat im Kriegszustand ist.
Staatliche Aufträge sind vom Staatshaushalt abhängig, von bürokratischen Prozeduren und [politischen] Prioritäten; sie werden oft unregelmäßig vergeben. [...] das bringt einen ständigen Mangel an Betriebskapital und Planungsunsicherheit mit sich [...]. Am stärksten trifft dies [die Bereiche] Forschung und Entwicklung, denn ohne minimale Investitionen ist es unmöglich, neue Komponenten zu testen. Ohne ständige Forschung und Tests gerät der gesamte Prozess der Modernisierung [militärischer] Ausrüstung ins Stocken, und das nimmt den Streitkräften ihren technologischen Vorsprung auf dem Schlachtfeld.
Deshalb geht es für Rüstungsunternehmen der Hightech-Branche beim Zugang zu ausländischen Märkten nicht um übermäßige Gewinne, sondern [schlicht] um Stabilität und Wachstum.“
„Nicht, dass wir am Ende weniger erhalten, als uns zusteht“
Der Militärexperte Mykola Bielieskov erläutert in NV, warum der Staat beim Export von Abfangdrohnen so vorsichtig ist:
„Die Behörden befürchten, dass wir, wenn der Prozess nicht ordnungsgemäß gesteuert wird, unser einzigartiges Fachwissen, unsere Erfahrung und unser Know-how nicht voll ausschöpfen können, um unsere Ziele zu erreichen. Und dass wir am Ende weniger erhalten, als uns zusteht.“
Forbes schreibt, der Staat suche nach einer Lösung für dieses Dilemma:
„Die Märkte [...] im Nahen Osten würden kein tragfähiges Modell für die Entwicklung der ukrainischen Rüstungsindustrie bieten, erklärt ein hochrangiger Vertreter der Verteidigungsbranche. Die Grundlage für eine langfristige Expansion sei vielmehr der Aufbau von Joint Ventures in Europa. [...]
Wenn die Ukraine den Ländern am Persischen Golf helfen könne, sei das strategisch gesehen hervorragend, sagt [ein ehemaliger Spitzenbeamter aus der Verteidigungsbranche eines westlichen Verbündeten der Ukraine gegenüber Forbes]. ‚Die Ukraine braucht Verbündete‘, betont er. ‚Die Länder am Golf haben die Taschen voll Geld und sind, wenn sie dies wollen, in der Lage, die Ukraine langfristig zu unterstützen.‘ [...]
Vertretern der Regierung zufolge soll bis Ende April ein klarer Rahmen für den Export vorliegen [...]. [...] Eine Möglichkeit für die Lieferung von Abfangdrohnen in den Nahen Osten wäre, dass der Staat die Drohnen direkt bei den Herstellern kaufe und sie anschließend ins Ausland weiterverkaufe, so einer der führenden [ukrainischen] Drohnenhersteller [...].“
„Strategische Abhängigkeiten schaffen“
Liga beleuchtet die geopolitische Dimension einer Partnerschaft zwischen der Ukraine und den arabischen Staaten:
„Davon, wie lange der Krieg im Iran dauert, hängt ab, wie viel Russland [z. B. durch hohe Ölpreise] verdienen und für den Krieg in der Ukraine ausgeben kann [...]. Durch Angriffe auf russische Ölanlagen reduziert Kyjiw die Gewinne Russlands.
Laut [dem arabischen Analysten Elfadil] Ibrahim spielt die Ukraine ihre Karten geschickt aus. Ihr Ziel sei es nicht nur, Waffen zu verkaufen, sondern auch Abhängigkeiten zu schaffen. Sollten die Golfstaaten ukrainische Abfangdrohnen in ihre Verteidigung integrieren und Investoren die ukrainische Rüstungsindustrie finanzieren, wird es für sie schwieriger, die Beziehungen zu Kyjiw abzubrechen.
Die Golfstaaten werden sich weigern, sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Instinktiv halten sie sich mehrere Optionen offen. Der Krieg im Iran hat diese Möglichkeiten jedoch eingeschränkt.“
Härterer Kurs gegenüber Belarus
Seit einigen Monaten verschärft die Ukraine ihren Ton gegenüber Belarus, dem wichtigsten Verbündeten Moskaus. Ukrainische Medien kritisieren das Regime von Machthaber Alexander Lukaschenko deutlich schärfer als früher, während eine wegen Spionage angeklagte belarusische Journalistin vor Gericht steht. Gleichzeitig hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die belarusische Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja, die im ukrainischen Exil lebt, zum Gespräch eingeladen.
„Lukaschenko verdient am Blut der Ukrainer“
Im Interview mit der Jewropejska Prawda erklärt Zichanouskaja, warum Kyjiw in den ersten Jahren nach dem Großangriff gegenüber dem Lukaschenko-Regime zurückhaltender war und nun kritischer wird:
„Ich denke, der Plan war, eine Eskalation zu verhindern und keine neue Front im Norden zu eröffnen. Vielleicht hoffte man, Lukaschenko würde zur Vernunft kommen. Doch das war eine Fehleinschätzung.
Alles Schlechte, das Lukaschenko der Ukraine antun konnte, hat er getan. Belarus stellt seinen Luftraum für Drohnenflüge zur Verfügung und lässt Luftangriffe von belarusischem Gebiet aus zu. Es [...] unterstützt die Verwaltungsorgane der Besatzer und den Abtransport ukrainischer Kinder, es liefert Waffen an Russland. Das heißt, Lukaschenko verdient am Blut der Ukrainer und hilft Russland dabei, eure Städte anzugreifen.
Der Umschwung in der Politik Kyjiws demonstriert deshalb sicherlich eine starke Position der Ukraine. Er ist ein Signal: ‚Lukaschenko, wir fürchten dich nicht mehr, aber du solltest dich vor uns fürchten.‘“
„Entscheidung der Nummer eins unseres Landes“
Suspilne berichtet über den Spionageprozess gegen die aus Belarus stammende Journalistin Inna Kardash, die der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU am 27. Januar festgenommen hatte:
„Der SBU hat Ausschnitte aus Telefongesprächen veröffentlicht, in denen [...] ein Bekannter des [belarusischen Geheimdienstes] KGB Kardash eine Zusammenarbeit anbietet und ihr monatlich dreitausend Euro verspricht. ‚Die Entscheidung, Sie [in den Geheimdienst] aufzunehmen, trifft die Nummer eins unseres Landes. Das heißt, nur drei Personen wissen von Ihnen‘, sagt der Mann. Was Kardash darauf geantwortet hat, veröffentlichte der SBU nicht.
Nach Angaben der Ermittler willigte die Journalistin ein, [...] woraufhin ihr Gesprächspartner sie aufgefordert habe, für ein ‚vertrauliches Gespräch‘ nach Budapest zu reisen. Kardash kam am 16. September in Ungarn an, kaufte dort ein neues Handy, telefonierte mit einem Mann vom KGB, und ‚im Laufe des Gesprächs gewann er sie für eine verdeckte Zusammenarbeit‘ mit dem Geheimdienst.
Nach ihrer Rückkehr ließ sich Kardash vom Koordinierungsstab für den Umgang mit Kriegsgefangenen einstellen, eine Abteilung des [ukrainischen] Militärgeheimdienstes HUR. Der SBU veröffentlichte Aufzeichnungen von Gesprächen, in denen die Journalistin erzählt, wie sie sich auf den Lügendetektortest vorbereitet.“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
Die Nachrichtenredaktion von Suspilne ist zudem für sein breites regionales Netzwerk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website suspilne.media 9,9 Millionen Aufrufe.
NV ist ein Online-Nachrichtenportal, ein vierteljährlich erscheinendes Printmagazin und ein Radiosender. Die Redaktion berichtet über internationale Nachrichten und ukrainische Politik. Es legt den Fokus auf internationale Unterstützung für die Ukraine, Korruption und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch gründete NV 2014 und übernahm die Chefredaktion. Zuvor arbeitete Sytsch beim populären Magazin Korrespondent. Er und viele heutige NV-Mitarbeiter verließen Korrespondent, nachdem Serhij Kurtschenko, ein Oligarch aus Charkiw mit engen Verbindungen zum damaligen Präsident Wiktor Janukowytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, das dem tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala gehört.
Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
Babel gehört der Gründerin und Chefredakteurin Kateryna Kobernyk sowie Oleksandr Babenko, dem Eigentümer des Drohnenherstellers Vyriy Industries.
Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
Seitenaufrufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen
Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
Seitenaufrufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen
Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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