Estland, Lett­land und Kanada bezeich­nen Russ­lands Kriegs­ver­bre­chen in der Ukraine als Völkermord

Foto: Irina Fla­mingo /​ Shut­ter­stock

Die Par­la­mente von Estland, Lett­land und Kanada haben den Krieg Russ­lands gegen die Ukraine  als Völ­ker­mord bezeich­net. „In den vor­über­ge­hend besetz­ten Gebie­ten, ins­be­son­dere in den Städten Butscha, Boro­dj­anka, Hos­to­mel, Irpin, Mariu­pol und vielen anderen ukrai­ni­schen Sied­lun­gen hat die Rus­si­sche Föde­ra­tion Völ­ker­mord began­gen, unter anderem durch mas­sen­hafte Gräu­el­ta­ten an der Zivil­be­völ­ke­rung“, heißt es in der Erklä­rung des Riigi­kogu, dem Par­la­ment Est­lands, vom 21. April 2022. Die Reso­lu­tion des let­ti­schen Par­la­mentes fordert zudem die EU-Mit­­­glie­d­­staa­­ten auf, die Einfuhr von rus­si­schem Öl und Gas unver­züg­lich ein­zu­stel­len. Das kana­di­sche Unter­haus sieht „ein­deu­tige und umfas­sende Beweise für sys­te­ma­ti­sche und massive Kriegs­ver­bre­chen und Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit“. „Ukraine ver­ste­hen“ doku­men­tiert die Erklä­run­gen der drei Parlamente.

Antrag des kana­di­schen Unter­hau­ses zum Völ­ker­mord der Rus­si­schen Föde­ra­tion in der Ukraine vom 27. April 2022

Es wurde ein­stim­mig beschlos­sen, dass ange­sichts der Tat­sa­che, dass

  • es ein­deu­tige und umfas­sende Beweise für sys­te­ma­ti­sche und massive Kriegs­ver­bre­chen und Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit gibt, die von den Streit­kräf­ten der Rus­si­schen Föde­ra­tion unter der Führung von Prä­si­dent Wla­di­mir Putin und anderen Mit­glie­dern des rus­si­schen Par­la­ments gegen das ukrai­ni­sche Volk began­gen werden und
  • zu den von den Streit­kräf­ten der Rus­si­schen Föde­ra­tion began­ge­nen Verbrechen

(i) Mas­sen­grau­sam­kei­ten in den über­fal­le­nen und besetz­ten ukrai­ni­schen Gebieten,

(ii) sys­te­ma­ti­sche Fälle von vor­sätz­li­cher Tötung ukrai­ni­scher Zivi­lis­ten und

Lei­chen­schän­dung,

(iii) gewalt­same Über­füh­rung ukrai­ni­scher Kinder in das rus­si­sche Hoheitsgebiet,

(iv) Folter und die Auf­er­le­gung von Lebens­be­din­gun­gen, die schwe­res Leid verursachen,

(v) weit­ver­brei­tete Fälle von kör­per­li­cher und see­li­scher Gewalt sowie Ver­ge­wal­ti­gun­gen gehören.

Die Abge­ord­ne­ten erken­nen an, dass die Rus­si­sche Föde­ra­tion einen Völ­ker­mord am ukrai­ni­schen Volk begeht.

Erklä­rung des Par­la­ment der Repu­blik Estland zu den von der Rus­si­schen Föde­ra­tion in der Ukraine began­ge­nen Kriegs­ver­bre­chen und dem Völ­ker­mord (21.04.2022)

Es ist fest­ge­stellt worden, dass in dem von der Rus­si­schen Föde­ra­tion geführ­ten Angriffs­krieg gegen die Ukraine sys­te­ma­ti­sche und massive Kriegs­ver­bre­chen gegen das ukrai­ni­sche Volk von den Streit­kräf­ten der Rus­si­schen Föde­ra­tion began­gen wurden. Diese Ver­bre­chen werden ideo­lo­gisch ange­sta­chelt von der poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Führung der Rus­si­schen Föde­ra­tion und ihren natio­na­len Pro­pa­gan­da­be­hör­den ideo­lo­gisch gefördert.

In den vor­über­ge­hend besetz­ten Gebie­ten, ins­be­son­dere in den Städten Butscha, Boro­dy­anka, Hos­to­mel, Irpin, Mariu­pol und vielen anderen ukrai­ni­schen Sied­lun­gen hat die Rus­si­sche Föde­ra­tion Völ­ker­mord began­gen, unter anderem durch mas­sen­hafte Gräu­el­ta­ten an der Zivil­be­völ­ke­rung. Diese haben bestan­den aus Ermor­dun­gen, gewalt­sa­mes Ver­schwin­den­las­sen, Depor­ta­tio­nen, Inhaf­tie­run­gen, Folter, Ver­ge­wal­ti­gun­gen und Leichenschändung.

Aus­ge­hend von der Erklä­rung der Wer­chowna Rada der Ukraine an die natio­na­len Par­la­mente der Welt; gelei­tet von den Grund­sät­zen der Kon­ven­tion über die Ver­hin­de­rung und Bestra­fung des Völ­ker­mor­des und den Normen des Völ­ker­ge­wohn­heits­rechts; unter Berück­sich­ti­gung des Römi­schen Statuts des Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs und unter Berück­sich­ti­gung der Ver­ant­wor­tung, die allen Ländern nach dem Völ­ker­recht obliegt, zusam­men­zu­ar­bei­ten, um den Völ­ker­mord und Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit und Kriegs­ver­bre­chen zu beenden,

  • erkennt die Riigi­kogu die Hand­lun­gen der Streit­kräfte der Rus­si­schen Föde­ra­tion und ihrer poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Kräfte während der erneu­ten mili­tä­ri­schen Aggres­sion gegen die Ukraine ab dem 24. Februar 2022 als Völ­ker­mord an der ukrai­ni­schen Bevöl­ke­rung an;
  • fordert die Riigi­kogu die natio­na­len Par­la­mente und inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen auf, die Ver­bre­chen der Rus­si­schen Föde­ra­tion gegen das ukrai­ni­sche Volk als Völ­ker­mord anzu­er­ken­nen und die Unter­su­chung dieser Ver­bre­chen, die straf­recht­li­che Ver­fol­gung der Täter und die Ein­rich­tung eines inter­na­tio­na­len Gerichts­hofs zu diesem Zweck in Zusam­men­ar­beit zwi­schen den Ländern;
  • fordert die Riigi­kogu die Länder der Welt auf, die Sank­tio­nen gegen die Rus­si­sche Föde­ra­tion unver­züg­lich zu ver­schär­fen, unter anderem durch die Ein­stel­lung des Handels mit Ener­gie­trä­gern mit Russ­land ohne Ausnahmen;
  • fordert die Riigi­kogu die Länder der Welt auf, die Mili­tär­hilfe und die huma­ni­täre Hilfe für die Ukraine zu erhöhen, welche für die Ukraine von ent­schei­den­der Bedeu­tung sind;
  • drückt die Riigi­kogu dem ukrai­ni­schen Volk seinen tiefen Respekt für seinen Frei­heits­kampf aus, gedenkt der Gefal­le­nen und trauert um die Opfer.

 

Jüri Ratas

Prä­si­dent der Riigikogu

Tallinn, 21. April 2022

Erklä­rung des Par­la­ments der Repu­blik Lett­land zur Aggres­sion und zu den Kriegs­ver­bre­chen der Rus­si­schen Föde­ra­tion in der Ukraine (21.04.2022)

Die Saeima, das Par­la­ment der Repu­blik Lettland,

basie­rend auf umfang­rei­chen Zeu­gen­aus­sa­gen und Bewei­sen für brutale Mas­sen­gräu­el­ta­ten – Morde, Folter, sexu­elle Gewalt und Schän­dung von ukrai­ni­schen Zivi­lis­ten, ein­schließ­lich Frauen und Kinder – began­gen von der Armee der Rus­si­schen Föde­ra­tion in Butscha, Irpin, Mariu­pol und anderen Regionen;

ver­ur­tei­lend der Bemü­hun­gen der rus­si­schen Behör­den, die durch die rus­si­schen Streit­kräfte in der Ukraine began­ge­nen Ver­bre­chen zu leugnen, die Ver­bre­chen fälsch­li­cher­weise als insze­niert dar­stel­len oder als pro­vo­ziert von radi­ka­len ukrai­ni­schen Kräften;

unter Hinweis darauf, dass über zehn Mil­lio­nen Ukrai­ner gezwun­gen wurden, ihre Häuser zu ver­las­sen, und über vier Mil­lio­nen seit dem Beginn der mili­tä­ri­schen Inva­sion durch die Rus­si­sche Föde­ra­tion aus ihrem Land fliehen mussten;

zum Geden­ken an jedes Opfer der Aggres­sion der Rus­si­schen Föde­ra­tion – Tau­sende von Zivi­lis­ten und Ver­tei­di­gern der Ukraine;

zu Ehren des Mutes und der Tap­fer­keit der Ver­tei­di­ger der Ukraine;

aner­ken­nend, dass die Taktik der Rus­si­schen Föde­ra­tion in der Ukraine, welche die Bom­bar­die­rung von Wohn­ge­bie­ten, Gemein­de­zen­tren, Per­so­nen­bahn­hö­fen und ziviler Infra­struk­tur durch rus­si­sche Sol­da­ten ein­schließt, sowie das Töten von Zivi­lis­ten offen­sicht­li­che Anzei­chen von Kriegs­ver­bre­chen und sogar Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit sind;

beto­nend, dass die Rus­si­sche Föde­ra­tion auch ukrai­ni­sche Bürger ent­führt und in das Gebiet der Rus­si­schen Föde­ra­tion deportiert;

hin­wei­send auf die von der Rus­si­schen Föde­ra­tion ver­ur­sachte huma­ni­täre Kata­stro­phe in Mariu­pol, wo das rus­si­sche Militär Zivi­lis­ten daran hindert, die Stadt zu ver­las­sen, oder sie töten, während sie ver­su­chen zu fliehen, die städ­ti­sche Infra­struk­tur, Lebens­mit­tel und Getrei­de­la­ger zer­stört und Lebensmittel‑, Medi­ka­men­ten- und Was­ser­lie­fe­run­gen blo­ckiert, was zu dem Tod von Tau­sen­den in Mariu­pol durch Hunger, Durst oder rus­si­sche Waffen führte;

erin­nernd an die Ereig­nisse von 1932–1933, als infolge der geplan­ten und aus­ge­führ­ten Politik der Sowjet­union, Getreide und Lebens­mit­tel von Ukrai­nern beschlag­nahmt wurden, was zum Holo­do­mor führte, eine men­schen­ge­machte Hun­gers­not, die einem Fünftel der ukrai­ni­schen Bevöl­ke­rung das Leben kostete und von Lett­land als vor­sätz­li­cher Völ­ker­mord des Stalin-Regimes an dem ukrai­ni­schen Volk aner­kannt wird;

beto­nend, dass Lett­land als Mit­glieds­staat der Ver­ein­ten Natio­nen, des Euro­pa­ra­tes, der EU und der NATO und als Ver­tei­di­ger demo­kra­ti­scher Werte, die Aktio­nen der Rus­si­sche Föde­ra­tion, die eine Mas­sen­ver­nich­tung des ukrai­ni­schen Volkes durch­führt, nicht akzep­tie­ren kann;

unter kon­se­quen­ter Ein­hal­tung der Werte und Ideale der Ver­ein­ten Natio­nen, der Euro­päi­schen Union und der demo­kra­ti­schen Welt, ein­schließ­lich Lett­lands, die auf Frei­heit und dem Schutz von Men­schen­rech­ten, Selbst­be­stim­mung der Völker, natio­nale Sou­ve­rä­ni­tät und ter­ri­to­riale Inte­gri­tät basie­ren, sowie Wahrung der eth­ni­schen Gleich­heit, kul­tu­rel­ler Werte und Traditionen;

beto­nend, dass Lett­land alle Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit und Völ­ker­morde ver­ur­teilt, und seine Pflicht aner­kennt, solche Ereig­nisse zu erken­nen, zu ver­hin­dern, zu geden­ken und sicher­zu­stel­len, dass sie nie wieder geschehen;

begrüßt die vom Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof ein­ge­lei­tete Unter­su­chung der in der Ukraine began­gene Kriegs­ver­bre­chen und drückt mit Gewiss­heit aus, dass jede ein­zelne Person, die Kriegs­ver­bre­chen oder Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit began­gen hat, dafür ver­ant­wort­lich ist oder solche Ver­bre­chen nicht ver­hin­dert hat, vor Gericht gestellt wird;

erkennt an, dass die Rus­si­sche Föde­ra­tion derzeit Völ­ker­mord an den Men­schen in der Ukraine begeht;

ver­ur­teilt kate­go­risch die mili­tä­ri­sche Aggres­sion der Rus­si­schen Föde­ra­tion und die groß­an­ge­legte Inva­sion der Ukraine, die mit der Unter­stüt­zung und Betei­li­gung von dem Régime in Belarus durch­ge­führt wurde;

unter­streicht, dass die nicht zu recht­fer­ti­gende Inva­sion des Hoheits­ge­biets der Ukraine durch die Rus­si­schen Föde­ra­tion eine grobe Ver­let­zung der Sou­ve­rä­ni­tät und ter­ri­to­ria­len Inte­gri­tät der Ukraine dar­stellt, und offen­sicht­lich gegen die Ver­pflich­tun­gen der Rus­si­schen Föde­ra­tion gemäß Artikel 2 der UN-Charta und zwin­gende völ­ker­recht­li­che Bestim­mun­gen ver­stößt, sowie gegen die Ver­pflich­tun­gen, die Russ­land mit der Unter­zeich­nung des Buda­pes­ter Memo­ran­dums über­nom­men hat und der Ver­pflich­tung, die Sou­ve­rä­ni­tät und ter­ri­to­riale Inte­gri­tät der Ukraine zu garantieren;

fordert die euro-atlan­ti­sche Gemein­schaft und ihre Partner auf, drin­gend umfas­sende Sank­tio­nen gegen die Rus­si­sche Föde­ra­tion zu eta­blie­ren, um die Fähig­keit des rus­si­schen Mili­tärs zu stoppen, die mili­tä­ri­sche Aggres­sion in der Ukraine fort­zu­set­zen; ihr Militär zu ver­stär­ken, die Ukraine finan­zi­ell, huma­ni­tär und diplo­ma­tisch zu unter­stüt­zen; ein­stim­mig Initia­ti­ven zu unter­stüt­zen, die Russ­lands mili­tä­ri­sche Akti­vi­tä­ten in der Ukraine ver­ur­tei­len und Russ­land in inter­na­tio­na­len und regio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen iso­lie­ren; und Ent­schei­dun­gen treffen, um ver­gleich­bare Sank­tio­nen gegen Belarus als Unter­stüt­zer der mili­tä­ri­schen Aggres­sion von Russ­land zu etablieren;

fordert die EU-Mit­glied­staa­ten auf, den Import von rus­si­schem Öl und Gas unver­züg­lich einzustellen;

unter­stützt die Initia­ti­ven demo­kra­ti­scher Staaten, sich den Bemü­hun­gen anzu­schlie­ßen, Beweise für Kriegs­ver­bre­chen zu sammeln und zu unter­su­chen, die von der Rus­si­schen Föde­ra­tion in dem gesam­ten Ter­ri­to­rium der Ukraine began­gen wurden;

ver­ur­teilt die Rus­si­sche Föde­ra­tion für den Miss­brauch ihres Veto­rechts im Sicher­heits­rat der Ver­ein­ten Natio­nen und fordert eine Beschleu­ni­gung der UN-Reformen;

bekun­det seine Soli­da­ri­tät mit der Ukraine und dem ukrai­ni­schen Volk.

Die Erklä­rung des est­ni­schen und let­ti­schen Par­la­men­tes errei­chen Sie durch Umblät­tern [gelbe Punkte].

 

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