„Jeder Treffer auf den Reaktor könnte die Kata­stro­phe wiederholen“

Kernkraftwerk Tschornobyl
Foto: IMAGO /​ Depo­sit­pho­tos

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 15. bis 28. April 2026:
40 Jahre Tschornobyl
Bul­ga­rien-Wahl: Wird Radew der neue Orbán in der EU?
Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter seit 100 Tagen: Fedo­rows erste Bilanz

40 Jahre Tschornobyl

Am 26. April erin­nerte die Ukraine an den 40. Jah­res­tag der Explo­sion im Kern­kraft­werk Tschor­no­byl, im Land meist Tschor­no­byl-Kata­stro­phe genannt. Das Unglück ver­seuchte weite Land­stri­che und machte sie unbe­wohn­bar. Zugleich deckte es orga­ni­sa­to­ri­sche Schwä­chen der Sowjet­union und die mora­li­sche Krise ihrer Ideo­lo­gie auf: Der Staat igno­rierte Warn­zei­chen und räumte das Ausmaß der Kata­stro­phe erst Wochen später ein. Ukrai­ni­sche Medien blicken auf den Reak­tor­un­fall zurück und beleuch­ten die Folgen, die er bis heute hat – auf ganz unter­schied­li­chen Ebenen.

„Niemand zog Konsequenzen“

Wie LB anhand inzwi­schen frei­ge­ge­be­ner KGB-Berichte zeigt, ver­ur­sachte die schlechte Bau­qua­li­tät des Kern­kraft­werks Tschor­no­byl schon Jahre vor der Explo­sion Stör­fälle, die im abge­schot­te­ten Sowjet­sys­tem jedoch nie jemand ernst nahm:

„Im Februar 1979 trat die erste Störung [...] auf. Der auto­ma­ti­sche Schutz­me­cha­nis­mus sprang an und schal­tete den ersten Reak­tor­block ab. Niemand kam zu Schaden – es gab ledig­lich zu wenig Strom im Land, worüber man die KGB-Zen­trale in Kyjiw infor­mierte. Im Juni des­sel­ben Jahres folgte die zweite Störung, aus­ge­löst durch eine undichte Stelle. Der Geheim­dienst meldete den Vorfall dem Zen­tral­ko­mi­tee der Kom­mu­nis­ti­schen Partei der Ukraine, die den Bericht ignorierte.

Der erste Stör­fall, der auch für das Per­so­nal des Atom­kraft­werks hätte gefähr­lich werden können, ereig­nete sich am 19. und 20. April 1981. Aus einer Rohr­lei­tung des ersten Reak­tor­blocks trat radio­ak­ti­ves Wasser aus und ver­seuchte 180 Qua­drat­me­ter Boden. Doch auch darauf erfolgte kaum eine Reak­tion. Zwi­schen der Inbe­trieb­nahme des Kern­kraft­werks 1977 und der des dritten Reak­tor­blocks im Dezem­ber 1981 gab es im AKW Tschor­no­byl 29 Notabschaltungen.

Darüber wurden zahl­rei­che Berichte ver­fasst, die alle­samt fol­gen­los blieben. Selbst die Mess- und Kon­troll­ge­räte, hieß es, hätten nicht funk­tio­niert, sodass sich die Strah­len­be­las­tung [...] nicht korrekt messen ließ. Gleich­zei­tig begann die Leitung des Kraft­werks, in einem mit radio­ak­ti­ven Nukli­den ver­seuch­ten Kühl­teich Fische zu züchten – und diese [...] sogar an Men­schen in der Region Kyjiw zu verkaufen. [...]

1982 ereig­nete sich im Kraft­werk Tschor­no­byl ein Unfall, den man als letzte Warnung vor der großen Explo­sion betrach­ten kann. Als der Reaktor des ersten Blocks nach einer Gene­ral­über­ho­lung am 9. Sep­tem­ber wieder hoch­ge­fah­ren wurde, gelang­ten wegen einer [unvor­her­ge­se­he­nen] Unter­bre­chung des Start­vor­gangs radio­ak­tive Stoffe in die Umwelt. Die Strah­len­werte auf dem Kraft­werks­ge­lände über­schrit­ten die zuläs­si­gen Grenz­werte um ein Dut­zend­fa­ches, in umlie­gen­den Städten und Dörfern sogar um das Hun­dert­fa­che. Kon­se­quen­zen zog daraus niemand.“

„Jeder Treffer auf den Reaktor könnte die Kata­stro­phe wiederholen“

Liga warnt, die Reste des ver­un­glück­ten Reak­tors würden im Krieg erneut zu einem Sicherheitsrisiko:

„Das Gebiet Tschor­no­byl steht heute nicht mehr nur für eine Tra­gö­die in der Ver­gan­gen­heit, sondern könnte auch Aus­lö­ser einer neuen werden. Über die Reste von Reaktor Nr. 4, in denen noch Hun­derte Tonnen radio­ak­ti­ver Stoffe lagern, fliegen regel­mä­ßig rus­si­sche Drohnen und Raketen. Durch einen Treffer – ob gezielt oder ver­se­hent­lich – [...] könnte sich die Kata­stro­phe wie­der­ho­len, die einst radio­ak­ti­ven Nie­der­schlag über ganz Europa brachte.

‚Wenn eine Rakete oder Drohne den Schutz­man­tel trifft und der Sar­ko­phag ein­stürzt, werden Hun­derte Tonnen radio­ak­ti­ver Staub frei­ge­setzt, der auf­steigt, eine Wolke bildet und sich über­all­hin ver­brei­tet‘, sagt der Gene­ral­di­rek­tor des Kraft­werks Tschor­no­byl, Serhii Tarakanov.“

„Doch er ist nirgends“

Die Ukra­jinska Prawda schil­dert am Bei­spiel von Nata­liia Kho­dym­chuk, der Witwe des ersten Tschor­no­byl-Opfers, wie sich die Kata­stro­phe von 1986 und Russ­lands Angriffs­krieg über­la­gern. Nach der Reak­tor­ex­plo­sion zogen viele Kraftwerksmitarbeiter:innen nach Kyjiw – in Wohn­häu­ser, die eigens für sie bereit­ge­stellt wurden. Im ver­gan­ge­nen Novem­ber traf eine rus­si­sche Kami­kaze-Drohne eines dieser Häuser und zer­störte mehrere Woh­nun­gen. Die 74-jährige Kho­dym­chuk erlitt schwerste Ver­bren­nun­gen und starb später im Krankenhaus:

„Nata­liia und Valerii trafen sich in Prypjat. Er arbei­tete im Kern­kraft­werk, hatte als Kes­sel­ma­schi­nist ange­fan­gen, sie ver­kaufte Essen in der Kantine, in die er mittags ging. Sie ver­lieb­ten sich, hei­ra­te­ten. 1975 erhiel­ten sie eine geräu­mige Wohnung. Sie zogen zwei Kinder groß. […]

‚Valerii machte sich für die Nacht­schicht fertig, im Fern­se­hen lief ein Film über eine Ver­nunft­ehe. Ich umarmte ihn und fragte, ob er mich aus Liebe gehei­ra­tet habe. Er lächelte und sagte: Natür­lich aus Liebe!‘, erin­nerte sich Nata­liia […]. Es war das letzte Mal, dass sie ihn sah.

Vale­riis Tante, die Künst­le­rin Mariia Pry­ma­chenko, widmete ihrem getö­te­ten Neffen ein Bild: einen fan­tas­ti­schen blauen Vogel mit aus­ge­brei­te­ten Flügeln. ‚Dieser Vogel fliegt, sucht seinen Mann. Doch er ist nir­gends. Sein Körper wurde über die ganze Ukraine ver­streut…‘, steht in der Bild­un­ter­schrift. Viel­leicht hat der Vogel seinen Mann jetzt gefunden.“

Bul­ga­rien-Wahl: Wird Radew der neue Orbán in der EU?

Bei der Par­la­ments­wahl in Bul­ga­rien erreichte das Par­tei­en­bünd­nis des frü­he­ren Prä­si­den­ten Rumen Radew über­ra­schend eine klare Mehr­heit. Radew hatte 2014 Wla­di­mir Putin besucht und erklärt, die Krim gehöre zu Russ­land. Eine Woche nach dem poli­ti­schen Umbruch in Buda­pest dis­ku­tie­ren ukrai­ni­sche Medien, ob Radew für Moskau zum Ersatz-Orbán in der EU werden könnte – und was sein Wahl­er­folg für die Bezie­hun­gen zu Bul­ga­rien bedeu­tet, das als wich­ti­ger Lie­fe­rant von Artil­le­rie­mu­ni­tion und anderen Waffen gilt.

„Mili­tä­ri­sche Hilfe und Dieselexporte“

Babel berich­tet darüber, wie stark Bul­ga­rien die Ukraine nach dem rus­si­schen Ein­marsch unter­stützt hat:

„Bereits im April 2022 hatte die bul­ga­ri­sche Regie­rung einen gehei­men Mecha­nis­mus für umfas­sende mili­tä­ri­sche Hilfe an die Ukraine in Gang gesetzt. Eine Schlüs­sel­rolle spielte dabei [der ehe­ma­lige] Pre­mier­mi­nis­ter Kiril Petkow: Er sorgte dafür, dass Bul­ga­rien Export­li­zen­zen an Tran­sit­län­der wie Rumä­nien und Polen vergab. Der pol­ni­sche Mili­tär­flug­ha­fen Rzeszów wurde zum zen­tra­len Umschlag­platz. Inner­halb von zwei Monaten flogen etwa 50 Maschi­nen mit Waffen und Muni­tion von Bul­ga­rien nach Rzeszów. Gleich­zei­tig [...] gab es eine Trans­port­route für Last­wa­gen auf dem Landweg durch Rumä­nien und Ungarn. In nur 164 Tagen lie­ferte Bul­ga­rien [damals] Waffen im Wert von 2,7 Mil­li­ar­den US-Dollar an die Ukraine [...]. Neben Rüs­tungs­gü­tern expor­tierte Bul­ga­rien auch große Mengen Die­sel­kraft­stoff und deckte so zeit­weise 40 Prozent des ukrai­ni­schen Bedarfs.“

„Radew kann es sich nicht leisten, gegen Europa zu agieren“

Im Inter­view mit Sus­pilne erklärt Bul­ga­ri­ens frü­he­rer Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, Todor Tagarew, die pro­eu­ro­päi­sche Mehr­heit im Land erschwere es Radew, den Kurs grund­le­gend zu ändern:

„Die Men­schen werden einfach keine Politik dulden, die Bul­ga­rien von Europa ent­frem­det. Auf die Frage: ‚Wenn Sie einen stra­te­gi­schen Partner für Bul­ga­rien wählen müssten, wer wäre das?‘ ant­wor­te­ten [...] im ver­gan­ge­nen Monat 56 Prozent der Befrag­ten: Europa. Acht Prozent nannten die USA. 19 Prozent halten – leider – wei­ter­hin Russ­land für den rich­ti­gen Partner. Mehr als die Hälfte der Bevöl­ke­rung weiß also genau, wo sie steht.

Und schaut man sich an, wie sich die Men­schen ver­hal­ten, sind es wohl eher 90 als 56 Prozent, die morgen in einen Bil­lig­flie­ger steigen und [...] übers Wochen­ende nach Italien fliegen wollen [...]. Sie brau­chen keinen Rei­se­pass, müssen kein Geld wech­seln, nichts. [...] Daran haben sich die Men­schen schon so sehr gewöhnt, dass sie nichts anderes akzep­tie­ren würden.

Zudem finden die meisten Inves­ti­tio­nen und der Groß­teil des Handels inner­halb der EU statt. Bul­ga­rien pro­fi­tiert enorm von euro­päi­schen Fonds zur För­de­rung der Infra­struk­tur [...]. Radew kann es sich nicht leisten, gegen Europa zu agieren – unab­hän­gig davon, wer ihn gewählt hat und warum.“

„Keine ver­fas­sungs­än­dernde Mehrheit“

LB greift die Sorge auf, Radew könne ver­su­chen Orbán nach­zu­ei­fern und erklärt, dazu fehle ihm schlicht die Macht:

„Wahr­schein­lich wird er die Rolle des Euro-Skep­ti­kers und Brüssel-Kri­ti­kers vor allem für das hei­mi­sche Publi­kum spielen. In der Außen­po­li­tik wird er vor­sich­ti­ger auf­tre­ten – wenn auch mit einiger Skepsis gegen­über der Unter­stüt­zung für die Ukraine.

Man darf nicht ver­ges­sen, dass Radews Partei Pro­gres­si­ves Bul­ga­rien mit 131 von 240 Sitzen zwar die abso­lute Mehr­heit im Par­la­ment hat – aber immer noch keine ver­fas­sungs­än­dernde Mehr­heit wie Tisza [die Partei von Orbán-Her­aus­for­de­rer Péter Magyar] in Ungarn. Dazu fehlen ihr 29 Stimmen. Selbst wenn Radew ver­su­chen sollte, sich mit der rechts­extre­men, pro­rus­si­schen Partei Wie­der­ge­burt [...] zu ver­bün­den, bliebe dieses Problem unge­löst, denn die hat nur zwölf Mandate. Für Ver­fas­sungs­än­de­run­gen bräuchte er die Unter­stüt­zung pro­west­li­cher Kräfte [...].

Bul­ga­ri­ens [...] Abhän­gig­keit von euro­päi­scher Hilfe, die fast drei Prozent des BIP aus­macht, schränkt Radews Spiel­raum, Sank­tio­nen gegen die Rus­si­sche Föde­ra­tion oder die Unter­stüt­zung der Ukraine kom­plett zu blo­ckie­ren, stark ein. Zudem erzielt die bul­ga­ri­sche Rüs­tungs­in­dus­trie beträcht­li­che Gewinne durch die Pro­duk­tion von Waffen, die unter anderem in die Ukraine gelie­fert werden.“

Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter seit 100 Tagen: Fedo­rows erste Bilanz

Am 14. Januar wählte das ukrai­ni­sche Par­la­ment Mycha­jlo Fedorow, zuvor erfolg­rei­cher Minis­ter für digi­tale Trans­for­ma­tion, zum Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter. Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj setzte darauf, eines der zen­tra­len Res­sorts effi­zi­en­ter und inno­va­ti­ver zu gestal­ten. Doch Beob­ach­ter warnten früh: Ein Minis­te­rium mit großem Apparat und langer Tra­di­tion zu refor­mie­ren, sei weitaus schwie­ri­ger, als ein junges, schlan­kes Digi­tal­mi­nis­te­rium zu führen. Nach 100 Tagen Fedo­rows im Amt ziehen ukrai­ni­sche Medien eine erste Bilanz.

„Das Minis­te­rium steht vor einer grund­le­gen­den Reform“

Fedo­rows Haupt­pro­blem sei der auf­ge­blähte und oft inef­fi­zi­ente Apparat des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, erklärt Maksym Kos­tets­kyi vom Anti­kor­rup­ti­ons­bei­rat des Minis­te­ri­ums bei NV:

„Soweit ich weiß, unter­ste­hen dem ukrai­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium derzeit rund 12.000 Beschäf­tigte. Einige über­neh­men […] dop­pelte, teils sogar drei­fa­che Auf­ga­ben. So ent­ste­hen Kon­kur­renz und Unver­ein­bar­kei­ten zwi­schen den Abtei­lun­gen. […] Deshalb [braucht] das Minis­te­rium ein unab­hän­gi­ges Audit von Per­so­nal und Infrastruktur […]. […]

Das Minis­te­rium steht vor einer grund­le­gen­den Reform. Es sollten [...] klare Auf­ga­ben­be­rei­che für die Stell­ver­tre­ter und Berater des Minis­ters erkenn­bar werden und sicher­ge­stellt sein, dass ein­zelne Per­so­nen nicht nur um ihres Amtes willen im Dienst bleiben.“

„Die kom­men­den Monate werden ent­schei­dend sein“

Fedo­rows Amts­zeit gilt bislang weithin als positiv und pro­duk­tiv – Liga spricht gar von anhal­ten­den „Flit­ter­wo­chen“:

„Die deut­lichs­ten Ver­än­de­run­gen sind derzeit in der Luft­ab­wehr erkenn­bar: Es geht um per­so­nelle Erneue­run­gen, um die Reform der Kurz­stre­cken-Luft­ab­wehr, um zusätz­li­che Maß­nah­men in den Regio­nen und darum, den Russen den Zugang zum Star­link-System zu sperren. [...]

Fedorow hat Tempo, Fokus und eine tech­no­lo­gie­ori­en­tierte Logik ins Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium gebracht. Doch damit die Ver­än­de­run­gen, die er anschiebt, nicht rein äußer­lich bleiben, sondern die Pro­bleme im Kern angehen, muss der Minis­ter lernen, mit dem sys­te­mi­schen Wider­stand der Insti­tu­tion umzugehen.

Die zen­trale Her­aus­for­de­rung besteht darin, Ver­än­de­run­gen in einem Umfeld aus­wei­ten, dessen Grenzen in der Natur des staat­li­chen und mili­tä­ri­schen Systems selbst liegen. In den kom­men­den Monaten wird ent­schei­dend sein, ob der Minis­ter Refor­men durch­set­zen kann, ohne seine Füh­rungs­kraft zu ver­lie­ren – beson­ders in so sen­si­blen Berei­chen wie Mobi­li­sie­rung und Beschaffung.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

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