„Irans Russland-Wette führt zu nationaler Katastrophe“

Presseschau ukrainischer Medien | 18. Februar bis 3. März 2026:
Was bedeutet der Krieg im Nahen Osten für die Ukraine?
Pipeline-Konflikt: eine irreparable „Freundschaft“
Terroranschläge im ukrainischen Hinterland
Was bedeutet der Krieg im Nahen Osten für die Ukraine?
Seit dem 28. Februar eskaliert die Lage im Nahen Osten: Nach Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran, bei denen dessen politischer und religiöser Führer Ali Chamenei getötet wurde, reagiert Teheran mit Vergeltungsschlägen – unter anderem gegen Ölförderanlagen in den Golfstaaten. Ukrainische Medien diskutieren die Auswirkungen auf den Krieg im eigenen Land.
„Die Nachfrage ist enorm, aber die US-Produktion nicht“
Forbes warnt vor einem Mangel an hochentwickelten PAC‑3-Lenkraketen für Patriot-Flugabwehrsysteme – bislang die einzigen, mit denen sich ballistische Raketen abfangen lassen:
„Robert Hamilton, Direktor [des Think Tanks] Dolphi Global und pensionierter Oberst der US-Armee, ist überzeugt, dass die Unruhen im Nahen Osten den globalen Wettbewerb um US-amerikanische Abwehrsysteme verschärfen werden.
‚Die Nachfrage ist enorm, aber die USA können die Produktion dieser Raketen nicht ohne Weiteres erhöhen, insbesondere aufgrund der eingeschränkten Lieferketten für Zielsuchköpfe und Raketentriebwerke‘, sagt er. Die USA planten zwar, die Produktion zu steigern, doch dieser Prozess dauere normalerweise Jahre.
PAC‑3 sei nur begrenzt verfügbar und werde in den kommenden Monaten zu einer heiß begehrten Ware, bestätigt George Barros […] vom Institute for the Study of War. Liefermengen und Produktionsraten von Raketenabwehrmunition seien seit Jahren chronisch niedrig, erklärt er, und der Wettbewerb zwischen den Betreibern der einzelnen Systeme sei schon lange vor [den Angriffen auf den] Iran […] groß gewesen.“
„Irans Russland-Wette führt zu nationaler Katastrophe“
NV veröffentlicht einen Social-Media-Post des Nahostexperten Ihor Semivolos, der kommentiert, Russland habe den Iran im Stich gelassen und damit das Vertrauen zwischen beiden Ländern zerstört:
„Russland hat gezeigt, dass es ein ‚Verbündeter bis zur ersten ernsthaften Bewährungsprobe‘ ist. Die iranischen Eliten, insbesondere der pragmatische Flügel, sprechen nun offen davon, dass die strategische Wette auf Russland ein Fehler war, der zu einer nationalen Katastrophe geführt hat. Tja, was soll man dazu sagen, ihr Spätzünder?“
„Putin profitiert von steigenden Ölpreisen“
Die Ekonomitschna Prawda analysiert die Folgen steigender Ölpreise:
„‚Die Russische Föderation könnte von einem Rückgang der iranischen [Öl-]Lieferungen an die Volksrepublik China profitieren. Die Nachfrage Pekings wird sich wahrscheinlich hin zu [russischem] Urals-Öl verlagern […], was den wirtschaftlichen Druck auf den Kreml etwas mindern würde‘, meinen Analysten der [kanadischen Investmentbank] TD Securities.
Vor dem Hintergrund der Ereignisse im Iran zeigt auch Indien wieder Interesse an russischem Öl. Seit 2022 ist Neu-Delhi für Moskau ein wichtiger Abnehmer von Brennstoffen, auch wenn es seine Einkäufe unter dem Druck Washingtons in letzter Zeit […] etwas reduziert hat.
‚Putin profitiert vom [Iran-]Krieg durch steigende Ölpreise und eine größere Nachfrage nach seinem eigenen, mit Sanktionen belegten Öl. […]‘, gibt Bloomberg-Kommentator Javier Blas zu bedenken.“
„Hier ist jeder auf sich allein gestellt“
Hromadske hat in Dubai, der von iranischen Raketen und Drohnen angegriffenen Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, Ukrainer:innen nach ihren Eindrücken aus einem weiteren Krieg gefragt:
„Nach den ersten Explosionen begann Veronika Ostrovska, [ukrainisches Model und Fernsehmoderatorin, die für zwei Wochen geschäftlich nach Dubai gereist war], Einheimische zu fragen, wie bei ihnen alles organisiert sei und ob sie genügend Wasservorräte hätten. Die Leute aber, sagt sie, verstünden gar nicht, was Krieg bedeute.
‚Und überhaupt schließen sich die Menschen hier nicht zusammen, um etwas zu tun, so wie bei uns in den ersten Tagen des Krieges. Ich konnte erst nicht verstehen, warum. Jetzt habe ich es begriffen. In der Ukraine haben wir eine Idee und ein Gefühl der Einheit, weil wir für uns selbst kämpfen. Hier aber sind alle unterschiedlicher Nationalität, jeder und jede ist auf sich allein gestellt.‘“
Pipeline-Konflikt: Eine irreparable „Freundschaft“
Nach einem russischen Angriff Ende Januar, bei dem auch eine Pumpstation der Druschba-Pipeline (russ. für „Freundschaft”) getroffen wurde, über die noch immer russisches Öl nach Ungarn und in die Slowakei floss, steht der Betrieb nun still. Budapest und Bratislava drängen auf eine schnelle Reparatur und drohen mit Gegenmaßnahmen. Ukrainische Medien analysieren die Hintergründe des Konflikts.
„Warum sollten wir Russland ermöglichen, Geld zu verdienen?“
Suspilne hat sich nach dem Stand der Reparaturarbeiten erkundigt:
„Offiziell kommentiert die Ukraine den Stand der Reparaturen an der Druschba-Pipline derzeit nicht. Das Außenministerium erklärt lediglich, die Unterbrechung des Pipeline-Betriebs sei einzig und allein durch russischen Beschuss verursacht worden. Suspilne hat auch [den staatlichen Energiekonzern] Naftogaz um eine Stellungnahme gebeten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag noch keine Antwort des Unternehmens vor.
Nach Ansicht von Volodymyr Omelchenko [Direktor für Energieprogramme beim Rasumkow-Zentrum], hat die Ukraine weder in politischer noch in sicherheitspolitischer oder finanzieller Hinsicht einen Vorteil von der Wiederaufnahme des Druschba-Betriebs.
‚Warum sollten wir uns zusätzliche Probleme schaffen, um wieder russisches Öl zu transportieren? Wie können wir dann noch […] von Sanktionen reden? Warum sollten wir Russland ermöglichen, Geld zu verdienen?‘, fragt Omelchenko. Außerdem könne die Ukraine so knappen Strom einsparen, den die Pumpen zum Weitertransport des Öls in großem Umfang verbrauchen.“
„Orbán muss vor den Wahlen Stärke zeigen“
Ungarn und die Slowakei setzten unter anderem die Ausfuhr von Diesel in die Ukraine aus. Forbes führt diese drastische Reaktion auf innenpolitische Motive zurück – besonders in Ungarn:
„Der Hauptgrund für das Embargo auf Erdölprodukte in Richtung Ukraine ist der ungarische Wahlkampf vor den Parlamentswahlen am 12. April. ‚Orbán muss vor den Wahlen zeigen, dass er stark ist und sich wehren kann‘, so ein Gesprächspartner [aus diplomatischen Kreisen].
Für Orbán sei es zudem wichtig, antiukrainische Stimmungen zu schüren. Seine Partei Fidesz liegt in Umfragen zehn Prozent hinter ihrem stärksten Gegner, der Tisza-Partei von Péter Magyar. Bereits im vergangenen Frühjahr hatte Orbán in seinem Wahlkampf auf die antikukrainische Karte gesetzt und den Weg der Ukraine in die EU blockiert […].“
„Test für die strategische Reife Europas“
Die Jewropejska Prawda empfiehlt in aller Offenheit, die Pipeline gar nicht mehr zu reparieren, weil sie längst als russisches Druckmittel diene:
„Während einige mitteleuropäische Länder versuchen, das frühere Kooperationsmodell mit Russland aufrechtzuerhalten, das auf [hohen] politischen Kosten und kurzfristigen kommerziellen Vorteilen beruht, baut der bedachtere Teil des Kontinents ein System auf, das auf Resilienz ausgerichtet ist und strategische Risiken verringern will.
So kündigte etwa Denys Schmyhal, stellvertretender Ministerpräsident und Energieminister der Ukraine, die Schaffung einer regionalen Koordinierungsplattform für Energiesicherheit gemeinsam mit den baltischen Staaten, Polen, Finnland, Dänemark und Norwegen an. Ziel ist es, einen einheitlichen Rahmen zur Risikobewertung und Koordinierung von Maßnahmen an der nordöstlichen Flanke der EU zu schaffen.
Die Druschba als aktiven Lieferkanal zu erhalten, würde die Finanzströme in den russischen Haushalt weiter fließen lassen und ein Modell der politischen Abhängigkeit unterstützen. Die Pipeline, die einst die Integration innerhalb des ‚sozialistischen Lagers‘ symbolisierte, ist heute zu einem Test für die strategische Reife Europas geworden.“
Terroranschläge im ukrainischen Hinterland
Am 22. Februar erschütterten kurz nach Mitternacht zwei Explosionen die Innenstadt von Lwiw. Die Polizei war gerade erst per Notruf an den Ort gerufen worden, an dem dann selbstgebaute Sprengsätze detonierten, die in einem Mülleimer versteckt waren. Eine Polizistin starb bei dem Anschlag, rund 25 Menschen wurden verletzt. Die Polizei sprach von einem Terrorakt. Wenig später wurden Anschläge in Dnipro und Mykolajiw gemeldet. Präsident Selenskyj warnte, ähnliche Angriffe, deren Urheberschaft Russland zugeschrieben wird, könnten sich wiederholen.
„Psychologische Programmierung über Telegram“
Im Interview mit LB beschreibt der Chef der ukrainischen Kriminalpolizei, Andrii Niebytov, die Verdächtige, die die Sprengsätze versteckt haben soll:
„Viele Jahre fuhr sie zum Arbeiten nach Polen; zuletzt nahm sie irgendwo eine Stelle an, kündigte nach zwei, drei Tagen wieder, fand keinen Platz für sich. Sie versuchte auf allen möglichen Wegen, Geld zu verdienen. Und so kontaktierte sie ein junger Mann über Telegram und bot ihr eine leichte Arbeit an – inklusive bezahlter Unterkunft. Natürlich sagen diese ‚Jungs von Telegram‘ nicht direkt, dass sie aus Russland sind und Sabotageakte vorbereiten – sie erzählen immer schöne Geschichten. Zum Beispiel, dass ihnen jemand Geld schuldet und sie sich rächen wollen. […] es ist ganz normale Psychologie, man programmiert den Menschen. […]
Moderne Kommunikationsmittel, allen voran Telegram, machen es möglich, unter Menschen in schwierigen Lebenslagen willige Handlanger zu finden. Je schlechter seine wirtschaftliche und soziale Situation, desto anfälliger ist der Mensch. Und es gibt weitere Faktoren: [kriegsbedingte] Umsiedlung [und Binnenvetreibung]; wenn jemand seine Wohnung verloren hat, sein Geschäft, die Arbeit oder Angehörige. Besonders unter dem Druck solcher Umstände [lassen Menschen sich anwerben] und führen Terroranschläge [in russischem Auftrag] aus. Diese Frau kaufte Splittermaterial (Muttern), stellte eine [explosive] Mischung [aus Haushaltschemikalien] her, legte die [selbstgefertigten] Sprengsätze – ihr war vollkommen bewusst, was sie da tat. Sie hat einen Weg gewählt, für den sie die Verantwortung übernehmen muss.“
„Eine reine Terrorstrategie“
Die neue russische Taktik richte sich nicht nur gegen die Ukraine, sondern ziele auch auf andere europäische Länder, warnt der ehemalige stellvertretende Chef des ukrainischen Inlandsgeheimdiensts, Viktor Yahun, in einem Kommentar, den NV übernimmt:
„Nach einem Notruf [und dem Eintreffen] der Polizei zwei Explosionen hintereinander herbeizuführen, ist eine klassische Methode von Sabotagegruppen. [Sogenannte Doppelschläge] sollen die Verluste unter den Sicherheitskräften maximieren und einen psychologischen Effekt erzeugen. So operierten [die Terroristen] des IS, fundamentalistische Gruppen aller Richtungen sowie die Einheiten des [russischen Militärgeheimdienstes] GRU in der Region Donezk in den Jahren 2014–2015. Wir sehen also eine Technik, die einer klaren Logik folgt – der Logik der Geheimdienste.
[…] Das Ziel des Terroranschlags war nicht Lwiw als Stadt, sondern das ukrainische Hinterland. Lwiw ist ein Symbol der Sicherheit ebendieses Hinterlands und ein zentraler logistischer Knotenpunkt zwischen der Ukraine und der EU. Jeder Terroranschlag dort sendet das Signal: ‚Wir können euch selbst in der Westukraine treffen.‘ Das ist eine reine Terrorstrategie. Sie soll die Gesellschaft demoralisieren, die politische Führung unter Druck setzen und einen Informationseffekt in Europa haben.“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
Die Nachrichtenredaktion von Suspilne ist zudem für sein breites regionales Netzwerk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website suspilne.media 9,9 Millionen Aufrufe.
NV ist ein Online-Nachrichtenportal, ein vierteljährlich erscheinendes Printmagazin und ein Radiosender. Die Redaktion berichtet über internationale Nachrichten und ukrainische Politik. Es legt den Fokus auf internationale Unterstützung für die Ukraine, Korruption und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch gründete NV 2014 und übernahm die Chefredaktion. Zuvor arbeitete Sytsch beim populären Magazin Korrespondent. Er und viele heutige NV-Mitarbeiter verließen Korrespondent, nachdem Serhij Kurtschenko, ein Oligarch aus Charkiw mit engen Verbindungen zum damaligen Präsident Wiktor Janukowytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, das dem tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala gehört.
Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
Babel gehört der Gründerin und Chefredakteurin Kateryna Kobernyk sowie Oleksandr Babenko, dem Eigentümer des Drohnenherstellers Vyriy Industries.
Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
Seitenaufrufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen
Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
Seitenaufrufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen
Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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