„Irans Russ­land-Wette führt zu natio­na­ler Katastrophe“

Wladimir Putin, Ali Chamenei
Foto: IMAGO /​ ZUMA Press Wire

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 18. Februar bis 3. März 2026:
Was bedeu­tet der Krieg im Nahen Osten für die Ukraine?
Pipe­line-Kon­flikt: eine irrepa­ra­ble „Freund­schaft“
Ter­ror­an­schläge im ukrai­ni­schen Hinterland

Was bedeu­tet der Krieg im Nahen Osten für die Ukraine?

Seit dem 28. Februar eska­liert die Lage im Nahen Osten: Nach Luft­an­grif­fen der USA und Israels auf den Iran, bei denen dessen poli­ti­scher und reli­giö­ser Führer Ali Cha­menei getötet wurde, reagiert Teheran mit Ver­gel­tungs­schlä­gen – unter anderem gegen Ölför­der­an­la­gen in den Golf­staa­ten. Ukrai­ni­sche Medien dis­ku­tie­ren die Aus­wir­kun­gen auf den Krieg im eigenen Land.

„Die Nach­frage ist enorm, aber die US-Pro­duk­tion nicht“

Forbes warnt vor einem Mangel an hoch­ent­wi­ckel­ten PAC‑3-Len­kra­ke­ten für Patriot-Flug­ab­wehr­sys­teme – bislang die ein­zi­gen, mit denen sich bal­lis­ti­sche Raketen abfan­gen lassen:

„Robert Hamil­ton, Direk­tor [des Think Tanks] Dolphi Global und pen­sio­nier­ter Oberst der US-Armee, ist über­zeugt, dass die Unruhen im Nahen Osten den glo­ba­len Wett­be­werb um US-ame­ri­ka­ni­sche Abwehr­sys­teme ver­schär­fen werden.

‚Die Nach­frage ist enorm, aber die USA können die Pro­duk­tion dieser Raketen nicht ohne Wei­te­res erhöhen, ins­be­son­dere auf­grund der ein­ge­schränk­ten Lie­fer­ket­ten für Ziel­such­köpfe und Rake­ten­trieb­werke‘, sagt er. Die USA planten zwar, die Pro­duk­tion zu stei­gern, doch dieser Prozess dauere nor­ma­ler­weise Jahre.

PAC‑3 sei nur begrenzt ver­füg­bar und werde in den kom­men­den Monaten zu einer heiß begehr­ten Ware, bestä­tigt George Barros […] vom Insti­tute for the Study of War. Lie­fer­men­gen und Pro­duk­ti­ons­ra­ten von Rake­ten­ab­wehr­mu­ni­tion seien seit Jahren chro­nisch niedrig, erklärt er, und der Wett­be­werb zwi­schen den Betrei­bern der ein­zel­nen Systeme sei schon lange vor [den Angrif­fen auf den] Iran […] groß gewesen.“

„Irans Russ­land-Wette führt zu natio­na­ler Katastrophe“

NV ver­öf­fent­licht einen Social-Media-Post des Nah­ost­ex­per­ten Ihor Semi­vo­los, der kom­men­tiert, Russ­land habe den Iran im Stich gelas­sen und damit das Ver­trauen zwi­schen beiden Ländern zerstört:

„Russ­land hat gezeigt, dass es ein ‚Ver­bün­de­ter bis zur ersten ernst­haf­ten Bewäh­rungs­probe‘ ist. Die ira­ni­schen Eliten, ins­be­son­dere der prag­ma­ti­sche Flügel, spre­chen nun offen davon, dass die stra­te­gi­sche Wette auf Russ­land ein Fehler war, der zu einer natio­na­len Kata­stro­phe geführt hat. Tja, was soll man dazu sagen, ihr Spätzünder?“

„Putin pro­fi­tiert von stei­gen­den Ölpreisen“

Die Eko­no­mit­schna Prawda ana­ly­siert die Folgen stei­gen­der Ölpreise:

„‚Die Rus­si­sche Föde­ra­tion könnte von einem Rück­gang der ira­ni­schen [Öl-]Lieferungen an die Volks­re­pu­blik China pro­fi­tie­ren. Die Nach­frage Pekings wird sich wahr­schein­lich hin zu [rus­si­schem] Urals-Öl ver­la­gern […], was den wirt­schaft­li­chen Druck auf den Kreml etwas mindern würde‘, meinen Ana­lys­ten der [kana­di­schen Invest­ment­bank] TD Secu­ri­ties.

Vor dem Hin­ter­grund der Ereig­nisse im Iran zeigt auch Indien wieder Inter­esse an rus­si­schem Öl. Seit 2022 ist Neu-Delhi für Moskau ein wich­ti­ger Abneh­mer von Brenn­stof­fen, auch wenn es seine Ein­käufe unter dem Druck Washing­tons in letzter Zeit […] etwas redu­ziert hat.

‚Putin pro­fi­tiert vom [Iran-]Krieg durch stei­gende Ölpreise und eine größere Nach­frage nach seinem eigenen, mit Sank­tio­nen beleg­ten Öl. […]‘, gibt Bloom­berg-Kom­men­ta­tor Javier Blas zu bedenken.“

„Hier ist jeder auf sich allein gestellt“

Hro­madske hat in Dubai, der von ira­ni­schen Raketen und Drohnen ange­grif­fe­nen Haupt­stadt der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emirate, Ukrainer:innen nach ihren Ein­drü­cken aus einem wei­te­ren Krieg gefragt:

„Nach den ersten Explo­sio­nen begann Vero­nika Ost­rovska, [ukrai­ni­sches Model und Fern­seh­mo­de­ra­to­rin, die für zwei Wochen geschäft­lich nach Dubai gereist war], Ein­hei­mi­sche zu fragen, wie bei ihnen alles orga­ni­siert sei und ob sie genü­gend Was­ser­vor­räte hätten. Die Leute aber, sagt sie, ver­stün­den gar nicht, was Krieg bedeute.

‚Und über­haupt schlie­ßen sich die Men­schen hier nicht zusam­men, um etwas zu tun, so wie bei uns in den ersten Tagen des Krieges. Ich konnte erst nicht ver­ste­hen, warum. Jetzt habe ich es begrif­fen. In der Ukraine haben wir eine Idee und ein Gefühl der Einheit, weil wir für uns selbst kämpfen. Hier aber sind alle unter­schied­li­cher Natio­na­li­tät, jeder und jede ist auf sich allein gestellt.‘“

Pipe­line-Kon­flikt: Eine irrepa­ra­ble „Freund­schaft“

Nach einem rus­si­schen Angriff Ende Januar, bei dem auch eine Pump­sta­tion der Druschba-Pipe­line (russ. für „Freund­schaft”) getrof­fen wurde, über die noch immer rus­si­sches Öl nach Ungarn und in die Slo­wa­kei floss, steht der Betrieb nun still. Buda­pest und Bra­tis­lava drängen auf eine schnelle Repa­ra­tur und drohen mit Gegen­maß­nah­men. Ukrai­ni­sche Medien ana­ly­sie­ren die Hin­ter­gründe des Konflikts.

„Warum sollten wir Russ­land ermög­li­chen, Geld zu verdienen?“

Sus­pilne hat sich nach dem Stand der Repa­ra­tur­ar­bei­ten erkundigt:

„Offi­zi­ell kom­men­tiert die Ukraine den Stand der Repa­ra­tu­ren an der Druschba-Pipline derzeit nicht. Das Außen­mi­nis­te­rium erklärt ledig­lich, die Unter­bre­chung des Pipe­line-Betriebs sei einzig und allein durch rus­si­schen Beschuss ver­ur­sacht worden. Sus­pilne hat auch [den staat­li­chen Ener­gie­kon­zern] Naf­to­gaz um eine Stel­lung­nahme gebeten. Zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung lag noch keine Antwort des Unter­neh­mens vor.

Nach Ansicht von Volo­dymyr Omel­chenko [Direk­tor für Ener­gie­pro­gramme beim Ras­um­kow-Zentrum], hat die Ukraine weder in poli­ti­scher noch in sicher­heits­po­li­ti­scher oder finan­zi­el­ler Hin­sicht einen Vorteil von der Wie­der­auf­nahme des Druschba-Betriebs.

‚Warum sollten wir uns zusätz­li­che Pro­bleme schaf­fen, um wieder rus­si­sches Öl zu trans­por­tie­ren? Wie können wir dann noch […] von Sank­tio­nen reden? Warum sollten wir Russ­land ermög­li­chen, Geld zu ver­die­nen?‘, fragt Omel­chenko. Außer­dem könne die Ukraine so knappen Strom ein­spa­ren, den die Pumpen zum Wei­ter­trans­port des Öls in großem Umfang verbrauchen.“

„Orbán muss vor den Wahlen Stärke zeigen“

Ungarn und die Slo­wa­kei setzten unter anderem die Ausfuhr von Diesel in die Ukraine aus. Forbes führt diese dras­ti­sche Reak­tion auf innen­po­li­ti­sche Motive zurück – beson­ders in Ungarn:

„Der Haupt­grund für das Embargo auf Erd­öl­pro­dukte in Rich­tung Ukraine ist der unga­ri­sche Wahl­kampf vor den Par­la­ments­wah­len am 12. April. ‚Orbán muss vor den Wahlen zeigen, dass er stark ist und sich wehren kann‘, so ein Gesprächs­part­ner [aus diplo­ma­ti­schen Kreisen].

Für Orbán sei es zudem wichtig, anti­ukrai­ni­sche Stim­mun­gen zu schüren. Seine Partei Fidesz liegt in Umfra­gen zehn Prozent hinter ihrem stärks­ten Gegner, der Tisza-Partei von Péter Magyar. Bereits im ver­gan­ge­nen Früh­jahr hatte Orbán in seinem Wahl­kampf auf die anti­kukrai­ni­sche Karte gesetzt und den Weg der Ukraine in die EU blockiert […].“

„Test für die stra­te­gi­sche Reife Europas“

Die Jew­ro­pe­jska Prawda emp­fiehlt in aller Offen­heit, die Pipe­line gar nicht mehr zu repa­rie­ren, weil sie längst als rus­si­sches Druck­mit­tel diene:

„Während einige mit­tel­eu­ro­päi­sche Länder ver­su­chen, das frühere Koope­ra­ti­ons­mo­dell mit Russ­land auf­recht­zu­er­hal­ten, das auf [hohen] poli­ti­schen Kosten und kurz­fris­ti­gen kom­mer­zi­el­len Vor­tei­len beruht, baut der bedach­tere Teil des Kon­ti­nents ein System auf, das auf Resi­li­enz aus­ge­rich­tet ist und stra­te­gi­sche Risiken ver­rin­gern will.

So kün­digte etwa Denys Schmyhal, stell­ver­tre­ten­der Minis­ter­prä­si­dent und Ener­gie­mi­nis­ter der Ukraine, die Schaf­fung einer regio­na­len Koor­di­nie­rungs­platt­form für Ener­gie­si­cher­heit gemein­sam mit den bal­ti­schen Staaten, Polen, Finn­land, Däne­mark und Nor­we­gen an. Ziel ist es, einen ein­heit­li­chen Rahmen zur Risi­ko­be­wer­tung und Koor­di­nie­rung von Maß­nah­men an der nord­öst­li­chen Flanke der EU zu schaffen.

Die Druschba als aktiven Lie­fer­ka­nal zu erhal­ten, würde die Finanz­ströme in den rus­si­schen Haus­halt weiter fließen lassen und ein Modell der poli­ti­schen Abhän­gig­keit unter­stüt­zen. Die Pipe­line, die einst die Inte­gra­tion inner­halb des ‚sozia­lis­ti­schen Lagers‘ sym­bo­li­sierte, ist heute zu einem Test für die stra­te­gi­sche Reife Europas geworden.“

Ter­ror­an­schläge im ukrai­ni­schen Hinterland

Am 22. Februar erschüt­ter­ten kurz nach Mit­ter­nacht zwei Explo­sio­nen die Innen­stadt von Lwiw. Die Polizei war gerade erst per Notruf an den Ort gerufen worden, an dem dann selbst­ge­baute Spreng­sätze deto­nier­ten, die in einem Müll­ei­mer ver­steckt waren. Eine Poli­zis­tin starb bei dem Anschlag, rund 25 Men­schen wurden ver­letzt. Die Polizei sprach von einem Ter­ror­akt. Wenig später wurden Anschläge in Dnipro und Myko­la­jiw gemel­det. Prä­si­dent Selen­skyj warnte, ähn­li­che Angriffe, deren Urhe­ber­schaft Russ­land zuge­schrie­ben wird, könnten sich wiederholen.

„Psy­cho­lo­gi­sche Pro­gram­mie­rung über Tele­gram“

Im Inter­view mit LB beschreibt der Chef der ukrai­ni­schen Kri­mi­nal­po­li­zei, Andrii Nie­by­tov, die Ver­däch­tige, die die Spreng­sätze ver­steckt haben soll:

„Viele Jahre fuhr sie zum Arbei­ten nach Polen; zuletzt nahm sie irgendwo eine Stelle an, kün­digte nach zwei, drei Tagen wieder, fand keinen Platz für sich. Sie ver­suchte auf allen mög­li­chen Wegen, Geld zu ver­die­nen. Und so kon­tak­tierte sie ein junger Mann über Tele­gram und bot ihr eine leichte Arbeit an – inklu­sive bezahl­ter Unter­kunft. Natür­lich sagen diese ‚Jungs von Tele­gram‘ nicht direkt, dass sie aus Russ­land sind und Sabo­ta­ge­akte vor­be­rei­ten – sie erzäh­len immer schöne Geschich­ten. Zum Bei­spiel, dass ihnen jemand Geld schul­det und sie sich rächen wollen. […] es ist ganz normale Psy­cho­lo­gie, man pro­gram­miert den Menschen. […]

Moderne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel, allen voran Tele­gram, machen es möglich, unter Men­schen in schwie­ri­gen Lebens­la­gen willige Hand­lan­ger zu finden. Je schlech­ter seine wirt­schaft­li­che und soziale Situa­tion, desto anfäl­li­ger ist der Mensch. Und es gibt weitere Fak­to­ren: [kriegs­be­dingte] Umsied­lung [und Bin­nen­ve­trei­bung]; wenn jemand seine Wohnung ver­lo­ren hat, sein Geschäft, die Arbeit oder Ange­hö­rige. Beson­ders unter dem Druck solcher Umstände [lassen Men­schen sich anwer­ben] und führen Ter­ror­an­schläge [in rus­si­schem Auftrag] aus. Diese Frau kaufte Split­ter­ma­te­rial (Muttern), stellte eine [explo­sive] Mischung [aus Haus­halts­che­mi­ka­lien] her, legte die [selbst­ge­fer­tig­ten] Spreng­sätze – ihr war voll­kom­men bewusst, was sie da tat. Sie hat einen Weg gewählt, für den sie die Ver­ant­wor­tung über­neh­men muss.“

„Eine reine Terrorstrategie“

Die neue rus­si­sche Taktik richte sich nicht nur gegen die Ukraine, sondern ziele auch auf andere euro­päi­sche Länder, warnt der ehe­ma­lige stell­ver­tre­tende Chef des ukrai­ni­schen Inlands­ge­heim­diensts, Viktor Yahun, in einem Kom­men­tar, den NV übernimmt:

„Nach einem Notruf [und dem Ein­tref­fen] der Polizei zwei Explo­sio­nen hin­ter­ein­an­der her­bei­zu­füh­ren, ist eine klas­si­sche Methode von Sabo­ta­ge­grup­pen. [Soge­nannte Dop­pel­schläge] sollen die Ver­luste unter den Sicher­heits­kräf­ten maxi­mie­ren und einen psy­cho­lo­gi­schen Effekt erzeu­gen. So ope­rier­ten [die Ter­ro­ris­ten] des IS, fun­da­men­ta­lis­ti­sche Gruppen aller Rich­tun­gen sowie die Ein­hei­ten des [rus­si­schen Mili­tär­ge­heim­diens­tes] GRU in der Region Donezk in den Jahren 2014–2015. Wir sehen also eine Technik, die einer klaren Logik folgt – der Logik der Geheimdienste.

[…] Das Ziel des Ter­ror­an­schlags war nicht Lwiw als Stadt, sondern das ukrai­ni­sche Hin­ter­land. Lwiw ist ein Symbol der Sicher­heit eben­die­ses Hin­ter­lands und ein zen­tra­ler logis­ti­scher Kno­ten­punkt zwi­schen der Ukraine und der EU. Jeder Ter­ror­an­schlag dort sendet das Signal: ‚Wir können euch selbst in der West­ukraine treffen.‘ Das ist eine reine Ter­ror­stra­te­gie. Sie soll die Gesell­schaft demo­ra­li­sie­ren, die poli­ti­sche Führung unter Druck setzen und einen Infor­ma­ti­ons­ef­fekt in Europa haben.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

News­let­ter bestellen

Tragen Sie sich in unseren News­let­ter ein und bleiben Sie auf dem Laufenden.

NEWSLETTER


Mit unseren Daten­schutz­be­stim­mun­gen erklä­ren Sie sich einverstanden.