„Energie-Importe ändern nichts an der Gesamtlage“

Punkt der Unzerbrechlichkeit
Foto: IMAGO /​ ZUMA Press Wire

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 7. bis 20. Januar 2026:
Kälte und Luft­an­griffe treffen Kyjiw hart
Straf­ver­fah­ren gegen Julija Timoschenko
Neue Minis­ter für Ver­tei­di­gung und Energie

Kälte und Luft­an­griffe treffen Kyjiw hart

Am 7. Januar erreichte eine Käl­te­front die Ukraine, die Tem­pe­ra­tu­ren fielen auf bis zu minus 25 Grad. Bis Ende Januar soll die Frost­pe­ri­ode anhal­ten. Seit 2022 hatte Russ­land darauf gesetzt, die ukrai­ni­sche Energie-Infra­struk­tur derart zu schä­di­gen, dass die Men­schen ohne Strom und Heizung frieren müssen. Die ver­gan­ge­nen Winter waren ver­gleichs­weise mild aus­ge­fal­len, doch nun geht dieser Plan voll auf. Am 9. Januar traf eine massive Angriffs­welle vor allem Ener­gie­an­la­gen in Kyjiw. Die Stadt versank zeit­weise in völ­li­ger Dun­kel­heit, in manchen Häusern fielen die Hei­zun­gen länger als eine Woche aus, sodass Woh­nun­gen auf unter null Grad abkühl­ten. Nach ersten Repa­ra­tu­ren ver­ur­sachte ein erneu­ter Luft­an­griff am 20. Januar erheb­li­che Schäden. Ukrai­ni­sche Medien berich­ten aus­führ­lich über die Notlage.

„Es bleibt trotz­dem kalt“

In einer Repor­tage beschreibt Hro­madske, wie die Men­schen in Kyjiw überleben:

„Im oran­ge­far­be­nen Zelt der Staat­li­chen Kata­stro­phen­schutz­be­hörde, dem ‚Punkt der Unzer­brech­lich­keit‘, 30 Meter von der U‑Bahn-Station Demi­jiwska ent­fernt, halten sich etwa andert­halb Dutzend Men­schen auf. Alle laden ihre elek­tro­ni­schen Geräte auf. Ab und zu trinkt jemand Kaffee oder Tee, den die Ret­tungs­kräfte ausschenken.

Drei Frauen an einem Tisch, alte Bekannte, tau­schen sich darüber aus, wie die Tem­pe­ra­tu­ren bei ihnen zu Hause sind. Der Unter­schied ist ver­blüf­fend, er liegt zwi­schen 3 und 10 Grad. Bei einigen scheint die Sonne ins Fenster und sorgt für etwas Wärme. Andere haben eine Eck­woh­nung, die man noch so sehr heizen kann, es bleibt trotz­dem kalt.

‚Bei mir sind es auf der Fens­ter­bank zwei Grad, also habe ich dort einen [impro­vi­sier­ten] Kühl­schrank ein­ge­rich­tet. Die Butter von dort kann ich gar nicht nehmen – sie ist stein­hart‘, lacht eine der Frauen.

Gas haben sie keins, aber wenigs­tens einmal am Tag müssen sie etwas Warmes zu sich nehmen — also trinken sie im ‚Punkt der Unzer­brech­lich­keit‘ Tee zu mit­ge­brach­ten Klapp­stul­len oder nehmen heißes Wasser von dort mit nach Hause. Fertige Mahl­zei­ten, wie sie in manchen Bezir­ken der Haupt­stadt ver­teilt werden, gibt es hier nicht.

Ich bitte darum, eine von ihnen nach Hause beglei­ten zu dürfen, doch die Frauen lehnen ab. […] Eine Frau vom Nach­bar­tisch flüs­tert mir zu, es sei ihnen unan­ge­nehm, Fremde in ihre Wohnung zu lassen: Hier sei nicht auf­ge­räumt, dort nicht abge­wa­schen. ‚Ich selbst habe mir seit zwei Wochen nicht die Haare gewa­schen‘, lacht sie, ‚und die Männer stinken richtig: Gehen Sie mal rum und riechen.‘“

„Ohne Strom funk­tio­niert das Atem­ge­rät nicht“

Sus­pilne beschreibt, wie Men­schen mit beson­de­ren Bedürf­nis­sen ver­su­chen, mit der Kälte zurechtzukommen:

„Serhii leidet an einer schwe­ren Form von Schlaf­apnoe. […] Sein Gehirn wurde [nachts] nicht aus­rei­chend mit Sau­er­stoff ver­sorgt und ohne Atem­un­ter­stüt­zung bestand für Serhii das Risiko eines Schlag­an­falls oder Herz­in­farkts. Um das Problem zu lösen, stellte ihm die Hilfs­or­ga­ni­sa­tion Svoi ein […] Gerät zur Ver­fü­gung, [das die Atmung erleich­tert]. Jetzt muss er nachts durch eine Maske atmen, aber ohne Strom funk­tio­niert das Gerät nicht. […]

Serhii und Natalia beschlos­sen daher […], ihre Wohnung so autonom wie möglich zu gestal­ten. Zunächst kauften sie eine kleine Lade­sta­tion, aber die reichte für das Atem-Gerät nicht aus. Dann ent­schie­den sie sich für eine Station, die ihre Wohnung bis zu 15 Stunden lang mit Strom ver­sor­gen kann – wenn das Gerät über Nacht ange­schlos­sen ist, sind es [immer­hin noch] neun Stunden. Vor Kurzem besorg­ten sie sich noch eine zusätz­li­che Bat­te­rie, um die Lade­sta­tion bei län­ge­ren Strom­aus­fäl­len zu versorgen […].

Sie haben einen trag­ba­ren Gas­ko­cher, einen Vorrat an Lebens­mit­teln und einen Was­ser­ka­nis­ter im Bad. Das Inter­net funk­tio­niert dank einer [spe­zi­el­len] unter­bre­chungs­freien Strom­ver­sor­gung am Router. Weil Serhii nicht schnell [genug] in den Schutz­raum kommt, legt er eine Klapp­ma­tratze im Flur aus und schläft dort. Auch Feu­er­lö­scher und Gas­mas­ken gibt es in der Wohnung […].“

„Energie-Importe ändern nichts an der Gesamtlage“

Am 16. Januar wurde im Ener­gie­sek­tor der Not­be­trieb aus­ge­ru­fen. Forbes geht der Frage nach, ob das die drin­gend nötigen Repa­ra­tu­ren beschleu­ni­gen kann:

„Zu den wich­tigs­ten Ände­run­gen vom 16. Januar gehören maxi­male Ver­ein­fa­chun­gen beim Anschluss neuer Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten. Die Regie­rung hat [die staat­li­che Ener­gie­re­gu­lie­rungs­be­hörde] NKREKP ange­wie­sen, die Fristen für die Geneh­mi­gung von Pro­jekt­un­ter­la­gen […] und Ver­fah­ren zu ver­kür­zen. ‚Das klingt wie ein […] Ver­spre­chen‘, sagt Andrii Zhu­pa­nin, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des par­la­men­ta­ri­schen Aus­schus­ses für Energie, Woh­nungs­we­sen und Kom­mu­nal­wirt­schaft. ‚[Aber] alles, was man […] ver­ein­fa­chen konnte, wurde längst vereinfacht.‘

In den Städten lasse sich die Situa­tion noch ver­bes­sern, sagt Roman Nit­s­ovich, For­schungs­di­rek­tor des Ana­ly­se­zen­trums DiXi Group. So seien in Kyjiw erst zwei der fünf instal­lier­ten Kraft-Wärme-Kopp­lungs­an­la­gen in Betrieb, drei weitere befän­den sich noch in der Phase der Inbetriebnahme […].

Außer­dem wurden [am 16. Januar] die Bedin­gun­gen für eine rasche Stei­ge­rung von [Energie-]Importen ver­bes­sert. Staat­li­che Unter­neh­men, dar­un­ter [die staat­li­che Eisen­bahn­ge­sell­schaft] Ukrz­a­liz­nyt­sia und [der staat­li­che Ener­gie­kon­zern] Naf­to­gaz, wurden beauf­tragt, min­des­tens 50 Prozent ihres Strom­ver­brauchs im Ausland einzukaufen.

Das werde sich jedoch kaum auf die Gesamt­lage im Ener­gie­sek­tor aus­wir­ken, sagt Zhu­pa­nin. Am 15. Januar habe der Strom­ver­brauch 18 Giga­watt erreicht, während rund 11 Giga­watt erzeugt wurden, erklärte Prä­si­dent Selen­skyj am 16. Januar vor der Presse. Selbst unter Berück­sich­ti­gung der Importe bleibe ein Defizit von etwa 3,6 Giga­watt, so Zhupanin.“

Straf­ver­fah­ren gegen Julija Timoschenko

Am 13. Januar durch­suchte das Natio­nale Anti­kor­rup­ti­ons­büro (NABU) die Räume der Partei Bat­kiwscht­schyna von Julija Tymo­schenko. Am nächs­ten Morgen ver­öf­fent­lichte Video­auf­nah­men der Razzia zeigen die ehe­ma­lige Minis­ter­prä­si­den­tin vor Geld­bün­deln sitzen, ins­ge­samt rund 40.000 US-Dollar. Zudem wurden ver­deckte Ton­mit­schnitte publik, in denen eine Stimme, die Tymo­schenko zuge­schrie­ben wird, einem Abge­ord­ne­ten einer anderen Frak­tion monat­lich 10.000 US-Dollar für ein bestimm­tes Abstim­mungs­ver­hal­ten anbie­tet, um die Mehr­heit im Par­la­ment zu „brechen“. Das NABU leitete dar­auf­hin ein Straf­ver­fah­ren wegen ver­such­ter Bestechung ein.

„Ich habe nichts zu verbergen“

Wie rou­ti­niert Tymo­schenko die Vor­würfe und Ermitt­lun­gen gegen sie als poli­ti­sche Bühne nutzt, beschreibt LB:

„‚Die Wahlen schei­nen viel näher zu sein als gedacht. Und jemand hat beschlos­sen, mit der Besei­ti­gung von Konkurrent:innen zu begin­nen. Dies ist nicht der erste poli­ti­sche Hin­ter­halt gegen mich’, schrieb [Tymo­schenko] auf Face­book. In [...] der Wer­chowna Rada wurden ihr ganze zehn Minuten für ihren Auf­tritt ein­ge­räumt (nor­ma­ler­weise sind es laut Geschäfts­ord­nung [nur] bis zu drei Minuten).

Von der par­la­men­ta­ri­schen Bühne aus berich­tete sie über die Durch­su­chun­gen. Darüber, dass ihr Telefon beschlag­nahmt wurde und dass in nächs­ter Zeit private Infor­ma­tio­nen über sie ver­brei­tet würden. Das Geld, das die Ermitt­ler im Büro [ihrer Partei] Bat­kiwscht­schyna gefun­den und beschlag­nahmt hatten, bezeich­nete Tymo­schenko als ‚Erspar­nisse‘, die [...] dekla­riert seien. [...]

‚Ich weise alle unbe­grün­de­ten Anschul­di­gun­gen gegen mich zurück. Ich möchte, dass Sie die ganze Wahr­heit erfah­ren. Ich habe nichts zu ver­ber­gen‘, erklärte die Vor­sit­zende von Bat­kiwscht­schyna [...] im Parlament.“

„Tymo­schenko hat die Umschläge eingeführt“

Liga beschreibt das seit Langem bekannte System ver­deck­ter Zah­lun­gen an Abge­ord­nete, die deren offi­zi­elle Gehäl­ter teil­weise um ein Viel­fa­ches übersteigen:

„Der […] zwei­ma­lige Vor­sit­zende der Wer­chowna Rada, Olek­sandr Moroz, ver­si­chert gegen­über LIGA, es sei Julija Tymo­schenko gewesen, die die Praxis von ‚Gehäl­tern in Umschlä­gen‘ für Abge­ord­nete eta­bliert habe. ‚Das hat [sie] noch vor den 2000er Jahren ein­ge­führt […], nachdem sie zum ersten Mal Abge­ord­nete wurde. Davon haben mir Kolleg:innen erzählt, die in ihrer Frak­tion waren […].‘

Auch Moroz selbst wurden nach eigenen Angaben zusätz­li­che Zah­lun­gen ange­bo­ten. Als er 2006 zum zweiten Mal zum Par­la­ments­prä­si­den­ten gewählt worden war, schlug ihm ein Ver­tre­ter der Partei der Regio­nen [des mos­kau­treuen Ex-Prä­si­den­ten Viktor Janu­ko­wytsch] […] vor: ‚Wir zahlen unseren [Abge­ord­ne­ten] einen Zuschlag, lassen Sie uns ihren auch einen zahlen.‘

Als Moroz nach­fragte, worum es genau gehe, erhielt er die Antwort: ‚10.000 US-Dollar pro Monat.‘ Moroz lehnte ab und fragte, wofür die Zulagen gedacht seien. Jede:r Abge­ord­nete erhalte ein nor­ma­les Gehalt. Der Gesprächs­part­ner ent­schul­digte sich und ging. Aller­dings kam er schon am nächs­ten Tag zurück: mit dem Vor­schlag, die Summe zu erhöhen. Nachdem Moroz erneut ablehnte, gab es keine neuen Vor­schläge mehr.“

„Die Gas­prin­zes­sin und Moskaus Haftbefehl“

Julija Timo­schenko wird nicht zum ersten Mal straf­recht­lich ver­folgt – in den ver­gan­ge­nen 30 Jahren als Poli­ti­ke­rin hat sie viele Wid­rig­kei­ten über­stan­den, dar­un­ter auch eine Haft­strafe. Sus­pilne erin­nert an einen frü­he­ren Haft­be­fehl aus Moskau:

„Julija Tymo­schenko wurde [1997] als ‚Gas­prin­zes­sin’ Abge­ord­nete – zu diesem Zeit­punkt leitete sie den Konzern ‚Ver­ei­nigte Ener­gie­sys­teme der Ukraine’ (EESU), der einen Vertrag über die Lie­fe­rung von Gas […] durch das rus­si­sche [Unter­neh­men] Gazprom [unter­zeich­net] hatte. Die Regie­rung, die zu dieser Zeit Tymo­schen­kos ‚Patron’ Pavlo Laza­renko führte, ver­pflich­tete staat­li­che Unter­neh­men [dar­auf­hin], Gas von EESU zu kaufen. Der Preis [dafür] lag deut­lich über dem, was EESU an Gazprom zahlen musste. […]

Irgend­wann beschul­dig­ten die Russen Timos­henko der Bestechung. Angeb­lich habe sie auf diese Weise für die EESU einen Vertrag über 450 Mil­lio­nen US-Dollar vom Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium der Rus­si­schen Föde­ra­tion erhal­ten. Im Sep­tem­ber 2004 erließ das Mos­kauer Gar­ni­sons­ge­richt sogar einen Haft­be­fehl gegen Timos­henko, die zu diesem Zeit­punkt bereits eine der Anfüh­re­rin­nen der ukrai­ni­schen Oppo­si­tion gegen Prä­si­dent Leonid Kut­schma war.“

Neue Minis­ter für Ver­tei­di­gung und Energie

Am 14. Januar bestä­tigte das ukrai­ni­sche Par­la­ment zwei neue Minis­ter, die Prä­si­dent Selen­skyj vor­ge­schla­gen hatte: Mycha­jlo Fedorow, bisher Digi­tal­mi­nis­ter, über­nimmt das Ver­tei­di­gungs­res­sort und Denys Schmyhal, zuvor Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, wech­selt ins Ener­gie­mi­nis­te­rium. Dieser Tausch wirkt fol­ge­rich­tig, denn Schmyhal gilt als Kri­sen­ma­na­ger, der große Systeme sta­bi­li­sie­ren kann – eine Kern­kom­pe­tenz in einem Winter unter Beschuss. Fedorow steht für Inno­va­tion und Tech­no­lo­gie­trans­fer, was für die Ver­tei­di­gung immer wich­ti­ger wird. Ukrai­ni­sche Medien dis­ku­tie­ren, welche Erwar­tun­gen sich mit beiden Per­so­na­lien verbinden.

„Jetzt gilt es, das Drohnen-Schwert auszubauen“

Forbes hat pro­mi­nente Füh­rungs­kräfte im Militär gefragt, was Fedorow in seinem neuen Amt anpa­cken sollte. Zu ihnen gehört Olek­sandr Nas­tenko (Kampf­name: Flint), Leiter der Droh­nen­an­griffs­ein­heit Code 9.2, die als eine der effek­tivs­ten in der ukrai­ni­schen Armee gilt:

„Der Feind reagiert äußerst emp­find­lich auf schlechte Nach­rich­ten. Das haben wir bei unserer Offen­sive in Kup­jansk gemerkt. Die rus­si­sche Gesell­schaft reagierte darauf viel schmerz­li­cher, als sie sich über ihre eigenen Erfolge freut. […] Unsere Aufgabe ist es, die Zahl der Nie­der­la­gen für den Feind zu erhöhen.

Fedorow ist ein Pionier bei der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung der Armee – von Drohnen bis hin zu unbe­mann­ten boden­ge­stütz­ten Robo­ter­sys­te­men. Es ist [ihm] gelun­gen, eine ‚Droh­nen­li­nie‘ auf­zu­bauen [und] mit Hilfe von Drohnen den Feind in Schach zu halten. Das ist eine Art ‚Drohnen­schild‘. Jetzt gilt es, das ‚Schwert‘ auszubauen.

Es ist unmög­lich, dau­er­haft in der Defen­sive zu bleiben. Wir müssen angrei­fen, tief [in feind­li­ches Ter­ri­to­rium] vor­sto­ßen, Durch­brü­che erzie­len – Stärke zeigen. Wir können es uns nicht leisten, dies mit einer großen Menge an Infan­te­rie zu tun wie der Feind. Wir können nur mit einer Mischung aus Men­schen und Tech­no­lo­gien angreifen.

Ich hoffe, dass unter Fedorow das rich­tige Ver­hält­nis zwi­schen Drohnen und Infan­te­rie in den stark ein­ge­setz­ten Sturm­re­gi­men­tern gefun­den wird. Damit wir keine Men­schen ver­lie­ren, sondern Drohnen.“

„Keine Skan­dale“

Sus­pilne erläu­tert, warum Denys Schmyhal als Ener­gie­mi­nis­ter eine nahe­lie­gende Wahl war:

„Denys Schmyhal begann seine Tätig­keit im Ener­gie­sek­tor im Jahr 2017: Der damals 42-Jährige nahm eine Stelle im Unter­neh­men DTEK Energo [des ukrai­ni­schen Olig­ar­chen] Rinat Ach­me­tow an und wurde stell­ver­tre­ten­der Gene­ral­di­rek­tor für soziale Fragen in der west­ukrai­ni­schen Nie­der­las­sung des Kon­zerns. Bereits ein Jahr später über­nahm er die Leitung des Wär­me­kraft­werks Bursch­tyn, das eben­falls zu DTEK gehört.

Damals war das Kraft­werk eines der größten in der Ukraine. Es konnte mehr als zwei Giga­watt Strom pro­du­zie­ren und ver­sorgte damit rund drei Mil­lio­nen Men­schen in den Regio­nen Trans­kar­pa­tien, Lwiw und Iwano-Fran­kiwsk mit Elektrizität.

‚[Schmyhal] ist ein Manager, bei dem alles funk­tio­niert und es keine Skan­dale gibt […]‘, sagt Olek­sandr Khar­chenko, Direk­tor des Zen­trums für Ener­gie­for­schung, gegen­über Sus­pilne.“

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Ukrai­ni­sche Medien

Die Online-Zeitung Ukra­jinska Prawda ver­öf­fent­licht als regie­rungs­kri­ti­sches Medium inves­ti­ga­tive Artikel und deckte auch Kor­rup­ti­ons­fälle inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung auf. Sie zählt zu den meist­ge­nutz­ten Nach­rich­ten­por­ta­len der Ukraine.

Die Ukra­jinska Prawda wurde im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse gegrün­det, der im dar­auf­fol­gen­den Jahr – angeb­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma – ermor­det wurde. Die heutige Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment-Manage­ment-Gesell­schaft, die vom tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gelei­tet wird.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 69,6 Millionen

Das Online-Nach­rich­ten­por­tal und ‑Fern­se­hen Hro­madske finan­ziert sich über Crowd­fun­ding bei seinen Lese­rin­nen und Lesern, Spenden, Werbung und über für andere Medien auf­ge­nom­mene Videos.

Hro­madske wurde als NGO mit dazu­ge­hö­ri­gen Online-Medien im Novem­ber 2013 mit Beginn des Euro­mai­dan gegrün­det. Die jetzige Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Jewhe­nija Motorewska, die sich zuvor mit dem Thema Kor­rup­tion in ukrai­ni­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den befasst hat.

Die Wei­ter­ent­wick­lung von Hro­madske wird von einem Vor­stand vor­an­ge­trie­ben, der aus sieben pro­mi­nen­ten ukrai­ni­schen Per­sön­lich­kei­ten besteht, dar­un­ter Nobel­preis­trä­ge­rin Olek­san­dra Matwijtschuk.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2,8 Millionen

Der ukrai­ni­sche Fern­seh­sen­der mit Online-Nach­rich­ten­por­tal, dessen Chef­re­dak­teu­rin die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Chry­styna Hawryl­juk ist, wird finan­zi­ell von der ukrai­ni­schen Regie­rung unter­stützt. In diesem Zusam­men­hang hat sich die Website einer aus­ge­wo­ge­nen Bericht­erstat­tung verpflichtet.

Das renom­mierte Insti­tute of Mass Infor­ma­tion führte Suspilne.Novyny im Sep­tem­ber 2021 auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten.

Suspilne.Novyny wurde im Dezem­ber 2019 gegrün­det und gehört zur Natio­na­len öffent­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft der Ukraine. Im Januar 2015 war die zuvor staat­li­che Rund­funk­an­stalt ent­spre­chend euro­päi­schen Stan­dards in eine öffent­li­che Rund­funk­ge­sell­schaft umge­wan­delt worden.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 7,4 Millionen

NV ist eine Print- und Online-Zeit­schrift, deren Schwer­punkt auf Nach­rich­ten aus dem Ausland und der ukrai­ni­schen Politik liegt. Zu den Haupt­the­men zählen die inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung der Ukraine, Kor­rup­tion sowie die künf­tige Ent­wick­lung des Landes. Die Online-Ausgabe ver­öf­fent­lich oft Artikel renom­mier­ter aus­län­di­scher Medien wie The Eco­no­mist, The New York Times, BBC und Deut­sche Welle. Die Zeit­schrift erscheint frei­tags als Druck­aus­gabe auf Ukrai­nisch, die Website ist auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch ver­füg­bar. NV gilt als eine der zuver­läs­sigs­ten Nach­rich­ten­quel­len in der Ukraine.

NV wurde im Jahr 2014 – ursprüng­lich unter dem Namen Nowjoe Wremja („Die neue Zeit“) – vom ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Witalij Sytsch gegrün­det, der die Chef­re­dak­tion über­nahm. Zuvor arbei­tete Sytsch bei dem eben­falls popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er verließ Kor­re­spon­dent, nachdem es an Serhij Kur­tschenko – einen Janu­ko­wytsch nahe­ste­hen­den Olig­ar­chen aus Charkiw – ver­kauft worden war. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, dessen Eigen­tü­mer der tsche­chi­sche Unter­neh­mer Tomáš Fiala ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 27,1 Millionen

Dser­kalo Tyschnja liefert Hin­ter­grund­be­richte und Ana­ly­sen; das The­men­spek­trum umfasst poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, soziale und kul­tu­relle Themen. Die Zeitung betrach­tet die ukrai­ni­sche Politik und deren Akteure in einem inter­na­tio­na­len Zusam­men­hang. Dser­kalo Tyschnja steht auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sige Infor­ma­tio­nen liefern.

Dser­kalo Tyschnja ist eine der ältes­ten ukrai­ni­schen Zei­tun­gen und erschien zuerst 1994. Seit 2020 ist die Zeitung nur noch online ver­füg­bar: auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Mostowa, Ehefrau des ehe­ma­li­gen ukrai­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters Ana­to­lij Hrysenko.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 4,7 Millionen

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel wurde im Sep­tem­ber 2018 gegrün­det. Das The­men­spek­trum umfasst soziale und poli­ti­sche Themen; beson­de­res Augen­merk gilt aber auch Nach­rich­ten aus der Wis­sen­schaft und über neue Technologien.

Nach dem 24. Februar 2022 wurde die zuvor eben­falls ange­bo­tene rus­si­sche Version der Website geschlos­sen. Statt­des­sen wird nun eine eng­li­sche Version ange­bo­ten. Babel finan­ziert sich über Spenden. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter von Babel enga­gie­ren sich in zahl­rei­chen Pro­jek­ten, die darauf abzie­len, die ukrai­ni­schen Streit­kräfte während des Krieges zu unterstützen.

Die Eigen­tü­mer des Online-Maga­zins sind der erste Chef­re­dak­teur Hlib Husjew, Kateryna Kober­nyk und das slo­wa­ki­sche Unter­neh­men IG GmbH.

Heute ist die ukrai­ni­sche Jour­na­listin Kateryna Kober­nyk Chef­re­dak­teurin von Babel.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 1,1 Millionen

Das Online-Magazin LB gehört zum Hor­schenin-Insti­tut, einer ukrai­ni­schen Denk­fa­brik, die sich mit poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Pro­zes­sen in der Ukraine und der Welt beschäf­tigt. LB hat sich auf Inter­views spe­zia­li­siert; häufige Themen sind die ukrai­ni­sche Innen- und inter­na­tio­nale Politik sowie soziale Fragen in der Ukraine.

LB wurde im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh gegrün­det, Chef­re­dak­teu­rin Sonja Kosch­kina hat seit 2018 einen eigenen Youtube-Kanal „Kish­kiNA“, auf dem sie Inter­views mit ver­schie­de­nen Per­so­nen veröffentlicht.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2 Millionen

Im Fokus des ukrai­ni­schen im Jahr 2000 gegrün­de­ten Online-Nach­rich­ten­por­tals LIGA stehen wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und soziale Themen. Seit 2020 steht LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die stets präzise Infor­ma­tio­nen und zuver­läs­sige Nach­rich­ten anbieten.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Bankowa, die davor eine lei­tende Posi­tion bei dem Online-Magazin Hro­madske hatte.

Der Eigen­tü­mer des Nach­rich­ten­por­tals ist die ukrai­ni­sche unab­hän­gige Media­hol­ding Liga­me­dia, deren Geschäfts­füh­rer Dmytro Bon­da­renko ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 8,5 Millionen

Censor prä­sen­tiert sich als Website mit „emo­tio­na­len Nach­rich­ten“. Der Fokus liegt vor allem auf innen­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen. Seit dem rus­si­schen Über­fall auf die Ukraine sind viele Bei­träge den Ereig­nis­sen an der Front und den ukrai­ni­schen Streit­kräf­ten gewid­met. Censor ist auf drei Spra­chen ver­füg­bar: Ukrai­nisch, Rus­sisch und Englisch.

Das Nach­rich­ten­por­tal Censor wurde 2004 vom bekann­ten ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Jurij Butusow gegrün­det und zählt zu den popu­lärs­ten Nach­rich­ten­sei­ten des Landes. Butusow gilt als schar­fer Kri­ti­ker von Prä­si­dent Selen­skyj. Er erhebt schwere Vor­würfe in Bezug auf Kor­rup­tion inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung, schlechte Vor­be­rei­tung auf den Krieg gegen Russ­land und unbe­frie­di­gende Ver­wal­tung der Armee. Butusow wird von über 400.000 Men­schen auf Face­book gelesen. Seine Posts auf dem sozia­len Netz­werk haben enormen Ein­fluss und lösen hitzige Dis­kus­sio­nen aus.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 59 Millionen

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