„Eine tote Stadt, dort gibt es nichts mehr“

Presseschau ukrainischer Medien | 14. Oktober bis 4. November 2026:
Oleschky: Flucht vor der Besatzung, Stille über Cherson
Krieg unter der Erde
Neue Mobilisierungsregeln verärgern Rüstungsbranche
Oleschky: Flucht vor der Besatzung, Stille über Cherson
Am 31. Oktober wurden Hunderte Zivilist:innen aus dem russisch besetzten Oleschky evakuiert, nur sechs Kilometer von Cherson entfernt am anderen Ufer des Dnipro. Dauerbeschuss, Drohnen und verminte Straßen hatten die Lage zuletzt dramatisch verschärft. Unter internationalem Druck stimmte Russland schließlich einer befristeten Waffenruhe und teilweisen Minenräumung zu, damit Ausreisewillige die Stadt verlassen konnten. Die meisten flohen in den ukrainisch kontrollierten Teil des Landes – und machten die Evakuierung zu einem der wichtigsten Themen in den Medien.
„Wir werden wieder zusammen sein“
LB sprach an der Grenze zu Belarus mit Angehörigen, die auf die Busse aus Oleschky warteten:
„Zhanna Ptakhova war regelmäßig in Kontakt mit ihrem Mann, der in Oleschky geblieben war. […] Mit ihren beiden Töchtern wartet sie auf ihren Mykhaylo. Er hielt bis zuletzt in Oleschky durch, ohne seinen Optimismus zu verlieren. ‚Sobald er die Möglichkeit hatte, kletterte er mit einer Leiter auf einen Baum oder einfach aufs Fensterbrett und rief an. […] In jedem unserer Gespräche lautete sein erster Satz: Ich grüße euch aus der Ukraine. […] Oder: Ruhm der Ukraine – Ruhm den Helden!
Dann fiel mir [meist] ein, dass es besetztes Gebiet ist, und ich sagte: Vielleicht nicht so offen, damit das nicht irgendwo mitgehört wird. [Doch er entgegnete:] Sollen sie mich doch fürchten! Das hier ist mein Land, ich bin in meinem Haus, ich rede so, wie ich will. Und jetzt glaube ich, dass er [endlich wieder] frei sagen können wird, was er denkt’, sagt […] Zhanna mit Tränen in den Augen.
Dann zeigt sie ihre Hand, an der zwei Eheringe stecken: einer am Ringfinger, der andere am Mittelfinger. ‚Ich werde ihn an den Händen nehmen und ihm den Ring anstecken. Ich habe zwei Eheringe: meinen und [seinen]. Ich habe sie mitgenommen. Wenn ich [ihn gleich wiedersehe], umarme ich ihn und gebe ihm seinen zurück. Dann sind wir wieder zusammen, und fertig’, ist sie überzeugt.“
„Eine tote Stadt, dort gibt es nichts mehr“
Hromadske berichtet von Begegnungen mit Menschen, die an der Grenze ankommen:
„Anna Leonidovna aus Oleschky erzählt, wie schwer ihr der Aufbruch fiel. Doch ihre Tochter und ihre Enkelkinder bestanden darauf. ‚Sie haben uns angefleht; meine Enkelkinder und meine Tochter baten uns unter Tränen, dass wir wegfahren sollen: ich, mein Mann und mein Bruder. Es war sehr schwer. […]’
‚Es ist eine tote Stadt, dort gibt es nichts mehr, keine Geschäfte und [im] Krankenhaus […] keine Fachärzt:innen, keine Medikamente, gar nichts‘, sagt eine Frau aus Oleschky, der die Flucht gelungen ist.
‚Die Fahrt war beschwerlich. Aber wir sind mit dem Gedanken gefahren, dass wir nach Hause kommen [in die nicht besetzte, freie Ukraine], und das hat uns sehr geholfen. Ich bin mit meinem Mann, mit Freund:innen und Nachbar:innen gefahren‘, fügt eine andere hinzu.“
„Ich glaube, zum letzten Mal“
Dank der Waffenruhe ruhte auch in Cherson die gezielte Jagd auf Zivilist:innen mit Drohnen, die unter der makabren Bezeichnung „Menschensafari“ bekannt wurde. Suspilne berichtet, wie die Menschen zum ersten Mal seit Jahren durch die Straßen schlenderten, in Cafés saßen oder oder von weither kamen, um zu sehen, was von ihren Wohnungen geblieben ist:
„Serhii und Olena tragen mehrere Taschen aus ihrer ausgebrannten Wohnung. Der Mann sagt, er habe nicht erwartet, noch irgendetwas holen zu können, nachdem hier im Frühjahr 2025 eine Drohne eingeschlagen war und es gebrannt hatte. Danach waren Plünderer gekommen.
‚Das war unsere erste gemeinsame Wohnung, wir haben sie 2006 gekauft. Hier wurde unsere Tochter geboren und wuchs heran, hier haben wir unsere Familie gegründet. Wir wissen nicht, wie es weitergeht; doch dass es nie wieder so sein wird, wie es war, ist klar‘, sagt Serhii. ‚Seit unserer Flucht aus der Stadt und weiteren Angriffen auf unser Haus ist das Leben in ein Davor und ein Danach geteilt. Wir hatten wirklich geglaubt, dass wir eines Tages zurückkehren und in Cherson leben können. [...] [...]
Eigentlich sind wir nicht so sehr wegen der Sachen hierhergekommen, sondern um die warme Chersoner Luft zu atmen und einfach zu Hause zu sein. Ich glaube, zum letzten Mal‘, sagt Serhii, als er die Wohnung verlässt.“
Krieg unter der Erde
Ende Oktober sorgte die Operation Veles des ukrainischen Khartiia-Korps bei Wowtschansk für Aufsehen. Dort verläuft eine alte Gasleitung von gut einem Meter Durchmesser über Dutzende Kilometer bis nach Russland. Als bekannt wurde, dass russische Soldaten sie nutzten, um ins ukrainische Hinterland vorzudringen, brachte Khartiia rund 15 Kilometer der Leitung unter Kontrolle und nutzt sie nun selbst für Logistik und Hinterhalte. Weil Drohnen weite Teile der Front in eine Todeszone verwandeln, werden unterirdische Wege militärisch immer wichtiger.
„Kriechend durch das Rohr“
Censor sprach mit Khartiia-Ingenieuren darüber, wie sie die technischen Herausforderungen bei der Nutzung der alten Gasleitung meisterten:
„Die Militäringenieure [...] berichteten, wie sie das unterirdische System ausbauten, mit gefährlichen Gasresten und Sauerstoffmangel umgingen und beschädigte oder verschüttete Rohrabschnitte freiräumten. Als sie einen der Eingänge ausbauten, entzündeten sich Gasreste, das Feuer ließ sich eine Woche lang nicht löschen. Trotz der Gefahr [...] wurde kein Soldat verletzt.
Anfangs bewegten sich die Kämpfer:innen zu Fuß oder kriechend durch das Rohr und transportierten die Lasten von Hand. Später entwickelten Ingenieur:innen spezielle Roller mit Elektroantrieb, die den Transport von Menschen und der nötigen Ausrüstung unter der Erde erheblich beschleunigten.
Derzeit wird die unterirdische Route genutzt, um Munition, Essen und Wasser [an die Front] zu bringen sowie Verwundete und Gefallene wegzubringen. Den Ingenieuren zufolge hilft dieses System, das Leben ukrainischer Verteidiger:innen zu schützen, die vorher auf dem Weg zu den Stellungen Gefahr liefen, unter russischen Drohnenbeschuss zu geraten.“
„Nicht allein mit Tapferkeit zu stemmen“
Die Operation habe außergewöhnliche Fähigkeiten erfordert, erklärt Khartiia-Feldwebel Dmytro Hrytsiuk in einem Beitrag für die Ukrajinska Prawda:
„Die Sturmeinheiten […] legten mehr als 15 Kilometer durch unterirdische Leitungsnetze zurück und vertrieben die Besatzer aus den Rohren. Unsere Soldaten bewegten sich ohne GPS, ohne Sonnenlicht und ohne herkömmlichen Funkverkehr vorwärts, oft nur eine Armlänge voneinander entfernt.
[…] Das ist ein enges Gasrohr mit einem Durchmesser von einem oder 1,20 Metern. Stundenlang kriecht man in voller Kampfausrüstung oder bewegt sich in der Hocke vorwärts. Da herrscht absolute Dunkelheit, [überall ist] klebriger Schmutz und Rost, die Luft ist stickig, [einzelne] Abschnitte sind überflutet. Manchmal reicht einem das Wasser bis zum Kinn. Und […] man kann sich tagelang nicht einmal aufrichten.
Eine solche Operation lässt sich nicht allein mit Tapferkeit stemmen. Dafür muss man Körper und Psyche methodisch und hart vorbereiten. Nachdem wir das Vorgehen des Feindes in den Rohren analysiert hatten, errichteten wir in unseren Ausbildungslagern […] maßstabsgetreue Modelle der Rohre […]. Dort trainierten die Kämpfer regelmäßig ihr Vorgehen und überwanden dabei die Angst vor geschlossenen Räumen sowie körperliche Erschöpfung.“
„Der Krieg verlagert sich vom Himmel unter die Erde“
Hromadske berichtet über einen Konferenzauftritt von Yurii Fedorenko, Kommandeur der Drohneneinheit Achilles, die an der Operation Veles beteiligt war:
„‚Der Krieg verlagert sich vom Himmel unter die Erde. [...] Wenn wir nicht lernen, schnell Verbindungswege unter der Erde zu graben – wenigstens zu unseren Artilleriestellungen, Drohnenstützpunkten und zu den Orten, von denen aus wir Verwundete abtransportieren [...] können –, dann wird das der Gegner tun‘, fasst Yurii Fedorenko […] zusammen.
Auch [...] Russland lernt bereits, Tunnel zu graben. Sie stützen sich auf die Erfahrungen Nordkoreas, das im Krieg [gegen Südkorea] ausgefeilte Bauten unter der Erde errichtete. Dem südkoreanischen Geheimdienst zufolge verfügt Nordkorea heute noch über Tausende unterirdische Militäreinrichtungen.
‚Sie [die Soldaten aus Nordkorea] waren es, die Russland vermittelt haben, wie notwendig es ist, den Krieg unter die Erde zu verlagern. Russland hat [...] [daraufhin] die Zahl seiner Pionier- und Ingenieurstruppen erhöht. Zu welchem Zweck? Weil sie angefangen haben, unter der Erde zu graben. Und jetzt sehen wir in russischen sozialen Medien bereits, dass sie sich unter der Erde auf uns zubewegen, wo man sie kaum noch erreichen kann‘, sagt [Fedorenko].“
Neue Mobilisierungsregeln verärgern Rüstungsbranche
Die Regierung plant, den Mobilisierungsschutz für Beschäftigte in Rüstungs- und Energieunternehmen einzuschränken. Bislang sind alle wehrpflichtigen Männer dieser Branchen vom Militärdienst freigestellt, künftig sollen es nur noch rund 85 Prozent sein. Ministerpräsident Serhij Korezkyj begründet dies mit Missbrauch: Einige Firmen würden kaum produzieren, aber Dutzende Männer beschäftigten, die deshalb nicht an die Front müssen. Die Branche dagegen warnt vor Fachkräftemangel und davor, dass ausgerechnet die ukrainische Waffenproduktion unter den neuen Regeln leiden könnte.
„Uns ohne Waffen dastehen lassen“
Bei NV richtet der Soldat und frühere Journalist Ihor Lutsenko Fragen zur Neuregelung direkt an Ministerpräsident Korezkyj:
„Warum hat man [...] beschlossen, sich ausgerechnet mit der Rüstungsindustrie zu befassen und nicht mit all den anderen Branchen, in denen ebenfalls Hunderttausende vom Militärdienst befreit sind? Ist die Rüstungsindustrie in einer solchen Lage wirklich der allererste [Bereich], den man sich anschauen sollte? Sollten wir vorher nicht vielleicht die Befreiung [vom Militärdienst] für Journalisten ‚kritisch wichtiger‘ Medien und für Priester aufheben? Oder haben Sie davor Angst? Ist es für Sie wirklich einfacher, uns ohne Waffen dastehen zu lassen, als selbst ohne loyale Medien dazustehen? [Die Freistellungsquoten in den Medien liegen schon heute meist unter 100 Prozent, zudem berichten Publikationen wie die Ukrajinska Prawda oder Suspilne keineswegs regierungstreu – UV] Wie soll das pauschale Absenken der Freistellungsquote für alle das Problem einiger nur zum Schein Beschäftigter lösen? Wäre es nicht vielleicht besser, ein System zu entwickeln, mit dem sich einschätzen lässt, wie viele Arbeitsplätze mit Befreiung vom Militärdienst nötig sind, um bestimmte Aufträge [...] zu erfüllen?“
„Die Freistellung ist unerlässlich“
Auch der langjährige Bürgermeister von Lwiw, Andrii Sadovyi, kritisiert die Entscheidung im Interview mit Suspilne:
„Die hundertprozentige Freistellung der Beschäftigten [in der Wohnungs- und Kommunalwirtschaft] während der Herbst- und Winterperiode ist für unsere Sicherheit [unerlässlich]. Heute einen guten Schlosser oder Monteur für die Wasser- und Kanalisationsbetriebe zu finden, ist extrem schwierig. [...] Wir erwarten massive Angriffe auf alle Städte unseres Landes. Wir bereiten uns auf ein Szenario vor, in dem die Stromversorgung von einem Moment auf den anderen vollständig ausfällt und es Probleme mit der Wärme- und Wasserversorgung gibt. Unter diesen schwierigen Bedingungen müssen wir überleben.“
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Ukrainische Medien
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
Die Nachrichtenredaktion von Suspilne ist zudem für sein breites regionales Netzwerk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website suspilne.media 9,9 Millionen Aufrufe.
NV ist ein Online-Nachrichtenportal, ein vierteljährlich erscheinendes Printmagazin und ein Radiosender. Die Redaktion berichtet über internationale Nachrichten und ukrainische Politik. Es legt den Fokus auf internationale Unterstützung für die Ukraine, Korruption und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch gründete NV 2014 und übernahm die Chefredaktion. Zuvor arbeitete Sytsch beim populären Magazin Korrespondent. Er und viele heutige NV-Mitarbeiter verließen Korrespondent, nachdem Serhij Kurtschenko, ein Oligarch aus Charkiw mit engen Verbindungen zum damaligen Präsident Wiktor Janukowytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, das dem tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala gehört.
Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
Babel gehört der Gründerin und Chefredakteurin Kateryna Kobernyk sowie Oleksandr Babenko, dem Eigentümer des Drohnenherstellers Vyriy Industries.
Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA.net ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
Seitenaufrufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen
Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
Seitenaufrufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen
Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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