„Eine tote Stadt, dort gibt es nichts mehr“

Die evakuierten Einwohner der Stadt Olesсhky bei ihrer Ankunft in der Region Tschernihiw.
Foto: Anadolu Agency

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 14. Oktober bis 4. Novem­ber 2026:
Oleschky: Flucht vor der Besat­zung, Stille über Cherson
Krieg unter der Erde
Neue Mobi­li­sie­rungs­re­geln ver­är­gern Rüstungsbranche

Oleschky: Flucht vor der Besat­zung, Stille über Cherson

Am 31. Oktober wurden Hun­derte Zivilist:innen aus dem rus­sisch besetz­ten Oleschky eva­ku­iert, nur sechs Kilo­me­ter von Cherson ent­fernt am anderen Ufer des Dnipro. Dau­er­be­schuss, Drohnen und ver­minte Straßen hatten die Lage zuletzt dra­ma­tisch ver­schärft. Unter inter­na­tio­na­lem Druck stimmte Russ­land schließ­lich einer befris­te­ten Waf­fen­ruhe und teil­wei­sen Minen­räu­mung zu, damit Aus­rei­se­wil­lige die Stadt ver­las­sen konnten. Die meisten flohen in den ukrai­nisch kon­trol­lier­ten Teil des Landes – und machten die Eva­ku­ie­rung zu einem der wich­tigs­ten Themen in den Medien.

„Wir werden wieder zusam­men sein“

LB sprach an der Grenze zu Belarus mit Ange­hö­ri­gen, die auf die Busse aus Oleschky warteten:

„Zhanna Ptak­hova war regel­mä­ßig in Kontakt mit ihrem Mann, der in Oleschky geblie­ben war. […] Mit ihren beiden Töch­tern wartet sie auf ihren Mykhaylo. Er hielt bis zuletzt in Oleschky durch, ohne seinen Opti­mis­mus zu ver­lie­ren. ‚Sobald er die Mög­lich­keit hatte, klet­terte er mit einer Leiter auf einen Baum oder einfach aufs Fens­ter­brett und rief an. […] In jedem unserer Gesprä­che lautete sein erster Satz: Ich grüße euch aus der Ukraine. […] Oder: Ruhm der Ukraine – Ruhm den Helden! 

Dann fiel mir [meist] ein, dass es besetz­tes Gebiet ist, und ich sagte: Viel­leicht nicht so offen, damit das nicht irgendwo mit­ge­hört wird. [Doch er ent­geg­nete:] Sollen sie mich doch fürch­ten! Das hier ist mein Land, ich bin in meinem Haus, ich rede so, wie ich will. Und jetzt glaube ich, dass er [endlich wieder] frei sagen können wird, was er denkt’, sagt […] Zhanna mit Tränen in den Augen.

Dann zeigt sie ihre Hand, an der zwei Ehe­ringe stecken: einer am Ring­fin­ger, der andere am Mit­tel­fin­ger. ‚Ich werde ihn an den Händen nehmen und ihm den Ring anste­cken. Ich habe zwei Ehe­ringe: meinen und [seinen]. Ich habe sie mit­ge­nom­men. Wenn ich [ihn gleich wie­der­sehe], umarme ich ihn und gebe ihm seinen zurück. Dann sind wir wieder zusam­men, und fertig’, ist sie überzeugt.“

„Eine tote Stadt, dort gibt es nichts mehr“

Hro­madske berich­tet von Begeg­nun­gen mit Men­schen, die an der Grenze ankommen:

„Anna Leo­n­i­dovna aus Oleschky erzählt, wie schwer ihr der Auf­bruch fiel. Doch ihre Tochter und ihre Enkel­kin­der bestan­den darauf. ‚Sie haben uns ange­fleht; meine Enkel­kin­der und meine Tochter baten uns unter Tränen, dass wir weg­fah­ren sollen: ich, mein Mann und mein Bruder. Es war sehr schwer. […]’

‚Es ist eine tote Stadt, dort gibt es nichts mehr, keine Geschäfte und [im] Kran­ken­haus […]  keine Fachärzt:innen, keine Medi­ka­mente, gar nichts‘, sagt eine Frau aus Oleschky, der die Flucht gelun­gen ist.

‚Die Fahrt war beschwer­lich. Aber wir sind mit dem Gedan­ken gefah­ren, dass wir nach Hause kommen [in die nicht besetzte, freie Ukraine], und das hat uns sehr gehol­fen. Ich bin mit meinem Mann, mit Freund:innen und Nachbar:innen gefah­ren‘, fügt eine andere hinzu.“

„Ich glaube, zum letzten Mal“

Dank der Waf­fen­ruhe ruhte auch in Cherson die gezielte Jagd auf Zivilist:innen mit Drohnen, die unter der maka­bren Bezeich­nung „Men­schen­sa­fari“ bekannt wurde. Sus­pilne berich­tet, wie die Men­schen zum ersten Mal seit Jahren durch die Straßen schlen­der­ten, in Cafés saßen oder oder von weither kamen, um zu sehen, was von ihren Woh­nun­gen geblie­ben ist:

„Serhii und Olena tragen mehrere Taschen aus ihrer aus­ge­brann­ten Wohnung. Der Mann sagt, er habe nicht erwar­tet, noch irgend­et­was holen zu können, nachdem hier im Früh­jahr 2025 eine Drohne ein­ge­schla­gen war und es gebrannt hatte. Danach waren Plün­de­rer gekommen.

‚Das war unsere erste gemein­same Wohnung, wir haben sie 2006 gekauft. Hier wurde unsere Tochter geboren und wuchs heran, hier haben wir unsere Familie gegrün­det. Wir wissen nicht, wie es wei­ter­geht; doch dass es nie wieder so sein wird, wie es war, ist klar‘, sagt Serhii. ‚Seit unserer Flucht aus der Stadt und wei­te­ren Angrif­fen auf unser Haus ist das Leben in ein Davor und ein Danach geteilt. Wir hatten wirk­lich geglaubt, dass wir eines Tages zurück­keh­ren und in Cherson leben können. [...] [...]

Eigent­lich sind wir nicht so sehr wegen der Sachen hier­her­ge­kom­men, sondern um die warme Cher­soner Luft zu atmen und einfach zu Hause zu sein. Ich glaube, zum letzten Mal‘, sagt Serhii, als er die Wohnung verlässt.“

Krieg unter der Erde

Ende Oktober sorgte die Ope­ra­tion Veles des ukrai­ni­schen Khar­tiia-Korps bei Wowtschansk für Auf­se­hen. Dort ver­läuft eine alte Gas­lei­tung von gut einem Meter Durch­mes­ser über Dut­zende Kilo­me­ter bis nach Russ­land. Als bekannt wurde, dass rus­si­sche Sol­da­ten sie nutzten, um ins ukrai­ni­sche Hin­ter­land vor­zu­drin­gen, brachte Khar­tiia rund 15 Kilo­me­ter der Leitung unter Kon­trolle und nutzt sie nun selbst für Logis­tik und Hin­ter­halte. Weil Drohnen weite Teile der Front in eine Todes­zone ver­wan­deln, werden unter­ir­di­sche Wege mili­tä­risch immer wichtiger.

„Krie­chend durch das Rohr“

Censor sprach mit Khar­tiia-Inge­nieu­ren darüber, wie sie die tech­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen bei der Nutzung der alten Gas­lei­tung meisterten:

„Die Mili­tär­in­ge­nieure [...] berich­te­ten, wie sie das unter­ir­di­sche System aus­bau­ten, mit gefähr­li­chen Gas­res­ten und Sau­er­stoff­man­gel umgin­gen und beschä­digte oder ver­schüt­tete Rohr­ab­schnitte frei­räum­ten. Als sie einen der Ein­gänge aus­bau­ten, ent­zün­de­ten sich Gas­reste, das Feuer ließ sich eine Woche lang nicht löschen. Trotz der Gefahr [...] wurde kein Soldat verletzt.

Anfangs beweg­ten sich die Kämpfer:innen zu Fuß oder krie­chend durch das Rohr und trans­por­tier­ten die Lasten von Hand. Später ent­wi­ckel­ten Ingenieur:innen spe­zi­elle Roller mit Elek­tro­an­trieb, die den Trans­port von Men­schen und der nötigen Aus­rüs­tung unter der Erde erheb­lich beschleunigten.

Derzeit wird die unter­ir­di­sche Route genutzt, um Muni­tion, Essen und Wasser [an die Front] zu bringen sowie Ver­wun­dete und Gefal­lene weg­zu­brin­gen. Den Inge­nieu­ren zufolge hilft dieses System, das Leben ukrai­ni­scher Verteidiger:innen zu schüt­zen, die vorher auf dem Weg zu den Stel­lun­gen Gefahr liefen, unter rus­si­schen Droh­nen­be­schuss zu geraten.“

„Nicht allein mit Tap­fer­keit zu stemmen“

Die Ope­ra­tion habe außer­ge­wöhn­li­che Fähig­kei­ten erfor­dert, erklärt Khar­tiia-Feld­we­bel Dmytro Hryt­siuk in einem Beitrag für die Ukra­jinska Prawda:

„Die Sturm­ein­hei­ten […] legten mehr als 15 Kilo­me­ter durch unter­ir­di­sche Lei­tungs­netze zurück und ver­trie­ben die Besat­zer aus den Rohren. Unsere Sol­da­ten beweg­ten sich ohne GPS, ohne Son­nen­licht und ohne her­kömm­li­chen Funk­ver­kehr vor­wärts, oft nur eine Arm­länge von­ein­an­der entfernt.

[…] Das ist ein enges Gasrohr mit einem Durch­mes­ser von einem oder 1,20 Metern. Stun­den­lang kriecht man in voller Kampf­aus­rüs­tung oder bewegt sich in der Hocke vor­wärts. Da herrscht abso­lute Dun­kel­heit, [überall ist] kleb­ri­ger Schmutz und Rost, die Luft ist stickig, [ein­zelne] Abschnitte sind über­flu­tet. Manch­mal reicht einem das Wasser bis zum Kinn. Und […] man kann sich tage­lang nicht einmal aufrichten.

Eine solche Ope­ra­tion lässt sich nicht allein mit Tap­fer­keit stemmen. Dafür muss man Körper und Psyche metho­disch und hart vor­be­rei­ten. Nachdem wir das Vor­ge­hen des Feindes in den Rohren ana­ly­siert hatten, errich­te­ten wir in unseren Aus­bil­dungs­la­gern […] maß­stabs­ge­treue Modelle der Rohre […]. Dort trai­nier­ten die Kämpfer regel­mä­ßig ihr Vor­ge­hen und über­wan­den dabei die Angst vor geschlos­se­nen Räumen sowie kör­per­li­che Erschöpfung.“

„Der Krieg ver­la­gert sich vom Himmel unter die Erde“

Hro­madske berich­tet über einen Kon­fe­renz­auf­tritt von Yurii Fedo­renko, Kom­man­deur der Droh­nen­ein­heit Achil­les, die an der Ope­ra­tion Veles betei­ligt war:

„‚Der Krieg ver­la­gert sich vom Himmel unter die Erde. [...] Wenn wir nicht lernen, schnell Ver­bin­dungs­wege unter der Erde zu graben – wenigs­tens zu unseren Artil­le­rie­stel­lun­gen, Droh­nen­stütz­punk­ten und zu den Orten, von denen aus wir Ver­wun­dete abtrans­por­tie­ren [...] können –, dann wird das der Gegner tun‘, fasst Yurii Fedo­renko […] zusammen.

Auch [...] Russ­land lernt bereits, Tunnel zu graben. Sie stützen sich auf die Erfah­run­gen Nord­ko­reas, das im Krieg [gegen Süd­ko­rea] aus­ge­feilte Bauten unter der Erde errich­tete. Dem süd­ko­rea­ni­schen Geheim­dienst zufolge verfügt Nord­ko­rea heute noch über Tau­sende unter­ir­di­sche Militäreinrichtungen.

‚Sie [die Sol­da­ten aus Nord­ko­rea] waren es, die Russ­land ver­mit­telt haben, wie not­wen­dig es ist, den Krieg unter die Erde zu ver­la­gern. Russ­land hat [...] [dar­auf­hin] die Zahl seiner Pionier- und Inge­nieurs­trup­pen erhöht. Zu welchem Zweck? Weil sie ange­fan­gen haben, unter der Erde zu graben. Und jetzt sehen wir in rus­si­schen sozia­len Medien bereits, dass sie sich unter der Erde auf uns zube­we­gen, wo man sie kaum noch errei­chen kann‘, sagt [Fedo­renko].“

Neue Mobi­li­sie­rungs­re­geln ver­är­gern Rüstungsbranche

Die Regie­rung plant, den Mobi­li­sie­rungs­schutz für Beschäf­tigte in Rüs­tungs- und Ener­gie­un­ter­neh­men ein­zu­schrän­ken. Bislang sind alle wehr­pflich­ti­gen Männer dieser Bran­chen vom Mili­tär­dienst frei­ge­stellt, künftig sollen es nur noch rund 85 Prozent sein. Minis­ter­prä­si­dent Serhij Korez­kyj begrün­det dies mit Miss­brauch: Einige Firmen würden kaum pro­du­zie­ren, aber Dut­zende Männer beschäf­tig­ten, die deshalb nicht an die Front müssen. Die Branche dagegen warnt vor Fach­kräf­te­man­gel und davor, dass aus­ge­rech­net die ukrai­ni­sche Waf­fen­pro­duk­tion unter den neuen Regeln leiden könnte.

„Uns ohne Waffen daste­hen lassen“

Bei NV richtet der Soldat und frühere Jour­na­list Ihor Lut­senko Fragen zur Neu­re­ge­lung direkt an Minis­ter­prä­si­dent Korezkyj:

„Warum hat man [...] beschlos­sen, sich aus­ge­rech­net mit der Rüs­tungs­in­dus­trie zu befas­sen und nicht mit all den anderen Bran­chen, in denen eben­falls Hun­dert­tau­sende vom Mili­tär­dienst befreit sind? Ist die Rüs­tungs­in­dus­trie in einer solchen Lage wirk­lich der aller­erste [Bereich], den man sich anschauen sollte? Sollten wir vorher nicht viel­leicht die Befrei­ung [vom Mili­tär­dienst] für Jour­na­lis­ten ‚kri­tisch wich­ti­ger‘ Medien und für Pries­ter auf­he­ben? Oder haben Sie davor Angst? Ist es für Sie wirk­lich ein­fa­cher, uns ohne Waffen daste­hen zu lassen, als selbst ohne loyale Medien dazu­ste­hen? [Die Frei­stel­lungs­quo­ten in den Medien liegen schon heute meist unter 100 Prozent, zudem berich­ten Publi­ka­tio­nen wie die Ukra­jinska Prawda oder Sus­pilne kei­nes­wegs regie­rungs­treu – UV] Wie soll das  pau­schale Absen­ken der Frei­stel­lungs­quote für alle das Problem einiger nur zum Schein Beschäf­tig­ter lösen? Wäre es nicht viel­leicht besser, ein System zu ent­wi­ckeln, mit dem sich ein­schät­zen lässt, wie viele Arbeits­plätze mit Befrei­ung vom Mili­tär­dienst nötig sind, um bestimmte Auf­träge [...] zu erfüllen?“

„Die Frei­stel­lung ist unerlässlich“

Auch der lang­jäh­rige Bür­ger­meis­ter von Lwiw, Andrii Sadovyi, kri­ti­siert die Ent­schei­dung im Inter­view mit Sus­pilne:

„Die hun­dert­pro­zen­tige Frei­stel­lung der Beschäf­tig­ten [in der Woh­nungs- und Kom­mu­nal­wirt­schaft] während der Herbst- und Win­ter­pe­ri­ode ist für unsere Sicher­heit [uner­läss­lich]. Heute einen guten Schlos­ser oder Monteur für die Wasser- und Kana­li­sa­ti­ons­be­triebe zu finden, ist extrem schwie­rig. [...] Wir erwar­ten massive Angriffe auf alle Städte unseres Landes. Wir berei­ten uns auf ein Sze­na­rio vor, in dem die Strom­ver­sor­gung von einem Moment auf den anderen voll­stän­dig aus­fällt und es Pro­bleme mit der Wärme- und Was­ser­ver­sor­gung gibt. Unter diesen schwie­ri­gen Bedin­gun­gen müssen wir überleben.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA.net ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

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