„Die Logistik der russischen Truppen lahmlegen“

Presseschau ukrainischer Medien | 20. Mai bis 16. Juni 2026
Russlands logistischer Lockdown
Polen und Ukraine: Alte Konflikte neu entfacht
Mobilisierung: Neue Regeln für den Kriegsdienst in der Ukraine
Russlands logistischer Lockdown
Seit Ende Mai greift die Ukraine verstärkt russische Infrastruktur an und nimmt gezielt Raffinerien und Öldepots ins Visier. Aufsehenerregend waren die Angriffe in St. Petersburg vor und nach dem dortigen Wirtschaftsforum, einem zentralen Treffen der russischen Elite. Die Folgen spüren viele, an zahlreichen Tankstellen im europäischen Teil Russlands ist bereits der Treibstoff knapp. Gleichzeitig hat Kyjiw auch die Angriffe auf militärisch wichtige Ziele in den besetzten Gebieten intensiviert. Zerstörte Brücken und ausgebrannte Tanklastwagen haben auf der Krim massive Logistikprobleme ausgelöst, die Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow als „logistischen Lockdown“ bezeichnete.
„Je mehr wir zerstören, desto seltener greifen sie an“
In der Ukrajinska Prawda erklärt Verteidigungsminister Fedorow, dass Angriffe mittlerer Reichweite vor allem Russlands Logistik an der Front schwächen sollen:
„‚Unsere Aufgabe ist es, den Druck auf die Russen im Hinterland weiter zu erhöhen und ihnen die Fähigkeit zu nehmen, Angriffe zu starten. In den vergangenen Monaten haben wir viermal soviel feindliche Logistik, Lager, Ausrüstung, Kommandostellen und Nachschubwege im Hinterland zerstört [wie zuvor]. Die Daten zeigen klar: Je mehr russische Logistik wir zerstören, desto seltener greifen sie an der Front an‘, erklärte Fedorow.
Er fügte hinzu, Verteidigungsministerium […] und Generalstab hätten zusätzlich fünf Milliarden Hrywnja [knapp 100 Millionen Euro] bereitgestellt, um modernes Gerät für Angriffe mittlerer Reichweite [sog. middle strikes] zu beschaffen.“
„Die gesamte Logistik der russischen Truppen lahmlegen“
In LB wiederum spricht der Vizechef des Militärgeheimdienstes HUR, Vadym Skibitskyi, über die zunehmende Wirkung ukrainischer deep strikes [Luftschläge tief in gegnerischem Staatsgebiet] gegen russische Raffinerien und Militärbasen:
„‚Die Statistik belegt, dass unsere deep strikes wirken. Die Folgen der Angriffe für die russische Wirtschaft beliefen sich zunächst auf 15 Prozent, dann auf 18 Prozent, aktuell sind es 24 Prozent. Nach den Ölraffinerien […] [werden wir nun] das gesamte logistische Versorgungssystem lahmlegen, vor allem das der russischen Truppenverbände. Das wird unter anderem zur Stabilisierung der Frontlinie beitragen‘, betonte Vadym Skibitskyi.
Seinen Angaben zufolge setzen deep strikes und Angriffe mittlerer Reichweite getroffene Ziele für mindestens drei Monate außer Betrieb.
‚Die […] russischen Systeme zur Erdölverarbeitung sowie im Brennstoff- und Energiesektor sind sehr groß und komplex [...]. Wir zielen auf ihre empfindlichsten Objekte und Elemente. Und wir arbeiten, wie Sie sehen, konsequent und ununterbrochen‘, [erklärte er].“
„Eigene ballistische Raketen in großer Zahl“
Hromadske weist darauf hin, dass eigene Marschflugkörper oder ballistische Raketen Russlands Raffinerien weitaus härter treffen könnten als Drohnen:
„Drohnen erfüllen zwar ihren Zweck, doch ihre Sprengköpfe (50–100 kg) reichen nicht aus, um massive Bauwerke vollständig zu zerstören. Hauptziel sind in der Regel die Rektifikationskolonnen – die höchsten Türme einer Raffinerie, in denen Rohöl in Benzin, Diesel und Flugbenzin getrennt wird. Ohne diese zentrale Komponente funktioniert keine Raffinerie, doch leichte Drohnen beschädigen meist nur deren äußere Bauteile oder verursachen kurzzeitige Brände. Das ukrainische Raketenprogramm könnte die Situation grundlegend ändern.
[Der Präsident des Zentrums für Globale Studien Strategie XXI] Mykhailo Honchar betont, schwere Angriffswaffen wie einheimische Marschflugkörper oder ballistische Raketen (etwa eine modifizierte Neptun) würden die Zerstörung auf ein anderes Level heben:
‚Wenn eine Rakete einschlägt, […] deren Gefechtskopf eine ganze Tonne oder sogar mehr wiegt, dann kann eine Anlage nach einem solchen Schlag bereits irreparabel sein, nur noch Metallschrott. Und was wird die Russische Föderation dann tun? Sie wird entscheiden, ob sie sie wieder aufbaut oder eine neue Rektifikationskolonne errichtet und dafür Material kauft. […] Das wird rund ein oder zwei Jahre dauern.‘
Der Militär- und Luftfahrtexperte Anatolii Khrapchynskyi geht davon aus, dass die Ukraine bereits bis Ende des Jahres eigene ballistische Raketen in großer Zahl einsetzen kann, obwohl fehlende staatliche Finanzierung […] [Forschung und Entwicklung] bremst.
Polen und Ukraine: Alte Konflikte neu entfacht
Im Streit um die Massaker in Wolhynien und Ostgalizien gab es zuletzt zwar eine vorsichtige Annäherung zwischen Polen und der Ukraine, etwa bei der gemeinsamen Suche nach den Toten der 1940er Jahre. Doch der Konflikt bleibt hoch aufgeladen. Während die Ukraine die Verbrechen bis heute oft einfach als Tragödie bezeichnet, spricht Polen von Genozid. Zwischen 1943 und 1945 hatten Einheiten der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) je nach Quelle zwischen 50.000 und 100.000 polnische Zivilist:innen getötet. Bei polnischen Vergeltungsaktionen kamen 10.000 bis 15.000 Ukrainer:innen ums Leben. Wie tief die Verletzungen sitzen, zeigen die scharfen Reaktionen führender polnischer Politiker und die breite Empörung in der Gesellschaft nach der Entscheidung Selenskyjs, eine ukrainische Militäreinheit nach der UPA zu benennen.
„Keine antipolnischen Hintergedanken“
Die Jewropejska Prawda erläutert die Gründe für die Entscheidung des ukrainischen Präsidenten:
„Seit Februar 2022 zeigen Umfragen, dass die meisten Menschen in der Ukraine die UPA kennen und befürworten, ihre Mitglieder als Kämpfer für die Unabhängigkeit anzuerkennen. In der ukrainischen Geschichtspolitik wird stark hervorgehoben, dass die Aufständischen sowohl gegen die Kommunisten als auch gegen die Nazis kämpften. Das stärkt die positive Haltung der Gesellschaft gegenüber der UPA zusätzlich.
In den Streitkräften der Ukraine dienen Menschen mit ganz unterschiedlichen Weltanschauungen und Ansichten zur Geschichte. Viele von ihnen legen jedoch Wert darauf, sich bewusst zu machen, dass das Land, das sie verteidigen, eine eigene Kriegsgeschichte hat. Und dazu gehört auch der langjährige Widerstand der UPA gegen das sowjetische System. Die Lieder der UPA sind […] populär, weil es darin um den Kampf gegen diejenigen geht, die das Militär auch heute [wieder] bekämpft. Die Zeit ist eine andere – der Feind ist derselbe.
Dass eine ukrainische Einheit den Namen von UPA-Helden tragen wollte und Präsident Selenskyj dem zugestimmt hat, spiegelt lediglich diese ukrainische Realität wider. Da gibt es keine Hintergedanken, wie man in Polen fälschlicherweise unterstellt.“
„Zynischer Umgang mit polnischem Leid“
Babel sprach mit dem polnischen Historiker Łukasz Adamski darüber, warum das Thema in Polen derzeit so heftige Kritik auslöst:
„‚Die Unzufriedenheit mit Wolodymyr Selenskyjs Erlass ist nicht deshalb [groß], weil die Ukraine und Polen die Geschichte unterschiedlich interpretieren würden, sondern weil der Eindruck [entsteht], er missachte den Schmerz der Menschen in Polen und das Gedenken an die Opfer der UPA. Tatsächlich geht es dabei auch um Würde: Was darf die Ukraine tun, und wie soll Polen darauf reagieren? In der Ukraine will die herrschende Elite die Erinnerungspolitik eigenständig gestalten und selbst entscheiden, wer als Held gilt und wer nicht. Die polnische Gesellschaft hingegen empfindet solche Schritte als Missachtung der Opfer der Ukrainischen Aufstandsarmee und als zynischen Umgang mit polnischem Leid. Die Menschen in Polen erwarten, dass Kyjiw ihre Empfindlichkeiten respektiert und zumindest kein Öl ins Feuer gießt. Die Ukraine sollte anerkennen, dass die UPA für Pol:innen, deren Angehörige in Wolhynien starben, kein Symbol des Widerstands gegen Moskau ist, sondern ein historisches Trauma [verkörpert].‘“
„Wir schulden einander nichts“
Oleksandr Alforov, Leiter des Ukrainischen Instituts für Nationales Gedenken, kommentiert die polnisch-ukrainischen Spannungen in einem Interview mit Censor.net grundsätzlich:
„Ich sage es mal so: Die Polen und wir sind seit mehr als tausend Jahren Nachbarn. Familien freuen sich, wenn sie einen 50. Hochzeitstag feiern – und haben dabei oft mehr als eine Leiche im Keller. Und hier geht es um ganze Völker. Mehr noch: Wir sind nicht einfach nur Nachbarn. Wir sind zwei Völker, die sich diese Gebiete im Lauf der Geschichte zurückerobert haben. Zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert ist hier kein anderer Staat entstanden. Weder die Teutonen noch die Goldene Horde haben uns verdrängt. Wenn wir also über die Angelegenheiten [unserer] beiden Völker sprechen, müssen wir begreifen, wie komplex und vielschichtig diese Fragen sind. Man sollte nicht glauben, unsere Beziehungen seien einfach gut oder schlecht. Es sind die Beziehungen zweier Völker, und die sind [ganz] unterschiedlich. Wir schulden einander nichts. Und gerade weil unsere Beziehungen so vielgestaltig sind, erleben wir mal Annäherung, mal Distanz.“
Mobilisierung: Neue Regeln für den Kriegsdienst in der Ukraine
Am 12. Juni kündigte das ukrainische Verteidigungsministerium neue Regeln für Mobilisierung und Militärdienst an. Armeeangehörige sollen mehr verdienen, in der Infanterie sogar doppelt so viel wie bisher. Einheitswechsel, Rückkehr nach unerlaubtem Fernbleiben und Entlassung nach mehreren Dienstjahren sollen einfacher werden. Außerdem plant der Staat, gezielt Kämpfer aus dem Ausland zu rekrutieren. Ob der Dienst dadurch attraktiver wird, ist umstritten.
„Vor den Kopf gestoßen“
Hromadske berichtet, viele altgediente Soldat:innen hielten die Reform für ungerecht:
„‚Momentan sieht es für die Leute so aus, als ob sie nie wieder aus dem Militär herauskommen, wenn sie einmal eingezogen wurden. Wir […] eröffnen ihnen neue Perspektiven für den Militärdienst, und zwar klar und verständlich‘, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister, Mstyslav Banik, bei einem Pressegespräch – und benutzte dabei 15 Mal das Wort ‚Gerechtigkeit‘.
Doch gerade jene Soldat:innen, die am längsten in der Armee dienen, merken von dieser Gerechtigkeit nichts. Sie finden, diese Reform berücksichtige ihre Interessen nicht.
‚Aus Sicht einer Person, die [erst] im Jahr 2026 aufgewacht ist und beschlossen hat, sich zum Militärdienst zu melden, sind diese Bedingungen nicht schlecht. Aber alle, die [langjährige] Diensterfahrung haben, stößt das ziemlich vor den Kopf ‘, sagt Ihor Lutsenko, Kommandeur einer Drohneneinheit.
‚Wenn du seit 2022 kämpfst und jetzt einen Vertrag über weitere zwei Jahre unterschreibst, wirst du 2028 aus dem Dienst entlassen. Bist Du [erst] gestern zur Truppe gekommen und unterschreibst für zwei Jahre, gehst du [ebenfalls] 2028. Meine Herren, seid ihr da drüben überhaupt noch bei Verstand?!‘, klagt Dmytro Ivanov, Infanterie-Offizier bei der Marine.“
„Die beste Motivation ist Geld“
Ein Soldat, der 2022 aus Polen zurückkehrte, um seine Heimat zu verteidigen, und derzeit bei Pokrowsk kämpft, betont im Gespräch mit Liga, dass die Reform zumindest die Bedeutung finanzieller Anreize richtig erkenne:
„‚Die beste Motivation ist Geld [...]. Die meisten Menschen, die wirklich den brennenden Wunsch hatten, das Land zu verteidigen, sind längst in den Krieg gezogen. Viele von ihnen sind gefallen. Deshalb sind derzeit Geld, die Gewissheit, dass die eigene Familie versorgt sein wird sowie staatliche Vergünstigungen und [soziale] Garantien die beste Motivation [...].“
„Versteht den Unterschied!“
Der ukrainische Abgeordnete und SBU-Oberst Roman Kostenko erklärt gegenüber Censor.net, die Rekrutierung von Ausländern könne den Infanteriemangel lindern, aber nicht beheben:
„‚Wenn die Rede von 50 Prozent Ausländern an der Nulllinie [an vorderster Front] ist, rechne ich damit, dass etwa 15.000 bis 20.000 Menschen angeworben werden sollen. Lässt sich eine solche Menge schrittweise in die Ukraine holen? Wenn man ein entsprechendes Programm auflegt, ja – das ist einfache Mathematik. Doch ich bezweifle stark, dass Ausländer unsere Soldaten wirklich ersetzen können. Ich habe selbst mit ihnen gekämpft […]. Zu Beginn des [landesweiten] Krieges kämpfte eine belarusische Einheit an besonders schwierigen Frontabschnitten. Später hörte ich sie sagen […]: ‚Wir sind nicht gekommen, um eure Arbeit für euch zu erledigen. Das ist euer Krieg! Wir sind gekommen, um euch dabei zu helfen, euer Land zu verteidigen. Versteht den Unterschied!‘“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
Die Nachrichtenredaktion von Suspilne ist zudem für sein breites regionales Netzwerk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website suspilne.media 9,9 Millionen Aufrufe.
NV ist ein Online-Nachrichtenportal, ein vierteljährlich erscheinendes Printmagazin und ein Radiosender. Die Redaktion berichtet über internationale Nachrichten und ukrainische Politik. Es legt den Fokus auf internationale Unterstützung für die Ukraine, Korruption und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch gründete NV 2014 und übernahm die Chefredaktion. Zuvor arbeitete Sytsch beim populären Magazin Korrespondent. Er und viele heutige NV-Mitarbeiter verließen Korrespondent, nachdem Serhij Kurtschenko, ein Oligarch aus Charkiw mit engen Verbindungen zum damaligen Präsident Wiktor Janukowytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, das dem tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala gehört.
Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
Babel gehört der Gründerin und Chefredakteurin Kateryna Kobernyk sowie Oleksandr Babenko, dem Eigentümer des Drohnenherstellers Vyriy Industries.
Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
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Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
Seitenaufrufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen
Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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