„Die Logis­tik der rus­si­schen Truppen lahmlegen“

Durch einen Drohnenangriff beschädigte Ölraffinerie in Moskau
Foto: IMAGO /​ Anadolu Agency

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 20. Mai bis 16. Juni 2026
Russ­lands logis­ti­scher Lockdown
Polen und Ukraine: Alte Kon­flikte neu entfacht
Mobi­li­sie­rung: Neue Regeln für den Kriegs­dienst in der Ukraine

Russ­lands logis­ti­scher Lockdown

Seit Ende Mai greift die Ukraine ver­stärkt rus­si­sche Infra­struk­tur an und nimmt gezielt Raf­fi­ne­rien und Ölde­pots ins Visier. Auf­se­hen­er­re­gend waren die Angriffe in St. Peters­burg vor und nach dem dor­ti­gen Wirt­schafts­fo­rum, einem zen­tra­len Treffen der rus­si­schen Elite. Die Folgen spüren viele, an zahl­rei­chen Tank­stel­len im euro­päi­schen Teil Russ­lands ist bereits der Treib­stoff knapp. Gleich­zei­tig hat Kyjiw auch die Angriffe auf mili­tä­risch wich­tige Ziele in den besetz­ten Gebie­ten inten­si­viert. Zer­störte Brücken und aus­ge­brannte Tank­last­wa­gen haben auf der Krim massive Logis­tik­pro­bleme aus­ge­löst, die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Mycha­jlo Fedorow als „logis­ti­schen Lock­down“ bezeichnete.

„Je mehr wir zer­stö­ren, desto sel­te­ner greifen sie an“

In der Ukra­jinska Prawda erklärt Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Fedorow, dass Angriffe mitt­le­rer Reich­weite vor allem Russ­lands Logis­tik an der Front schwä­chen sollen:

„‚Unsere Aufgabe ist es, den Druck auf die Russen im Hin­ter­land weiter zu erhöhen und ihnen die Fähig­keit zu nehmen, Angriffe zu starten. In den ver­gan­ge­nen Monaten haben wir viermal soviel feind­li­che Logis­tik, Lager, Aus­rüs­tung, Kom­man­do­stel­len und Nach­schub­wege im Hin­ter­land zer­stört [wie zuvor]. Die Daten zeigen klar: Je mehr rus­si­sche Logis­tik wir zer­stö­ren, desto sel­te­ner greifen sie an der Front an‘, erklärte Fedorow.

Er fügte hinzu, Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium […] und Gene­ral­stab hätten zusätz­lich fünf Mil­li­ar­den Hrywnja [knapp 100 Mil­lio­nen Euro] bereit­ge­stellt, um moder­nes Gerät für Angriffe mitt­le­rer Reich­weite [sog. middle strikes] zu beschaffen.“

„Die gesamte Logis­tik der rus­si­schen Truppen lahmlegen“

In LB wie­derum spricht der Vize­chef des Mili­tär­ge­heim­diens­tes HUR, Vadym Ski­bit­skyi, über die zuneh­mende Wirkung ukrai­ni­scher deep strikes [Luft­schläge tief in geg­ne­ri­schem Staats­ge­biet] gegen rus­si­sche Raf­fi­ne­rien und Militärbasen:

„‚Die Sta­tis­tik belegt, dass unsere deep strikes wirken. Die Folgen der Angriffe für die rus­si­sche Wirt­schaft belie­fen sich zunächst auf 15 Prozent, dann auf 18 Prozent, aktuell sind es 24 Prozent. Nach den Ölraf­fi­ne­rien […] [werden wir nun] das gesamte logis­ti­sche Ver­sor­gungs­sys­tem lahm­le­gen, vor allem das der rus­si­schen Trup­pen­ver­bände. Das wird unter anderem zur Sta­bi­li­sie­rung der Front­li­nie bei­tra­gen‘, betonte Vadym Skibitskyi.

Seinen Angaben zufolge setzen deep strikes und Angriffe mitt­le­rer Reich­weite getrof­fene Ziele für min­des­tens drei Monate außer Betrieb.

‚Die […] rus­si­schen Systeme zur Erd­öl­ver­ar­bei­tung sowie im Brenn­stoff- und Ener­gie­sek­tor sind sehr groß und komplex [...]. Wir zielen auf ihre emp­find­lichs­ten Objekte und Ele­mente. Und wir arbei­ten, wie Sie sehen, kon­se­quent und unun­ter­bro­chen‘, [erklärte er].“

„Eigene bal­lis­ti­sche Raketen in großer Zahl“

Hro­madske weist darauf hin, dass eigene Marsch­flug­kör­per oder bal­lis­ti­sche Raketen Russ­lands Raf­fi­ne­rien weitaus härter treffen könnten als Drohnen:

„Drohnen erfül­len zwar ihren Zweck, doch ihre Spreng­köpfe (50–100 kg) reichen nicht aus, um massive Bau­werke voll­stän­dig zu zer­stö­ren. Haupt­ziel sind in der Regel die Rek­ti­fi­ka­ti­ons­ko­lon­nen – die höchs­ten Türme einer Raf­fi­ne­rie, in denen Rohöl in Benzin, Diesel und Flug­ben­zin getrennt wird. Ohne diese zen­trale Kom­po­nente funk­tio­niert keine Raf­fi­ne­rie, doch leichte Drohnen beschä­di­gen meist nur deren äußere Bau­teile oder ver­ur­sa­chen kurz­zei­tige Brände. Das ukrai­ni­sche Rake­ten­pro­gramm könnte die Situa­tion grund­le­gend ändern.

[Der Prä­si­dent des Zen­trums für Globale Studien Stra­te­gie XXI] Mykhailo Honchar betont, schwere Angriffs­waf­fen wie ein­hei­mi­sche Marsch­flug­kör­per oder bal­lis­ti­sche Raketen (etwa eine modi­fi­zierte Neptun) würden die Zer­stö­rung auf ein anderes Level heben:

‚Wenn eine Rakete ein­schlägt, […] deren Gefechts­kopf eine ganze Tonne oder sogar mehr wiegt, dann kann eine Anlage nach einem solchen Schlag bereits irrepa­ra­bel sein, nur noch Metall­schrott. Und was wird die Rus­si­sche Föde­ra­tion dann tun? Sie wird ent­schei­den, ob sie sie wieder aufbaut oder eine neue Rek­ti­fi­ka­ti­ons­ko­lonne errich­tet und dafür Mate­rial kauft. […] Das wird rund ein oder zwei Jahre dauern.‘

Der Militär- und Luft­fahrt­ex­perte Ana­to­lii Khrap­chyn­skyi geht davon aus, dass die Ukraine bereits bis Ende des Jahres eigene bal­lis­ti­sche Raketen in großer Zahl ein­set­zen kann, obwohl feh­lende staat­li­che Finan­zie­rung […] [For­schung und Ent­wick­lung] bremst.

Polen und Ukraine: Alte Kon­flikte neu entfacht

Im Streit um die Mas­sa­ker in Wol­hy­nien und Ost­ga­li­zien gab es zuletzt zwar eine vor­sich­tige Annä­he­rung zwi­schen Polen und der Ukraine, etwa bei der gemein­sa­men Suche nach den Toten der 1940er Jahre. Doch der Kon­flikt bleibt hoch auf­ge­la­den. Während die Ukraine die Ver­bre­chen bis heute oft einfach als Tra­gö­die bezeich­net, spricht Polen von Genozid. Zwi­schen 1943 und 1945 hatten Ein­hei­ten der Ukrai­ni­schen Auf­stands­ar­mee (UPA) je nach Quelle zwi­schen 50.000 und 100.000 pol­ni­sche Zivilist:innen getötet. Bei pol­ni­schen Ver­gel­tungs­ak­tio­nen kamen 10.000 bis 15.000 Ukrainer:innen ums Leben. Wie tief die Ver­let­zun­gen sitzen, zeigen die schar­fen Reak­tio­nen füh­ren­der pol­ni­scher Poli­ti­ker und die breite Empö­rung in der Gesell­schaft nach der Ent­schei­dung Selen­skyjs, eine ukrai­ni­sche Mili­tär­ein­heit nach der UPA zu benennen.

„Keine anti­pol­ni­schen Hintergedanken“

Die Jew­ro­pe­jska Prawda erläu­tert die Gründe für die Ent­schei­dung des ukrai­ni­schen Präsidenten:

„Seit Februar 2022 zeigen Umfra­gen, dass die meisten Men­schen in der Ukraine die UPA kennen und befür­wor­ten, ihre Mit­glie­der als Kämpfer für die Unab­hän­gig­keit anzu­er­ken­nen. In der ukrai­ni­schen Geschichts­po­li­tik wird stark her­vor­ge­ho­ben, dass die Auf­stän­di­schen sowohl gegen die Kom­mu­nis­ten als auch gegen die Nazis kämpf­ten. Das stärkt die posi­tive Haltung der Gesell­schaft gegen­über der UPA zusätzlich.

In den Streit­kräf­ten der Ukraine dienen Men­schen mit ganz unter­schied­li­chen Welt­an­schau­un­gen und Ansich­ten zur Geschichte. Viele von ihnen legen jedoch Wert darauf, sich bewusst zu machen, dass das Land, das sie ver­tei­di­gen, eine eigene Kriegs­ge­schichte hat. Und dazu gehört auch der lang­jäh­rige Wider­stand der UPA gegen das sowje­ti­sche System. Die Lieder der UPA sind […] populär, weil es darin um den Kampf gegen die­je­ni­gen geht, die das Militär auch heute [wieder] bekämpft. Die Zeit ist eine andere – der Feind ist derselbe.

Dass eine ukrai­ni­sche Einheit den Namen von UPA-Helden tragen wollte und Prä­si­dent Selen­skyj dem zuge­stimmt hat, spie­gelt ledig­lich diese ukrai­ni­sche Rea­li­tät wider. Da gibt es keine Hin­ter­ge­dan­ken, wie man in Polen fälsch­li­cher­weise unterstellt.“

„Zyni­scher Umgang mit pol­ni­schem Leid“

Babel sprach mit dem pol­ni­schen His­to­ri­ker Łukasz Adamski darüber, warum das Thema in Polen derzeit so heftige Kritik auslöst:

„‚Die Unzu­frie­den­heit mit Wolo­dymyr Selen­skyjs Erlass ist nicht deshalb [groß], weil die Ukraine und Polen die Geschichte unter­schied­lich inter­pre­tie­ren würden, sondern weil der Ein­druck [ent­steht], er miss­achte den Schmerz der Men­schen in Polen und das Geden­ken an die Opfer der UPA. Tat­säch­lich geht es dabei auch um Würde: Was darf die Ukraine tun, und wie soll Polen darauf reagie­ren? In der Ukraine will die herr­schende Elite die Erin­ne­rungs­po­li­tik eigen­stän­dig gestal­ten und selbst ent­schei­den, wer als Held gilt und wer nicht. Die pol­ni­sche Gesell­schaft hin­ge­gen emp­fin­det solche Schritte als Miss­ach­tung der Opfer der Ukrai­ni­schen Auf­stands­ar­mee und als zyni­schen Umgang mit pol­ni­schem Leid. Die Men­schen in Polen erwar­ten, dass Kyjiw ihre Emp­find­lich­kei­ten respek­tiert und zumin­dest kein Öl ins Feuer gießt. Die Ukraine sollte aner­ken­nen, dass die UPA für Pol:innen, deren Ange­hö­rige in Wol­hy­nien starben, kein Symbol des Wider­stands gegen Moskau ist, sondern ein his­to­ri­sches Trauma [ver­kör­pert].‘“

„Wir schul­den ein­an­der nichts“

Olek­sandr Alforov, Leiter des Ukrai­ni­schen Insti­tuts für Natio­na­les Geden­ken, kom­men­tiert die pol­nisch-ukrai­ni­schen Span­nun­gen in einem Inter­view mit Censor.net grundsätzlich:

„Ich sage es mal so: Die Polen und wir sind seit mehr als tausend Jahren Nach­barn. Fami­lien freuen sich, wenn sie einen 50. Hoch­zeits­tag feiern – und haben dabei oft mehr als eine Leiche im Keller. Und hier geht es um ganze Völker. Mehr noch: Wir sind nicht einfach nur Nach­barn. Wir sind zwei Völker, die sich diese Gebiete im Lauf der Geschichte zurück­er­obert haben. Zwi­schen dem 11. und 15. Jahr­hun­dert ist hier kein anderer Staat ent­stan­den. Weder die Teu­to­nen noch die Goldene Horde haben uns ver­drängt. Wenn wir also über die Ange­le­gen­hei­ten [unserer] beiden Völker spre­chen, müssen wir begrei­fen, wie komplex und viel­schich­tig diese Fragen sind. Man sollte nicht glauben, unsere Bezie­hun­gen seien einfach gut oder schlecht. Es sind die Bezie­hun­gen zweier Völker, und die sind [ganz] unter­schied­lich. Wir schul­den ein­an­der nichts. Und gerade weil unsere Bezie­hun­gen so viel­ge­stal­tig sind, erleben wir mal Annä­he­rung, mal Distanz.“

Mobi­li­sie­rung: Neue Regeln für den Kriegs­dienst in der Ukraine

Am 12. Juni kün­digte das ukrai­ni­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium neue Regeln für Mobi­li­sie­rung und Mili­tär­dienst an. Armee­an­ge­hö­rige sollen mehr ver­die­nen, in der Infan­te­rie sogar doppelt so viel wie bisher. Ein­heits­wech­sel, Rück­kehr nach uner­laub­tem Fern­blei­ben und Ent­las­sung nach meh­re­ren Dienst­jah­ren sollen ein­fa­cher werden. Außer­dem plant der Staat, gezielt Kämpfer aus dem Ausland zu rekru­tie­ren. Ob der Dienst dadurch attrak­ti­ver wird, ist umstritten.

„Vor den Kopf gestoßen“

Hro­madske berich­tet, viele alt­ge­diente Soldat:innen hielten die Reform für ungerecht:

„‚Momen­tan sieht es für die Leute so aus, als ob sie nie wieder aus dem Militär her­aus­kom­men, wenn sie einmal ein­ge­zo­gen wurden. Wir […] eröff­nen ihnen neue Per­spek­ti­ven für den Mili­tär­dienst, und zwar klar und ver­ständ­lich‘, sagte der stell­ver­tre­tende Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, Mstys­lav Banik, bei einem Pres­se­ge­spräch – und benutzte dabei 15 Mal das Wort ‚Gerech­tig­keit‘.

Doch gerade jene Soldat:innen, die am längs­ten in der Armee dienen, merken von dieser Gerech­tig­keit nichts. Sie finden, diese Reform berück­sich­tige ihre Inter­es­sen nicht.

‚Aus Sicht einer Person, die [erst] im Jahr 2026 auf­ge­wacht ist und beschlos­sen hat, sich zum Mili­tär­dienst zu melden, sind diese Bedin­gun­gen nicht schlecht. Aber alle, die [lang­jäh­rige] Dienst­er­fah­rung haben, stößt das ziem­lich vor den Kopf ‘, sagt Ihor Lut­senko, Kom­man­deur einer Drohneneinheit.

‚Wenn du seit 2022 kämpfst und jetzt einen Vertrag über weitere zwei Jahre unter­schreibst, wirst du 2028 aus dem Dienst ent­las­sen. Bist Du [erst] gestern zur Truppe gekom­men und unter­schreibst für zwei Jahre, gehst du [eben­falls] 2028. Meine Herren, seid ihr da drüben über­haupt noch bei Ver­stand?!‘, klagt Dmytro Ivanov, Infan­te­rie-Offi­zier bei der Marine.“

„Die beste Moti­va­tion ist Geld“

Ein Soldat, der 2022 aus Polen zurück­kehrte, um seine Heimat zu ver­tei­di­gen, und derzeit bei Pokrowsk kämpft, betont im Gespräch mit Liga, dass die Reform zumin­dest die Bedeu­tung finan­zi­el­ler Anreize richtig erkenne:

„‚Die beste Moti­va­tion ist Geld [...]. Die meisten Men­schen, die wirk­lich den bren­nen­den Wunsch hatten, das Land zu ver­tei­di­gen, sind längst in den Krieg gezogen. Viele von ihnen sind gefal­len. Deshalb sind derzeit Geld, die Gewiss­heit, dass die eigene Familie ver­sorgt sein wird sowie staat­li­che Ver­güns­ti­gun­gen und [soziale] Garan­tien die beste Motivation [...].“

„Ver­steht den Unterschied!“

Der ukrai­ni­sche Abge­ord­nete und SBU-Oberst Roman Kos­tenko erklärt gegen­über Censor.net, die Rekru­tie­rung von Aus­län­dern könne den Infan­te­rie­man­gel lindern, aber nicht beheben:

„‚Wenn die Rede von 50 Prozent Aus­län­dern an der Null­li­nie [an vor­ders­ter Front] ist, rechne ich damit, dass etwa 15.000 bis 20.000 Men­schen ange­wor­ben werden sollen. Lässt sich eine solche Menge schritt­weise in die Ukraine holen? Wenn man ein ent­spre­chen­des Pro­gramm auflegt, ja – das ist ein­fa­che Mathe­ma­tik. Doch ich bezweifle stark, dass Aus­län­der unsere Sol­da­ten wirk­lich erset­zen können. Ich habe selbst mit ihnen gekämpft […]. Zu Beginn des [lan­des­wei­ten] Krieges kämpfte eine bela­ru­si­sche Einheit an beson­ders schwie­ri­gen Front­ab­schnit­ten. Später hörte ich sie sagen […]: ‚Wir sind nicht gekom­men, um eure Arbeit für euch zu erle­di­gen. Das ist euer Krieg! Wir sind gekom­men, um euch dabei zu helfen, euer Land zu ver­tei­di­gen. Ver­steht den Unterschied!‘“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

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