„Die europäische Rüstungsindustrie wächst“

Presseschau ukrainischer Medien | 21. Januar bis 3. Februar 2026:
Kyjiws Kälteschock: Klitschko unter Druck
Neues Ziel Saporischschja?
Europas Aufrüstung nimmt Fahrt auf
Kyjiws Kälteschock: Klitschko unter Druck
Seit Anfang Januar treffen russische Angriffe die ukrainische Energieinfrastruktur mit besonderer Wucht. Wie gut Großstädte damit zurechtkommen, unterscheidet sich deutlich. In Kyjiw sind noch immer hunderte Wohnhäuser ohne Heizung. Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisiert deshalb die Stadtführung um Bürgermeister Vitalij Klitschko und verweist auf Charkiw, wo die Versorgung trotz täglicher Angriffe und größerer Nähe zur Front besser zu funktionieren scheint.
„Kyjiw ist nicht mit anderen Städten vergleichbar“
Im Interview mit der Ukrajinska Prawda weist Klitschko die Vorwürfe zurück:
„Seit Beginn der groß angelegten Invasion ist und war Kyjiw das Ziel des Feindes. Man vergleicht uns mit anderen Städten. Aber ich kann ganz klar sagen: Was die Anzahl der Beschüsse, der eingesetzten Raketen, Marschflugkörper und Drohnen sowie die Zahl der Angriffe auf die kritische Infrastruktur angeht, sind wir nicht mit anderen Städten zu vergleichen, selbst wenn diese an der Front liegen. […]
Unmittelbar nach dem Großangriff haben wir angefangen, uns [auf so eine Situation] vorzubereiten. Wir haben 1.120 Generatoren unterschiedlicher Leistung […] für die kritische Infrastruktur unserer Stadt erworben: Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Wärmeerzeugung.
Wenn wir uns nicht permanent vorbereitet hätten, wären wir schon in den vergangenen Jahren in eine schwierige Lage geraten. Wir haben Reparaturen selbst durchgeführt, das [Energie-]System wiederhergestellt und waren bis zu diesem Winter bestens vorbereitet: Die Stromerzeugung in Kyjiw war vor diesem Winter höher als vor dem Krieg.
Doch egal, was wir tun: Vieles hängt von der Luftabwehr ab. Durch Raketeneinschläge wurden zahlreiche Infrastruktureinrichtungen stark beschädigt. Wir tun alles, um die Wärme- und Stromversorgung in Kyjiw so schnell wie möglich wiederherzustellen.“
„Das Problem liegt im Bürgermeisteramt“
Hromadske sprach mit Maksym Bakhmatov, dem vom Präsidenten ernannten Verwaltungschef des Kyjiwer Stadtbezirks Desnjanskyj. In dem mit mehr als 300.000 Einwohner:innen größten Stadtbezirk des Landes seien an manchen Tagen rund 700 der insgesamt 850 Wohnhäuser nicht beheizt:
„Das eigentliche Problem, warum andere Städte vorbereitet sind, Kyjiw aber nicht, liegt [im Bürgermeisteramt]. Jetzt wird [Klitschko] sagen, dass es ‚für alle schwer ist‘, aber der grundsätzliche Fehler liegt darin, dass die Stadtverwaltung keinen strategischen Plan hat. […] Sie war bereits 2022 und in den beiden folgenden Jahren nicht vorbereitet. Alles wird aus dem Stehgreif gemacht […] – und so etwas ist immer ineffektiv und sehr teuer.
Wir müssen jetzt schon wissen, wie es im Winter 2026/27 aussieht. Wenn die Heizkraftwerke erst einmal getroffen wurden, bin ich mir nicht sicher, ob sie [bis dahin] wieder aufgebaut werden [können]... Wir müssen jetzt schon wissen, was wir nächstes Jahr tun sollen. Es müssten bereits Anordnungen erlassen werden, das alles müsste schon laufen – aber nichts davon geschieht.“
„Es fehlen immer noch Fachleute“
Serhii Kovalenko, Geschäftsführer des Stromversorgers YASNO, der die Hauptstadt mit Elektrizität versorgt, schildert bei Suspilne das Ausmaß der aktuellen Krise:
„Beim Energiesystem geht es vor allem um Stabilität und Versorgungssicherheit, nicht um Flexibilität. Es ist auf Stabilität ausgelegt und lässt kein Ein- und Ausschalten zu. Deshalb brennen Zähler durch und Knotenpunkte in Transformatoren verbrennen. Auch alternative Schaltpläne erhöhen die Störanfälligkeit.
[…] im Normalbetrieb braucht man in Kyjiw acht bis zehn Einsatzteams, um die nötigen Reparaturen durchzuführen. Zurzeit sind 67 Teams in der Stadt im Einsatz. Die Kolleg:innen haben alle zusammengetrommelt, die sie finden konnten – aber es fehlen immer noch Fachleute.
Dann kam in der vorvergangenen Woche in der Region Kyjiw die Natur dazu: Durch Vereisungen wurden Stromleitungen unterbrochen. Die Kolleg:innen vor Ort haben etwa eine Woche gebraucht, um diese Leitungen zu reparieren.“
„Stromausfälle auch noch in zwei bis drei Jahren“
Laut LB wird in einzelnen Regionen der Ukraine noch jahrelang der Strom ausfallen:
„Die Ukraine wird bis zum Ende der Heizperiode definitiv nicht um strenge Abschaltpläne herumkommen. Die Lage kann erst besser werden, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: keine weiteren Zerstörungen, warmes, wolkenloses Wetter und minimale Ausfälle. Erst im Frühjahr kann sich das Energiesystem also wieder etwas erholen. […] Dann aber beginnen auch die planmäßigen Reparaturarbeiten in den Kernkraftwerken – und genau die sind für die Stromerzeugung im Land verantwortlich. […]
Expert:innen des Zentrums für Energieforschung gehen davon aus, dass die Gefahr von Stromausfällen in allen Regionen [der Ukraine] in den nächsten zwei bis drei Jahren bestehen bleibt. Darauf müssten sowohl Privathaushalte als auch Unternehmen vorbereitet sein. Der Zustand der Netze lässt den Expert:innen zufolge nichts anderes erwarten.“
Neues Ziel Saporischschja?
Die russische Armee rückt langsam in Richtung Saporischschja vor und bringt damit die regionale Hauptstadt, in der rund 700.000 Menschen leben, in Bedrängnis. Die Stadtteile an beiden Ufern des Dnipro sind durch den Staudamm eines Wasserkraftwerks verbunden; er ähnelt dem Kachowka-Staudamm, den die russische Armee 2023 sprengte und damit eine Umweltkatastrophe auslöste. Fiele Saporischschja, stünde die Ukraine vor einem Dilemma: den Damm zerstören – oder russischen Streitkräften den Übergang über den Dnipro ermöglichen.
„Beunruhigendes Echo der nahen Front“
Hromadske berichtet über die Stimmung in der Stadt:
„In einem angesagten Restaurant im Zentrum von Saporischschja läuft laute Tanzmusik. Die Gäste, unter denen man leicht Soldaten erkennt, auch wenn sie keine Uniformen tragen, bestellen Cocktails und asiatische Gerichte. ‚Das sind die letzten Monate dieses Lebens in Saporischschja‘, kommentiert ein Offizier […]. Er arbeitet seit mehr als einem Jahr in der Region und beobachtet, wie sich die Russen der Stadt nähern. Wenn es an der Front so weitergehe, warnt er […], würden FPV-Drohnen und Artillerie bald die südlichen Vororte […] [der Stadt] terrorisieren.
Bislang deutet im Restaurant nichts darauf hin, dass die Front nur noch 20 Kilometer von den Vororten Saporischschjas entfernt ist. Obwohl jede Nacht Schahed-Drohnen […] über der Stadt abgeschossen werden, lebt Saporischschja tagsüber das pulsierende Leben einer Großstadt, in der Restaurants, Blumenläden und Kinos geöffnet sind.
Das beunruhigende Echo der nahen Front erreicht die Stadt dennoch. Seit Ende 2025 greifen immer häufiger [minimalistische Sperrholzdrohnen vom Typ] Molnija an, die selbst das Stadtzentrum erreichen. Seit November schlagen sie […] nicht nur tagsüber zu, sondern auch nachts. […]
Hinzu kommen [in den südliche Vororten] Angriffe mit Flugzeugbomben und Mehrfachraketenwerfern. Glücklicherweise ist Saporischschja bislang keine Frontstadt, aber die Erfolge der Russen nahe [der rund 90 Kilometer Luftlinie entfernten Kleinstadt] Huljajpole sind spürbar.“
„Die Todeszone diktiert neue Regeln“
Die schleichende Vorwärtsbewegung der russischen Streitkräfte in Richtung Saporischschja wurde möglich, weil es statt einer klaren Frontlinie inzwischen eine breite Todeszone gibt, die sogenannte Killzone, in der Drohnen beider Seiten massenhaft angreifen. Die Ukrajinska Prawda berichtet über die neue Realität an der Front:
„Im engeren Sinne sind [mit Killzone] die Gebiete in ein bis fünf Kilometer Entfernung von der Kontaktlinie gemeint, in denen die russische Armee alle Unterstände, Gebäudereste und sogar Löcher zerstört, die die [ukrainische] Infanterie für die Verteidigung nutzen könnte. Im weiteren Sinne reicht [die Todeszone] bis zu […] fünfzehn Kilometer hinter die unmittelbare Kontaktlinie, wo die Besatzer es für ukrainische Soldat:innen so gefährlich wie möglich machen, sich zu bewegen – und manchmal sogar unmöglich.
Die gute Nachricht – wenn man das überhaupt so nennen kann – ist, dass es die Todeszone in beide Richtungen gibt. Auch die Russen werden von ukrainischen FPV-Drohnen angegriffen und […] der Feind braucht länger, um seine Positionen zu erreichen.
[…] diese dichte Todeszone diktiert neue Regeln der Kriegsführung: Artilleristen ziehen sich zurück und können manchmal überhaupt nichts mehr ausrichten, weil sie die Ziele mit ihren Geschossen nicht mehr erreichen. Drohnenpiloten laufen mit ihrer sperrigen und schweren Ausrüstung […] zehn Kilometer und mehr zu Fuß bis zu ihren Positionen […]. […] [Einzig die Infanteristen] […] stehen nach wie vor […] in Tarnanzügen und mit Maschinengewehren in den Händen an vorderster Front. Nur, dass sie jetzt fünf bis zehn Kilometer zu Fuß zwischen russischen FPV-Drohnen in der Luft und am Boden zu ihren Stellungen marschieren und dort 100 bis 150 Tage die Position halten müssen.“
„Niemand schaltet die Logistik des Feindes in der Tiefe aus“
Babel zeichnet einen Schlagabtausch zwischen dem ehemaligen Anführer des internationalen Freiwilligenverbands Chosen Company, Ryan O’Leary, und dem Kommandeur der Truppen für unbemannte Systeme, Robert Brovdi (Kampfname: Madyar), über strategische Fragen der Drohnenkriegsführung nach:
„Laut O’Leary [der die ‚falsche Kriegstaktik‘ der Armee kritisiert] konzentrieren sich die ukrainischen Drohnenpiloten darauf, Infanteristen auszuschalten – weil das auf Videos spektakulär aussehe und die gewünschten Zahlen liefere. Dabei schalte jedoch niemand die Logistik des Feindes in einer Tiefe von 10 bis 40 Kilometern hinter der Frontlinie (der sogenannten operativen Tiefe) aus, und niemand gewährleiste die Sicherheit der Logistik im ukrainischen Hinterland. Genau diese Logistik aber würden russische Drohnen angreifen: Fahrzeuge, Kommunikationsknotenpunkte und ukrainische Drohnenteams. […] wenn deren Versorgung und die Kommunikation zwischen ihnen unterbrochen werde, breche die Verteidigungslinie zusammen.
[…] [Robert Brovdi antwortete, ukrainische] Drohneneinheiten arbeiteten auf Anweisung ihrer Kommandeure – und die würden ausnahmslos Einsätze gegen die russische Infanterie fordern. Deshalb lägen die Ziele, die die unbemannten Systeme angreifen, im Schnitt 1,44 Kilometer entfernt – also direkt ‚vor ihren Füßen‘. Jeder Korpskommandeur verfüge über hunderte eigener Drohnencrews, aber ‚niemand ist bereit, die Drohnen in der erforderlichen Tiefe operieren zu lassen.‘ Um das zu ändern […] müsse die Zahl der unbemannten Systeme zunächst verdreifacht werden. Derzeit deckten sie weniger als ein Drittel der Frontlinie ab.“
Europas Aufrüstung nimmt Fahrt auf
Europas Rüstungsindustrie erhöht schrittweise ihre Produktion und reagiert damit zunehmend auf die russische Bedrohung. Die Fertigung liegt deutlich höher als noch vor drei Jahren und wächst weiter. Aus ukrainischer Sicht bleibt das Tempo unzureichend – zugleich nährt der Trend die Hoffnung, dass Europa endlich stärker zu einem geopolitischen Akteur wird, der sich im Ernstfall eigenständig verteidigen kann.
„Die europäische Rüstungsindustrie wächst rasant“
LB berichtet über den aktuellen Stand bei der europäischen Waffenproduktion:
„Der Hersteller des Systems IRIS‑T hat 1,5 Milliarden Euro in die Erweiterung der Produktion investiert und eine Fabrik im Saarland eröffnet, um mehr Luftabwehrraketensysteme herzustellen. Für dieses Jahr sind elf Komplexe geplant, bereits 2027 soll dies auf 16 Einheiten erweitert werden. [...]
Das deutsche Unternehmen Diehl Defence hat am 23. Januar 2026 ein neues Raketenintegrationszentrum in Nonnweiler eröffnet. Ziel ist es, die Produktion von Raketen der IRIS‑T-Familie, die unsere Städte schützen, drastisch zu steigern. Die Auftragsbücher für die nächsten Jahre sind voll mit Bestellungen aus Deutschland, Dänemark und Schweden, und der Marktwert europäischer Rüstungsunternehmen hat sich seit 2022 verdreifacht.
[In Frankreich] [...] planen die Fabriken von Renault und Turgis & Gaillard, bis zu 600 Drohnen pro Monat zu produzieren. Das Programm ist auf zehn Jahre angelegt und umfasst insgesamt 72.000 Einheiten. [...]
Grundsätzlich wächst die europäische Verteidigungsindustrie rasant. Die meisten Hersteller sind für die nächsten zehn Jahre ausgelastet. Die Aktien von Rheinmetall sind um 180 Prozent gestiegen und die ETF-Verteidigungsfonds wachsen um 30 Prozent pro Jahr.“
„Die Schweiz beginnt, ihre Neutralität zu überdenken“
Die mit der Ukrajinska Prawda verbundene Jewropejska Prawda analysiert, warum selbst die traditionell neutrale Schweiz neuerdings Waffenexporte an 25 Staaten erlaubt:
„Im Jahr 2022 wandte sich Deutschland zweimal mit der Bitte an die Schweiz, die Wiederausfuhr von 12.400 Stück Munition für Gepard-Panzer, die bei der Drohnenabwehr besonders effektiv sind, in die Ukraine zu genehmigen. Beide Male erhielt Berlin eine Abfuhr, obwohl Deutschland diese Munition bereits vor Jahrzehnten erworben hatte.
Grund für die Ablehnung war, dass die Schweiz zu diesem Zeitpunkt den Export und Re-Export von Waffen aus eigener Produktion in Länder ausschloss, die in bewaffnete Konflikte verwickelt sind. [...]
Nun hat das Bundesparlament beschlossen, den Export und Re-Export seiner Waffen in 25 Länder – die meisten davon in Europa – prinzipiell zu genehmigen, selbst wenn es dort bewaffnete Konflikte gibt.
Der Grund dafür waren [...] offensichtliche Sorgen um die Zukunft der eigenen Rüstungsindustrie. Die Abgeordneten bemerkten wohl, dass die Europäer Aufträge im Bereich Verteidigung immer seltener an Schweizer Unternehmen vergeben und dass sie immer zurückhaltender beim Kauf von Waffen sind, für die strenge (Re-)Exportbeschränkungen gelten.
Die Entscheidung [des Parlaments] geht jedoch weit über den reinen Export von Waffen hinaus. Sie spiegelt auch die Tatsache wider, dass die Schweiz angesichts neuer [...] Sicherheitsbedrohungen auf dem europäischen Kontinent begonnen hat, ihren neutralen Status zu überdenken.“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
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Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
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Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
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The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
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Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
Seitenaufrufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen
Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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