„Buda­pest atmete auf“

Foto: IMAGO /​ ZUMA Press

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 1. bis 14. April 2026:
His­to­ri­sche Wahl in Ungarn: Hoff­nung für Kyjiw?
Angst um Infra­struk­tur zur Was­ser­ver­sor­gung
Mobi­li­sie­rung: neue Schmer­zen, alte Probleme

His­to­ri­sche Wahl in Ungarn: Hoff­nung für Kyjiw?

Am 12. April endete Viktor Orbáns 16-jährige Herr­schaft. Seine Partei Fidesz unter­lag der Tisza-Partei von Her­aus­for­de­rer Péter Magyar deut­lich. Für die Ukraine ist das ein Wen­de­punkt: Orbán hatte sich zu Europas här­tes­tem Ukraine-Gegner ent­wi­ckelt und unter anderem einen 90-Mil­li­ar­den-Euro-Kredit für Kyjiw blo­ckiert. Ukrai­ni­sche Medien berich­ten aus­führ­lich über den Machtwechsel.

„Zwi­schen den Stühlen“

Sus­pilne beschrieb noch vor der Wahl die Zer­ris­sen­heit der unga­ri­schen Min­der­heit im ukrai­ni­schen Transkarpatien:

„Die beiden unga­ri­schen Par­teien in Trans­kar­pa­tien igno­rie­ren das Thema Wahlen und haben sich weder für noch gegen einen der Kan­di­da­ten posi­tio­niert. [...] sämt­li­che [ange­frag­ten Poli­ti­ker] lehnten [...] es ab, mit Sus­pilne zu spre­chen [...]. Einige sagten ganz offen, sie wollten kei­ner­lei Kom­men­tare abgeben, bis die Wahlen vorbei seien. [...]

‚Die [unga­ri­sche] Gemein­schaft bemüht sich stets, sich nicht in poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen hin­ein­zie­hen zu lassen [...]. Sobald sich die Bezie­hun­gen zwi­schen den Regie­run­gen [...] unserer Länder ver­schlech­tern, sind sie die Leid­tra­gen­den‘, sagt Vitalii Diachuk vom Insti­tut für Mit­tel­eu­ro­päi­sche Stra­te­gie in Usch­ho­rod. [...] Seiner Meinung nach sitzt die Führung der Ungar:innen in Trans­kar­pa­tien zwi­schen den Stühlen: Sie sind Bürger der Ukraine, fühlen sich aber mental mit ihrem Hei­mat­land ver­bun­den, das sie seit Jahren unter­stützt, auch finanziell.

‚[...] Wenn sie sich für die eine oder andere Seite ent­schei­den, ris­kie­ren sie, hier oder dort zum Außen­sei­ter zu werden. Und niemand möchte die [unga­ri­sche] Unter­stüt­zung oder Loya­li­tät ver­lie­ren‘, erklärt der Experte.“

„Buda­pest atmete auf“

Liga berich­tet aus der unga­ri­schen Haupt­stadt und fängt die Stim­mung der Men­schen nach dem Macht­wech­sel ein:

„Nur wenige Kilo­me­ter ent­fernt herrschte an den Donau-Ufern und auf den Plätzen Buda­pests eine ganz andere Rea­li­tät als im Fidesz-Haupt­quar­tier [wo man die Nie­der­lage ein­ge­stan­den hatte]. Die Stadt feierte weniger, als dass sie aufatmete.

In dieser Nacht gingen Hun­dert­tau­sende Men­schen jeden Alters auf die Straße. Da feierte nicht nur die Jugend: Neben aus­ge­las­se­nen Stu­die­ren­den standen eben jene „erschöpf­ten 50-Jäh­ri­gen“ [...], die noch gestern vor lauter Anspan­nung nicht mehr normal hatten arbei­ten können. [...] Ältere Männer, die die Ära [des Kom­mu­nis­ten] Kádár und die Krise der 90er Jahre durch­lebt hatten, hielten ihre Tränen nicht zurück. Frauen weinten und umarm­ten Fremde. Die Jugend, die unter Orbán auf­ge­wach­sen war und keine andere Regie­rung kannte, skan­dierte: ‚Árad a Tisza!‘ [dt.: Die Tisza steigt über die Ufer! – Schlacht­ruf von Magyars Tisza-Partei, die nach dem Fluss Theiß benannt ist.]

In dieser Atmo­sphäre aus Umar­mun­gen, Hup­kon­zer­ten und EU-Flaggen war das Wich­tigste zu spüren: Die Angst, auf die sich das System Orbán stützte, gibt es nicht mehr. Ungarn hat sich für den Wandel ent­schie­den und seine Rolle als Land zurück­ge­won­nen, das nach Europa blickt und nicht in die Isolation.“

„Men­schen über­zeu­gen, die von Pro­pa­ganda ver­gif­tet sind“

Die Jew­ro­pe­jska Prawda dämpft die Erwar­tung, Péter Magyar werde nun umge­hend zu einem Freund Kyjiws:

„In Magyar werden wir keinen treuen Freund oder Für­spre­cher der Ukraine finden. Selbst wenn der neue Minis­ter­prä­si­dent eine solche Rolle anstre­ben würde, wäre es schwer für ihn, gegen die öffent­li­che Meinung und die gesell­schaft­li­chen Ste­reo­ty­pen anzu­kom­men, die Viktor Orbán über Jahre hinweg gepflegt hat.

Noch im Jahr 2024, zu Beginn seiner poli­ti­schen Kar­riere, [...] räumte er in einem Inter­view mit pol­ni­schen Medien ein, [...] dass sich die Bezie­hun­gen Ungarns zur Ukraine ändern müssten, doch das brauche Zeit. Man müsse die Men­schen in Ungarn über­zeu­gen, die von Pro­pa­ganda ver­gif­tet seien. Später wurde Péter Magyar vor­sich­ti­ger und wie­der­holte ähn­li­che Äuße­run­gen nicht mehr. Er wei­gerte sich sogar grund­sätz­lich, etwas zu kom­men­tie­ren, das mit der Ukraine zu tun hatte.

Die einzige Aus­nahme, bei der Magyar seine Mensch­lich­keit im Umgang mit unserem Land zeigte, waren die Ereig­nisse im Juli 2024. Kurz nach dem rus­si­schen Beschuss des Kin­der­kran­ken­hau­ses Och­mat­dyt kam Magyar nach Kyjiw, brachte huma­ni­täre Hilfe, besuchte den Ort der Zer­stö­rung und fuhr nach Butscha. Es heißt, er sei tief bewegt gewesen von dem, was er sah. Auf seine Taten und Äuße­run­gen hatte dies jedoch keinen Ein­fluss. Das ist eben Politik, da haben Emo­tio­nen keinen Platz.“

Angst um Infra­struk­tur zur Wasserversorgung

Im Winter ver­suchte Russ­land, das ukrai­ni­sche Strom­netz zu zer­stö­ren und Städte in Kälte und Dun­kel­heit zu stürzen. Jetzt warnen ukrai­ni­sche Behör­den vor einer neuen Gefahr: ver­stärkte Angriffe auf Was­ser­werke und Klär­an­la­gen großer Städte. Im Sommer könnte die Lage kata­stro­phal werden, sollte die Was­ser­ver­sor­gung zusam­men­bre­chen. Grund­le­gende Hygiene-Stan­dards können dann nicht mehr ein­ge­hal­ten werden. Die Ver­wal­tun­gen in den Metro­po­len rüsten sich für die dro­hende Krise.

„Repa­ra­tur von Was­ser­ver­sor­gungs­net­zen sehr aufwendig“

Liga erklärt, worin sich dieses Problem von Schäden an der Ener­gie­infra­struk­tur unterscheidet:

„Ukrai­ni­sche Städte haben bereits Erfah­rung mit Was­ser­aus­fäl­len – aber dies meist infolge von Strom­aus­fäl­len und inso­fern nicht kri­tisch. Mit­hilfe der Not­strom­ver­sor­gung, ins­be­son­dere von Gene­ra­to­ren, konnte die Was­ser­ver­sor­gung dann wie­der­her­ge­stellt werden. Ein Sze­na­rio hin­ge­gen, in dem die Was­ser­ver­sor­gung über längere Zeit – Tage oder Wochen – aus­fällt, hätte ganz andere Folgen. Im Gegen­satz zur Strom­ver­sor­gung, die teil­weise durch Pri­vat­haus­halte oder Unter­neh­men kom­pen­siert werden kann (durch Gene­ra­to­ren, Akkus oder alter­na­tive Quellen), bleibt die Was­ser­ver­sor­gung ein deut­lich stärker zen­tra­li­sier­tes System. Sie hängt von einer kom­ple­xen Infra­struk­tur ab: Was­ser­ent­nah­me­stel­len, Pump­sta­tio­nen, Klär­an­la­gen, Haupt­lei­tun­gen und Abwassersysteme.

Wie Vik­to­riia Yako­vlieva, Spre­che­rin des Ver­ban­des [für Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­öko­lo­gie] Ukrwo­do­ka­na­le­ko­lo­gija erklärt, handelt es sich bei den Was­ser­ver­sor­gungs­net­zen […] um ein unter­ir­di­sches Geflecht aus tau­sen­den Kilo­me­tern von Lei­tun­gen. Dieses System sei nur schwer mit einem ein­zi­gen Schlag zu zer­stö­ren, doch im Falle zahl­rei­cher Schäden sei der Wie­der­auf­bau sehr auf­wen­dig: Die Repa­ra­tur erfor­dere Zeit, die nötige Technik und Zugang zu den beschä­dig­ten Abschnitten.“

„Kern­ele­mente von Kraft­wer­ken beson­ders schützen“

LB zitiert Serhii Suk­hom­lyn, den Leiter der Staat­li­chen Agentur für Wie­der­auf­bau und Schutz der Infra­struk­tur. Zusam­men mit Inge­nieu­ren habe man die Lage am Bei­spiel von Sapo­rischschja unter­sucht und sei zu dem Schluss gekom­men, dass es unmög­lich ist, die Was­ser­ver­sor­gungs- und Fern­wär­me­sys­teme voll­stän­dig zu schützen:

„‚Also, was muss als Erstes getan werden? Die [für die Wei­ter­lei­tung des Wassers inner­halb des Kraft­werks not­wen­di­gen] Pum­pen­ag­gre­gate müssen geschützt werden. Das sind hand­feste Lösun­gen; solche Schutz­vor­rich­tun­gen wurden bereits in meh­re­ren Städten errich­tet. Sie lassen sich in etwa drei Monaten bauen und sind relativ kostengünstig.

[...] Es ist [phy­sisch] unmög­lich, ein [gesam­tes] Wär­me­kraft­werk vor Raketen zu schüt­zen. Aber wir können die kri­ti­schen Ele­mente dieses Objekts schüt­zen. Und selbst wenn fünf bis zehn Shahed-Drohnen ein­schla­gen, wird es trotz­dem weiter funk­tio­nie­ren‘, betonte der Leiter der Staat­li­chen Agentur.“

„Europa muss aus den Erfah­run­gen der Ukraine lernen“

The Kyiv Inde­pen­dent warnt, Europa könnte bald selbst unter ver­gleich­ba­ren Angrif­fen leiden, sei darauf jedoch nicht vorbereitet:

„Am 3. März ver­ab­schie­dete der Natio­nale Sicher­heits- und Ver­tei­di­gungs­rat unter der Leitung von Prä­si­dent Selen­skyj regio­nale Pläne zur Ener­gie­si­cher­heit für jede ukrai­ni­sche Region. Sie basie­ren auf vier Säulen: Schutz kri­ti­scher Infra­struk­tur, zusätz­li­che Kraft-Wärme-Kopp­lungs­ka­pa­zi­tä­ten und dezen­trale Wärme- sowie Wasserversorgung.

Was fehlt, ist der Trans­fer des hart erar­bei­te­ten Wissens der Ukraine zu den euro­päi­schen Anbie­tern, die es benö­ti­gen. Es fehlt ein Mecha­nis­mus, der die Erkennt­nisse der Netz­be­trei­ber in Kyjiw an die Wär­me­ver­sor­ger in Bra­tis­lava, Łódź und Vilnius weitergibt.

Bis zum nächs­ten Winter sind es noch sechs Monate. Die Ukraine ist not­ge­drun­gen zum Ver­suchs­la­bor Europas für [die Ver­sor­gung mit] Fern­wärme bei einem hybri­den Angriff gewor­den. Die Frage ist, ob Europa aus diesen Erfah­run­gen lernt, bevor es sie am eigenen Leib machen muss.“

Mobi­li­sie­rung: neue Schmer­zen, alte Probleme

Die Pro­bleme der Ukraine bei der Mobi­li­sie­rung sind seit Jahren bekannt: Das System ist korrupt, Regis­ter der Wehr­pflich­ti­gen sind lücken­haft, die Aus­bil­dung ist unzu­rei­chend – vor allem aber fehlt Ver­trä­gen mit dem Militär ein klares End­da­tum. Dadurch nehmen viele die Ein­be­ru­fung als Ein­bahn­straße wahr. Durch rus­si­sche Pro­pa­ganda ver­stärkt, erreichte die Krise zuletzt dra­ma­ti­sche Dimen­sio­nen: Mehrere Sol­da­ten, die Ein­be­ru­fungs­be­scheide ver­teil­ten, wurden auf offener Straße getötet – für viele ein dras­ti­sches Zeichen dafür, wie drin­gend das System refor­miert werden muss.

„Poli­ti­ker igno­rie­ren das Problem der Mobilisierung“

Andrii Illi­enko, Soldat und ehe­ma­li­ger Abge­ord­ne­ter, reagiert bei NV mit deut­li­chen Worten auf den jüngs­ten töd­li­chen Angriff auf einen Rekru­tie­rungs­sol­da­ten in der Region Lwiw:

„Die Ermor­dung ukrai­ni­scher Sol­da­ten im Hin­ter­land ist durch nichts zu recht­fer­ti­gen. Gibt es unter den Sol­da­ten der ter­ri­to­ria­len Rekru­tie­rungs­zen­tren Kor­rupte und Ver­bre­cher? Sicher­lich. Genauso wie es sie unter Ärzt:innen, Lehr­kräf­ten oder Sol­da­ten der kämp­fen­den Ein­hei­ten gibt. Aber die Mehr­heit ver­rich­tet ihre Arbeit ehrlich.

Dem Mörder war es egal, wer genau da vor ihm stand. Ein kor­rup­ter oder ein ehr­li­cher Mensch, mit oder ohne Erfah­rung im Kampf – er erstach einen ukrai­ni­schen Sol­da­ten während dieser seine Dienst­pflich­ten ausübte. Punkt. Zuvor wurde ein ver­wun­de­ter Veteran getötet, doch das hielt weder den Mörder auf, noch den Abschaum, der diesen Mord rechtfertigte.

Das Schei­tern der Mobi­li­sie­rung bringt nur eines: den Verlust der Staat­lich­keit und einen Völ­ker­mord an der ukrai­ni­schen Nation. [...] Die Staats­füh­rung sollte die Angriffe auf Sol­da­ten [...] öffent­lich ver­ur­tei­len und endlich offen und ehrlich mit der Gesell­schaft über die Not­wen­dig­keit der Mobil­ma­chung und die damit ver­bun­de­nen Pro­bleme spre­chen. Solange Poli­ti­ker Angst haben, Wäh­ler­stim­men zu ver­lie­ren, und dieses Thema igno­rie­ren oder – schlim­mer noch – sich in destruk­ti­vem Popu­lis­mus üben, bleiben sämt­li­che Pro­bleme, die mit der Mobi­li­sie­rung zusam­men­hän­gen, ungelöst [...].“

„Wir ver­schwen­den Ressourcen“

Anton Mur­av­ei­nyk von Come Back Alive, der größten ukrai­ni­schen Mili­tär­hilfs­or­ga­ni­sa­tion, spricht bei Sus­pilne von einem sys­te­mi­schen Problem:

„Für uns ist [das Mobi­li­sie­rungs­pro­blem] Teil eines grö­ße­ren Pro­blems, nämlich der Aus­bil­dung des Per­so­nals bei den Ver­tei­di­gungs­kräf­ten. Schon 2024 habe ich das […] Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium gefragt: Wissen wir eigent­lich, wie viele der 30.000 Per­so­nen, die jeden Monat rekru­tiert werden, später tat­säch­lich […] in den Kampf­bri­ga­den zum Einsatz kommen? Dort wusste man es nicht. Wir haben dar­auf­hin unsere eigene Unter­su­chung durch­ge­führt – höchs­tens ein Drittel. [...]

Wenn auf einen Aus­bil­der 70 Aus­zu­bil­dende kommen [...], wenn von den vielen Mobi­li­sier­ten, [...] in den ersten ein bis zwei Monaten 5.000 uner­laubt die Truppe ver­las­sen und wenn Men­schen, die als ‚voll dienst­taug­lich‘ ein­ge­stuft wurden, nicht gesund genug sind, um die Grund­aus­bil­dung zu absol­vie­ren und statt­des­sen die ganze Zeit behan­delt werden müssen – dann ist das keine Ausbildung.

Das heißt, wir über­las­ten durch das Mobi­li­sie­rungs­sys­tem das Aus­bil­dungs­sys­tem und über­las­ten und demo­ti­vie­ren die Aus­bil­der [...]. Wir ver­schwen­den Res­sour­cen für Sol­da­ten, die die Bri­ga­den eigent­lich gar nicht brau­chen, denn sie brau­chen Leute für Kampf­ein­sätze und keine ein­ge­schränkt Einsatzfähigen. [...]

Die [Mobilisierungs-]Maschinerie [...] beweist ihre Effi­zi­enz, indem sie Per­so­nen [zu den Aus­bil­dungs­zen­tren] bringt. Dass [viele] dieser Per­so­nen niemals kämpfen werden, ist für sie irrelevant.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

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