„Budapest atmete auf“

Presseschau ukrainischer Medien | 1. bis 14. April 2026:
Historische Wahl in Ungarn: Hoffnung für Kyjiw?
Angst um Infrastruktur zur Wasserversorgung
Mobilisierung: neue Schmerzen, alte Probleme
Historische Wahl in Ungarn: Hoffnung für Kyjiw?
Am 12. April endete Viktor Orbáns 16-jährige Herrschaft. Seine Partei Fidesz unterlag der Tisza-Partei von Herausforderer Péter Magyar deutlich. Für die Ukraine ist das ein Wendepunkt: Orbán hatte sich zu Europas härtestem Ukraine-Gegner entwickelt und unter anderem einen 90-Milliarden-Euro-Kredit für Kyjiw blockiert. Ukrainische Medien berichten ausführlich über den Machtwechsel.
„Zwischen den Stühlen“
Suspilne beschrieb noch vor der Wahl die Zerrissenheit der ungarischen Minderheit im ukrainischen Transkarpatien:
„Die beiden ungarischen Parteien in Transkarpatien ignorieren das Thema Wahlen und haben sich weder für noch gegen einen der Kandidaten positioniert. [...] sämtliche [angefragten Politiker] lehnten [...] es ab, mit Suspilne zu sprechen [...]. Einige sagten ganz offen, sie wollten keinerlei Kommentare abgeben, bis die Wahlen vorbei seien. [...]
‚Die [ungarische] Gemeinschaft bemüht sich stets, sich nicht in politische Auseinandersetzungen hineinziehen zu lassen [...]. Sobald sich die Beziehungen zwischen den Regierungen [...] unserer Länder verschlechtern, sind sie die Leidtragenden‘, sagt Vitalii Diachuk vom Institut für Mitteleuropäische Strategie in Uschhorod. [...] Seiner Meinung nach sitzt die Führung der Ungar:innen in Transkarpatien zwischen den Stühlen: Sie sind Bürger der Ukraine, fühlen sich aber mental mit ihrem Heimatland verbunden, das sie seit Jahren unterstützt, auch finanziell.
‚[...] Wenn sie sich für die eine oder andere Seite entscheiden, riskieren sie, hier oder dort zum Außenseiter zu werden. Und niemand möchte die [ungarische] Unterstützung oder Loyalität verlieren‘, erklärt der Experte.“
„Budapest atmete auf“
Liga berichtet aus der ungarischen Hauptstadt und fängt die Stimmung der Menschen nach dem Machtwechsel ein:
„Nur wenige Kilometer entfernt herrschte an den Donau-Ufern und auf den Plätzen Budapests eine ganz andere Realität als im Fidesz-Hauptquartier [wo man die Niederlage eingestanden hatte]. Die Stadt feierte weniger, als dass sie aufatmete.
In dieser Nacht gingen Hunderttausende Menschen jeden Alters auf die Straße. Da feierte nicht nur die Jugend: Neben ausgelassenen Studierenden standen eben jene „erschöpften 50-Jährigen“ [...], die noch gestern vor lauter Anspannung nicht mehr normal hatten arbeiten können. [...] Ältere Männer, die die Ära [des Kommunisten] Kádár und die Krise der 90er Jahre durchlebt hatten, hielten ihre Tränen nicht zurück. Frauen weinten und umarmten Fremde. Die Jugend, die unter Orbán aufgewachsen war und keine andere Regierung kannte, skandierte: ‚Árad a Tisza!‘ [dt.: Die Tisza steigt über die Ufer! – Schlachtruf von Magyars Tisza-Partei, die nach dem Fluss Theiß benannt ist.]
In dieser Atmosphäre aus Umarmungen, Hupkonzerten und EU-Flaggen war das Wichtigste zu spüren: Die Angst, auf die sich das System Orbán stützte, gibt es nicht mehr. Ungarn hat sich für den Wandel entschieden und seine Rolle als Land zurückgewonnen, das nach Europa blickt und nicht in die Isolation.“
„Menschen überzeugen, die von Propaganda vergiftet sind“
Die Jewropejska Prawda dämpft die Erwartung, Péter Magyar werde nun umgehend zu einem Freund Kyjiws:
„In Magyar werden wir keinen treuen Freund oder Fürsprecher der Ukraine finden. Selbst wenn der neue Ministerpräsident eine solche Rolle anstreben würde, wäre es schwer für ihn, gegen die öffentliche Meinung und die gesellschaftlichen Stereotypen anzukommen, die Viktor Orbán über Jahre hinweg gepflegt hat.
Noch im Jahr 2024, zu Beginn seiner politischen Karriere, [...] räumte er in einem Interview mit polnischen Medien ein, [...] dass sich die Beziehungen Ungarns zur Ukraine ändern müssten, doch das brauche Zeit. Man müsse die Menschen in Ungarn überzeugen, die von Propaganda vergiftet seien. Später wurde Péter Magyar vorsichtiger und wiederholte ähnliche Äußerungen nicht mehr. Er weigerte sich sogar grundsätzlich, etwas zu kommentieren, das mit der Ukraine zu tun hatte.
Die einzige Ausnahme, bei der Magyar seine Menschlichkeit im Umgang mit unserem Land zeigte, waren die Ereignisse im Juli 2024. Kurz nach dem russischen Beschuss des Kinderkrankenhauses Ochmatdyt kam Magyar nach Kyjiw, brachte humanitäre Hilfe, besuchte den Ort der Zerstörung und fuhr nach Butscha. Es heißt, er sei tief bewegt gewesen von dem, was er sah. Auf seine Taten und Äußerungen hatte dies jedoch keinen Einfluss. Das ist eben Politik, da haben Emotionen keinen Platz.“
Angst um Infrastruktur zur Wasserversorgung
Im Winter versuchte Russland, das ukrainische Stromnetz zu zerstören und Städte in Kälte und Dunkelheit zu stürzen. Jetzt warnen ukrainische Behörden vor einer neuen Gefahr: verstärkte Angriffe auf Wasserwerke und Kläranlagen großer Städte. Im Sommer könnte die Lage katastrophal werden, sollte die Wasserversorgung zusammenbrechen. Grundlegende Hygiene-Standards können dann nicht mehr eingehalten werden. Die Verwaltungen in den Metropolen rüsten sich für die drohende Krise.
„Reparatur von Wasserversorgungsnetzen sehr aufwendig“
Liga erklärt, worin sich dieses Problem von Schäden an der Energieinfrastruktur unterscheidet:
„Ukrainische Städte haben bereits Erfahrung mit Wasserausfällen – aber dies meist infolge von Stromausfällen und insofern nicht kritisch. Mithilfe der Notstromversorgung, insbesondere von Generatoren, konnte die Wasserversorgung dann wiederhergestellt werden. Ein Szenario hingegen, in dem die Wasserversorgung über längere Zeit – Tage oder Wochen – ausfällt, hätte ganz andere Folgen. Im Gegensatz zur Stromversorgung, die teilweise durch Privathaushalte oder Unternehmen kompensiert werden kann (durch Generatoren, Akkus oder alternative Quellen), bleibt die Wasserversorgung ein deutlich stärker zentralisiertes System. Sie hängt von einer komplexen Infrastruktur ab: Wasserentnahmestellen, Pumpstationen, Kläranlagen, Hauptleitungen und Abwassersysteme.
Wie Viktoriia Yakovlieva, Sprecherin des Verbandes [für Wasserversorgung und Abwasserökologie] Ukrwodokanalekologija erklärt, handelt es sich bei den Wasserversorgungsnetzen […] um ein unterirdisches Geflecht aus tausenden Kilometern von Leitungen. Dieses System sei nur schwer mit einem einzigen Schlag zu zerstören, doch im Falle zahlreicher Schäden sei der Wiederaufbau sehr aufwendig: Die Reparatur erfordere Zeit, die nötige Technik und Zugang zu den beschädigten Abschnitten.“
„Kernelemente von Kraftwerken besonders schützen“
LB zitiert Serhii Sukhomlyn, den Leiter der Staatlichen Agentur für Wiederaufbau und Schutz der Infrastruktur. Zusammen mit Ingenieuren habe man die Lage am Beispiel von Saporischschja untersucht und sei zu dem Schluss gekommen, dass es unmöglich ist, die Wasserversorgungs- und Fernwärmesysteme vollständig zu schützen:
„‚Also, was muss als Erstes getan werden? Die [für die Weiterleitung des Wassers innerhalb des Kraftwerks notwendigen] Pumpenaggregate müssen geschützt werden. Das sind handfeste Lösungen; solche Schutzvorrichtungen wurden bereits in mehreren Städten errichtet. Sie lassen sich in etwa drei Monaten bauen und sind relativ kostengünstig.
[...] Es ist [physisch] unmöglich, ein [gesamtes] Wärmekraftwerk vor Raketen zu schützen. Aber wir können die kritischen Elemente dieses Objekts schützen. Und selbst wenn fünf bis zehn Shahed-Drohnen einschlagen, wird es trotzdem weiter funktionieren‘, betonte der Leiter der Staatlichen Agentur.“
„Europa muss aus den Erfahrungen der Ukraine lernen“
The Kyiv Independent warnt, Europa könnte bald selbst unter vergleichbaren Angriffen leiden, sei darauf jedoch nicht vorbereitet:
„Am 3. März verabschiedete der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat unter der Leitung von Präsident Selenskyj regionale Pläne zur Energiesicherheit für jede ukrainische Region. Sie basieren auf vier Säulen: Schutz kritischer Infrastruktur, zusätzliche Kraft-Wärme-Kopplungskapazitäten und dezentrale Wärme- sowie Wasserversorgung.
Was fehlt, ist der Transfer des hart erarbeiteten Wissens der Ukraine zu den europäischen Anbietern, die es benötigen. Es fehlt ein Mechanismus, der die Erkenntnisse der Netzbetreiber in Kyjiw an die Wärmeversorger in Bratislava, Łódź und Vilnius weitergibt.
Bis zum nächsten Winter sind es noch sechs Monate. Die Ukraine ist notgedrungen zum Versuchslabor Europas für [die Versorgung mit] Fernwärme bei einem hybriden Angriff geworden. Die Frage ist, ob Europa aus diesen Erfahrungen lernt, bevor es sie am eigenen Leib machen muss.“
Mobilisierung: neue Schmerzen, alte Probleme
Die Probleme der Ukraine bei der Mobilisierung sind seit Jahren bekannt: Das System ist korrupt, Register der Wehrpflichtigen sind lückenhaft, die Ausbildung ist unzureichend – vor allem aber fehlt Verträgen mit dem Militär ein klares Enddatum. Dadurch nehmen viele die Einberufung als Einbahnstraße wahr. Durch russische Propaganda verstärkt, erreichte die Krise zuletzt dramatische Dimensionen: Mehrere Soldaten, die Einberufungsbescheide verteilten, wurden auf offener Straße getötet – für viele ein drastisches Zeichen dafür, wie dringend das System reformiert werden muss.
„Politiker ignorieren das Problem der Mobilisierung“
Andrii Illienko, Soldat und ehemaliger Abgeordneter, reagiert bei NV mit deutlichen Worten auf den jüngsten tödlichen Angriff auf einen Rekrutierungssoldaten in der Region Lwiw:
„Die Ermordung ukrainischer Soldaten im Hinterland ist durch nichts zu rechtfertigen. Gibt es unter den Soldaten der territorialen Rekrutierungszentren Korrupte und Verbrecher? Sicherlich. Genauso wie es sie unter Ärzt:innen, Lehrkräften oder Soldaten der kämpfenden Einheiten gibt. Aber die Mehrheit verrichtet ihre Arbeit ehrlich.
Dem Mörder war es egal, wer genau da vor ihm stand. Ein korrupter oder ein ehrlicher Mensch, mit oder ohne Erfahrung im Kampf – er erstach einen ukrainischen Soldaten während dieser seine Dienstpflichten ausübte. Punkt. Zuvor wurde ein verwundeter Veteran getötet, doch das hielt weder den Mörder auf, noch den Abschaum, der diesen Mord rechtfertigte.
Das Scheitern der Mobilisierung bringt nur eines: den Verlust der Staatlichkeit und einen Völkermord an der ukrainischen Nation. [...] Die Staatsführung sollte die Angriffe auf Soldaten [...] öffentlich verurteilen und endlich offen und ehrlich mit der Gesellschaft über die Notwendigkeit der Mobilmachung und die damit verbundenen Probleme sprechen. Solange Politiker Angst haben, Wählerstimmen zu verlieren, und dieses Thema ignorieren oder – schlimmer noch – sich in destruktivem Populismus üben, bleiben sämtliche Probleme, die mit der Mobilisierung zusammenhängen, ungelöst [...].“
„Wir verschwenden Ressourcen“
Anton Muraveinyk von Come Back Alive, der größten ukrainischen Militärhilfsorganisation, spricht bei Suspilne von einem systemischen Problem:
„Für uns ist [das Mobilisierungsproblem] Teil eines größeren Problems, nämlich der Ausbildung des Personals bei den Verteidigungskräften. Schon 2024 habe ich das […] Verteidigungsministerium gefragt: Wissen wir eigentlich, wie viele der 30.000 Personen, die jeden Monat rekrutiert werden, später tatsächlich […] in den Kampfbrigaden zum Einsatz kommen? Dort wusste man es nicht. Wir haben daraufhin unsere eigene Untersuchung durchgeführt – höchstens ein Drittel. [...]
Wenn auf einen Ausbilder 70 Auszubildende kommen [...], wenn von den vielen Mobilisierten, [...] in den ersten ein bis zwei Monaten 5.000 unerlaubt die Truppe verlassen und wenn Menschen, die als ‚voll diensttauglich‘ eingestuft wurden, nicht gesund genug sind, um die Grundausbildung zu absolvieren und stattdessen die ganze Zeit behandelt werden müssen – dann ist das keine Ausbildung.
Das heißt, wir überlasten durch das Mobilisierungssystem das Ausbildungssystem und überlasten und demotivieren die Ausbilder [...]. Wir verschwenden Ressourcen für Soldaten, die die Brigaden eigentlich gar nicht brauchen, denn sie brauchen Leute für Kampfeinsätze und keine eingeschränkt Einsatzfähigen. [...]
Die [Mobilisierungs-]Maschinerie [...] beweist ihre Effizienz, indem sie Personen [zu den Ausbildungszentren] bringt. Dass [viele] dieser Personen niemals kämpfen werden, ist für sie irrelevant.“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
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Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
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Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
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Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
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Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
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Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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