Große Worte, kaum Ergebnisse: Trumps Verhandlungsrhetorik 2025

US-Präsident Donald Trump trat seine zweite Amtszeit mit dem Versprechen an, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine innerhalb kürzester Zeit zu beenden. Es folgten markige Worte und Ultimaten – doch statt ernsthaft zu verhandeln, verstärkte Russland seine Angriffe und die Zahl ziviler Opfer in der Ukraine stieg. Diese Artikelserie analysiert die Äußerungen des US-Präsidenten im Jahr 2025 und zeichnet das Scheitern des selbsternannten Friedensstifters nach. (1/3)
Schon im Wahlkampf hatte US-Präsident Donald Trump damit geprahlt, den russisch-ukrainischen Krieg innerhalb von 24 Stunden zu beenden. Offenbar nahm er an, er könne Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj noch vor seiner Amtseinführung im Januar 2025 per Telefon davon überzeugen, einem Friedensabkommen zuzustimmen. Allerdings hielt sich Trump von Anfang an nicht an die Fristen, die er selbst setzte.
Noch im ersten Monat seiner zweiten Amtszeit glaubte Trump, er könne den Krieg innerhalb weniger Wochen beenden. Später verschob er den Stichtag für einen Friedensschluss auf Ostern. Russland stimmte im April jedoch weder einem österlichen Waffenstillstand zu noch einem Friedensabkommen. Trump „verschob“ eine Einigung erneut und gab Putin im Juli 50 Tage Zeit, um die Kriegshandlungen einzustellen – um dies wenig später auf 12 Tage zu verkürzen.
Widersprüchliche Signale und vage Formulierungen
Immer wieder erklärte Trump ebenso vielversprechend wie vage, ein Friedensabkommen stünde kurz bevor, die Parteien hätten Fortschritte erzielt, das Blutvergießen müsse ein Ende haben. Er wurde nicht müde zu behaupten, dies sei „Bidens Krieg“, der „nicht stattgefunden hätte, wenn ich [im Februar 2022] Präsident gewesen wäre“. Trump beklagte, es gefalle ihm nicht, „dass es so lange dauert“ – und europäische Länder befürchteten, der ungeduldige US-Präsident könne sich ganz aus den Friedensbemühungen zurückziehen.
Dabei hielt Trump die ukrainische Seite das gesamte Jahr 2025 über in der Schwebe. Mal erklärte er, Selenskyj sei ein „Diktator“, mal distanzierte er sich von dieser Bezeichnung. Mal sagte er, es sei unmöglich, alle Gebiete unter die Kontrolle Kyjiws zurückzubringen, ein andermal, es sei realistisch, die Grenzen von 1991 wiederherzustellen. Im Laufe des Jahres führte er angeblich „wunderbare Gespräche“ mit Putin – nach denen Moskau zivile Objekte in der Ukraine allerdings nur noch stärker bombardierte.
Trump hält sich für unersetzlichen Friedensstifter
Dieser Text vergleicht die zentralen Äußerungen Trumps zum Frieden in der Ukraine in seinem im Netzwerk Truth Social sowie in Interviews und Kommentaren. Dabei werden drei zentrale Merkmale seiner Rhetorik deutlich: die Personalisierung der Diplomatie, Zwang und Druck sowie die Reinterpretation des Friedensschlusses als Geschäftsdeal. Trump stellt sich immer wieder als unersetzliche Figur dar, die als ein unparteiischer Vermittler zwischen Kyjiw und Moskau den Krieg beenden könne.
Sanktionen gegen Russland setzt er nicht als Element der Abschreckung ein, sondern als Druckmittel, um ein Friedensabkommen schneller zu erreichen. Der US-Präsident übt erheblichen Druck auf Kyjiw aus und setzt beispielsweise Militärhilfen aus um die „Friedensbereitschaft” der ukrainischen Regierung zu erhöhen. Vor allem aber ist für den Geschäftsmann Trump ein Friedensabkommen offenbar gleichbedeutend mit einem Deal unter Wirtschaftsbossen. Er führt die Verhandlungen, als ginge es um ein Spiel an der Börse und nicht um Krieg, Frieden und Geopolitik.
Trumps Friedensrhetorik dreht sich um schnelle Entscheidungen, die „von oben nach unten“ getroffen werden, um persönliche Einflussnahme statt multilateraler und institutioneller Zusammenarbeit. So verschafft er den Vereinigten Staaten und Russland eine asymmetrisch starke Rolle im Friedensprozess, negiert Europa als gleichberechtigten Partner und marginalisiert die Ukraine.
Januar: Personalisierung des Friedensprozesses im Turbo-Gang
Noch vor seinem Amtsantritt im Januar 2025 schaltet Trump rhetorisch in den „Turbo-Modus“ und stilisiert sich zur zentralen Figur im Friedensprozess. Er stellt den Krieg zwischen Russland und der Ukraine als administratives Problem dar, das mit dem „richtigen“ Verhandlungsgeschick schnell gelöst werden könne. Sein Sondergesandter Keith Kellogg erklärt, er würde den Krieg innerhalb von symbolischen 100 Tagen beenden. Trump selbst behauptet immer wieder, der Krieg hätte „niemals begonnen”, wäre er 2022 schon Präsident gewesen.
Die strukturellen Ursachen des Krieges wertet Trump im Januar ebenso ab wie die Rolle von Institutionen. Er erklärt, er sei zu einem persönlichen Treffen mit Wladimir Putin bereit und stellt den russischen Präsidenten als Partner dar, mit dem man Vereinbarungen treffen könne. In Trumps Worten ist der Krieg ein „blutiges Chaos“, das durch eine schnelle Lösung beendet werden könne, wenn man sich „jetzt einigt“.
Parallel dazu entsteht das Narrativ, allein die Ukraine sei dafür verantwortlich, wie lange dieser Krieg dauere. Trump erkennt zwar die Asymmetrie der Kräfte und den Mut der Ukrainer:innen an, wenn er sagt, Selenskyj kämpfe gegen „eine viel größere Macht” – relativiert dies aber unmittelbar darauf, indem er behauptet, es hätte „ein Abkommen geschlossen werden können” und Selenskyj hätte „diesen Krieg niemals zulassen sollen”. Auf diese Weise nimmt er der Ukraine das Recht auf souveräne Entscheidungen: Der militärische Widerstand der ukrainischen Armee erscheint nicht als unausweichliche Reaktion auf die expansionistische Aggression Russlands, sondern als Resultat der falschen Entscheidung eines ukrainischen Politikers.
Mit persönlichen Einschätzungen zu Putin hält sich Trump im Januar 2025 noch zurück. Ebenso verzichtet er darauf, Selenskyj offen zu delegitimieren. Dennoch setzen seine Worte bereits den Rahmen für zukünftigen Druck: Frieden sei schnell möglich, Verhandlungen seien einfach und für die anhaltenden Kämpfe seien Fehlentscheidungen einzelner Akteure verantwortlich, nicht der russische Einmarsch in einen souveränen Nachbarstaat.
Februar: Eskalation und Radikalisierung der Rhetorik
Im Februar füllt sich die unbestimmte Hoffnung auf einen „schnellen Frieden”, die im Januar die Äußerungen aus dem Weißen Haus dominiert hatte, mit konkretem Inhalt – und zwar zum Nachteil der Ukraine. Die US-Administration denkt laut über die „realistischen” Grenzen eines möglichen Kompromisses zwischen den Kriegsparteien nach.
Vor allem aber stuft sie die Ukraine als Verhandlungspartner herab, indem sich Trump wiederholt weigert, Kyjiw als gleichberechtigten Teilnehmer im vorgeblichen Friedensprozess anzuerkennen. Er erklärt, Selenskyj sei für die Verhandlungen „nicht sehr wichtig” und lässt in Saudi-Arabien ein Treffen zwischen den USA und Russland ohne Beteiligung der Ukraine zu – kein Ausrutscher, sondern Ausdruck einer Logik, die diesen Krieg als ein Problem betrachtet, das „die großen Akteure lösen müssen”.
Parallel dazu stellt Trump die Legitimität der ukrainischen Führung immer stärker öffentlich infrage. Er behauptet, in der Ukraine herrsche eine „Diktatur“ und nur vier Prozent der Bevölkerung stünden hinter Präsident Selenskyj. Das Thema Neuwahlen überlässt er nicht der souveränen Entscheidung einer Regierung im Kriegszustand, sondern macht es zur Voraussetzung für Friedensverhandlungen. So verschiebt er den Fokus von der russischen Aggression auf angebliche Mängel der ukrainischen Demokratie.
Zudem beginnen Präsident Trump, sein Sondergesandter für die Ukraine, Keith Kellogg, und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth im Februar, die territorialen Verluste der Ukraine zu normalisieren. Sie äußern synchron die These, eine Rückkehr zu den Grenzen von 1991 sei unrealistisch – ebenso wie zu denen von 2014, also nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Halbinsel Krim durch Russland und der Abspaltung zweier von Moskau unterstützter separatistischer „Volksrepubliken“ im Osten der Ukraine. Obwohl die Politiker betonten, dass dies nicht die rechtliche Anerkennung dieser Gebiete bedeute, markiert Trumps Rhetorik die Akzeptanz der de-facto-Grenzverschiebungen durch Russland als Grundlage eines künftigen Abkommens.
Parallel dazu bleibt das rhetorische Bild Putins in den Aussagen des US-amerikanischen Präsidenten wohlwollend und pragmatisch: Trump vermeidet das Wort „Diktator”, spricht von seinem Wunsch, den Krieg zu beenden und schlägt wirtschaftliche „Großabkommen” nach einer Einigung vor. Einmal versichert er gar, der Kreml habe nichts gegen europäische Friedenstruppen einzuwenden. Gleichzeitig stellt Trump Selenskyj als einen Anführer dar, der „kämpfen will”.
Der Februar 2025 markiert nicht nur aufgrund des aufsehenerregenden Streits zwischen Trump, Vizepräsident J. D. Vance und Selenskyj den Übergang von einem Vermittlungsansatz zu einer asymmetrischen „Friedensstiftung“. Die USA positionieren sich zwar weiterhin als Vermittler, üben jedoch einseitigen Druck auf die Ukraine aus. Trumps Administration schränkt sowohl rhetorisch als auch praktisch die Handlungsfähigkeit der Ukraine ein und erweitert den Spielraum für prorussische Siegfriedenspläne.
Fortsetzung folgt
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