„Die euro­päi­sche Rüs­tungs­in­dus­trie wächst“

Bundeswehr, Luftverteidigung
Foto: IMAGO /​ STEINSIEK.CH

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 21. Januar bis 3. Februar 2026:
Kyjiws Käl­te­schock: Klit­schko unter Druck
Neues Ziel Saporischschja?
Europas Auf­rüs­tung nimmt Fahrt auf

Kyjiws Käl­te­schock: Klit­schko unter Druck

Seit Anfang Januar treffen rus­si­sche Angriffe die ukrai­ni­sche Ener­gie­infra­struk­tur mit beson­de­rer Wucht. Wie gut Groß­städte damit zurecht­kom­men, unter­schei­det sich deut­lich. In Kyjiw sind noch immer hun­derte Wohn­häu­ser ohne Heizung. Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj kri­ti­siert deshalb die Stadt­füh­rung um Bür­ger­meis­ter Vitalij Klit­schko und ver­weist auf Charkiw, wo die Ver­sor­gung trotz täg­li­cher Angriffe und grö­ße­rer Nähe zur Front besser zu funk­tio­nie­ren scheint.

„Kyjiw ist nicht mit anderen Städten vergleichbar“

Im Inter­view mit der Ukra­jinska Prawda weist Klit­schko die Vor­würfe zurück:
„Seit Beginn der groß ange­leg­ten Inva­sion ist und war Kyjiw das Ziel des Feindes. Man ver­gleicht uns mit anderen Städten. Aber ich kann ganz klar sagen: Was die Anzahl der Beschüsse, der ein­ge­setz­ten Raketen, Marsch­flug­kör­per und Drohnen sowie die Zahl der Angriffe auf die kri­ti­sche Infra­struk­tur angeht, sind wir nicht mit anderen Städten zu ver­glei­chen, selbst wenn diese an der Front liegen. […]

Unmit­tel­bar nach dem Groß­an­griff haben wir ange­fan­gen, uns [auf so eine Situa­tion] vor­zu­be­rei­ten. Wir haben 1.120 Gene­ra­to­ren unter­schied­li­cher Leis­tung […] für die kri­ti­sche Infra­struk­tur unserer Stadt erwor­ben: Was­ser­ver­sor­gung, Abwas­ser­ent­sor­gung, Wärmeerzeugung.

Wenn wir uns nicht per­ma­nent vor­be­rei­tet hätten, wären wir schon in den ver­gan­ge­nen Jahren in eine schwie­rige Lage geraten. Wir haben Repa­ra­tu­ren selbst durch­ge­führt, das [Energie-]System wie­der­her­ge­stellt und waren bis zu diesem Winter bestens vor­be­rei­tet: Die Strom­erzeu­gung in Kyjiw war vor diesem Winter höher als vor dem Krieg.

Doch egal, was wir tun: Vieles hängt von der Luft­ab­wehr ab. Durch Rake­ten­ein­schläge wurden zahl­rei­che Infra­struk­tur­ein­rich­tun­gen stark beschä­digt. Wir tun alles, um die Wärme- und Strom­ver­sor­gung in Kyjiw so schnell wie möglich wiederherzustellen.“

„Das Problem liegt im Bürgermeisteramt“

Hro­madske sprach mit Maksym Bakhma­tov, dem vom Prä­si­den­ten ernann­ten Ver­wal­tungs­chef des Kyjiwer Stadt­be­zirks Desn­jan­skyj. In dem mit mehr als 300.000 Einwohner:innen größten Stadt­be­zirk des Landes seien an manchen Tagen rund 700 der ins­ge­samt 850 Wohn­häu­ser nicht beheizt:

„Das eigent­li­che Problem, warum andere Städte vor­be­rei­tet sind, Kyjiw aber nicht, liegt [im Bür­ger­meis­ter­amt]. Jetzt wird [Klit­schko] sagen, dass es ‚für alle schwer ist‘, aber der grund­sätz­li­che Fehler liegt darin, dass die Stadt­ver­wal­tung keinen stra­te­gi­schen Plan hat. […] Sie war bereits 2022 und in den beiden fol­gen­den Jahren nicht vor­be­rei­tet. Alles wird aus dem Steh­greif gemacht […] – und so etwas ist immer inef­fek­tiv und sehr teuer.

Wir müssen jetzt schon wissen, wie es im Winter 2026/​27 aus­sieht. Wenn die Heiz­kraft­werke erst einmal getrof­fen wurden, bin ich mir nicht sicher, ob sie [bis dahin] wieder auf­ge­baut werden [können]... Wir müssen jetzt schon wissen, was wir nächs­tes Jahr tun sollen. Es müssten bereits Anord­nun­gen erlas­sen werden, das alles müsste schon laufen – aber nichts davon geschieht.“

„Es fehlen immer noch Fachleute“

Serhii Kova­lenko, Geschäfts­füh­rer des Strom­ver­sor­gers YASNO, der die Haupt­stadt mit Elek­tri­zi­tät ver­sorgt, schil­dert bei Sus­pilne das Ausmaß der aktu­el­len Krise:

„Beim Ener­gie­sys­tem geht es vor allem um Sta­bi­li­tät und Ver­sor­gungs­si­cher­heit, nicht um Fle­xi­bi­li­tät. Es ist auf Sta­bi­li­tät aus­ge­legt und lässt kein Ein- und Aus­schal­ten zu. Deshalb brennen Zähler durch und Kno­ten­punkte in Trans­for­ma­to­ren ver­bren­nen. Auch alter­na­tive Schalt­pläne erhöhen die Störanfälligkeit.

[…] im Nor­mal­be­trieb braucht man in Kyjiw acht bis zehn Ein­satz­teams, um die nötigen Repa­ra­tu­ren durch­zu­füh­ren. Zurzeit sind 67 Teams in der Stadt im Einsatz. Die Kolleg:innen haben alle zusam­men­ge­trom­melt, die sie finden konnten – aber es fehlen immer noch Fachleute.

Dann kam in der vor­ver­gan­ge­nen Woche in der Region Kyjiw die Natur dazu: Durch Ver­ei­sun­gen wurden Strom­lei­tun­gen unter­bro­chen. Die Kolleg:innen vor Ort haben etwa eine Woche gebraucht, um diese Lei­tun­gen zu reparieren.“

„Strom­aus­fälle auch noch in zwei bis drei Jahren“

Laut LB wird in ein­zel­nen Regio­nen der Ukraine noch jah­re­lang der Strom ausfallen:

„Die Ukraine wird bis zum Ende der Heiz­pe­ri­ode defi­ni­tiv nicht um strenge Abschalt­pläne her­um­kom­men. Die Lage kann erst besser werden, wenn mehrere Fak­to­ren zusam­men­kom­men: keine wei­te­ren Zer­stö­run­gen, warmes, wol­ken­lo­ses Wetter und mini­male Aus­fälle. Erst im Früh­jahr kann sich das Ener­gie­sys­tem also wieder etwas erholen. […] Dann aber begin­nen auch die plan­mä­ßi­gen Repa­ra­tur­ar­bei­ten in den Kern­kraft­wer­ken – und genau die sind für die Strom­erzeu­gung im Land verantwortlich. […]

Expert:innen des Zen­trums für Ener­gie­for­schung gehen davon aus, dass die Gefahr von Strom­aus­fäl­len in allen Regio­nen [der Ukraine] in den nächs­ten zwei bis drei Jahren bestehen bleibt. Darauf müssten sowohl Pri­vat­haus­halte als auch Unter­neh­men vor­be­rei­tet sein. Der Zustand der Netze lässt den Expert:innen zufolge nichts anderes erwarten.“

Neues Ziel Saporischschja?

Die rus­si­sche Armee rückt langsam in Rich­tung Sapo­rischschja vor und bringt damit die regio­nale Haupt­stadt, in der rund 700.000 Men­schen leben, in Bedräng­nis. Die Stadt­teile an beiden Ufern des Dnipro sind durch den Stau­damm eines Was­ser­kraft­werks ver­bun­den; er ähnelt dem Kachowka-Stau­damm, den die rus­si­sche Armee 2023 sprengte und damit eine Umwelt­ka­ta­stro­phe aus­löste. Fiele Sapo­rischschja, stünde die Ukraine vor einem Dilemma: den Damm zer­stö­ren – oder rus­si­schen Streit­kräf­ten den Über­gang über den Dnipro ermöglichen.

„Beun­ru­hi­gen­des Echo der nahen Front“

Hro­madske berich­tet über die Stim­mung in der Stadt:

„In einem ange­sag­ten Restau­rant im Zentrum von Sapo­rischschja läuft laute Tanz­mu­sik. Die Gäste, unter denen man leicht Sol­da­ten erkennt, auch wenn sie keine Uni­for­men tragen, bestel­len Cock­tails und asia­ti­sche Gerichte. ‚Das sind die letzten Monate dieses Lebens in Sapo­rischschja‘, kom­men­tiert ein Offi­zier […]. Er arbei­tet seit mehr als einem Jahr in der Region und beob­ach­tet, wie sich die Russen der Stadt nähern. Wenn es an der Front so wei­ter­gehe, warnt er […], würden FPV-Drohnen und Artil­le­rie bald die süd­li­chen Vororte […] [der Stadt] terrorisieren.

Bislang deutet im Restau­rant nichts darauf hin, dass die Front nur noch 20 Kilo­me­ter von den Vor­or­ten Sapo­rischschjas ent­fernt ist. Obwohl jede Nacht Schahed-Drohnen […] über der Stadt abge­schos­sen werden, lebt Sapo­rischschja tags­über das pul­sie­rende Leben einer Groß­stadt, in der Restau­rants, Blu­men­lä­den und Kinos geöff­net sind.

Das beun­ru­hi­gende Echo der nahen Front erreicht die Stadt dennoch. Seit Ende 2025 greifen immer häu­fi­ger [mini­ma­lis­ti­sche Sperr­holz­droh­nen vom Typ] Molnija an, die selbst das Stadt­zen­trum errei­chen. Seit Novem­ber schla­gen sie […] nicht nur tags­über zu, sondern auch nachts. […]

Hinzu kommen [in den süd­li­che Vor­or­ten] Angriffe mit Flug­zeug­bom­ben und Mehr­fach­ra­ke­ten­wer­fern. Glück­li­cher­weise ist Sapo­rischschja bislang keine Front­stadt, aber die Erfolge der Russen nahe [der rund 90 Kilo­me­ter Luft­li­nie ent­fern­ten Klein­stadt] Hul­ja­j­pole sind spürbar.“

„Die Todes­zone dik­tiert neue Regeln“

Die schlei­chende Vor­wärts­be­we­gung der rus­si­schen Streit­kräfte in Rich­tung Sapo­rischschja wurde möglich, weil es statt einer klaren Front­li­nie inzwi­schen eine breite Todes­zone gibt, die soge­nannte Kill­zone, in der Drohnen beider Seiten mas­sen­haft angrei­fen. Die Ukra­jinska Prawda berich­tet über die neue Rea­li­tät an der Front:

„Im engeren Sinne sind [mit Kill­zone] die Gebiete in ein bis fünf Kilo­me­ter Ent­fer­nung von der Kon­takt­li­nie gemeint, in denen die rus­si­sche Armee alle Unter­stände, Gebäu­de­reste und sogar Löcher zer­stört, die die [ukrai­ni­sche] Infan­te­rie für die Ver­tei­di­gung nutzen könnte. Im wei­te­ren Sinne reicht [die Todes­zone] bis zu […] fünf­zehn Kilo­me­ter hinter die unmit­tel­bare Kon­takt­li­nie, wo die Besat­zer es für ukrai­ni­sche Soldat:innen so gefähr­lich wie möglich machen, sich zu bewegen – und manch­mal sogar unmöglich.

Die gute Nach­richt – wenn man das über­haupt so nennen kann – ist, dass es die Todes­zone in beide Rich­tun­gen gibt. Auch die Russen werden von ukrai­ni­schen FPV-Drohnen ange­grif­fen und […] der Feind braucht länger, um seine Posi­tio­nen zu erreichen.

[…] diese dichte Todes­zone dik­tiert neue Regeln der Kriegs­füh­rung: Artil­le­ris­ten ziehen sich zurück und können manch­mal über­haupt nichts mehr aus­rich­ten, weil sie die Ziele mit ihren Geschos­sen nicht mehr errei­chen. Droh­nen­pi­lo­ten laufen mit ihrer sper­ri­gen und schwe­ren Aus­rüs­tung […] zehn Kilo­me­ter und mehr zu Fuß bis zu ihren Posi­tio­nen […]. […] [Einzig die Infan­te­ris­ten] […] stehen nach wie vor […] in Tarn­an­zü­gen und mit Maschi­nen­ge­weh­ren in den Händen an vor­ders­ter Front. Nur, dass sie jetzt fünf bis zehn Kilo­me­ter zu Fuß zwi­schen rus­si­schen FPV-Drohnen in der Luft und am Boden zu ihren Stel­lun­gen mar­schie­ren und dort 100 bis 150 Tage die Posi­tion halten müssen.“

„Niemand schal­tet die Logis­tik des Feindes in der Tiefe aus“

Babel zeich­net einen Schlag­ab­tausch zwi­schen dem ehe­ma­li­gen Anfüh­rer des inter­na­tio­na­len Frei­wil­li­gen­ver­bands Chosen Company, Ryan O’Leary, und dem Kom­man­deur der Truppen für unbe­mannte Systeme, Robert Brovdi (Kampf­name: Madyar), über stra­te­gi­sche Fragen der Droh­nen­kriegs­füh­rung nach:

„Laut O’Leary [der die ‚falsche Kriegs­tak­tik‘ der Armee kri­ti­siert] kon­zen­trie­ren sich die ukrai­ni­schen Droh­nen­pi­lo­ten darauf, Infan­te­ris­ten aus­zu­schal­ten – weil das auf Videos spek­ta­ku­lär aussehe und die gewünsch­ten Zahlen liefere. Dabei schalte jedoch niemand die Logis­tik des Feindes in einer Tiefe von 10 bis 40 Kilo­me­tern hinter der Front­li­nie (der soge­nann­ten ope­ra­ti­ven Tiefe) aus, und niemand gewähr­leiste die Sicher­heit der Logis­tik im ukrai­ni­schen Hin­ter­land. Genau diese Logis­tik aber würden rus­si­sche Drohnen angrei­fen: Fahr­zeuge, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kno­ten­punkte und ukrai­ni­sche Droh­nen­teams. […] wenn deren Ver­sor­gung und die Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen ihnen unter­bro­chen werde, breche die Ver­tei­di­gungs­li­nie zusammen.

[…] [Robert Brovdi ant­wor­tete, ukrai­ni­sche] Droh­nen­ein­hei­ten arbei­te­ten auf Anwei­sung ihrer Kom­man­deure – und die würden aus­nahms­los Ein­sätze gegen die rus­si­sche Infan­te­rie fordern. Deshalb lägen die Ziele, die die unbe­mann­ten Systeme angrei­fen, im Schnitt 1,44 Kilo­me­ter ent­fernt – also direkt ‚vor ihren Füßen‘. Jeder Korps­kom­man­deur verfüge über hun­derte eigener Droh­nen­crews, aber ‚niemand ist bereit, die Drohnen in der erfor­der­li­chen Tiefe ope­rie­ren zu lassen.‘ Um das zu ändern […] müsse die Zahl der unbe­mann­ten Systeme zunächst ver­drei­facht werden. Derzeit deckten sie weniger als ein Drittel der Front­li­nie ab.“

Europas Auf­rüs­tung nimmt Fahrt auf

Europas Rüs­tungs­in­dus­trie erhöht schritt­weise ihre Pro­duk­tion und reagiert damit zuneh­mend auf die rus­si­sche Bedro­hung. Die Fer­ti­gung liegt deut­lich höher als noch vor drei Jahren und wächst weiter. Aus ukrai­ni­scher Sicht bleibt das Tempo unzu­rei­chend – zugleich nährt der Trend die Hoff­nung, dass Europa endlich stärker zu einem geo­po­li­ti­schen Akteur wird, der sich im Ernst­fall eigen­stän­dig ver­tei­di­gen kann.

„Die euro­päi­sche Rüs­tungs­in­dus­trie wächst rasant“

LB berich­tet über den aktu­el­len Stand bei der euro­päi­schen Waffenproduktion:

„Der Her­stel­ler des Systems IRIS‑T hat 1,5 Mil­li­ar­den Euro in die Erwei­te­rung der Pro­duk­tion inves­tiert und eine Fabrik im Saar­land eröff­net, um mehr Luft­ab­wehr­ra­ke­ten­sys­teme her­zu­stel­len. Für dieses Jahr sind elf Kom­plexe geplant, bereits 2027 soll dies auf 16 Ein­hei­ten erwei­tert werden. [...]

Das deut­sche Unter­neh­men Diehl Defence hat am 23. Januar 2026 ein neues Rake­ten­in­te­gra­ti­ons­zen­trum in Nonn­wei­ler eröff­net. Ziel ist es, die Pro­duk­tion von Raketen der IRIS‑T-Familie, die unsere Städte schüt­zen, dras­tisch zu stei­gern. Die Auf­trags­bü­cher für die nächs­ten Jahre sind voll mit Bestel­lun­gen aus Deutsch­land, Däne­mark und Schwe­den, und der Markt­wert euro­päi­scher Rüs­tungs­un­ter­neh­men hat sich seit 2022 verdreifacht.

[In Frank­reich] [...] planen die Fabri­ken von Renault und Turgis & Gail­lard, bis zu 600 Drohnen pro Monat zu pro­du­zie­ren. Das Pro­gramm ist auf zehn Jahre ange­legt und umfasst ins­ge­samt 72.000 Einheiten. [...]

Grund­sätz­lich wächst die euro­päi­sche Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie rasant. Die meisten Her­stel­ler sind für die nächs­ten zehn Jahre aus­ge­las­tet. Die Aktien von Rhein­me­tall sind um 180 Prozent gestie­gen und die ETF-Ver­tei­di­gungs­fonds wachsen um 30 Prozent pro Jahr.“

„Die Schweiz beginnt, ihre Neu­tra­li­tät zu überdenken“

Die mit der Ukra­jinska Prawda ver­bun­dene Jew­ro­pe­jska Prawda ana­ly­siert, warum selbst die tra­di­tio­nell neu­trale Schweiz neu­er­dings Waf­fen­ex­porte an 25 Staaten erlaubt:

„Im Jahr 2022 wandte sich Deutsch­land zweimal mit der Bitte an die Schweiz, die Wie­der­aus­fuhr von 12.400 Stück Muni­tion für Gepard-Panzer, die bei der Droh­nen­ab­wehr beson­ders effek­tiv sind, in die Ukraine zu geneh­mi­gen. Beide Male erhielt Berlin eine Abfuhr, obwohl Deutsch­land diese Muni­tion bereits vor Jahr­zehn­ten erwor­ben hatte.

Grund für die Ableh­nung war, dass die Schweiz zu diesem Zeit­punkt den Export und Re-Export von Waffen aus eigener Pro­duk­tion in Länder aus­schloss, die in bewaff­nete Kon­flikte ver­wi­ckelt sind. [...]

Nun hat das Bun­des­par­la­ment beschlos­sen, den Export und Re-Export seiner Waffen in 25 Länder – die meisten davon in Europa – prin­zi­pi­ell zu geneh­mi­gen, selbst wenn es dort bewaff­nete Kon­flikte gibt.

Der Grund dafür waren [...] offen­sicht­li­che Sorgen um die Zukunft der eigenen Rüs­tungs­in­dus­trie. Die Abge­ord­ne­ten bemerk­ten wohl, dass die Euro­päer Auf­träge im Bereich Ver­tei­di­gung immer sel­te­ner an Schwei­zer Unter­neh­men ver­ge­ben und dass sie immer zurück­hal­ten­der beim Kauf von Waffen sind, für die strenge (Re-)Exportbeschränkungen gelten.

Die Ent­schei­dung [des Par­la­ments] geht jedoch weit über den reinen Export von Waffen hinaus. Sie spie­gelt auch die Tat­sa­che wider, dass die Schweiz ange­sichts neuer [...] Sicher­heits­be­dro­hun­gen auf dem euro­päi­schen Kon­ti­nent begon­nen hat, ihren neu­tra­len Status zu überdenken.“

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Ukrai­ni­sche Medien

Die Online-Zeitung Ukra­jinska Prawda ver­öf­fent­licht als regie­rungs­kri­ti­sches Medium inves­ti­ga­tive Artikel und deckte auch Kor­rup­ti­ons­fälle inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung auf. Sie zählt zu den meist­ge­nutz­ten Nach­rich­ten­por­ta­len der Ukraine.

Die Ukra­jinska Prawda wurde im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse gegrün­det, der im dar­auf­fol­gen­den Jahr – angeb­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma – ermor­det wurde. Die heutige Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment-Manage­ment-Gesell­schaft, die vom tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gelei­tet wird.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 69,6 Millionen

Das Online-Nach­rich­ten­por­tal und ‑Fern­se­hen Hro­madske finan­ziert sich über Crowd­fun­ding bei seinen Lese­rin­nen und Lesern, Spenden, Werbung und über für andere Medien auf­ge­nom­mene Videos.

Hro­madske wurde als NGO mit dazu­ge­hö­ri­gen Online-Medien im Novem­ber 2013 mit Beginn des Euro­mai­dan gegrün­det. Die jetzige Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Jewhe­nija Motorewska, die sich zuvor mit dem Thema Kor­rup­tion in ukrai­ni­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den befasst hat.

Die Wei­ter­ent­wick­lung von Hro­madske wird von einem Vor­stand vor­an­ge­trie­ben, der aus sieben pro­mi­nen­ten ukrai­ni­schen Per­sön­lich­kei­ten besteht, dar­un­ter Nobel­preis­trä­ge­rin Olek­san­dra Matwijtschuk.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2,8 Millionen

Der ukrai­ni­sche Fern­seh­sen­der mit Online-Nach­rich­ten­por­tal, dessen Chef­re­dak­teu­rin die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Chry­styna Hawryl­juk ist, wird finan­zi­ell von der ukrai­ni­schen Regie­rung unter­stützt. In diesem Zusam­men­hang hat sich die Website einer aus­ge­wo­ge­nen Bericht­erstat­tung verpflichtet.

Das renom­mierte Insti­tute of Mass Infor­ma­tion führte Suspilne.Novyny im Sep­tem­ber 2021 auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten.

Suspilne.Novyny wurde im Dezem­ber 2019 gegrün­det und gehört zur Natio­na­len öffent­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft der Ukraine. Im Januar 2015 war die zuvor staat­li­che Rund­funk­an­stalt ent­spre­chend euro­päi­schen Stan­dards in eine öffent­li­che Rund­funk­ge­sell­schaft umge­wan­delt worden.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 7,4 Millionen

NV ist eine Print- und Online-Zeit­schrift, deren Schwer­punkt auf Nach­rich­ten aus dem Ausland und der ukrai­ni­schen Politik liegt. Zu den Haupt­the­men zählen die inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung der Ukraine, Kor­rup­tion sowie die künf­tige Ent­wick­lung des Landes. Die Online-Ausgabe ver­öf­fent­lich oft Artikel renom­mier­ter aus­län­di­scher Medien wie The Eco­no­mist, The New York Times, BBC und Deut­sche Welle. Die Zeit­schrift erscheint frei­tags als Druck­aus­gabe auf Ukrai­nisch, die Website ist auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch ver­füg­bar. NV gilt als eine der zuver­läs­sigs­ten Nach­rich­ten­quel­len in der Ukraine.

NV wurde im Jahr 2014 – ursprüng­lich unter dem Namen Nowjoe Wremja („Die neue Zeit“) – vom ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Witalij Sytsch gegrün­det, der die Chef­re­dak­tion über­nahm. Zuvor arbei­tete Sytsch bei dem eben­falls popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er verließ Kor­re­spon­dent, nachdem es an Serhij Kur­tschenko – einen Janu­ko­wytsch nahe­ste­hen­den Olig­ar­chen aus Charkiw – ver­kauft worden war. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, dessen Eigen­tü­mer der tsche­chi­sche Unter­neh­mer Tomáš Fiala ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 27,1 Millionen

Dser­kalo Tyschnja liefert Hin­ter­grund­be­richte und Ana­ly­sen; das The­men­spek­trum umfasst poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, soziale und kul­tu­relle Themen. Die Zeitung betrach­tet die ukrai­ni­sche Politik und deren Akteure in einem inter­na­tio­na­len Zusam­men­hang. Dser­kalo Tyschnja steht auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sige Infor­ma­tio­nen liefern.

Dser­kalo Tyschnja ist eine der ältes­ten ukrai­ni­schen Zei­tun­gen und erschien zuerst 1994. Seit 2020 ist die Zeitung nur noch online ver­füg­bar: auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Mostowa, Ehefrau des ehe­ma­li­gen ukrai­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters Ana­to­lij Hrysenko.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 4,7 Millionen

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel wurde im Sep­tem­ber 2018 gegrün­det. Das The­men­spek­trum umfasst soziale und poli­ti­sche Themen; beson­de­res Augen­merk gilt aber auch Nach­rich­ten aus der Wis­sen­schaft und über neue Technologien.

Nach dem 24. Februar 2022 wurde die zuvor eben­falls ange­bo­tene rus­si­sche Version der Website geschlos­sen. Statt­des­sen wird nun eine eng­li­sche Version ange­bo­ten. Babel finan­ziert sich über Spenden. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter von Babel enga­gie­ren sich in zahl­rei­chen Pro­jek­ten, die darauf abzie­len, die ukrai­ni­schen Streit­kräfte während des Krieges zu unterstützen.

Die Eigen­tü­mer des Online-Maga­zins sind der erste Chef­re­dak­teur Hlib Husjew, Kateryna Kober­nyk und das slo­wa­ki­sche Unter­neh­men IG GmbH.

Heute ist die ukrai­ni­sche Jour­na­listin Kateryna Kober­nyk Chef­re­dak­teurin von Babel.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 1,1 Millionen

Das Online-Magazin LB gehört zum Hor­schenin-Insti­tut, einer ukrai­ni­schen Denk­fa­brik, die sich mit poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Pro­zes­sen in der Ukraine und der Welt beschäf­tigt. LB hat sich auf Inter­views spe­zia­li­siert; häufige Themen sind die ukrai­ni­sche Innen- und inter­na­tio­nale Politik sowie soziale Fragen in der Ukraine.

LB wurde im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh gegrün­det, Chef­re­dak­teu­rin Sonja Kosch­kina hat seit 2018 einen eigenen Youtube-Kanal „Kish­kiNA“, auf dem sie Inter­views mit ver­schie­de­nen Per­so­nen veröffentlicht.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2 Millionen

Im Fokus des ukrai­ni­schen im Jahr 2000 gegrün­de­ten Online-Nach­rich­ten­por­tals LIGA stehen wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und soziale Themen. Seit 2020 steht LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die stets präzise Infor­ma­tio­nen und zuver­läs­sige Nach­rich­ten anbieten.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Bankowa, die davor eine lei­tende Posi­tion bei dem Online-Magazin Hro­madske hatte.

Der Eigen­tü­mer des Nach­rich­ten­por­tals ist die ukrai­ni­sche unab­hän­gige Media­hol­ding Liga­me­dia, deren Geschäfts­füh­rer Dmytro Bon­da­renko ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 8,5 Millionen

Censor prä­sen­tiert sich als Website mit „emo­tio­na­len Nach­rich­ten“. Der Fokus liegt vor allem auf innen­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen. Seit dem rus­si­schen Über­fall auf die Ukraine sind viele Bei­träge den Ereig­nis­sen an der Front und den ukrai­ni­schen Streit­kräf­ten gewid­met. Censor ist auf drei Spra­chen ver­füg­bar: Ukrai­nisch, Rus­sisch und Englisch.

Das Nach­rich­ten­por­tal Censor wurde 2004 vom bekann­ten ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Jurij Butusow gegrün­det und zählt zu den popu­lärs­ten Nach­rich­ten­sei­ten des Landes. Butusow gilt als schar­fer Kri­ti­ker von Prä­si­dent Selen­skyj. Er erhebt schwere Vor­würfe in Bezug auf Kor­rup­tion inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung, schlechte Vor­be­rei­tung auf den Krieg gegen Russ­land und unbe­frie­di­gende Ver­wal­tung der Armee. Butusow wird von über 400.000 Men­schen auf Face­book gelesen. Seine Posts auf dem sozia­len Netz­werk haben enormen Ein­fluss und lösen hitzige Dis­kus­sio­nen aus.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 59 Millionen

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