„Das Jahr der Wahrheit“

Die ukrainische Flagge neben dem Zentralmarkt in Kostiantynivka
Foto: IMAGO /​ Anadolu Agency

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 24. Dezem­ber 2025 bis 6. Januar 2026:
Selen­skyjs große Neujahrsrochade
„Frie­dens­ver­hand­lun­gen“: Wann fliegt Russ­lands Bluff auf?
Nüch­ter­ner Jah­res­rück­blick 2025

Selen­skyjs große Neujahrsrochade

In den ersten Janu­ar­ta­gen leitete Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj eine weit­rei­chende Umbe­set­zung an der Staats­spitze ein. Im Zentrum steht die Neu­be­set­zung des Prä­si­di­al­amts: Der frühere Geheim­dienst­chef Kyrylo Budanow folgt auf Andrij Jermak. Er gilt als macht­be­wusst und poli­tisch ehr­gei­zig. Desi­gnier­ter Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter ist Mycha­jlo Fedorow – der Kopf hinter der inno­va­ti­ven Ver­wal­tungs-App Diia und dem erfolg­rei­chen Digi­tal­mi­nis­te­rium. Über­ra­schend wurde auch der Leiter des Inlands­ge­heim­diens­tes SBU aus­ge­tauscht. Ukrai­ni­sche Medien dis­ku­tie­ren die Signal­wir­kung von Selen­skyjs großer Neujahrsrochade.

„Budanow hat direkte Kon­takte zu den Russen“

Die Ukra­jinska Prawda sieht den ent­schei­den­den Grund für die Wahl Bud­anows zum Leiter der Prä­si­di­al­ver­wal­tung in seiner bes­se­ren Ver­hand­lungs­po­si­tion gegen­über den USA:

„Aus Sicht der US-Ame­ri­ka­ner hat Budanow zwei große Vor­teile. Erstens verfügt er über einen rea­lis­ti­schen Blick auf die Lage im Krieg, sodass man mit ihm ange­mes­sene Ver­hand­lun­gen führen kann. Zwei­tens ist er nicht in die auf­se­hen­er­re­gen­den Kor­rup­ti­ons­skan­dale der jüngs­ten Zeit ver­wi­ckelt, sodass seinen guten Ruf nicht ver­liert, wer mit ihm verhandelt.

Darüber hinaus ist Budanow so gut wie der Einzige im Land, der über direkte Arbeits­kon­takte zu den Russen verfügt. Er hat mit ihnen den Aus­tausch von Gefan­ge­nen ver­han­delt und […] während der jüngs­ten diplo­ma­ti­schen Bemü­hun­gen der neuen US-Regie­rung in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten Gesprä­che unter vier Augen [mit ein­zel­nen rus­si­schen Diplo­ma­ten] geführt.

Die Stär­kung der Ver­hand­lungs­gruppe und die ‚Dezen­tra­li­sie­rung‘ der Kon­takte mit den US-Ame­ri­ka­nern dürften die wich­tigs­ten Ver­än­de­run­gen sein, die Bud­anows Ernen­nung mit sich bringt.

Seine [künf­tige] Rolle in der Außen­po­li­tik war […] für den Leiter des Prä­si­di­al­amts einer der Haupt­gründe, der neuen Posi­tion zuzu­stim­men. […] er wird auf ukrai­ni­scher Seite die Ver­hand­lun­gen über ein Ende des Krieges, über Garan­tien seitens der USA und ihrer Partner und über weitere sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen leiten.“

„Geheim­dienst­chef hätte vor Kor­rup­ti­ons­af­färe warnen müssen”

Liga berich­tet über die über­ra­schende Abbe­ru­fung des aner­kann­ten SBU-Chefs Wassyl Maljuk, der für geheime Mili­tär­ak­tio­nen wie „Spin­nen­netz“ und Ope­ra­tio­nen gegen die rus­si­sche Schwarz­meer­flotte bekannt war:

„Obwohl Gerüchte über Maljuks Rück­tritt bereits eine Woche vor Neujahr auf­ka­men, war man beim SBU bis zum 5. Januar davon über­zeugt, dass jeder andere abge­setzt werden könnte – nur er nicht.

Die Nach­richt über einen mög­li­chen Wechsel an der Spitze des Inlands­ge­heim­diens­tes wurde sowohl inner­halb der Behörde als auch in den Streit­kräf­ten […] negativ aufgenommen.

‚Ich diene seit 2008 beim SBU. Maljuk ist der erste und einzige Leiter, auf den der Dienst stolz sein kann. Das ist jemand, der selbst gegen die Rus­si­sche Föde­ra­tion gekämpft hat und [wei­ter­hin] kämpft: durch unmit­tel­bare Kampf­ein­sätze, durch sein Vor­ge­hen gegen Spione und durch seine per­sön­li­che Auto­ri­tät‘, sagt Roman Kos­tenko, Abge­ord­ne­ter [der Partei] Holos […]. Die Erfolge der Ukraine sowohl im Schwar­zen Meer als auch im rus­si­schen Hin­ter­land seien ‚die Arbeit des Chefs und seines Teams‘, so Kostenko.

Ein Gesprächs­part­ner bestä­tigte gegen­über LIGA, […] Maljuk habe sein Amt nicht frei­wil­lig abge­ge­ben. Der Prä­si­dent habe ihn jedoch über­zeu­gen können. Grund dafür sei der große öffent­li­che Aufruhr rund um [die Kor­rup­ti­ons­af­färe] ‚Min­dit­sch­gate‘ […]. Maljuk hätte […], wenn schon nicht vor dem Leak selbst, dann zumin­dest vor dem Ausmaß des Skan­dals warnen müssen.“

„Es wird enormen Wider­stand geben”

Forbes sieht Mycha­jlo Fedo­rows Wechsel vom Digital- ins Ver­tei­di­gungs­res­sort als fol­ge­rich­tig, weil er die Tech­no­lo­gi­sie­rung der Armee wesent­lich vor­an­ge­trie­ben hat:

„‚Er hat die Vision, die Streit­kräfte mit­hilfe moder­ner Waffen umzu­struk­tu­rie­ren sowie den Mut und die Ent­schlos­sen­heit, dies umzu­set­zen‘, sagt ein ehe­ma­li­ges Mit­glied des Natio­na­len Sicher­heits- und Ver­tei­di­gungs­rats […]. Ihm zufolge hat [der nun abtre­tende Denys] Schmyhal als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter die Lage sta­bi­li­siert, während Fedorow [grund­le­gende] Ver­än­de­run­gen in der Arbeit des Minis­te­ri­ums her­bei­füh­ren könne. [...]

Fedo­rows Haupt­auf­gabe im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium besteht laut [der ehe­ma­li­gen stell­ver­tre­ten­den Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin für Digi­ta­li­sie­rung, Kateryna] Cher­noho­renko darin, die frag­men­tier­ten und unter­schied­lich umge­setz­ten Pro­jekte in den ukrai­ni­schen Streit­kräf­ten zu einem ein­heit­li­chen System zusammenzufügen.

Die Büro­kra­tie zu bekämp­fen und dem Mikro­ma­nage­ment im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium ein Ende zu setzen, werde eine Her­aus­for­de­rung für Fedorow, so das ehe­ma­lige Mit­glied des Natio­na­len Sicher­heits- und Ver­tei­di­gungs­rats. ‚Er ist ein Fremder in diesem System. Es wird enormen Wider­stand geben‘ [...]. [...] Das größte Risiko [...] bestehe darin, dass [Fedorow] das alte System zer­störe, ohne ein neues auf­zu­bauen. [...] ‚Aber wenn es ihm gelingt, das Minis­te­rium zu refor­mie­ren und die Effi­zi­enz der Streit­kräfte zu stei­gern, wird er zum Retter des Landes.‘“

„Frie­dens­ver­hand­lun­gen“: Wann fliegt Russ­lands Bluff auf?

In der Ukraine werden Russ­lands Beteue­run­gen, sich für Frieden ein­zu­set­zen, weithin als gezielte Lügen gewer­tet. Echte Ver­hand­lun­gen, so die ver­brei­tete Ansicht, würden erst begin­nen, wenn Moskau an der Front oder im Inneren in eine spür­bare Krise gerate. Diese Linie ver­tre­ten auch ukrai­ni­sche Regierungsvertreter:innen, die inter­na­tio­nal auf härtere Sank­tio­nen drängen. Ukrai­ni­sche Medien zeigen sich hoff­nungs­voll, dass die Belas­tun­gen der Kriegs­wirt­schaft für den Aggres­sor 2026 noch einmal wesent­lich spür­ba­rer werden.

„Die Ver­letzt­lich­keit des Kreml ist deut­lich geworden“

In einer umfas­sen­den Pro­gnose für Liga ana­ly­sie­ren die Exper­ten Valen­tyn Badrak (Direk­tor des Zen­trums für Armee‑, Kon­ver­si­ons- und Abrüs­tungs­stu­dien) und Volo­dymyr Hor­bu­lin (Vize­prä­si­dent der Natio­na­len Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten) die Aus­sich­ten auf einen – nicht nur – wirt­schaft­li­chen Zusam­men­bruch Russ­lands im Jahr 2026:

„Im Jahr 2025 geriet die rus­si­sche Wirt­schaft zum ersten Mal merk­lich ins Wanken. Und obwohl es noch keine Anzei­chen für eine unmit­tel­bare Gefahr gibt, wurde die Ver­letz­lich­keit des Kreml deut­lich. Dabei geht es nicht nur um Sank­tio­nen, sondern auch um den erheb­li­chen und sys­te­ma­ti­schen Anteil der [ukrai­ni­schen] Ver­tei­di­gungs­kräfte an der Zer­stö­rung der Rus­si­schen Föde­ra­tion. Unter den der­zei­ti­gen Bedin­gun­gen kann die Rus­si­sche Föde­ra­tion den Krieg noch einige Jahre finan­zie­ren, doch wenn der Druck steigt, könnte das schnell schwie­rig werden. [...] chi­ne­si­sche Medien haben damit begon­nen, offen über das Sze­na­rio zu dis­ku­tie­ren, sich nach einem mög­li­chen Zerfall der Rus­si­schen Föde­ra­tion dessen wohl­ha­bende Region [im Fernen Osten] einzuverleiben.“

„Der Feind ist nicht so furcht­ein­flö­ßend, wie er scheint“

Auch Taras Chmut, Leiter der größten ukrai­ni­schen Mili­tär­hilfs­or­ga­ni­sa­tion Come Back Alive, sieht im Inter­view mit der Ukra­jinska Prawda Russ­lands ver­meint­li­che Stärke bröckeln:

„Russ­land ist Welt­meis­ter darin sich auf­zu­plus­tern. Bis 2022 hatten alle Angst vor der rus­si­schen Armee und ihren Waffen. Doch die kleine Ukraine hat gezeigt, dass Russen sehr wohl sterben. Ihre Waffen sind mit­tel­mä­ßig, ihre Aus­rüs­tung fängt Feuer, wird in die Luft gesprengt und explodiert.

Dieser Feind ist nicht so furcht­ein­flö­ßend, wie er scheint.

Russ­land spielt wei­ter­hin die Rolle einer mäch­ti­gen Nation, obwohl es das Land in Wirk­lich­keit genauso schwer hat wie wir. Ich bin mir gar nicht sicher, wer es derzeit schwe­rer hat – wir oder sie. […] Sie sind einfach sehr gut darin sich zu tarnen, die Backen auf­zu­bla­sen und eine Macht vor­zu­täu­schen, die sie gar nicht haben.

[…] Ja, Russ­land ist für Ver­hand­lun­gen. Denn es ist sich dessen bewusst, dass [sonst] […] die Gefahr steigt, diesen Krieg zu ver­lie­ren. Weil die Sank­tio­nen schmer­zen, weil die Ukraine überall zuschlägt, weil es auf dem Schlacht­feld hart ist, weil die Mobi­li­sie­rung zwar noch in pas­sa­blem Tempo läuft, aber von Jahr zu Jahr schwie­ri­ger wird, weil Aus­rüs­tung zer­stört wird – und weil es um ein Viel­fa­ches schwe­rer ist, einen offen­si­ven Angriffs­krieg gegen ein Volk zu führen, das für seine Rechte kämpft.“

„Besser auf die ‚bösen Russen‘ setzen”

Liga denkt offen darüber nach, wie es nach Putins Tod in Russ­land wei­ter­ge­hen könnte und lässt unter anderem den in Russ­land gebo­re­nen Anwalt Ilya Novikov zu Wort kommen:

„Putins Tod allein wird nicht alle Pro­bleme lösen – in Russ­land gibt es etwa 20 Mil­lio­nen Men­schen, die den Krieg aktiv unter­stüt­zen: Sol­da­ten, ihre Fami­lien und die­je­ni­gen, die davon pro­fi­tie­ren. Es wächst eine Gene­ra­tion von Kindern der gefal­le­nen Besat­zer heran, die im Geist der Rache erzogen werden – was den Boden für einen neuen Kon­flikt in zehn bis zwanzig Jahren bereitet.

Die ‚guten Russen‘ in der demo­kra­ti­schen Emi­gra­tion, die sich aus Angst, die Stimmen zukünf­ti­ger Wähler:innen zu ver­lie­ren, nicht zur Rück­gabe der Krim äußern, sind nicht von Nutzen.

Besser ist es, auf die ‚bösen Russen‘ zu setzen – auf regio­nale Eliten und sogar kri­mi­nelle Struk­tu­ren, die eigene Inter­es­sen und Kon­flikte mit Moskau haben. Die Unter­stüt­zung des regio­na­len Sepa­ra­tis­mus wird zum Zerfall Russ­lands in Dut­zende kleiner Staaten führen – das ist die einzige rea­lis­ti­sche Chance, einen neuen großen Krieg zu verhindern.“

Nüch­ter­ner Rück­blick auf das Jahr 2025

Die Jah­res­rück­bli­cke in ukrai­ni­schen Medien sind von einer nüch­ter­nen Erkennt­nis geprägt: 2025 war ein sehr schwe­res Jahr. Zwi­schen Front­ein­brü­chen im Osten, Kor­rup­ti­ons­skan­da­len in Kyjiw und dem zer­mür­ben­den Kriegs­all­tag im ganzen Land fragen Kommentator:innen, welche Lehren sich aus den ver­gan­ge­nen zwölf Kriegs­mo­na­ten ziehen lassen.

„Das Jahr der Wahrheit“

Die Ukra­jinska Prawda resü­miert, 2025 hätten sich die Ukrainer:innen von ihren Illu­sio­nen verabschiedet:

„Im ver­gan­ge­nen Jahr hat die Ukraine fak­tisch aner­kannt, dass das maxi­ma­lis­ti­sche Konzept unseres Sieges in naher Zukunft nicht rea­li­sier­bar ist. Dass Mariu­pol und Berdjansk, Donezk und Luhansk, Sim­fe­ro­pol und Sewas­to­pol noch lange besetzt bleiben werden. Und dass wir derzeit nur das Ein­frie­ren der Kampf­hand­lun­gen zu für Kyjiw mehr oder weniger akzep­ta­blen Bedin­gun­gen errei­chen können.

Außer­dem mussten wir ein­se­hen, dass sich der wich­tigste Partner der Ukraine, Washing­ton, in einen zyni­schen Erpres­ser ver­wan­delt hat, der Moskau gegen­über wohl­ge­son­nen ist. Dass die hei­mi­schen Reser­ven an Stand­fes­tig­keit in diesem Zer­mür­bungs­krieg gerin­ger sind, als wir uns das gewünscht hätten. Und dass inmit­ten des blu­ti­gen Krieges groß ange­legte Kor­rup­ti­ons­netz­werke in der Ukraine flo­rie­ren, an denen hoch­ran­gige Beamte betei­ligt sind.

Das ver­gan­gene Jahr brachte den Ukrainer:innen viele Ent­täu­schun­gen und Leiden. Gleich­zei­tig wurde 2025 für die Ukraine zum Jahr der Wahr­heit. Es war bitter, schmerz­haft und grausam – aber wahr­haf­tig. In den letzten zwölf Monaten hat die Wahr­heit selbst die­je­ni­gen von uns erreicht, die sich lange und sorgsam vor ihr ver­steckt hatten.“

„Wir behan­deln ein­an­der anständiger“

Im Inter­view mit Hro­madske erklärt Yevhen Holo­vakha, Leiter des Insti­tuts für Sozio­lo­gie an der Natio­na­len Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, die Ukrainer:innen würden ein­an­der wieder stärker vertrauen:

„‚Jene Men­schen, die sagen: ‚Man kann anderen nicht trauen‘ oder ‚Die meisten handeln unehr­lich, wenn ihnen das etwas nutzt‘, sind weniger geworden.

Wir behan­deln ein­an­der anstän­di­ger, und es ist klar, warum. Wir leiden: Manche sterben, ver­lie­ren Ange­hö­rige, andere leben 16 Stunden [am Tag] ohne Strom. Das sind natür­lich unter­schied­li­che Dinge, aber psy­cho­lo­gisch ist es eine sehr schwie­rige Situation.

Und die Men­schen ertra­gen das, bleiben mensch­lich dabei. Sie arbei­ten weiter, leben weiter, unter­stüt­zen ein­an­der. Und wie viele Frei­wil­lige gibt es, die ohne Unter­lass der Armee und Bedürf­ti­gen helfen... Die Ukrainer:innen sind [im ver­gan­ge­nen Jahr] besser mit­ein­an­der umge­gan­gen. Sie ver­las­sen sich mehr auf­ein­an­der. Das ist gut.

Ande­rer­seits sind die Men­schen ange­spann­ter. Die Gesund­heit hat sich [bei vielen] ver­schlech­tert, ins­be­son­dere die psy­chi­sche und mentale Gesund­heit. In dieser Hin­sicht leiden wir stark unter dem Krieg.“

Portrait von Christian-Zsolt Varga

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Portrait von Anton Semyzhenko

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Ukrai­ni­sche Medien

Ukra­jinska Prawda ist eines der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­tale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch inves­ti­ga­tive Recher­chen und die Auf­de­ckung von Kor­rup­ti­ons­fäl­len in der ukrai­ni­schen Regie­rung. Außer­dem ver­öf­fent­licht Ukra­jinska Prawda Repor­ta­gen von der Front, baut sein Podcast- und Video­an­ge­bot aus und betreibt zahl­rei­che spe­zia­li­sierte Ableger zu Themen wie Wirt­schaft, Life­style, Mili­tär­tech­nik und Sport.

Gegrün­det wurde Ukra­jinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse. Er wurde im dar­auf­fol­gen­den Jahr ermor­det, mut­maß­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma. Chef­re­dak­teu­rin ist heute die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment­ge­sell­schaft unter Leitung des tsche­chi­schen Unter­neh­mers Tomáš Fiala.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete pravda.com.ua 38,7 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Hro­madske finan­ziert sich durch Crowd­fun­ding, Spenden inter­na­tio­na­ler Geber, Werbung und die Pro­duk­tion von Videos für andere Medien. Journalist:innen grün­de­ten das Online-Nach­rich­ten­por­tal im Novem­ber 2013 zu Beginn des Euro­mai­dan als NGO. Mit mil­lio­nen­fach abge­ru­fe­nen Live­streams wurde Hro­madske rasch zu einem der belieb­tes­ten Online-Medien des Landes.

Später ver­la­gerte sich der Fokus stärker auf Text­bei­träge, während Team, Reich­weite und Res­sour­cen schrumpf­ten. Trotz­dem bleibt Hro­madske eine der ver­läss­lichs­ten Infor­ma­ti­ons­quel­len des Landes. Die Chef­re­dak­teu­rin Daryna Fedenko, zuvor Lei­te­rin der Nach­rich­ten­re­dak­tion des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks Sus­pilne, führt das Portal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete hromadske.ua 1,8 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Sus­pilne Novyny, das Nach­rich­ten­an­ge­bot der ukrai­ni­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft, bietet ein Fern­seh­pro­gramm und ein Online-Nach­rich­ten­por­tal. Der Sender finan­ziert sich durch staat­li­che Mittel und zahl­rei­che inter­na­tio­nale Geber. Er ver­pflich­tet sich zu aus­ge­wo­ge­ner Berichterstattung.

Der Sender steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die nach Ein­schät­zung der renom­mier­ten ukrai­ni­schen NGO Insti­tute of Mass Infor­ma­tion ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten. Die Liste wird vier­tel­jähr­lich aktualisiert.

Die Nach­rich­ten­re­dak­tion von Sus­pilne ist zudem für sein breites regio­na­les Netz­werk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website suspilne.media 9,9 Mil­lio­nen Aufrufe.

NV ist ein Online-Nach­rich­ten­por­tal, ein vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Print­ma­ga­zin und ein Radio­sen­der. Die Redak­tion berich­tet über inter­na­tio­nale Nach­rich­ten und ukrai­ni­sche Politik. Es legt den Fokus auf inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung für die Ukraine, Kor­rup­tion und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch grün­dete NV 2014 und über­nahm die Chef­re­dak­tion. Zuvor arbei­tete Sytsch beim popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er und viele heutige NV-Mit­ar­bei­ter ver­lie­ßen Kor­re­spon­dent, nachdem Serhij Kur­tschenko, ein Olig­arch aus Charkiw mit engen Ver­bin­dun­gen zum dama­li­gen Prä­si­dent Wiktor Janu­ko­wytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, das dem tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gehört.

Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

ZN.UA behan­delt poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, gesell­schaft­li­che und kul­tu­relle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine poli­ti­schen Artikel bekannt, die oft wert­volle Hin­ter­gründe und Ein­bli­cke liefern. Die ursprüng­li­che Print-Zeitung erschien erst­mals 1994 und zählt damit zu den ältes­ten und ein­fluss­reichs­ten Ana­ly­se­me­dien der unab­hän­gi­gen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie aus­schließ­lich online – auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Die lang­jäh­rige Chef­re­dak­teu­rin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin und ist mit dem frü­he­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ana­to­lij Hry­zenko ver­hei­ra­tet. ZN.UA steht seit Jahren auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sig informieren.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website zn.ua 8,5 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel star­tete im Sep­tem­ber 2018 als Platt­form für die Mit­tel­schicht des Landes. Heute deckt es gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Themen ab, kon­zen­trierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wis­sen­schaft und neue Tech­no­lo­gien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die rus­sisch­spra­chige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine eng­lisch­spra­chige Ausgabe. Trotz kleiner Redak­tion und begrenz­ter Reich­weite gewann das Magazin mit poli­ti­schen Arti­keln und viel beach­te­ten Recher­chen über Miss­hand­lun­gen von Sol­da­ten in der ukrai­ni­schen Armee an Einfluss.

Babel gehört der Grün­de­rin und Chef­re­dak­teu­rin Kateryna Kober­nyk sowie Olek­sandr Babenko, dem Eigen­tü­mer des Droh­nen­her­stel­lers Vyriy Industries.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete babel.ua 1,2 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das Online-Magazin LB gehört zum Gor­s­henin Insti­tute, einem ukrai­ni­schen Thinktank, die poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Ukraine und welt­weit ana­ly­siert. LB erlangte vor allem durch seine Inter­views Bekannt­heit. Es behan­delt häufig Themen wie die ukrai­ni­sche Innen- und Außen­po­li­tik sowie gesell­schaft­li­che Fragen. Gegrün­det wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die links­sei­ti­gen Stadt­teile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.

Chef­re­dak­teu­rin ist die renom­mierte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Sonja Koschkina.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website lb.ua 2,3 Mil­lio­nen Aufrufe.

Das ukrai­ni­sche Online-Nach­rich­ten­por­tal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und kon­zen­trierte sich zunächst auf Wirt­schafts­the­men. Später weitete es seine Bericht­erstat­tung auf Politik, Life­style und andere Berei­che aus. Seit 2020 führt das Insti­tute of Mass Infor­ma­tion LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ver­läss­lich und korrekt informieren.

Chef­re­dak­teu­rin ist die Jour­na­lis­tin Yuliia Bankova, die zuvor eine Füh­rungs­po­si­tion beim Online-Magazin Hro­madske inne­hatte. Das Portal gehört zur unab­hän­gi­gen Medi­en­hol­ding Liga Media, die Dmytro Bon­da­renko leitet.

Im Juli 2026 ver­zeich­nete die Website liga.net 4,4 Mil­lio­nen Seitenaufrufe.

Der ukrai­ni­sche Dienst des US-finan­zier­ten Aus­lands­me­di­ums Radio Free Europe/​Radio Liberty (RFE/​RL) nahm bereits 1954 seinen Sen­de­be­trieb auf. 1992 eröff­nete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dut­zende Mit­ar­bei­tende anwuchs.

Heute arbei­tet Radio Svoboda vor allem als Online-Nach­rich­ten­por­tal und pro­du­ziert daneben auch Pod­casts und Video­re­por­ta­gen. Seit 2014 berich­ten die Redak­tio­nen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Sche­mata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renom­mierte Investigativredaktion.

Chef­re­dak­teu­rin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.

Sei­ten­auf­rufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen

Das unab­hän­gige Ana­ly­se­me­dium Texty.org.ua wurde von den Jour­na­lis­ten Roman Kul­chyn­sky und Ana­to­liy Bon­da­renko gegrün­det. Kul­chyn­sky leitet die Redak­tion und ist heute Chef­re­dak­teur, während Bon­da­renko vor­wie­gend daten­jour­na­lis­tisch arbei­tet. Ent­spre­chend ist Texty.org.ua ins­be­son­dere für auf­wen­dige Daten­re­cher­chen und Info­gra­fi­ken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaf­fen und mehrere renom­mierte inter­na­tio­nale Aus­zeich­nun­gen im Bereich des Daten­jour­na­lis­mus gewonnen.

Daneben ver­öf­fent­licht Texty.org.ua hoch­wer­tige Repor­ta­gen und ana­ly­ti­sche Bei­träge, ins­be­son­dere zum rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukraine.

Sei­ten­auf­rufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200

The Kyiv Inde­pen­dent wurde im Novem­ber 2021 vom Kern­team der damals füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen ukrai­ni­schen Zeitung Kyiv Post gegrün­det. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Kon­flikt mit dessen Eigen­tü­mer ver­las­sen und wollten die neue Redak­tion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finan­zie­ren. Der rus­si­sche Groß­an­griff vier Monate später rückte die Ukraine welt­weit ins Zentrum der Auf­merk­sam­keit – und The Kyiv Inde­pen­dent ent­wi­ckelte sich zu einer der wich­tigs­ten Nach­rich­ten­quel­len über das Land für ein inter­na­tio­na­les Publikum.

Heute ist The Kyiv Inde­pen­dent eines der füh­ren­den eng­lisch­spra­chi­gen Medien der Ukraine und finan­ziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Inves­ti­ga­tiv­re­dak­tion auf­ge­baut, die sich ins­be­son­dere mit rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen befasst.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Olha Rudenko.

Sei­ten­auf­rufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen

Jew­ro­pe­jska Prawda wurde im Juni 2014 gegrün­det und berich­tet vor allem über die Inte­gra­tion der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewan­nen damals stark an Bedeu­tung: Nach der Revo­lu­tion der Würde erhielt die Ukraine eine pro­eu­ro­päi­sche Regie­rung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die rus­si­sche Anne­xion der Krim zusätz­li­che sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen aufwarfen.

Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wich­tigs­ten Quellen für ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen und Ana­ly­sen zur ukrai­ni­schen Außen­po­li­tik sowie zu Themen der inter­na­tio­na­len Politik ent­wi­ckelt. Da Jew­ro­pe­jska Prawda eng mit Ukra­jinska Prawda koope­riert, wird es häufig als deren Ressort wahr­ge­nom­men. Tat­säch­lich verfügt es jedoch über eine eigen­stän­dige Redak­tion unter der Leitung von Sergiy Sydo­renko. Beide Medien über­neh­men regel­mä­ßig Inhalte von­ein­an­der und ver­öf­fent­li­chen mit­un­ter gemein­sam recher­chierte Beiträge.

Sei­ten­auf­rufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen

Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des rus­si­schen Medi­en­un­ter­neh­mens RBC (Ros­Busi­ness­Con­sul­ting) gegrün­det. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unter­neh­mers Jossyp Pintus, der das ukrai­ni­sche Unter­neh­men damals über­nahm, keine Ver­bin­dun­gen mehr zwi­schen beiden Firmen – abge­se­hen vom gemein­sa­men Markennamen.

Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russ­land gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den rus­si­schen Behör­den als „extre­mis­tisch“ ein­ge­stuft wurden – eine Bezeich­nung, die in Russ­land auch für Posi­tio­nen ver­wen­det wird, die der offi­zi­el­len Linie gegen­über der Ukraine widersprechen.

Heute gehört RBC-Ukraine zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­por­ta­len des Landes. In seiner poli­ti­schen Bericht­erstat­tung äußert sich das Medium ver­gleichs­weise wohl­wol­lend über Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj und dessen Umfeld.

Jossyp Pintus bezeich­net RBC-Ukraine als sein wich­tigs­tes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Ver­mark­tung tätig. Chef­re­dak­teur ist Ros­tys­law Schaprawskyj.

Sei­ten­auf­rufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen

Die ukrai­ni­sche Ausgabe des Maga­zins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unter­bre­chung von 2016 bis 2020. Heute beschäf­tigt sich das Medium vor allem mit der ukrai­ni­schen Kriegs­wirt­schaft und der Frage, wie das Land die wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen des rus­si­schen Angriffs­kriegs bewältigt.

Forbes Ukraine gehört dem Unter­neh­mer Artur Grants, der ein Netz­werk von Duty-Free-Geschäf­ten betreibt, und ist eines der wenigen ukrai­ni­schen Medien, die auch wei­ter­hin als Print­aus­gabe erscheinen.

Chef­re­dak­teur ist Borys Davy­denko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium ver­tritt wirt­schafts­li­be­rale Posi­tio­nen und legt einen beson­de­ren Schwer­punkt auf Unter­neh­mer­tum und freie Marktwirtschaft.

Sei­ten­auf­rufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen

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