„Das Jahr der Wahrheit“

Presseschau ukrainischer Medien | 24. Dezember 2025 bis 6. Januar 2026:
Selenskyjs große Neujahrsrochade
„Friedensverhandlungen“: Wann fliegt Russlands Bluff auf?
Nüchterner Jahresrückblick 2025
Selenskyjs große Neujahrsrochade
In den ersten Januartagen leitete Präsident Wolodymyr Selenskyj eine weitreichende Umbesetzung an der Staatsspitze ein. Im Zentrum steht die Neubesetzung des Präsidialamts: Der frühere Geheimdienstchef Kyrylo Budanow folgt auf Andrij Jermak. Er gilt als machtbewusst und politisch ehrgeizig. Designierter Verteidigungsminister ist Mychajlo Fedorow – der Kopf hinter der innovativen Verwaltungs-App Diia und dem erfolgreichen Digitalministerium. Überraschend wurde auch der Leiter des Inlandsgeheimdienstes SBU ausgetauscht. Ukrainische Medien diskutieren die Signalwirkung von Selenskyjs großer Neujahrsrochade.
„Budanow hat direkte Kontakte zu den Russen“
Die Ukrajinska Prawda sieht den entscheidenden Grund für die Wahl Budanows zum Leiter der Präsidialverwaltung in seiner besseren Verhandlungsposition gegenüber den USA:
„Aus Sicht der US-Amerikaner hat Budanow zwei große Vorteile. Erstens verfügt er über einen realistischen Blick auf die Lage im Krieg, sodass man mit ihm angemessene Verhandlungen führen kann. Zweitens ist er nicht in die aufsehenerregenden Korruptionsskandale der jüngsten Zeit verwickelt, sodass seinen guten Ruf nicht verliert, wer mit ihm verhandelt.
Darüber hinaus ist Budanow so gut wie der Einzige im Land, der über direkte Arbeitskontakte zu den Russen verfügt. Er hat mit ihnen den Austausch von Gefangenen verhandelt und […] während der jüngsten diplomatischen Bemühungen der neuen US-Regierung in den Vereinigten Arabischen Emiraten Gespräche unter vier Augen [mit einzelnen russischen Diplomaten] geführt.
Die Stärkung der Verhandlungsgruppe und die ‚Dezentralisierung‘ der Kontakte mit den US-Amerikanern dürften die wichtigsten Veränderungen sein, die Budanows Ernennung mit sich bringt.
Seine [künftige] Rolle in der Außenpolitik war […] für den Leiter des Präsidialamts einer der Hauptgründe, der neuen Position zuzustimmen. […] er wird auf ukrainischer Seite die Verhandlungen über ein Ende des Krieges, über Garantien seitens der USA und ihrer Partner und über weitere sicherheitspolitische Fragen leiten.“
„Geheimdienstchef hätte vor Korruptionsaffäre warnen müssen”
Liga berichtet über die überraschende Abberufung des anerkannten SBU-Chefs Wassyl Maljuk, der für geheime Militäraktionen wie „Spinnennetz“ und Operationen gegen die russische Schwarzmeerflotte bekannt war:
„Obwohl Gerüchte über Maljuks Rücktritt bereits eine Woche vor Neujahr aufkamen, war man beim SBU bis zum 5. Januar davon überzeugt, dass jeder andere abgesetzt werden könnte – nur er nicht.
Die Nachricht über einen möglichen Wechsel an der Spitze des Inlandsgeheimdienstes wurde sowohl innerhalb der Behörde als auch in den Streitkräften […] negativ aufgenommen.
‚Ich diene seit 2008 beim SBU. Maljuk ist der erste und einzige Leiter, auf den der Dienst stolz sein kann. Das ist jemand, der selbst gegen die Russische Föderation gekämpft hat und [weiterhin] kämpft: durch unmittelbare Kampfeinsätze, durch sein Vorgehen gegen Spione und durch seine persönliche Autorität‘, sagt Roman Kostenko, Abgeordneter [der Partei] Holos […]. Die Erfolge der Ukraine sowohl im Schwarzen Meer als auch im russischen Hinterland seien ‚die Arbeit des Chefs und seines Teams‘, so Kostenko.
Ein Gesprächspartner bestätigte gegenüber LIGA, […] Maljuk habe sein Amt nicht freiwillig abgegeben. Der Präsident habe ihn jedoch überzeugen können. Grund dafür sei der große öffentliche Aufruhr rund um [die Korruptionsaffäre] ‚Minditschgate‘ […]. Maljuk hätte […], wenn schon nicht vor dem Leak selbst, dann zumindest vor dem Ausmaß des Skandals warnen müssen.“
„Es wird enormen Widerstand geben”
Forbes sieht Mychajlo Fedorows Wechsel vom Digital- ins Verteidigungsressort als folgerichtig, weil er die Technologisierung der Armee wesentlich vorangetrieben hat:
„‚Er hat die Vision, die Streitkräfte mithilfe moderner Waffen umzustrukturieren sowie den Mut und die Entschlossenheit, dies umzusetzen‘, sagt ein ehemaliges Mitglied des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats […]. Ihm zufolge hat [der nun abtretende Denys] Schmyhal als Verteidigungsminister die Lage stabilisiert, während Fedorow [grundlegende] Veränderungen in der Arbeit des Ministeriums herbeiführen könne. [...]
Fedorows Hauptaufgabe im Verteidigungsministerium besteht laut [der ehemaligen stellvertretenden Verteidigungsministerin für Digitalisierung, Kateryna] Chernohorenko darin, die fragmentierten und unterschiedlich umgesetzten Projekte in den ukrainischen Streitkräften zu einem einheitlichen System zusammenzufügen.
Die Bürokratie zu bekämpfen und dem Mikromanagement im Verteidigungsministerium ein Ende zu setzen, werde eine Herausforderung für Fedorow, so das ehemalige Mitglied des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats. ‚Er ist ein Fremder in diesem System. Es wird enormen Widerstand geben‘ [...]. [...] Das größte Risiko [...] bestehe darin, dass [Fedorow] das alte System zerstöre, ohne ein neues aufzubauen. [...] ‚Aber wenn es ihm gelingt, das Ministerium zu reformieren und die Effizienz der Streitkräfte zu steigern, wird er zum Retter des Landes.‘“
„Friedensverhandlungen“: Wann fliegt Russlands Bluff auf?
In der Ukraine werden Russlands Beteuerungen, sich für Frieden einzusetzen, weithin als gezielte Lügen gewertet. Echte Verhandlungen, so die verbreitete Ansicht, würden erst beginnen, wenn Moskau an der Front oder im Inneren in eine spürbare Krise gerate. Diese Linie vertreten auch ukrainische Regierungsvertreter:innen, die international auf härtere Sanktionen drängen. Ukrainische Medien zeigen sich hoffnungsvoll, dass die Belastungen der Kriegswirtschaft für den Aggressor 2026 noch einmal wesentlich spürbarer werden.
„Die Verletztlichkeit des Kreml ist deutlich geworden“
In einer umfassenden Prognose für Liga analysieren die Experten Valentyn Badrak (Direktor des Zentrums für Armee‑, Konversions- und Abrüstungsstudien) und Volodymyr Horbulin (Vizepräsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften) die Aussichten auf einen – nicht nur – wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands im Jahr 2026:
„Im Jahr 2025 geriet die russische Wirtschaft zum ersten Mal merklich ins Wanken. Und obwohl es noch keine Anzeichen für eine unmittelbare Gefahr gibt, wurde die Verletzlichkeit des Kreml deutlich. Dabei geht es nicht nur um Sanktionen, sondern auch um den erheblichen und systematischen Anteil der [ukrainischen] Verteidigungskräfte an der Zerstörung der Russischen Föderation. Unter den derzeitigen Bedingungen kann die Russische Föderation den Krieg noch einige Jahre finanzieren, doch wenn der Druck steigt, könnte das schnell schwierig werden. [...] chinesische Medien haben damit begonnen, offen über das Szenario zu diskutieren, sich nach einem möglichen Zerfall der Russischen Föderation dessen wohlhabende Region [im Fernen Osten] einzuverleiben.“
„Der Feind ist nicht so furchteinflößend, wie er scheint“
Auch Taras Chmut, Leiter der größten ukrainischen Militärhilfsorganisation Come Back Alive, sieht im Interview mit der Ukrajinska Prawda Russlands vermeintliche Stärke bröckeln:
„Russland ist Weltmeister darin sich aufzuplustern. Bis 2022 hatten alle Angst vor der russischen Armee und ihren Waffen. Doch die kleine Ukraine hat gezeigt, dass Russen sehr wohl sterben. Ihre Waffen sind mittelmäßig, ihre Ausrüstung fängt Feuer, wird in die Luft gesprengt und explodiert.
Dieser Feind ist nicht so furchteinflößend, wie er scheint.
Russland spielt weiterhin die Rolle einer mächtigen Nation, obwohl es das Land in Wirklichkeit genauso schwer hat wie wir. Ich bin mir gar nicht sicher, wer es derzeit schwerer hat – wir oder sie. […] Sie sind einfach sehr gut darin sich zu tarnen, die Backen aufzublasen und eine Macht vorzutäuschen, die sie gar nicht haben.
[…] Ja, Russland ist für Verhandlungen. Denn es ist sich dessen bewusst, dass [sonst] […] die Gefahr steigt, diesen Krieg zu verlieren. Weil die Sanktionen schmerzen, weil die Ukraine überall zuschlägt, weil es auf dem Schlachtfeld hart ist, weil die Mobilisierung zwar noch in passablem Tempo läuft, aber von Jahr zu Jahr schwieriger wird, weil Ausrüstung zerstört wird – und weil es um ein Vielfaches schwerer ist, einen offensiven Angriffskrieg gegen ein Volk zu führen, das für seine Rechte kämpft.“
„Besser auf die ‚bösen Russen‘ setzen”
Liga denkt offen darüber nach, wie es nach Putins Tod in Russland weitergehen könnte und lässt unter anderem den in Russland geborenen Anwalt Ilya Novikov zu Wort kommen:
„Putins Tod allein wird nicht alle Probleme lösen – in Russland gibt es etwa 20 Millionen Menschen, die den Krieg aktiv unterstützen: Soldaten, ihre Familien und diejenigen, die davon profitieren. Es wächst eine Generation von Kindern der gefallenen Besatzer heran, die im Geist der Rache erzogen werden – was den Boden für einen neuen Konflikt in zehn bis zwanzig Jahren bereitet.
Die ‚guten Russen‘ in der demokratischen Emigration, die sich aus Angst, die Stimmen zukünftiger Wähler:innen zu verlieren, nicht zur Rückgabe der Krim äußern, sind nicht von Nutzen.
Besser ist es, auf die ‚bösen Russen‘ zu setzen – auf regionale Eliten und sogar kriminelle Strukturen, die eigene Interessen und Konflikte mit Moskau haben. Die Unterstützung des regionalen Separatismus wird zum Zerfall Russlands in Dutzende kleiner Staaten führen – das ist die einzige realistische Chance, einen neuen großen Krieg zu verhindern.“
Nüchterner Rückblick auf das Jahr 2025
Die Jahresrückblicke in ukrainischen Medien sind von einer nüchternen Erkenntnis geprägt: 2025 war ein sehr schweres Jahr. Zwischen Fronteinbrüchen im Osten, Korruptionsskandalen in Kyjiw und dem zermürbenden Kriegsalltag im ganzen Land fragen Kommentator:innen, welche Lehren sich aus den vergangenen zwölf Kriegsmonaten ziehen lassen.
„Das Jahr der Wahrheit“
Die Ukrajinska Prawda resümiert, 2025 hätten sich die Ukrainer:innen von ihren Illusionen verabschiedet:
„Im vergangenen Jahr hat die Ukraine faktisch anerkannt, dass das maximalistische Konzept unseres Sieges in naher Zukunft nicht realisierbar ist. Dass Mariupol und Berdjansk, Donezk und Luhansk, Simferopol und Sewastopol noch lange besetzt bleiben werden. Und dass wir derzeit nur das Einfrieren der Kampfhandlungen zu für Kyjiw mehr oder weniger akzeptablen Bedingungen erreichen können.
Außerdem mussten wir einsehen, dass sich der wichtigste Partner der Ukraine, Washington, in einen zynischen Erpresser verwandelt hat, der Moskau gegenüber wohlgesonnen ist. Dass die heimischen Reserven an Standfestigkeit in diesem Zermürbungskrieg geringer sind, als wir uns das gewünscht hätten. Und dass inmitten des blutigen Krieges groß angelegte Korruptionsnetzwerke in der Ukraine florieren, an denen hochrangige Beamte beteiligt sind.
Das vergangene Jahr brachte den Ukrainer:innen viele Enttäuschungen und Leiden. Gleichzeitig wurde 2025 für die Ukraine zum Jahr der Wahrheit. Es war bitter, schmerzhaft und grausam – aber wahrhaftig. In den letzten zwölf Monaten hat die Wahrheit selbst diejenigen von uns erreicht, die sich lange und sorgsam vor ihr versteckt hatten.“
„Wir behandeln einander anständiger“
Im Interview mit Hromadske erklärt Yevhen Holovakha, Leiter des Instituts für Soziologie an der Nationalen Akademie der Wissenschaften, die Ukrainer:innen würden einander wieder stärker vertrauen:
„‚Jene Menschen, die sagen: ‚Man kann anderen nicht trauen‘ oder ‚Die meisten handeln unehrlich, wenn ihnen das etwas nutzt‘, sind weniger geworden.
Wir behandeln einander anständiger, und es ist klar, warum. Wir leiden: Manche sterben, verlieren Angehörige, andere leben 16 Stunden [am Tag] ohne Strom. Das sind natürlich unterschiedliche Dinge, aber psychologisch ist es eine sehr schwierige Situation.
Und die Menschen ertragen das, bleiben menschlich dabei. Sie arbeiten weiter, leben weiter, unterstützen einander. Und wie viele Freiwillige gibt es, die ohne Unterlass der Armee und Bedürftigen helfen... Die Ukrainer:innen sind [im vergangenen Jahr] besser miteinander umgegangen. Sie verlassen sich mehr aufeinander. Das ist gut.
Andererseits sind die Menschen angespannter. Die Gesundheit hat sich [bei vielen] verschlechtert, insbesondere die psychische und mentale Gesundheit. In dieser Hinsicht leiden wir stark unter dem Krieg.“
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Ukrainische Medien
Ukrajinska Prawda ist eines der meistgelesenen Nachrichtenportale der Ukraine. Bekannt wurde das Online-Medium vor allem durch investigative Recherchen und die Aufdeckung von Korruptionsfällen in der ukrainischen Regierung. Außerdem veröffentlicht Ukrajinska Prawda Reportagen von der Front, baut sein Podcast- und Videoangebot aus und betreibt zahlreiche spezialisierte Ableger zu Themen wie Wirtschaft, Lifestyle, Militärtechnik und Sport.
Gegründet wurde Ukrajinska Prawda im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse. Er wurde im darauffolgenden Jahr ermordet, mutmaßlich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Chefredakteurin ist heute die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investmentgesellschaft unter Leitung des tschechischen Unternehmers Tomáš Fiala.
Im Juli 2026 verzeichnete pravda.com.ua 38,7 Millionen Seitenaufrufe.
Hromadske finanziert sich durch Crowdfunding, Spenden internationaler Geber, Werbung und die Produktion von Videos für andere Medien. Journalist:innen gründeten das Online-Nachrichtenportal im November 2013 zu Beginn des Euromaidan als NGO. Mit millionenfach abgerufenen Livestreams wurde Hromadske rasch zu einem der beliebtesten Online-Medien des Landes.
Später verlagerte sich der Fokus stärker auf Textbeiträge, während Team, Reichweite und Ressourcen schrumpften. Trotzdem bleibt Hromadske eine der verlässlichsten Informationsquellen des Landes. Die Chefredakteurin Daryna Fedenko, zuvor Leiterin der Nachrichtenredaktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Suspilne, führt das Portal.
Im Juli 2026 verzeichnete hromadske.ua 1,8 Millionen Seitenaufrufe.
Suspilne Novyny, das Nachrichtenangebot der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft, bietet ein Fernsehprogramm und ein Online-Nachrichtenportal. Der Sender finanziert sich durch staatliche Mittel und zahlreiche internationale Geber. Er verpflichtet sich zu ausgewogener Berichterstattung.
Der Sender steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die nach Einschätzung der renommierten ukrainischen NGO Institute of Mass Information ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten. Die Liste wird vierteljährlich aktualisiert.
Die Nachrichtenredaktion von Suspilne ist zudem für sein breites regionales Netzwerk bekannt: Jede Region der Ukraine betreibt ein eigenes Nachrichtenportal.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website suspilne.media 9,9 Millionen Aufrufe.
NV ist ein Online-Nachrichtenportal, ein vierteljährlich erscheinendes Printmagazin und ein Radiosender. Die Redaktion berichtet über internationale Nachrichten und ukrainische Politik. Es legt den Fokus auf internationale Unterstützung für die Ukraine, Korruption und die Zukunft des Landes. Witalij Sytsch gründete NV 2014 und übernahm die Chefredaktion. Zuvor arbeitete Sytsch beim populären Magazin Korrespondent. Er und viele heutige NV-Mitarbeiter verließen Korrespondent, nachdem Serhij Kurtschenko, ein Oligarch aus Charkiw mit engen Verbindungen zum damaligen Präsident Wiktor Janukowytsch, das Medium gekauft hatte. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, das dem tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala gehört.
Im Juli 2026 zählte die Website nv.ua 19,6 Millionen Seitenaufrufe.
ZN.UA behandelt politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Themen. Das Medium ist heute vor allem für seine politischen Artikel bekannt, die oft wertvolle Hintergründe und Einblicke liefern. Die ursprüngliche Print-Zeitung erschien erstmals 1994 und zählt damit zu den ältesten und einflussreichsten Analysemedien der unabhängigen Ukraine. Seit 2020 erscheint sie ausschließlich online – auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Die langjährige Chefredakteurin, Julija Mostowa, gilt als bekannte ukrainische Journalistin und ist mit dem früheren Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko verheiratet. ZN.UA steht seit Jahren auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässig informieren.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website zn.ua 8,5 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Magazin Babel startete im September 2018 als Plattform für die Mittelschicht des Landes. Heute deckt es gesellschaftliche und politische Themen ab, konzentrierte sich anfangs jedoch vor allem auf Wissenschaft und neue Technologien. Nach dem 24. Februar 2022 stellte Babel die russischsprachige Version der Website ein und ersetzte sie durch eine englischsprachige Ausgabe. Trotz kleiner Redaktion und begrenzter Reichweite gewann das Magazin mit politischen Artikeln und viel beachteten Recherchen über Misshandlungen von Soldaten in der ukrainischen Armee an Einfluss.
Babel gehört der Gründerin und Chefredakteurin Kateryna Kobernyk sowie Oleksandr Babenko, dem Eigentümer des Drohnenherstellers Vyriy Industries.
Im Juli 2026 verzeichnete babel.ua 1,2 Millionen Aufrufe.
Das Online-Magazin LB gehört zum Gorshenin Institute, einem ukrainischen Thinktank, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ukraine und weltweit analysiert. LB erlangte vor allem durch seine Interviews Bekanntheit. Es behandelt häufig Themen wie die ukrainische Innen- und Außenpolitik sowie gesellschaftliche Fragen. Gegründet wurde LB im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh („Linkes Ufer“) – ein Verweis auf das linke Ufer der Ukraine und die linksseitigen Stadtteile großer Städte wie Kyjiw, Dnipro und Saporischschja.
Chefredakteurin ist die renommierte ukrainische Journalistin Sonja Koschkina.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website lb.ua 2,3 Millionen Aufrufe.
Das ukrainische Online-Nachrichtenportal LIGA ging im Jahr 2000 an den Start und konzentrierte sich zunächst auf Wirtschaftsthemen. Später weitete es seine Berichterstattung auf Politik, Lifestyle und andere Bereiche aus. Seit 2020 führt das Institute of Mass Information LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die verlässlich und korrekt informieren.
Chefredakteurin ist die Journalistin Yuliia Bankova, die zuvor eine Führungsposition beim Online-Magazin Hromadske innehatte. Das Portal gehört zur unabhängigen Medienholding Liga Media, die Dmytro Bondarenko leitet.
Im Juli 2026 verzeichnete die Website liga.net 4,4 Millionen Seitenaufrufe.
Der ukrainische Dienst des US-finanzierten Auslandsmediums Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) nahm bereits 1954 seinen Sendebetrieb auf. 1992 eröffnete das Medium ein Büro in der Ukraine, das im Laufe der Zeit auf Dutzende Mitarbeitende anwuchs.
Heute arbeitet Radio Svoboda vor allem als Online-Nachrichtenportal und produziert daneben auch Podcasts und Videoreportagen. Seit 2014 berichten die Redaktionen Krim.Realii und Donbas.Realii über die besetzte Krim sowie die Gebiete Donezk und Luhansk. Mit dem Projekt Skhemy („Schemata“) verfügt das Medium zudem über eine eigene renommierte Investigativredaktion.
Chefredakteurin von Radio Svoboda ist Maryana Drach.
Seitenaufrufe der Website radiosvoboda.org im Juli 2026: 4,8 Millionen
Das unabhängige Analysemedium Texty.org.ua wurde von den Journalisten Roman Kulchynsky und Anatoliy Bondarenko gegründet. Kulchynsky leitet die Redaktion und ist heute Chefredakteur, während Bondarenko vorwiegend datenjournalistisch arbeitet. Entsprechend ist Texty.org.ua insbesondere für aufwendige Datenrecherchen und Infografiken bekannt. Damit hat sich das Medium eine eigene Nische geschaffen und mehrere renommierte internationale Auszeichnungen im Bereich des Datenjournalismus gewonnen.
Daneben veröffentlicht Texty.org.ua hochwertige Reportagen und analytische Beiträge, insbesondere zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Seitenaufrufe der Website texty.org.ua im Juli 2026: 521.200
The Kyiv Independent wurde im November 2021 vom Kernteam der damals führenden englischsprachigen ukrainischen Zeitung Kyiv Post gegründet. Die Journalist:innen hatten das Medium nach einem Konflikt mit dessen Eigentümer verlassen und wollten die neue Redaktion zunächst für einige Zeit aus eigenen Mitteln finanzieren. Der russische Großangriff vier Monate später rückte die Ukraine weltweit ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und The Kyiv Independent entwickelte sich zu einer der wichtigsten Nachrichtenquellen über das Land für ein internationales Publikum.
Heute ist The Kyiv Independent eines der führenden englischsprachigen Medien der Ukraine und finanziert sich vor allem über Spenden seiner Leser:innen. Zudem hat das Medium eine eigene Investigativredaktion aufgebaut, die sich insbesondere mit russischen Kriegsverbrechen befasst.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Olha Rudenko.
Seitenaufrufe der Website kyivindependent.com im Juli 2026: 3,7 Millionen
Jewropejska Prawda wurde im Juni 2014 gegründet und berichtet vor allem über die Integration der Ukraine in die EU und die NATO. Diese Themen gewannen damals stark an Bedeutung: Nach der Revolution der Würde erhielt die Ukraine eine proeuropäische Regierung, während der Krieg im Osten der Ukraine und die russische Annexion der Krim zusätzliche sicherheitspolitische Fragen aufwarfen.
Im Laufe der Jahre hat sich das Medium zu einer der wichtigsten Quellen für verlässliche Informationen und Analysen zur ukrainischen Außenpolitik sowie zu Themen der internationalen Politik entwickelt. Da Jewropejska Prawda eng mit Ukrajinska Prawda kooperiert, wird es häufig als deren Ressort wahrgenommen. Tatsächlich verfügt es jedoch über eine eigenständige Redaktion unter der Leitung von Sergiy Sydorenko. Beide Medien übernehmen regelmäßig Inhalte voneinander und veröffentlichen mitunter gemeinsam recherchierte Beiträge.
Seitenaufrufe der Website eurointegration.com.ua im Juli 2026: 8,6 Millionen
Die ukrainische Nachrichtenagentur RBC-Ukraine wurde 2006 als Tochter des russischen Medienunternehmens RBC (RosBusinessConsulting) gegründet. Seit 2012 bestehen nach Angaben des Unternehmers Jossyp Pintus, der das ukrainische Unternehmen damals übernahm, keine Verbindungen mehr zwischen beiden Firmen – abgesehen vom gemeinsamen Markennamen.
Seit 2014 ist die Website von RBC-Ukraine in Russland gesperrt. Anlass waren Artikel, die von den russischen Behörden als „extremistisch“ eingestuft wurden – eine Bezeichnung, die in Russland auch für Positionen verwendet wird, die der offiziellen Linie gegenüber der Ukraine widersprechen.
Heute gehört RBC-Ukraine zu den meistgelesenen Nachrichtenportalen des Landes. In seiner politischen Berichterstattung äußert sich das Medium vergleichsweise wohlwollend über Präsident Wolodymyr Selenskyj und dessen Umfeld.
Jossyp Pintus bezeichnet RBC-Ukraine als sein wichtigstes Geschäft. Zuvor war er im Bereich Online-Werbung und Traffic-Vermarktung tätig. Chefredakteur ist Rostyslaw Schaprawskyj.
Seitenaufrufe von rbc.ua im Juli 2026: 19 Millionen
Die ukrainische Ausgabe des Magazins Forbes erscheint seit März 2011, mit einer Unterbrechung von 2016 bis 2020. Heute beschäftigt sich das Medium vor allem mit der ukrainischen Kriegswirtschaft und der Frage, wie das Land die wirtschaftlichen Herausforderungen des russischen Angriffskriegs bewältigt.
Forbes Ukraine gehört dem Unternehmer Artur Grants, der ein Netzwerk von Duty-Free-Geschäften betreibt, und ist eines der wenigen ukrainischen Medien, die auch weiterhin als Printausgabe erscheinen.
Chefredakteur ist Borys Davydenko, der zuvor LIGA.net leitete. Das Medium vertritt wirtschaftsliberale Positionen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Unternehmertum und freie Marktwirtschaft.
Seitenaufrufe von forbes.ua im August 2026: 1,5 Millionen
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