Weshalb „Ukraine ver­ste­hen“?

© Shut­ter­stock

Kiew und Berlin sind nur zwei Flug­stun­den von­ein­an­der ent­fernt. Aber es gibt hier­zu­lande nur wenig Ver­ständ­nis dafür, was in und mit der Ukraine geschieht – und warum das für den ganzen Kon­ti­nent von Bedeu­tung ist.

In Deutsch­land emp­fin­den viele die Nation als etwas, das wir mit der euro­päi­schen Eini­gung hinter uns gelas­sen haben. So etwas wie natio­nale Sou­ve­rä­ni­tät erscheint längst über­holt. Gleich­zei­tig ist das Vor­ur­teil weit ver­brei­tet, die Ukraine sei keine rich­tige Nation, sondern ein Kunst­ge­bilde, dem kein Recht auf poli­ti­sche Sou­ve­rä­ni­tät zustünde.

Für die Ukraine geht es aber tat­säch­lich darum, sich zu einer poli­ti­schen Nation zu formen und einen sou­ve­rä­nen Natio­nal­staat auf­zu­bauen. Für das Land ist das eine Frage von Sein oder Nicht­sein. Die Ukraine muss ihre Unab­hän­gig­keit und ter­ri­to­riale Inte­gri­tät mit Waffen ver­tei­di­gen. Gleich­zei­tig kämpft das Land mit seinen inneren Pro­ble­men: Kor­rup­tion, die Ver­qui­ckung von poli­ti­scher und wirt­schaft­li­cher Macht, Intrans­pa­renz und Büro­kra­tis­mus, eine hohe Zahl Bin­nen­ver­trie­be­ner und eine ver­al­tete Wirt­schaft. Das Ver­ständ­nis für diese Rea­li­tä­ten und die Wahr­neh­mung der Ukraine als Land mit einer eigenen Kultur, einer eigenen Geschichte und dem Recht auf eine eigene Zukunft zu schär­fen, ist eine unserer Auf­ga­ben.

Die Ukraine steht heut­zu­tage sinn­bild­lich für die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen auto­ri­tä­ren Vor­stel­lun­gen von Politik und Gesell­schaft und der Wei­ter­ent­wick­lung der libe­ra­len Moderne. Sollte die vom Maidan ange­sto­ßene demo­kra­ti­sche Trans­for­ma­tion der Ukraine gelin­gen, hätte dies Strahl­kraft für ganz Ost­eu­ropa.

Der Kreml hat dies nicht ohne Grund als Bedro­hung für sein auto­ri­tä­res Herr­schafts­mo­dell erkannt. Der uner­klärte Krieg in der Ost­ukraine fordert fast täglich seinen Blut­zoll und desta­bi­li­siert das Land. Zugleich stellt die rus­si­sche Führung damit die Grund­la­gen des fried­li­chen Zusam­men­le­bens in Europa in Frage. Die Auf­merk­sam­keit für die annek­tierte Krim und den kriegs­ge­schüt­tel­ten Donbass wach zu halten, sehen wir als weitere Aufgabe für uns.

Die Aggres­sion des Kremls ent­las­tet die Ukraine nicht von ihrer eigenen Ver­ant­wor­tung für den euro­päi­schen Weg. Dafür ist der Prozess der demo­kra­ti­schen Refor­men aus­schlag­ge­bend. Deren Fort­kom­men ist nicht nur von außen, sondern auch von innen bedroht. Das mühsame Ringen um eine demo­kra­ti­sche Ukraine kri­tisch und soli­da­risch zu beglei­ten und die euro­päi­sche Per­spek­tive der Ukraine zu ver­tei­di­gen, ist eine dritte Aufgabe, der wir uns mit „Ukraine ver­ste­hen“ ver­pflich­tet fühlen.

In diesem Sinne werben wir mit dieser Inter­net-Seite und mit Ver­an­stal­tun­gen quer durch die Bun­des­re­pu­blik für die demo­kra­ti­sche und euro­päi­sche Sache der Ukraine. Machen Sie mit!

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