„Große Lücken in der Verteidigung“

Foto: IMAGO /​ Nur­Photo

Pres­se­schau 1. bis 15. Oktober 2025:
Angriffe auf Ener­gie­infra­struk­tur: Wie hart wird der Winter? +++ Auf dem Schlacht­feld fehlen Sol­da­ten +++ Lang­ersehn­ter Kinostart

Angriffe auf Ener­gie­infra­struk­tur: Wie hart wird der Winter?

Am Morgen des 10. Oktober star­tete Moskau eine massive Welle von Drohnen- und Rake­ten­an­grif­fen auf die ukrai­ni­sche Ener­gie­infra­struk­tur. In meh­re­ren Regio­nen kam es zu Strom­aus­fäl­len. Ukrai­ni­sche Medien dis­ku­tie­ren über die bevor­ste­hende Bewäh­rungs­probe im Winter.

„Ener­gie­sys­tem heute wesent­lich besser vorbereitet“

Sus­pilne betont, wie wider­stands­fä­hig das ukrai­ni­sche Strom­netz in den ver­gan­ge­nen drei Jahren gewor­den sei:

„‚Im Novem­ber 2022 hatten wir nach einem Angriff mit […] 115 Drohnen und Raketen einen lan­des­wei­ten Black­out und das ganze Land war kom­plett ohne Strom‘, sagte […] Olek­sandr Khar­chenko, Direk­tor des Zen­trums für Energieforschung.

‚[Diesmal] waren es 500 Raketen und Drohnen. Und ja, es gibt Strom­aus­fälle und Ein­schrän­kun­gen, aber die Situa­tion ist unter Kon­trolle und der Wie­der­auf­bau geht voran. Meiner Meinung nach zeigt das sehr deut­lich, dass das Ener­gie­sys­tem heute wesent­lich besser auf solche Angriffe vor­be­rei­tet ist und wir viel besser wissen, was [in solchen Situa­tio­nen] zu tun ist […].‘

Laut Khar­chenko ver­fü­gen wich­tige Anlagen zur Ener­gie­er­zeu­gung und ‑umver­tei­lung inzwi­schen sowohl über Schutz­bau­ten als auch über eigene Luft­ab­wehr­sys­teme. Wenn Russ­land jedoch Dut­zende Drohnen und Raketen auf ein ein­zel­nes Ziel richte, werde dieser Schutz ‚durch­bro­chen‘. Trotz der Schäden am Ener­gie­sys­tem rufe [die natio­nale Netz­ge­sell­schaft] Ukr­energo derzeit jedoch nicht dazu auf, den Strom­ver­brauch zu reduzieren.“

„Am anfäl­ligs­ten sind Heizkraftwerke“

Die mit der Ukra­jinska Prawda ver­bun­dene Eko­no­mit­schna Prawda bleibt grund­sätz­lich opti­mis­tisch – aller­dings nicht in Bezug auf die Gebiete nahe der Grenze und der Front:

„Nach Ein­schät­zung [des ehe­ma­li­gen ukrai­ni­schen Ener­gie­mi­nis­ters Ivan] Plach­kov ist das Ener­gie­sys­tem […] [ziem­lich gut] vor­be­rei­tet. ‚Ernste Pro­bleme mit der Strom­ver­sor­gung sind nur bei einer Kom­bi­na­tion aus starkem Frost, mas­si­ven Angrif­fen und schwa­cher Luft­ab­wehr denkbar‘, meint der Ex-Minister.

Am anfäl­ligs­ten sind seiner Ansicht nach Heiz­kraft­werke, die Wärme und Warm­was­ser liefern. ‚[Die] Wärme[versorgung] ist emp­find­li­cher als [die mit] Elek­tri­zi­tät, weil Wärme nicht zwi­schen den Regio­nen umver­teilt werden kann‘, fügt er hinzu.

In front­na­hen Gebie­ten werde sich die Lage aller Vor­aus­sicht nach ver­schlech­tern. Es könne pas­sie­ren, dass es dort weder Licht noch Wärme gebe. Einen Tag zuvor hatte Mili­tär­ex­perte Serhii Flash erklärt, die rus­si­sche Armee wolle die kri­ti­sche Infra­struk­tur [in einem Bereich von] 20 bis 50 Kilo­me­tern hinter der Grenze zer­stö­ren – mit dem Ziel, diese Gebiete sowohl für Zivilist:innen als auch für Mili­tärs unbe­wohn­bar zu machen.“

„Wenn der Strom aus­fällt, gehen sie wieder nach Hause“

Liga berich­tet darüber, wie Unter­neh­men in der an Russ­land gren­zen­den Region Tscher­ni­hiw ver­su­chen, trotz stän­di­ger Strom­aus­fälle und häu­fi­gen Luft­alarms den Betrieb aufrechtzuerhalten:

„Beim Tex­til­her­stel­ler TK Domash­nii tekstil ver­sucht man, die Pro­duk­ti­ons­zei­ten an die Strom­aus­fälle anzu­pas­sen. ‚Die Leute kommen zur Arbeit, wenn es Strom gibt. Sie kommen, fangen an und arbei­ten zwei Stunden lang. Wenn der Strom abge­schal­tet wird, gehen sie wieder‘, berich­tet Volo­dymyr Mart­se­niuk, einer der Geschäftsführer.

Durch die Strom­aus­fälle wird der Pro­duk­ti­ons­pro­zess immer wieder unter­bro­chen, sodass ein Teil der Stoffe als Aus­schuss endet. Das Tex­til­un­ter­neh­men schöpft derzeit [nur] 20 Prozent seiner Kapa­zi­tät aus.

Auch das Unter­neh­men Collar aus Tscher­ni­hiw pro­du­ziere nur zur Hälfte, etwa Kat­zen­streu, berich­tet dessen Gründer Yurii Syn­yt­sia. Collar stellt Heim­tier­pro­dukte her, Kat­zen­streu macht rund 25 Prozent seines Umsat­zes aus. Die Leis­tung der Gene­ra­to­ren reiche nicht aus, um die Pro­duk­tion [voll­stän­dig] auf­recht­zu­er­hal­ten, erklärt der Unternehmer.

Um sich an die Strom­ab­schal­tun­gen anzu­pas­sen, hat Collar Nacht­schich­ten ein­ge­führt. Doch der Zeit­plan für die Abschal­tun­gen ent­spre­che nicht immer der Rea­li­tät, sagt Syn­yt­sia. So kommt es vor, dass Mitarbeiter:innen, die nachts zur Arbeit kämen, untätig an ihrem Arbeits­platz säßen.“

Auf dem Schlacht­feld fehlen Soldaten

Seit Monaten kann die ukrai­ni­sche Armee nicht so viele Sol­da­ten rekru­tie­ren, wie sie eigent­lich bräuchte; zudem häufen sich Fälle von Fah­nen­flucht. Beson­ders die Infan­te­rie ist davon betrof­fen, ihre Reihen lichten sich zuneh­mend. Zwar hat der Droh­nen­krieg die Bedeu­tung klas­si­scher Boden­ope­ra­tio­nen teil­weise ver­rin­gert, doch der Per­so­nal­man­gel in den Schüt­zen­grä­ben führt zu spür­ba­ren Ver­lus­ten und tak­ti­schen Nach­tei­len. Ukrai­ni­sche Medien denken über Ursa­chen und mög­li­che Auswege nach.

„Große Lücken in der Verteidigung“

Die Ukra­jinska Prawda ana­ly­siert die Aus­wir­kun­gen des Infan­te­rie­man­geln auf die Verteidigung:

„Immer häu­fi­ger gibt es buch­stäb­lich nie­man­den mehr, um die Gefechts­stände der Infan­te­rie zu beset­zen. Deshalb kann der Abstand zwi­schen benach­bar­ten Stel­lun­gen […] bis zu 700 Meter betra­gen, manch­mal sogar einen Kilometer.

[…] In der Front­li­nie ent­ste­hen so […] Lücken, durch die die feind­li­che Infan­te­rie ein­drin­gen kann. Gefan­gene rus­si­sche Sol­da­ten berich­ten […], dass sie auf dem Weg nach Pokrowsk im Juli 2025 auf kei­ner­lei bewaff­ne­ten Wider­stand seitens der ukrai­ni­schen Streit­kräfte gesto­ßen seien. Mit großer Wahr­schein­lich­keit gab es auf ihrer Route […] bis in die Vor­be­zirke von Pokrowsk nur eine mini­male Infan­te­rie­prä­senz – an manchen Stellen mög­li­cher­weise gar keine. ‚Es gibt Posten, die nur pro forma exis­tie­ren. Sie sind mit Ver­wun­de­ten besetzt – einfach nur, damit die oberen [Ränge] sich damit beru­hi­gen können, dass wir da eine Stel­lung haben‘, [erzählt ein Offizier].

Die […] Lücken zwi­schen den ukrai­ni­schen Infan­te­rie­pos­ten, durch die rus­si­sche Truppen […] tief in unsere Ver­tei­di­gung ein­drin­gen […], [haben dazu geführt, dass] in der aktu­el­len Kriegs­phase eine stabile Kon­takt­li­nie fehlt. Das bedeu­tet, dass die Posten unserer Ver­tei­di­gungs­kräfte und feind­li­che Stel­lun­gen dicht bei­ein­an­der liegen […] und dass in Front­städte nicht bloß Späh- und Auf­klä­rungs­trupps ein­drin­gen, sondern die regu­läre Infan­te­rie des Feindes […]. […]

Weil an vor­ders­ter Front Sol­da­ten fehlen, werden Droh­nen­pi­lo­ten und Mörs­er­schüt­zen, die [eigent­lich] drei bis fünf Kilo­me­ter hinter der Front stehen, not­ge­drun­gen selbst zu Infan­te­ris­ten, [ohne jemals dafür aus­ge­bil­det worden zu sein]. […] In den schlimms­ten Fällen […] dringen die Russen sogar bis zu den Stel­lun­gen der Artil­le­rie vor – also zehn bis fünf­zehn Kilo­me­ter hinter der eigent­li­chen Kontaktlinie.”

„Moskau hofft, dass uns die Sol­da­ten ausgehen.“

In einer Kolumne auf NV kri­ti­siert der Soldat und ehe­ma­lige Jour­na­list Pavlo Kazarin, wie die Behör­den mit dem Thema Mobi­li­sie­rung umgehen:

„[…] Vom ersten Tag des Krieges an spürte Moskau keinen Mangel an Sol­da­ten. Russ­land hat nur vier Wochen lang mit der Mobi­li­sie­rung her­um­ge­spielt — und ist dann dazu über­ge­gan­gen, Kano­nen­fut­ter zu kaufen. Und nun starrt der Kreml auf die Ukraine in der Hoff­nung, dass uns die Sol­da­ten eher aus­ge­hen als Russ­land das Geld.

Tat­säch­lich hat sich die Mobi­li­sie­rung als die größte Schwach­stelle unseres Landes erwie­sen. Die west­li­che Hilfe hat der ukrai­ni­schen Führung die Illu­sion ver­mit­telt, dass unpo­pu­läre Ent­schei­dun­gen, etwa eine Ver­schär­fung der Mobi­li­sie­rungs­re­geln, warten könnten. Im vierten Kriegs­jahr sind wir in der Hoff­nung erstarrt, dass der Krieg bald für eine Weile zum Erlie­gen kommt und man den letzten Kilo­me­ter mit bloßer Wil­lens­kraft zurück­le­gen könne. […]

[…] Was ist unser Plan, wenn der Krieg noch zwei, drei oder gar fünf Jahre dauert? Wie will die Führung die­je­ni­gen in der Armee halten, die vom ersten Tag an kämpfen, und die­je­ni­gen in die Armee holen, die noch nicht dienen? […]

Wir führen Krieg in der Erwar­tung, dass die rus­si­sche Wirt­schaft zusam­men­bricht. Moskau führt Krieg in der Erwar­tung, dass uns die Sol­da­ten aus­ge­hen. Der Unter­schied ist nur, dass der Kreml viel leich­ter unpo­pu­läre Ent­schei­dung treffen kann, weil die rus­si­sche Führung es sich leisten kann, sich nicht von Wahlen ablen­ken zu lassen. Die ukrai­ni­sche Führung hin­ge­gen kann sich kei­nes­falls [das Gegen­teil] leisten: sich von Wahlen ablen­ken zu lassen. Unser Feind hat einen Plan für morgen. Unklar ist, ob wir einen haben.”

„Es gibt kein Zurück zum Zustand vor dem Krieg“

Oberst Ihor Obo­lien­skyi warnt auf NV, wer sich heute vor dem Mili­tär­dienst drücke, stehe morgen außer­halb der Gesellschaft:

„Für viele Men­schen im Hin­ter­land gilt jemand, der in der Armee dient, als Ver­sa­ger; als einer, der einfach Pech gehabt hat. Wer sich aus­bil­den lässt oder sich auf den Krieg vor­be­rei­tet, wird als jemand ange­se­hen, der in den Tod geht. Als erfolg­reich gilt, wer aus­ge­mus­tert wird oder sich ver­steckt. Erstar­ren oder Weg­lau­fen – etwas anderes zählt nicht als Selbsterhaltungsinstinkt.

Doch erstens ist ohne Ent­schlos­sen­heit und Handeln kein Sieg möglich. Für Gesell­schaft und Staat bedeu­ten das Erstar­ren oder die Flucht vor der Mobi­li­sie­rung […] das­selbe wie das Erstar­ren oder die Flucht eines Men­schen im Schüt­zen­gra­ben. Die Russen werden kommen, zuerst den Staat zer­stö­ren und dann Mil­lio­nen von Men­schen töten, ver­ge­wal­ti­gen oder ein­sper­ren. Wenn man hin­ge­gen die Erfah­rung macht, was nötig ist, um im Kampf um den Staat das eigene Leben zu retten, ent­wi­ckelt sich ein Instinkt für den Erhalt des Landes. Dann nimmt man den Staat, seinen Wert und die in ihm getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen ganz anders wahr.

Zwei­tens ist die Erfah­rung des Krieges Teil unserer Evo­lu­tion. Wer sie ver­mei­det, bleibt in einer Welt zurück, die es nicht mehr gibt. […] zum Zustand ‚vor dem Krieg‘ zurück­zu­keh­ren, ist unmöglich.

Die­je­ni­gen, die Erfah­run­gen im Krieg machen, werden – trotz ihrer Trau­mata – zur nächs­ten, wider­stands­fä­hi­ge­ren Gene­ra­tion von Ukrainer:innen. Dazu gehören nicht nur die­je­ni­gen, die selbst kämpfen, sondern auch ihre Fami­lien; Men­schen, die ihre Nächs­ten ver­lo­ren haben und alle, die Ver­wun­dete behan­deln […] und die so nah wie möglich am Schlacht­feld sind.“

Lang­ersehn­ter Kinostart

Mit You Are the Uni­verse kommt ein ukrai­ni­scher Science-Fiction-Film in die Kinos, der fast zehn Jahre in Arbeit war. Regis­seur Pavlo Ost­ri­kov musste die Pro­duk­tion seines ersten Lang­films erst wegen der Pan­de­mie, dann wegen des Krieges mehr­fach unter­bre­chen. 2024 wurde der Film schließ­lich fer­tig­ge­stellt und zuletzt auf meh­re­ren Fes­ti­vals aus­ge­zeich­net. Ukrai­ni­sche Medien kom­men­tie­ren den lang­ersehn­ten Kinostart.

„Eine nahezu unmög­li­che Begegnung“

LB fasst die Hand­lung und Ost­ri­kovs Ansatz zusammen:

„150 Jahre sind ver­gan­gen, seit das erste Kern­kraft­werk in Betrieb genom­men wurde. Im luft­lee­ren Raum treibt das Raum­schiff Obrii 2, gesteu­ert von Andrii Melnyk (Volo­dymyr Krav­chuk). Er soll Atom­müll, von dem es auf der Erde zu viel gibt […], zum Jupi­ter­mond Kal­listo bringen. Andrii hat Ärger bei der Arbeit, strei­tet mit seinem Chef und dem Bord­ro­bo­ter – doch all das ver­blasst ange­sichts der eigent­li­chen Kata­stro­phe: Die Erde explo­diert […] aus men­schen­ge­mach­ten Gründen und Melnyk bleibt als letzter Mensch im Uni­ver­sum zurück. Plötz­lich meldet sich eine Fran­zö­sin namens Cathe­rine, die auf ihrem Schiff in der Nähe des Saturn über­lebt hat. Von nun an wird für die beiden eine nahezu unmög­li­che Begeg­nung zum Sinn des Lebens. [...]

Ost­ri­kov macht keinen Hehl aus dem Ein­fluss von [Stanley] Kubricks 2001: Odyssee im Welt­raum – in einer Szene zitiert er den Film sogar direkt. Das ist jedoch kein Nach­ah­men, sondern eher eine Tra­ves­tie, ähnlich wie [Ivan] Kot­li­arevs­kyis Enejida [die als erstes voll­stän­di­ges lite­ra­ri­sches Werk in moder­nem Ukrai­nisch gilt – Anm. d. Red.] im Ver­gleich zu Vergils Aeneis.“

Sie sehen gerade einen Platz­hal­ter­in­halt von YouTube. Um auf den eigent­li­chen Inhalt zuzu­grei­fen, klicken Sie auf die Schalt­flä­che unten. Bitte beach­ten Sie, dass dabei Daten an Dritt­an­bie­ter wei­ter­ge­ge­ben werden.

Mehr Infor­ma­tio­nen

„Gerade die Unvoll­kom­men­heit hilft uns, an diese Rea­li­tät zu glauben“

Die Ukra­jinska Prawda fragte Ost­ri­kov im Inter­view, wie es ihm gelun­gen sei, seinen Science-Fiction-Film so rea­lis­tisch wirken zu lassen:

„Jemand hat einmal zu mir gesagt: Damit das Fan­tas­ti­sche rea­lis­tisch wirkt, darf es nicht perfekt sein. Nicht nur der Held, sondern alles, was wir sehen, muss irgend­ei­nen Makel haben. So ist es auch mit unserem Raum­schiff – es zer­fällt. Der Held ist weder beson­ders sym­pa­thisch noch beson­ders klug. Und trotz­dem nehmen wir all das ernst. Gerade die Unvoll­kom­men­heit hilft uns, in diese Rea­li­tät einzutauchen.“

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Ukrai­ni­sche Medien

Die Online-Zeitung Ukra­jinska Prawda ver­öf­fent­licht als regie­rungs­kri­ti­sches Medium inves­ti­ga­tive Artikel und deckte auch Kor­rup­ti­ons­fälle inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung auf. Sie zählt zu den meist­ge­nutz­ten Nach­rich­ten­por­ta­len der Ukraine.

Die Ukra­jinska Prawda wurde im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse gegrün­det, der im dar­auf­fol­gen­den Jahr – angeb­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma – ermor­det wurde. Die heutige Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment-Manage­ment-Gesell­schaft, die vom tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gelei­tet wird.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 69,6 Millionen

Das Online-Nach­rich­ten­por­tal und ‑Fern­se­hen Hro­madske finan­ziert sich über Crowd­fun­ding bei seinen Lese­rin­nen und Lesern, Spenden, Werbung und über für andere Medien auf­ge­nom­mene Videos.

Hro­madske wurde als NGO mit dazu­ge­hö­ri­gen Online-Medien im Novem­ber 2013 mit Beginn des Euro­mai­dan gegrün­det. Die jetzige Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Jewhe­nija Motorewska, die sich zuvor mit dem Thema Kor­rup­tion in ukrai­ni­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den befasst hat.

Die Wei­ter­ent­wick­lung von Hro­madske wird von einem Vor­stand vor­an­ge­trie­ben, der aus sieben pro­mi­nen­ten ukrai­ni­schen Per­sön­lich­kei­ten besteht, dar­un­ter Nobel­preis­trä­ge­rin Olek­san­dra Matwijtschuk.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2,8 Millionen

Der ukrai­ni­sche Fern­seh­sen­der mit Online-Nach­rich­ten­por­tal, dessen Chef­re­dak­teu­rin die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Chry­styna Hawryl­juk ist, wird finan­zi­ell von der ukrai­ni­schen Regie­rung unter­stützt. In diesem Zusam­men­hang hat sich die Website einer aus­ge­wo­ge­nen Bericht­erstat­tung verpflichtet.

Das renom­mierte Insti­tute of Mass Infor­ma­tion führte Suspilne.Novyny im Sep­tem­ber 2021 auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten.

Suspilne.Novyny wurde im Dezem­ber 2019 gegrün­det und gehört zur Natio­na­len öffent­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft der Ukraine. Im Januar 2015 war die zuvor staat­li­che Rund­funk­an­stalt ent­spre­chend euro­päi­schen Stan­dards in eine öffent­li­che Rund­funk­ge­sell­schaft umge­wan­delt worden.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 7,4 Millionen

NV ist eine Print- und Online-Zeit­schrift, deren Schwer­punkt auf Nach­rich­ten aus dem Ausland und der ukrai­ni­schen Politik liegt. Zu den Haupt­the­men zählen die inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung der Ukraine, Kor­rup­tion sowie die künf­tige Ent­wick­lung des Landes. Die Online-Ausgabe ver­öf­fent­lich oft Artikel renom­mier­ter aus­län­di­scher Medien wie The Eco­no­mist, The New York Times, BBC und Deut­sche Welle. Die Zeit­schrift erscheint frei­tags als Druck­aus­gabe auf Ukrai­nisch, die Website ist auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch ver­füg­bar. NV gilt als eine der zuver­läs­sigs­ten Nach­rich­ten­quel­len in der Ukraine.

NV wurde im Jahr 2014 – ursprüng­lich unter dem Namen Nowjoe Wremja („Die neue Zeit“) – vom ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Witalij Sytsch gegrün­det, der die Chef­re­dak­tion über­nahm. Zuvor arbei­tete Sytsch bei dem eben­falls popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er verließ Kor­re­spon­dent, nachdem es an Serhij Kur­tschenko – einen Janu­ko­wytsch nahe­ste­hen­den Olig­ar­chen aus Charkiw – ver­kauft worden war. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, dessen Eigen­tü­mer der tsche­chi­sche Unter­neh­mer Tomáš Fiala ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 27,1 Millionen

Dser­kalo Tyschnja liefert Hin­ter­grund­be­richte und Ana­ly­sen; das The­men­spek­trum umfasst poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, soziale und kul­tu­relle Themen. Die Zeitung betrach­tet die ukrai­ni­sche Politik und deren Akteure in einem inter­na­tio­na­len Zusam­men­hang. Dser­kalo Tyschnja steht auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sige Infor­ma­tio­nen liefern.

Dser­kalo Tyschnja ist eine der ältes­ten ukrai­ni­schen Zei­tun­gen und erschien zuerst 1994. Seit 2020 ist die Zeitung nur noch online ver­füg­bar: auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Mostowa, Ehefrau des ehe­ma­li­gen ukrai­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters Ana­to­lij Hrysenko.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 4,7 Millionen

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel wurde im Sep­tem­ber 2018 gegrün­det. Das The­men­spek­trum umfasst soziale und poli­ti­sche Themen; beson­de­res Augen­merk gilt aber auch Nach­rich­ten aus der Wis­sen­schaft und über neue Technologien.

Nach dem 24. Februar 2022 wurde die zuvor eben­falls ange­bo­tene rus­si­sche Version der Website geschlos­sen. Statt­des­sen wird nun eine eng­li­sche Version ange­bo­ten. Babel finan­ziert sich über Spenden. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter von Babel enga­gie­ren sich in zahl­rei­chen Pro­jek­ten, die darauf abzie­len, die ukrai­ni­schen Streit­kräfte während des Krieges zu unterstützen.

Die Eigen­tü­mer des Online-Maga­zins sind der erste Chef­re­dak­teur Hlib Husjew, Kateryna Kober­nyk und das slo­wa­ki­sche Unter­neh­men IG GmbH.

Heute ist die ukrai­ni­sche Jour­na­listin Kateryna Kober­nyk Chef­re­dak­teurin von Babel.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 1,1 Millionen

Das Online-Magazin LB gehört zum Hor­schenin-Insti­tut, einer ukrai­ni­schen Denk­fa­brik, die sich mit poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Pro­zes­sen in der Ukraine und der Welt beschäf­tigt. LB hat sich auf Inter­views spe­zia­li­siert; häufige Themen sind die ukrai­ni­sche Innen- und inter­na­tio­nale Politik sowie soziale Fragen in der Ukraine.

LB wurde im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh gegrün­det, Chef­re­dak­teu­rin Sonja Kosch­kina hat seit 2018 einen eigenen Youtube-Kanal „Kish­kiNA“, auf dem sie Inter­views mit ver­schie­de­nen Per­so­nen veröffentlicht.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2 Millionen

Im Fokus des ukrai­ni­schen im Jahr 2000 gegrün­de­ten Online-Nach­rich­ten­por­tals LIGA stehen wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und soziale Themen. Seit 2020 steht LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die stets präzise Infor­ma­tio­nen und zuver­läs­sige Nach­rich­ten anbieten.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Bankowa, die davor eine lei­tende Posi­tion bei dem Online-Magazin Hro­madske hatte.

Der Eigen­tü­mer des Nach­rich­ten­por­tals ist die ukrai­ni­sche unab­hän­gige Media­hol­ding Liga­me­dia, deren Geschäfts­füh­rer Dmytro Bon­da­renko ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 8,5 Millionen

Censor prä­sen­tiert sich als Website mit „emo­tio­na­len Nach­rich­ten“. Der Fokus liegt vor allem auf innen­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen. Seit dem rus­si­schen Über­fall auf die Ukraine sind viele Bei­träge den Ereig­nis­sen an der Front und den ukrai­ni­schen Streit­kräf­ten gewid­met. Censor ist auf drei Spra­chen ver­füg­bar: Ukrai­nisch, Rus­sisch und Englisch.

Das Nach­rich­ten­por­tal Censor wurde 2004 vom bekann­ten ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Jurij Butusow gegrün­det und zählt zu den popu­lärs­ten Nach­rich­ten­sei­ten des Landes. Butusow gilt als schar­fer Kri­ti­ker von Prä­si­dent Selen­skyj. Er erhebt schwere Vor­würfe in Bezug auf Kor­rup­tion inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung, schlechte Vor­be­rei­tung auf den Krieg gegen Russ­land und unbe­frie­di­gende Ver­wal­tung der Armee. Butusow wird von über 400.000 Men­schen auf Face­book gelesen. Seine Posts auf dem sozia­len Netz­werk haben enormen Ein­fluss und lösen hitzige Dis­kus­sio­nen aus.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 59 Millionen

News­let­ter bestellen

Tragen Sie sich in unseren News­let­ter ein und bleiben Sie auf dem Laufenden.

Mit unseren Daten­schutz­be­stim­mun­gen erklä­ren Sie sich einverstanden.