„Es kam mir nie in den Sinn, nicht an die Front zurückzukehren”

Presseschau 19. März bis 1. April 2025: Reha-Notstand: Lässt der Staat Verletzte und Versehrte im Stich? +++ Korruption in Kyjiw: Haupttäter entgehen der Verfolgung +++ PEN-Eklat um Sexismus und Meinungsfreiheit
Reha-Notstand: Lässt der Staat Verletzte und Versehrte im Stich?
Hunderttausende Ukrainerinnen und Ukrainer sind während der Kämpfe oder durch russische Raketenangriffe verletzt worden und benötigen medizinische, psychologische und soziale Rehabilitation. Doch der wachsende Bedarf trifft auf einen Staat, der weder strukturell noch personell darauf vorbereitet ist. Ukrainische Medien berichten ausführlich über die Defizite.
„Intransparente Prozesse mit viel Raum für Missbrauch”
Einen Großteil der Reha-Bürokratie verursachen die sozialmedizinischen Gutachterkommissionen, die den Status von Verwundeten festlegen. Sie bilden ein landesweites Netzwerk, arbeiten aber oft langsam und intransparent und müssten dringend reformiert werden. Ukrajinska Prawda berichtet über die Missstände im System:
„Bereits 2021 hat die Nationale Agentur für Korruptionsprävention in einer Studie zehn zentrale Korruptionsrisiken bei der Feststellung von Behinderungen identifiziert.
In den vergangenen drei Jahren hat sich die Situation nicht verbessert. Eine Folgestudie aus dem Jahr 2024 bestätigt, dass es sich nach wie vor um ein geschlossenes System handelt, in dem viel vom Faktor Mensch abhängt und das von [fragwürdigen] Verfahren durchsetzt ist. [...]
Eines der größten Probleme ist [...] die fehlende Kontrolle [...] bei der Anerkennung von Behinderungen. Entscheidungen wurden auf intransparente Weise getroffen, was viel Raum für Missbrauch lässt.
So verlangten in Kyjiw eine Ärztin und ihr Komplize im Militär von einem verwundeten Veteranen 5.000 US-Dollar für die ‚garantierte‘ Einstufung in eine Behindertengruppe. Und in Transkarpatien wurde ein Arzt verurteilt, der für 1.000 US-Dollar gefälschte Atteste ausstellte – nicht nur, um der Einberufung zu entgehen, sondern auch, um Sozialleistungen zu erhalten.”
„Es kam mir nie in den Sinn, nicht an die Front zurückzukehren”
Trotz der schwierigen Bedingungen sowie ihrer eigenen Verletzungen versuchen viele verwundete Soldaten, so schnell wie möglich an die Front zurückzukehren. Darüber berichtet Censor im Interview mit dem Leiter einer Drohneneinheit, dessen Kampfname „Kapelan“ lautet:
„‚Als ich verwundet wurde, wusste ich nicht, ob ich überleben würde. [...] In diesem Moment habe ich gespürt, wie es wirklich um unsere Infanterie steht. Sie ist es, die die Hauptlast des Krieges trägt. Es ist verdammt schwer für sie. Und ich habe auch gesehen, wie es im Hinterland aussieht. Meine Stadt hat Rekordeinnahmen im Haushalt. Und wissen Sie, wofür sie ausgegeben wurden? Für Asphalt, wie in meiner Straße, wo es seit 60 Jahren keinen gab, für Pflastersteine, Grünanlagen und Springbrunnen.
Ich dachte daran, wie wir [an der Front] 10, 100 Hrywnja für Drohnen zusammensammelten, wie wir um jede einzelne zitterten, um sie nicht zu verlieren. Und dann das! Ich war unfassbar wütend, weil die Behörden sich keinen Deut um die Soldaten scheren! Du riskierst dein Leben, musst die Mittel auftreiben, um dich und die Jungs zu schützen – und da draußen leben sie in einer völlig abgehobenen Realität.
Deshalb habe ich nicht einmal darüber nachgedacht, nicht an die Front zurückzukehren. Ich wusste, dass ich dort gebraucht werde. [...] Einen Monat, nachdem ich verwundet worden war, standen wir schon in der Nähe von Kursk. Die Jungs haben sich um mich gekümmert und versucht, mich nicht zu sehr zu belasten, denn ich hatte noch Splitter in der Brust. Weiterbehandelt wurde ich dann während der Kämpfe.’”
„Mein Gehirn verstand überhaupt nicht, was da geschah”
Die Ukrajinska Prawda porträtiert den Offizier Volodymyr Saveliev, der bei einer Minenexplosion beide Beine verlor – und nun mit Prothesen mühsam wieder laufen lernt:
„‚Als ich meine Prothesen bekam, war mein erster Gedanke: Wow! Wie groß ich jetzt bin. Und dann kam die endgültige Erkenntnis, dass ich meine Beine verloren hatte‘, sagt Volodymyr ruhig.
Seine ersten Schritte machte er in der Praxis des Orthopädietechnikers. Er versuchte von Anfang an, richtig zu gehen – das Bein unter dem Körper durchzustrecken, statt es über die Seite zu schwingen. Das kostete enorme Kraft.
‚Mein Gehirn verstand überhaupt nicht, was da geschah. Ich merkte, dass ich das Gleichgewicht nicht halten konnte, wurde fast verrückt wegen der Belastung auf meinen Stümpfen. Auch der untere Rücken machte nicht mit, und ich klammerte mich so fest an die Stützgriffe, dass meine Handflächen vor Schmerz brannten. Aber es war trotzdem cool‘, erinnert [er] sich [...] mit einem Hauch von Nostalgie.”
Korruption in Kyjiw: Haupttäter entgehen der Verfolgung
Am 10. März veröffentlichte das bekannte Investigativteam von Bihus.info einen Video-Bericht über mutmaßliche Korruption in der Kyjiwer Stadtverwaltung. Im Mittelpunkt stand der Geschäftsmann Denys Komarnyzkyi. Die Recherche löste eine Welle weiterer Berichte über Misswirtschaft in der Stadtverwaltung aus.
„Grundstücke im Wert von fast 100 Millionen Hrywnja illegal angeeignet”
In einer Folgepublikation legte Bihus.info dar, auf welche Weise Komarnyzkyi systematisch städtische Ressourcen veruntreut haben soll:
„Mehrere Jahre lang haben die ukrainischen Strafverfolgungsbehörden Denys Komarnyzkyi und seine engsten Mitarbeiter in der Stadtverwaltung von Kyjiw abgehört. Dabei stellten sie fest, dass eine Gruppe um Komarnyzkyi in den Jahren 2023/2024 Grundstücke im Wert von fast 100 Millionen Hrywnja [rund 2,2 Millionen Euro] illegal beschlagnahmte und versuchte, sich diese anzueignen.
Den Ermittlungen zufolge verschaffte sich die Gruppe die Grundstücke über das sogenannte Toilettenschema. Dabei wird zunächst eine kleine Immobilie in Kyjiw privatisiert, um anschließend durch einen Beschluss des Kyjiwer Stadtrats eine unverhältnismäßig große Fläche des dazugehörigen Grundstücks zugesprochen zu bekommen. [...]
Aus den Abhörprotokollen geht hervor, dass Abgeordnete des Kyjiwer Stadtrats und Vertreter der Stadtverwaltung dafür eigens ein umfassendes Projekt mit dem Codenamen ‚Handel‘ entwickelten.”
„Der Ukrajinska Prawda ist es gelungen, Komarnyzkyi aufzuspüren”
Die Ukrajinska Prawda hat herausgefunden, dass Denys Komarnyzkyi das Land illegal verlassen hat – und ihn ausfindig gemacht:
„Wahrscheinlich ist Ihnen schon aufgefallen, dass einflussreiche Ukrainer, denen eine Strafe wegen Korruption droht, immer häufiger einfach in den Zug oder ins Auto steigen – und sich im Ausland wiederfinden. In sicherer Distanz zur unausweichlichen Bestrafung beantragen sie dann zügig politisches Asyl – oft ohne jede rechtliche Grundlage. [...]
Natürlich sind es die Strafverfolgungsbehörden und die Gerichte, die einen Schlusspunkt unter dieses Kaleidoskop von Enthüllungen und Anschuldigungen setzen müssen. Das wäre allerdings wesentlich einfacher, wenn die Schlüsselfigur in diesem aufsehenerregenden Fall nicht just in dem Moment untergetaucht wäre, als den anderen Beteiligten die Mitteilung über den Tatverdacht zuging.
Nach Informationen der Ukrajinska Prawda aus Ermittlerkreisen hat das Nationale Antikorruptionsbüro einen Monat lang erhebliche Anstrengungen unternommen, um herauszufinden, ob sich Komarnyzkyi innerhalb der Ukraine vor der Strafverfolgung versteckt – oder ob er sich, einer alten ukrainischen Tradition folgend, über die Grenze ‚verflüchtigt‘ hat. [...]
Der Ukrajinska Prawda hingegen ist es vor einer Woche gelungen, Komarnyzkyi [in Wien] aufzuspüren und damit die Flucht eines weiteren Verdächtigen in einem Korruptionsskandal zu bestätigen. Es ist bereits der 15. Verdächtige, den die ukrainischen Behörden suchen und den wir im Ausland ausfindig machen konnten. Und diese mühsame und wichtige Arbeit geht weiter.”
„Zweimal nach Hinterlegung einer Kaution ins Ausland abgesetzt”
Unterdessen wurde ein weiterer umstrittener Kyjiwer Geschäftsmann, Anatolii Voitsekhovskyi, von Spanien an die Ukraine ausgeliefert. Ihm wird vorgeworfen, in den 2000er Jahren zahlreiche Wohnhäuser ohne Genehmigung gebaut und städtische Beamte bestochen zu haben. Radio Swoboda berichtet über den Fall:
„Die Ermittlungsbehörden untersuchten mehr als hundert Fälle betrügerischer Machenschaften. Firmen, die mit dem Verdächtigen in Verbindung stehen, sollen [...] ohne Genehmigungen Objekte gebaut haben. Viele dieser Gebäude wurden nie fertiggestellt oder in Betrieb genommen.
Der Bauunternehmer war zuvor bereits zweimal festgenommen worden, hatte sich aber jeweils nach Hinterlegung einer Kaution ins Ausland abgesetzt. Er wurde international zur Fahndung ausgeschrieben, später in Spanien aufgespürt und [schließlich] ausgeliefert, so die Polizei.
Der Verdächtige sitzt derzeit in Untersuchungshaft [...] – mit der Möglichkeit, diese gegen eine Kaution in Höhe von 20 Millionen Hrywnja [etwa 440.000 Euro] auszusetzen.
Für die ihm zur Last gelegten Verbrechen droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu zwölf Jahren sowie die Beschlagnahmung seines Vermögens.”
PEN-Eklat um Sexismus und Meinungsfreiheit
Bereits im Februar sorgten zwei Skandale über sexuelle Belästigung in der Ukraine für Aufsehen – der eine betraf einen Universitätsprofessor in Lwiw, der entlassen wurde, der andere einen Theaterdirektor in Kyjiw, der im Amt blieb. Mitten in der Debatte veröffentlichte der bekannte Schriftsteller Jurij Wynnytschuk (73) eine apologetische Kolumne, in der er die Sexualisierung von Frauen in seiner Jugend als ‚normal‘ beschrieb.
Eine Welle der Kritik folgte: Am 7. März stimmte der Vorstand des wichtigsten ukrainischen Schriftstellerverbandes PEN für seinen Ausschluss. Doch kurz darauf entschied die Generalversammlung per Urabstimmung, Wynnytschuk dürfe bleiben. Die umstrittene Entscheidung sorgte für wochenlange Debatten in der Literaturszene.
„Eine Abwertung der Stimmen insbesondere junger Frauen”
Die ukrainische Schriftstellerin und Juristin Larysa Denysenko trat nach der Entscheidung aus dem PEN aus – und begründet ihren Schritt in einem Facebook-Post:
„Der PEN ist sehr sensibel für das, was im Land vorgeht. Er unterstützt [...] Bibliotheken in frontnahen Gebieten, setzt sich für die Gefangenen des Kreml ein, [hält das] Gedenken an gefallene Journalistinnen und Literaten [aufrecht]. Organisiert Festivals, lobt Preise aus und unternimmt zahlreiche Initiativen zur Förderung der ukrainischen Kultur. Sammelt auf Veranstaltungen Spenden für die ukrainischen Streitkräfte – und vieles mehr.
Mein Vorgehen mag egoistisch erscheinen – aber ich lege großen Wert auf meine persönliche Reputation. Ich setze mich für den Schutz der Rechte von Frauen und die Ächtung sexualisierter Gewalt ein.
In der schriftlichen Kommunikation unter den Mitgliedern der Organisation habe ich nicht nur eine inakzeptable Ausdrucksweise erlebt, sondern auch eine Abwertung der Stimmen von Frauen – insbesondere junger Frauen –, eine Demonstration erstaunlicher privilegierter Taubheit, ein Auskosten der eigenen Freiheit, Enthemmtheit, Meinungs- und Redefreiheit bei [gleichzeitiger] Leugnung der Verletzlichkeit und des Schmerzes anderer.
Ich funktioniere anders.”
„Freiheit kann nicht unbegrenzt sein”
Der ukrainische Philosoph, Schriftsteller und PEN-Präsident Volodymyr Yermolenko zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung der Organisation – und entschied sich dennoch, Mitglied zu bleiben. Auf Facebook erklärt er seine Beweggründe:
„Es fällt mir nicht leicht, die Entscheidung der Generalversammlung zu akzeptieren. Die Mehrheit der Vorstandsmitglieder von PEN Ukraine – darunter auch ich als Präsident – hatte anders entschieden. Doch PEN ist eine demokratische Gemeinschaft und die Beschlüsse der Generalversammlung haben größeres Gewicht als die des Vorstands. Auch wenn ich im Herzen ein individualistischer Philosoph bin, hat für mich in den letzten Jahren der Wert von Gemeinschaften stark zugenommen. Denn die Ukraine besteht aus Gemeinschaften – und je mehr davon es gibt, desto besser.
Wie in jeder Gemeinschaft kann es auch innerhalb von PEN unterschiedliche Wertvorstellungen geben. [...] Für einen großen Teil der PEN-Gemeinschaft ist die kreative Freiheit der höchste Wert – deshalb dürfe man einen Schriftsteller unter keinen Umständen ausschließen. Und das ist nachvollziehbar: Es ist einer der Grundwerte von PEN International. Genau dieser Wert war und ist das zentrale Gegengewicht zu autoritären und totalitären Gesellschaftsmodellen, gegen die sich die internationale PEN-Bewegung immer gestellt hat.
Für einen anderen Teil der Gemeinschaft, zu dem auch ich gehöre, ist Freiheit zweifellos einer der zentralen Werte – aber sie kann nicht unbegrenzt sein. Denn unbegrenzte Freiheit läuft Gefahr, die Grenzen anderer Menschen zu verletzen. Und in unserer heutigen Zeit, in der die Sensibilität für den Schmerz anderer besonders ausgeprägt ist, dürfen wir das nicht ignorieren.”
Ukrainische Medien
Die Online-Zeitung Ukrajinska Prawda veröffentlicht als regierungskritisches Medium investigative Artikel und deckte auch Korruptionsfälle innerhalb der ukrainischen Regierung auf. Sie zählt zu den meistgenutzten Nachrichtenportalen der Ukraine.
Die Ukrajinska Prawda wurde im Jahr 2000 vom ukrainisch-georgischen Journalisten Heorhij Gongadse gegründet, der im darauffolgenden Jahr – angeblich auf Veranlassung des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma – ermordet wurde. Die heutige Chefredakteurin ist die bekannte ukrainisch-krimtatarische Journalistin Sevgil Musaieva.
Im Mai 2021 verkaufte die damalige Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrainische Investment-Management-Gesellschaft, die vom tschechischen Unternehmer Tomáš Fiala geleitet wird.
Aufrufe der Website im Mai 2023: 69,6 Millionen
Das Online-Nachrichtenportal und ‑Fernsehen Hromadske finanziert sich über Crowdfunding bei seinen Leserinnen und Lesern, Spenden, Werbung und über für andere Medien aufgenommene Videos.
Hromadske wurde als NGO mit dazugehörigen Online-Medien im November 2013 mit Beginn des Euromaidan gegründet. Die jetzige Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Jewhenija Motorewska, die sich zuvor mit dem Thema Korruption in ukrainischen Strafverfolgungsbehörden befasst hat.
Die Weiterentwicklung von Hromadske wird von einem Vorstand vorangetrieben, der aus sieben prominenten ukrainischen Persönlichkeiten besteht, darunter Nobelpreisträgerin Oleksandra Matwijtschuk.
Aufrufe der Website im Mai 2023: 2,8 Millionen
Der ukrainische Fernsehsender mit Online-Nachrichtenportal, dessen Chefredakteurin die ukrainische Journalistin Chrystyna Hawryljuk ist, wird finanziell von der ukrainischen Regierung unterstützt. In diesem Zusammenhang hat sich die Website einer ausgewogenen Berichterstattung verpflichtet.
Das renommierte Institute of Mass Information führte Suspilne.Novyny im September 2021 auf der sogenannten „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die ein sehr hohes Niveau an zuverlässigen Informationen bieten.
Suspilne.Novyny wurde im Dezember 2019 gegründet und gehört zur Nationalen öffentlichen Rundfunkgesellschaft der Ukraine. Im Januar 2015 war die zuvor staatliche Rundfunkanstalt entsprechend europäischen Standards in eine öffentliche Rundfunkgesellschaft umgewandelt worden.
Aufrufe der Website im Mai 2023: 7,4 Millionen
NV ist eine Print- und Online-Zeitschrift, deren Schwerpunkt auf Nachrichten aus dem Ausland und der ukrainischen Politik liegt. Zu den Hauptthemen zählen die internationale Unterstützung der Ukraine, Korruption sowie die künftige Entwicklung des Landes. Die Online-Ausgabe veröffentlich oft Artikel renommierter ausländischer Medien wie The Economist, The New York Times, BBC und Deutsche Welle. Die Zeitschrift erscheint freitags als Druckausgabe auf Ukrainisch, die Website ist auf Ukrainisch, Russisch und Englisch verfügbar. NV gilt als eine der zuverlässigsten Nachrichtenquellen in der Ukraine.
NV wurde im Jahr 2014 – ursprünglich unter dem Namen Nowjoe Wremja („Die neue Zeit“) – vom ukrainischen Journalisten Witalij Sytsch gegründet, der die Chefredaktion übernahm. Zuvor arbeitete Sytsch bei dem ebenfalls populären Magazin Korrespondent. Er verließ Korrespondent, nachdem es an Serhij Kurtschenko – einen Janukowytsch nahestehenden Oligarchen aus Charkiw – verkauft worden war. NV gehört zum Verlagshaus Media-DK, dessen Eigentümer der tschechische Unternehmer Tomáš Fiala ist.
Aufrufe der Website im Mai 2023: 27,1 Millionen
Dserkalo Tyschnja liefert Hintergrundberichte und Analysen; das Themenspektrum umfasst politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Themen. Die Zeitung betrachtet die ukrainische Politik und deren Akteure in einem internationalen Zusammenhang. Dserkalo Tyschnja steht auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die zuverlässige Informationen liefern.
Dserkalo Tyschnja ist eine der ältesten ukrainischen Zeitungen und erschien zuerst 1994. Seit 2020 ist die Zeitung nur noch online verfügbar: auf Ukrainisch, Russisch und Englisch. Chefredakteurin ist die bekannte ukrainische Journalistin Julija Mostowa, Ehefrau des ehemaligen ukrainischen Verteidigungsministers Anatolij Hrysenko.
Aufrufe der Website im Mai 2023: 4,7 Millionen
Das ukrainische Online-Magazin Babel wurde im September 2018 gegründet. Das Themenspektrum umfasst soziale und politische Themen; besonderes Augenmerk gilt aber auch Nachrichten aus der Wissenschaft und über neue Technologien.
Nach dem 24. Februar 2022 wurde die zuvor ebenfalls angebotene russische Version der Website geschlossen. Stattdessen wird nun eine englische Version angeboten. Babel finanziert sich über Spenden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Babel engagieren sich in zahlreichen Projekten, die darauf abzielen, die ukrainischen Streitkräfte während des Krieges zu unterstützen.
Die Eigentümer des Online-Magazins sind der erste Chefredakteur Hlib Husjew, Kateryna Kobernyk und das slowakische Unternehmen IG GmbH.
Heute ist die ukrainische Journalistin Kateryna Kobernyk Chefredakteurin von Babel.
Aufrufe der Website im Mai 2023: 1,1 Millionen
Das Online-Magazin LB gehört zum Horschenin-Institut, einer ukrainischen Denkfabrik, die sich mit politischen und gesellschaftlichen Prozessen in der Ukraine und der Welt beschäftigt. LB hat sich auf Interviews spezialisiert; häufige Themen sind die ukrainische Innen- und internationale Politik sowie soziale Fragen in der Ukraine.
LB wurde im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh gegründet, Chefredakteurin Sonja Koschkina hat seit 2018 einen eigenen Youtube-Kanal „KishkiNA“, auf dem sie Interviews mit verschiedenen Personen veröffentlicht.
Aufrufe der Website im Mai 2023: 2 Millionen
Im Fokus des ukrainischen im Jahr 2000 gegründeten Online-Nachrichtenportals LIGA stehen wirtschaftliche, politische und soziale Themen. Seit 2020 steht LIGA auf der „weißen Liste“ ukrainischer Medien, die stets präzise Informationen und zuverlässige Nachrichten anbieten.
Chefredakteurin ist die ukrainische Journalistin Julija Bankowa, die davor eine leitende Position bei dem Online-Magazin Hromadske hatte.
Der Eigentümer des Nachrichtenportals ist die ukrainische unabhängige Mediaholding Ligamedia, deren Geschäftsführer Dmytro Bondarenko ist.
Aufrufe der Website im Mai 2023: 8,5 Millionen
Censor präsentiert sich als Website mit „emotionalen Nachrichten“. Der Fokus liegt vor allem auf innenpolitischen Entwicklungen. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine sind viele Beiträge den Ereignissen an der Front und den ukrainischen Streitkräften gewidmet. Censor ist auf drei Sprachen verfügbar: Ukrainisch, Russisch und Englisch.
Das Nachrichtenportal Censor wurde 2004 vom bekannten ukrainischen Journalisten Jurij Butusow gegründet und zählt zu den populärsten Nachrichtenseiten des Landes. Butusow gilt als scharfer Kritiker von Präsident Selenskyj. Er erhebt schwere Vorwürfe in Bezug auf Korruption innerhalb der ukrainischen Regierung, schlechte Vorbereitung auf den Krieg gegen Russland und unbefriedigende Verwaltung der Armee. Butusow wird von über 400.000 Menschen auf Facebook gelesen. Seine Posts auf dem sozialen Netzwerk haben enormen Einfluss und lösen hitzige Diskussionen aus.
Aufrufe der Website im Mai 2023: 59 Millionen
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