„Das Jahr der Wahrheit“

Die ukrainische Flagge neben dem Zentralmarkt in Kostiantynivka
Foto: IMAGO /​ Anadolu Agency

Pres­se­schau ukrai­ni­scher Medien | 24. Dezem­ber 2025 bis 6. Januar 2026:
Selen­skyjs große Neujahrsrochade
„Frie­dens­ver­hand­lun­gen“: Wann fliegt Russ­lands Bluff auf?
Nüch­ter­ner Jah­res­rück­blick 2025

Selen­skyjs große Neujahrsrochade

In den ersten Janu­ar­ta­gen leitete Prä­si­dent Wolo­dymyr Selen­skyj eine weit­rei­chende Umbe­set­zung an der Staats­spitze ein. Im Zentrum steht die Neu­be­set­zung des Prä­si­di­al­amts: Der frühere Geheim­dienst­chef Kyrylo Budanow folgt auf Andrij Jermak. Er gilt als macht­be­wusst und poli­tisch ehr­gei­zig. Desi­gnier­ter Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter ist Mycha­jlo Fedorow – der Kopf hinter der inno­va­ti­ven Ver­wal­tungs-App Diia und dem erfolg­rei­chen Digi­tal­mi­nis­te­rium. Über­ra­schend wurde auch der Leiter des Inlands­ge­heim­diens­tes SBU aus­ge­tauscht. Ukrai­ni­sche Medien dis­ku­tie­ren die Signal­wir­kung von Selen­skyjs großer Neujahrsrochade.

„Budanow hat direkte Kon­takte zu den Russen“

Die Ukra­jinska Prawda sieht den ent­schei­den­den Grund für die Wahl Bud­anows zum Leiter der Prä­si­di­al­ver­wal­tung in seiner bes­se­ren Ver­hand­lungs­po­si­tion gegen­über den USA:

„Aus Sicht der US-Ame­ri­ka­ner hat Budanow zwei große Vor­teile. Erstens verfügt er über einen rea­lis­ti­schen Blick auf die Lage im Krieg, sodass man mit ihm ange­mes­sene Ver­hand­lun­gen führen kann. Zwei­tens ist er nicht in die auf­se­hen­er­re­gen­den Kor­rup­ti­ons­skan­dale der jüngs­ten Zeit ver­wi­ckelt, sodass seinen guten Ruf nicht ver­liert, wer mit ihm verhandelt.

Darüber hinaus ist Budanow so gut wie der Einzige im Land, der über direkte Arbeits­kon­takte zu den Russen verfügt. Er hat mit ihnen den Aus­tausch von Gefan­ge­nen ver­han­delt und […] während der jüngs­ten diplo­ma­ti­schen Bemü­hun­gen der neuen US-Regie­rung in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten Gesprä­che unter vier Augen [mit ein­zel­nen rus­si­schen Diplo­ma­ten] geführt.

Die Stär­kung der Ver­hand­lungs­gruppe und die ‚Dezen­tra­li­sie­rung‘ der Kon­takte mit den US-Ame­ri­ka­nern dürften die wich­tigs­ten Ver­än­de­run­gen sein, die Bud­anows Ernen­nung mit sich bringt.

Seine [künf­tige] Rolle in der Außen­po­li­tik war […] für den Leiter des Prä­si­di­al­amts einer der Haupt­gründe, der neuen Posi­tion zuzu­stim­men. […] er wird auf ukrai­ni­scher Seite die Ver­hand­lun­gen über ein Ende des Krieges, über Garan­tien seitens der USA und ihrer Partner und über weitere sicher­heits­po­li­ti­sche Fragen leiten.“

„Geheim­dienst­chef hätte vor Kor­rup­ti­ons­af­färe warnen müssen”

Liga berich­tet über die über­ra­schende Abbe­ru­fung des aner­kann­ten SBU-Chefs Wassyl Maljuk, der für geheime Mili­tär­ak­tio­nen wie „Spin­nen­netz“ und Ope­ra­tio­nen gegen die rus­si­sche Schwarz­meer­flotte bekannt war:

„Obwohl Gerüchte über Maljuks Rück­tritt bereits eine Woche vor Neujahr auf­ka­men, war man beim SBU bis zum 5. Januar davon über­zeugt, dass jeder andere abge­setzt werden könnte – nur er nicht.

Die Nach­richt über einen mög­li­chen Wechsel an der Spitze des Inlands­ge­heim­diens­tes wurde sowohl inner­halb der Behörde als auch in den Streit­kräf­ten […] negativ aufgenommen.

‚Ich diene seit 2008 beim SBU. Maljuk ist der erste und einzige Leiter, auf den der Dienst stolz sein kann. Das ist jemand, der selbst gegen die Rus­si­sche Föde­ra­tion gekämpft hat und [wei­ter­hin] kämpft: durch unmit­tel­bare Kampf­ein­sätze, durch sein Vor­ge­hen gegen Spione und durch seine per­sön­li­che Auto­ri­tät‘, sagt Roman Kos­tenko, Abge­ord­ne­ter [der Partei] Holos […]. Die Erfolge der Ukraine sowohl im Schwar­zen Meer als auch im rus­si­schen Hin­ter­land seien ‚die Arbeit des Chefs und seines Teams‘, so Kostenko.

Ein Gesprächs­part­ner bestä­tigte gegen­über LIGA, […] Maljuk habe sein Amt nicht frei­wil­lig abge­ge­ben. Der Prä­si­dent habe ihn jedoch über­zeu­gen können. Grund dafür sei der große öffent­li­che Aufruhr rund um [die Kor­rup­ti­ons­af­färe] ‚Min­dit­sch­gate‘ […]. Maljuk hätte […], wenn schon nicht vor dem Leak selbst, dann zumin­dest vor dem Ausmaß des Skan­dals warnen müssen.“

„Es wird enormen Wider­stand geben”

Forbes sieht Mycha­jlo Fedo­rows Wechsel vom Digital- ins Ver­tei­di­gungs­res­sort als fol­ge­rich­tig, weil er die Tech­no­lo­gi­sie­rung der Armee wesent­lich vor­an­ge­trie­ben hat:

„‚Er hat die Vision, die Streit­kräfte mit­hilfe moder­ner Waffen umzu­struk­tu­rie­ren sowie den Mut und die Ent­schlos­sen­heit, dies umzu­set­zen‘, sagt ein ehe­ma­li­ges Mit­glied des Natio­na­len Sicher­heits- und Ver­tei­di­gungs­rats […]. Ihm zufolge hat [der nun abtre­tende Denys] Schmyhal als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter die Lage sta­bi­li­siert, während Fedorow [grund­le­gende] Ver­än­de­run­gen in der Arbeit des Minis­te­ri­ums her­bei­füh­ren könne. [...]

Fedo­rows Haupt­auf­gabe im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium besteht laut [der ehe­ma­li­gen stell­ver­tre­ten­den Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin für Digi­ta­li­sie­rung, Kateryna] Cher­noho­renko darin, die frag­men­tier­ten und unter­schied­lich umge­setz­ten Pro­jekte in den ukrai­ni­schen Streit­kräf­ten zu einem ein­heit­li­chen System zusammenzufügen.

Die Büro­kra­tie zu bekämp­fen und dem Mikro­ma­nage­ment im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium ein Ende zu setzen, werde eine Her­aus­for­de­rung für Fedorow, so das ehe­ma­lige Mit­glied des Natio­na­len Sicher­heits- und Ver­tei­di­gungs­rats. ‚Er ist ein Fremder in diesem System. Es wird enormen Wider­stand geben‘ [...]. [...] Das größte Risiko [...] bestehe darin, dass [Fedorow] das alte System zer­störe, ohne ein neues auf­zu­bauen. [...] ‚Aber wenn es ihm gelingt, das Minis­te­rium zu refor­mie­ren und die Effi­zi­enz der Streit­kräfte zu stei­gern, wird er zum Retter des Landes.‘“

„Frie­dens­ver­hand­lun­gen“: Wann fliegt Russ­lands Bluff auf?

In der Ukraine werden Russ­lands Beteue­run­gen, sich für Frieden ein­zu­set­zen, weithin als gezielte Lügen gewer­tet. Echte Ver­hand­lun­gen, so die ver­brei­tete Ansicht, würden erst begin­nen, wenn Moskau an der Front oder im Inneren in eine spür­bare Krise gerate. Diese Linie ver­tre­ten auch ukrai­ni­sche Regierungsvertreter:innen, die inter­na­tio­nal auf härtere Sank­tio­nen drängen. Ukrai­ni­sche Medien zeigen sich hoff­nungs­voll, dass die Belas­tun­gen der Kriegs­wirt­schaft für den Aggres­sor 2026 noch einmal wesent­lich spür­ba­rer werden.

„Die Ver­letzt­lich­keit des Kreml ist deut­lich geworden“

In einer umfas­sen­den Pro­gnose für Liga ana­ly­sie­ren die Exper­ten Valen­tyn Badrak (Direk­tor des Zen­trums für Armee‑, Kon­ver­si­ons- und Abrüs­tungs­stu­dien) und Volo­dymyr Hor­bu­lin (Vize­prä­si­dent der Natio­na­len Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten) die Aus­sich­ten auf einen – nicht nur – wirt­schaft­li­chen Zusam­men­bruch Russ­lands im Jahr 2026:

„Im Jahr 2025 geriet die rus­si­sche Wirt­schaft zum ersten Mal merk­lich ins Wanken. Und obwohl es noch keine Anzei­chen für eine unmit­tel­bare Gefahr gibt, wurde die Ver­letz­lich­keit des Kreml deut­lich. Dabei geht es nicht nur um Sank­tio­nen, sondern auch um den erheb­li­chen und sys­te­ma­ti­schen Anteil der [ukrai­ni­schen] Ver­tei­di­gungs­kräfte an der Zer­stö­rung der Rus­si­schen Föde­ra­tion. Unter den der­zei­ti­gen Bedin­gun­gen kann die Rus­si­sche Föde­ra­tion den Krieg noch einige Jahre finan­zie­ren, doch wenn der Druck steigt, könnte das schnell schwie­rig werden. [...] chi­ne­si­sche Medien haben damit begon­nen, offen über das Sze­na­rio zu dis­ku­tie­ren, sich nach einem mög­li­chen Zerfall der Rus­si­schen Föde­ra­tion dessen wohl­ha­bende Region [im Fernen Osten] einzuverleiben.“

„Der Feind ist nicht so furcht­ein­flö­ßend, wie er scheint“

Auch Taras Chmut, Leiter der größten ukrai­ni­schen Mili­tär­hilfs­or­ga­ni­sa­tion Come Back Alive, sieht im Inter­view mit der Ukra­jinska Prawda Russ­lands ver­meint­li­che Stärke bröckeln:

„Russ­land ist Welt­meis­ter darin sich auf­zu­plus­tern. Bis 2022 hatten alle Angst vor der rus­si­schen Armee und ihren Waffen. Doch die kleine Ukraine hat gezeigt, dass Russen sehr wohl sterben. Ihre Waffen sind mit­tel­mä­ßig, ihre Aus­rüs­tung fängt Feuer, wird in die Luft gesprengt und explodiert.

Dieser Feind ist nicht so furcht­ein­flö­ßend, wie er scheint.

Russ­land spielt wei­ter­hin die Rolle einer mäch­ti­gen Nation, obwohl es das Land in Wirk­lich­keit genauso schwer hat wie wir. Ich bin mir gar nicht sicher, wer es derzeit schwe­rer hat – wir oder sie. […] Sie sind einfach sehr gut darin sich zu tarnen, die Backen auf­zu­bla­sen und eine Macht vor­zu­täu­schen, die sie gar nicht haben.

[…] Ja, Russ­land ist für Ver­hand­lun­gen. Denn es ist sich dessen bewusst, dass [sonst] […] die Gefahr steigt, diesen Krieg zu ver­lie­ren. Weil die Sank­tio­nen schmer­zen, weil die Ukraine überall zuschlägt, weil es auf dem Schlacht­feld hart ist, weil die Mobi­li­sie­rung zwar noch in pas­sa­blem Tempo läuft, aber von Jahr zu Jahr schwie­ri­ger wird, weil Aus­rüs­tung zer­stört wird – und weil es um ein Viel­fa­ches schwe­rer ist, einen offen­si­ven Angriffs­krieg gegen ein Volk zu führen, das für seine Rechte kämpft.“

„Besser auf die ‚bösen Russen‘ setzen”

Liga denkt offen darüber nach, wie es nach Putins Tod in Russ­land wei­ter­ge­hen könnte und lässt unter anderem den in Russ­land gebo­re­nen Anwalt Ilya Novikov zu Wort kommen:

„Putins Tod allein wird nicht alle Pro­bleme lösen – in Russ­land gibt es etwa 20 Mil­lio­nen Men­schen, die den Krieg aktiv unter­stüt­zen: Sol­da­ten, ihre Fami­lien und die­je­ni­gen, die davon pro­fi­tie­ren. Es wächst eine Gene­ra­tion von Kindern der gefal­le­nen Besat­zer heran, die im Geist der Rache erzogen werden – was den Boden für einen neuen Kon­flikt in zehn bis zwanzig Jahren bereitet.

Die ‚guten Russen‘ in der demo­kra­ti­schen Emi­gra­tion, die sich aus Angst, die Stimmen zukünf­ti­ger Wähler:innen zu ver­lie­ren, nicht zur Rück­gabe der Krim äußern, sind nicht von Nutzen.

Besser ist es, auf die ‚bösen Russen‘ zu setzen – auf regio­nale Eliten und sogar kri­mi­nelle Struk­tu­ren, die eigene Inter­es­sen und Kon­flikte mit Moskau haben. Die Unter­stüt­zung des regio­na­len Sepa­ra­tis­mus wird zum Zerfall Russ­lands in Dut­zende kleiner Staaten führen – das ist die einzige rea­lis­ti­sche Chance, einen neuen großen Krieg zu verhindern.“

Nüch­ter­ner Rück­blick auf das Jahr 2025

Die Jah­res­rück­bli­cke in ukrai­ni­schen Medien sind von einer nüch­ter­nen Erkennt­nis geprägt: 2025 war ein sehr schwe­res Jahr. Zwi­schen Front­ein­brü­chen im Osten, Kor­rup­ti­ons­skan­da­len in Kyjiw und dem zer­mür­ben­den Kriegs­all­tag im ganzen Land fragen Kommentator:innen, welche Lehren sich aus den ver­gan­ge­nen zwölf Kriegs­mo­na­ten ziehen lassen.

„Das Jahr der Wahrheit“

Die Ukra­jinska Prawda resü­miert, 2025 hätten sich die Ukrainer:innen von ihren Illu­sio­nen verabschiedet:

„Im ver­gan­ge­nen Jahr hat die Ukraine fak­tisch aner­kannt, dass das maxi­ma­lis­ti­sche Konzept unseres Sieges in naher Zukunft nicht rea­li­sier­bar ist. Dass Mariu­pol und Berdjansk, Donezk und Luhansk, Sim­fe­ro­pol und Sewas­to­pol noch lange besetzt bleiben werden. Und dass wir derzeit nur das Ein­frie­ren der Kampf­hand­lun­gen zu für Kyjiw mehr oder weniger akzep­ta­blen Bedin­gun­gen errei­chen können.

Außer­dem mussten wir ein­se­hen, dass sich der wich­tigste Partner der Ukraine, Washing­ton, in einen zyni­schen Erpres­ser ver­wan­delt hat, der Moskau gegen­über wohl­ge­son­nen ist. Dass die hei­mi­schen Reser­ven an Stand­fes­tig­keit in diesem Zer­mür­bungs­krieg gerin­ger sind, als wir uns das gewünscht hätten. Und dass inmit­ten des blu­ti­gen Krieges groß ange­legte Kor­rup­ti­ons­netz­werke in der Ukraine flo­rie­ren, an denen hoch­ran­gige Beamte betei­ligt sind.

Das ver­gan­gene Jahr brachte den Ukrainer:innen viele Ent­täu­schun­gen und Leiden. Gleich­zei­tig wurde 2025 für die Ukraine zum Jahr der Wahr­heit. Es war bitter, schmerz­haft und grausam – aber wahr­haf­tig. In den letzten zwölf Monaten hat die Wahr­heit selbst die­je­ni­gen von uns erreicht, die sich lange und sorgsam vor ihr ver­steckt hatten.“

„Wir behan­deln ein­an­der anständiger“

Im Inter­view mit Hro­madske erklärt Yevhen Holo­vakha, Leiter des Insti­tuts für Sozio­lo­gie an der Natio­na­len Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, die Ukrainer:innen würden ein­an­der wieder stärker vertrauen:

„‚Jene Men­schen, die sagen: ‚Man kann anderen nicht trauen‘ oder ‚Die meisten handeln unehr­lich, wenn ihnen das etwas nutzt‘, sind weniger geworden.

Wir behan­deln ein­an­der anstän­di­ger, und es ist klar, warum. Wir leiden: Manche sterben, ver­lie­ren Ange­hö­rige, andere leben 16 Stunden [am Tag] ohne Strom. Das sind natür­lich unter­schied­li­che Dinge, aber psy­cho­lo­gisch ist es eine sehr schwie­rige Situation.

Und die Men­schen ertra­gen das, bleiben mensch­lich dabei. Sie arbei­ten weiter, leben weiter, unter­stüt­zen ein­an­der. Und wie viele Frei­wil­lige gibt es, die ohne Unter­lass der Armee und Bedürf­ti­gen helfen... Die Ukrainer:innen sind [im ver­gan­ge­nen Jahr] besser mit­ein­an­der umge­gan­gen. Sie ver­las­sen sich mehr auf­ein­an­der. Das ist gut.

Ande­rer­seits sind die Men­schen ange­spann­ter. Die Gesund­heit hat sich [bei vielen] ver­schlech­tert, ins­be­son­dere die psy­chi­sche und mentale Gesund­heit. In dieser Hin­sicht leiden wir stark unter dem Krieg.“

Anton Semyz­henko ist Redak­teur der eng­lisch­spra­chi­gen Ausgabe von babel.ua in Kyjiw mit über 15 Jahren Berufs­er­fah­rung als Jour­na­list im ukrai­ni­schen Medienbetrieb.

Chris­tian-Zsolt Varga ist freier Aus­lands­kor­re­spon­dent mit Schwer­punkt Ukraine, Ungarn und Europas Osten und berich­tet für ver­schie­dene euro­päi­sche Medien aus Kyjiw.

Ukrai­ni­sche Medien

Die Online-Zeitung Ukra­jinska Prawda ver­öf­fent­licht als regie­rungs­kri­ti­sches Medium inves­ti­ga­tive Artikel und deckte auch Kor­rup­ti­ons­fälle inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung auf. Sie zählt zu den meist­ge­nutz­ten Nach­rich­ten­por­ta­len der Ukraine.

Die Ukra­jinska Prawda wurde im Jahr 2000 vom ukrai­nisch-geor­gi­schen Jour­na­lis­ten Heorhij Gon­gadse gegrün­det, der im dar­auf­fol­gen­den Jahr – angeb­lich auf Ver­an­las­sung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Leonid Kut­schma – ermor­det wurde. Die heutige Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­nisch-krim­ta­ta­ri­sche Jour­na­lis­tin Sevgil Mus­aieva.

Im Mai 2021 ver­kaufte die dama­lige Eigen­tü­me­rin Olena Prytula 100 Prozent der Anteile an Dragon Capital, eine ukrai­ni­sche Invest­ment-Manage­ment-Gesell­schaft, die vom tsche­chi­schen Unter­neh­mer Tomáš Fiala gelei­tet wird.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 69,6 Millionen

Das Online-Nach­rich­ten­por­tal und ‑Fern­se­hen Hro­madske finan­ziert sich über Crowd­fun­ding bei seinen Lese­rin­nen und Lesern, Spenden, Werbung und über für andere Medien auf­ge­nom­mene Videos.

Hro­madske wurde als NGO mit dazu­ge­hö­ri­gen Online-Medien im Novem­ber 2013 mit Beginn des Euro­mai­dan gegrün­det. Die jetzige Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Jewhe­nija Motorewska, die sich zuvor mit dem Thema Kor­rup­tion in ukrai­ni­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den befasst hat.

Die Wei­ter­ent­wick­lung von Hro­madske wird von einem Vor­stand vor­an­ge­trie­ben, der aus sieben pro­mi­nen­ten ukrai­ni­schen Per­sön­lich­kei­ten besteht, dar­un­ter Nobel­preis­trä­ge­rin Olek­san­dra Matwijtschuk.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2,8 Millionen

Der ukrai­ni­sche Fern­seh­sen­der mit Online-Nach­rich­ten­por­tal, dessen Chef­re­dak­teu­rin die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Chry­styna Hawryl­juk ist, wird finan­zi­ell von der ukrai­ni­schen Regie­rung unter­stützt. In diesem Zusam­men­hang hat sich die Website einer aus­ge­wo­ge­nen Bericht­erstat­tung verpflichtet.

Das renom­mierte Insti­tute of Mass Infor­ma­tion führte Suspilne.Novyny im Sep­tem­ber 2021 auf der soge­nann­ten „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die ein sehr hohes Niveau an zuver­läs­si­gen Infor­ma­tio­nen bieten.

Suspilne.Novyny wurde im Dezem­ber 2019 gegrün­det und gehört zur Natio­na­len öffent­li­chen Rund­funk­ge­sell­schaft der Ukraine. Im Januar 2015 war die zuvor staat­li­che Rund­funk­an­stalt ent­spre­chend euro­päi­schen Stan­dards in eine öffent­li­che Rund­funk­ge­sell­schaft umge­wan­delt worden.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 7,4 Millionen

NV ist eine Print- und Online-Zeit­schrift, deren Schwer­punkt auf Nach­rich­ten aus dem Ausland und der ukrai­ni­schen Politik liegt. Zu den Haupt­the­men zählen die inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung der Ukraine, Kor­rup­tion sowie die künf­tige Ent­wick­lung des Landes. Die Online-Ausgabe ver­öf­fent­lich oft Artikel renom­mier­ter aus­län­di­scher Medien wie The Eco­no­mist, The New York Times, BBC und Deut­sche Welle. Die Zeit­schrift erscheint frei­tags als Druck­aus­gabe auf Ukrai­nisch, die Website ist auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch ver­füg­bar. NV gilt als eine der zuver­läs­sigs­ten Nach­rich­ten­quel­len in der Ukraine.

NV wurde im Jahr 2014 – ursprüng­lich unter dem Namen Nowjoe Wremja („Die neue Zeit“) – vom ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Witalij Sytsch gegrün­det, der die Chef­re­dak­tion über­nahm. Zuvor arbei­tete Sytsch bei dem eben­falls popu­lä­ren Magazin Kor­re­spon­dent. Er verließ Kor­re­spon­dent, nachdem es an Serhij Kur­tschenko – einen Janu­ko­wytsch nahe­ste­hen­den Olig­ar­chen aus Charkiw – ver­kauft worden war. NV gehört zum Ver­lags­haus Media-DK, dessen Eigen­tü­mer der tsche­chi­sche Unter­neh­mer Tomáš Fiala ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 27,1 Millionen

Dser­kalo Tyschnja liefert Hin­ter­grund­be­richte und Ana­ly­sen; das The­men­spek­trum umfasst poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, soziale und kul­tu­relle Themen. Die Zeitung betrach­tet die ukrai­ni­sche Politik und deren Akteure in einem inter­na­tio­na­len Zusam­men­hang. Dser­kalo Tyschnja steht auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die zuver­läs­sige Infor­ma­tio­nen liefern.

Dser­kalo Tyschnja ist eine der ältes­ten ukrai­ni­schen Zei­tun­gen und erschien zuerst 1994. Seit 2020 ist die Zeitung nur noch online ver­füg­bar: auf Ukrai­nisch, Rus­sisch und Eng­lisch. Chef­re­dak­teu­rin ist die bekannte ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Mostowa, Ehefrau des ehe­ma­li­gen ukrai­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters Ana­to­lij Hrysenko.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 4,7 Millionen

Das ukrai­ni­sche Online-Magazin Babel wurde im Sep­tem­ber 2018 gegrün­det. Das The­men­spek­trum umfasst soziale und poli­ti­sche Themen; beson­de­res Augen­merk gilt aber auch Nach­rich­ten aus der Wis­sen­schaft und über neue Technologien.

Nach dem 24. Februar 2022 wurde die zuvor eben­falls ange­bo­tene rus­si­sche Version der Website geschlos­sen. Statt­des­sen wird nun eine eng­li­sche Version ange­bo­ten. Babel finan­ziert sich über Spenden. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter von Babel enga­gie­ren sich in zahl­rei­chen Pro­jek­ten, die darauf abzie­len, die ukrai­ni­schen Streit­kräfte während des Krieges zu unterstützen.

Die Eigen­tü­mer des Online-Maga­zins sind der erste Chef­re­dak­teur Hlib Husjew, Kateryna Kober­nyk und das slo­wa­ki­sche Unter­neh­men IG GmbH.

Heute ist die ukrai­ni­sche Jour­na­listin Kateryna Kober­nyk Chef­re­dak­teurin von Babel.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 1,1 Millionen

Das Online-Magazin LB gehört zum Hor­schenin-Insti­tut, einer ukrai­ni­schen Denk­fa­brik, die sich mit poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Pro­zes­sen in der Ukraine und der Welt beschäf­tigt. LB hat sich auf Inter­views spe­zia­li­siert; häufige Themen sind die ukrai­ni­sche Innen- und inter­na­tio­nale Politik sowie soziale Fragen in der Ukraine.

LB wurde im Juni 2009 unter dem Namen Liwyj Bereh gegrün­det, Chef­re­dak­teu­rin Sonja Kosch­kina hat seit 2018 einen eigenen Youtube-Kanal „Kish­kiNA“, auf dem sie Inter­views mit ver­schie­de­nen Per­so­nen veröffentlicht.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 2 Millionen

Im Fokus des ukrai­ni­schen im Jahr 2000 gegrün­de­ten Online-Nach­rich­ten­por­tals LIGA stehen wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und soziale Themen. Seit 2020 steht LIGA auf der „weißen Liste“ ukrai­ni­scher Medien, die stets präzise Infor­ma­tio­nen und zuver­läs­sige Nach­rich­ten anbieten.

Chef­re­dak­teu­rin ist die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin Julija Bankowa, die davor eine lei­tende Posi­tion bei dem Online-Magazin Hro­madske hatte.

Der Eigen­tü­mer des Nach­rich­ten­por­tals ist die ukrai­ni­sche unab­hän­gige Media­hol­ding Liga­me­dia, deren Geschäfts­füh­rer Dmytro Bon­da­renko ist.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 8,5 Millionen

Censor prä­sen­tiert sich als Website mit „emo­tio­na­len Nach­rich­ten“. Der Fokus liegt vor allem auf innen­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen. Seit dem rus­si­schen Über­fall auf die Ukraine sind viele Bei­träge den Ereig­nis­sen an der Front und den ukrai­ni­schen Streit­kräf­ten gewid­met. Censor ist auf drei Spra­chen ver­füg­bar: Ukrai­nisch, Rus­sisch und Englisch.

Das Nach­rich­ten­por­tal Censor wurde 2004 vom bekann­ten ukrai­ni­schen Jour­na­lis­ten Jurij Butusow gegrün­det und zählt zu den popu­lärs­ten Nach­rich­ten­sei­ten des Landes. Butusow gilt als schar­fer Kri­ti­ker von Prä­si­dent Selen­skyj. Er erhebt schwere Vor­würfe in Bezug auf Kor­rup­tion inner­halb der ukrai­ni­schen Regie­rung, schlechte Vor­be­rei­tung auf den Krieg gegen Russ­land und unbe­frie­di­gende Ver­wal­tung der Armee. Butusow wird von über 400.000 Men­schen auf Face­book gelesen. Seine Posts auf dem sozia­len Netz­werk haben enormen Ein­fluss und lösen hitzige Dis­kus­sio­nen aus.

Aufrufe der Website im Mai 2023: 59 Millionen

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